Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 14-15 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
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Stückchen zvtheilen, alr.Reb^Jtzig auSrief: .Schwa 3»ml, Chomez!')> Entsetzt über diesen Aufschrei ließ Frau Chawe da» Stück fallen, der Bochur, der gerade den ersten Bissen in den Mund schob, wäre beinahe daran erstickt, und alledrängte sich um den entsetzen Bal-boe-, um die Ursache diese» AuSrufeS zu erforschen. „Da sehet, Chomez, ein Weizenkorn ist in der Mazzeloksch", sagte Reb Jtzig. »Waö thun wir'jetzt?" setzte er mit fast weinender Stimme hinzu. Chawe, sowie alle den Vater umgebenden Kinder standen mit zusammengeschlagenen Händen uud betrachteten mit starren Blicken den dunklen Punkt in der reinen Seele der Mazzeloksch. Da trat die Magd ein und wie mit einem Zauberschlage änderte sich die Situation. Frau Chawe sprang, wie von einer Viper gestochen, hervor, stieß den jungen Knaben so unsanft bei Seite, daß er weinend zur Erde fiel und lief einer Furie gleich, eine Flut von Schimpfworten ausstoßend, der Magd entgegen. Die Mago, wie vom Blitze getroffen, stand da wie einst weiland LotS Frau als Salzsäule und wußte nicht wie sie zu dieser Ovation" gelaugte. Endlich, als Frau Chawe ihr ganzes Register von Schimpfnamen hergesagt batte, hielt sie erschöpft inne und Reb Jtzig sagte beruhigend: „Ma Scheowar, owar*), daS Zanken nützt nicht-, jetzt heißt es handeln!" Die christliche Magd, die noch immer keine Ahnung hatte, was eigentlich geschehen sei, fragte nun Reb Jtzig, nach der Ursache des .Spektakels". Dieser erklärte ihr nun, daß durch ihre Unachtsamkeit ein Korn in die Maffe gelangt war. Die Magd fragt« verwundert, warum eine- Körnchens wegen ein solche- Aufhebengemacht werde? Jetzt war die Reihe de- EntsetztseinS auf Seiten Reb Jtzig'-. . WaS, ein Körnchen?" schrie er, .Sie Schlim-ma-lige*), weiß sie denn nicht, daß die- .Houvuia" ist, und die Mazzeloksch sammt allem Geschirr in'» Wasser geworfen werden muß?" DaS wußte die Magd freilich nicht; und auch die HauSftau war von der Rothwendigkeit der Vernichtung alle- Geverrweiftlnd nach einem Ausweg, üm wenigstenihr theuereS Geschirr zu retten. Da legte sich der Bochur in« Mittel und sagte: . Bal-boSSleben, tommer ") machen Sie zurrst eine Scha'le?" ") — Da» war der Strohhalm, an dem sich Chawe klammertt. Ja. gleich geh' zum Rebbe", sagte sie gebietend. Reb Jtzig, der gerne vor .aller Welt" seine Frvmmigkeit documentirtr, war froh, diese Angelegenheit zu'einem Ereigniß erheben zu können, übergab da» oorpu delicti der Magd und eilte, von ihr gefolgt, zum Oberjuristen Rabbi Samuel Landau. Dort angelangt, erzählte Reb Jtzig weitschweifig di« Ursache seine« Kommen«, und wie« auf da» Stück der Mazzeloksch, welche«, auf einem Teller lagernd, von der Magd dem Rabbi hingehalten wurde. Der ehrwürdige Rabbi betrachtete einige Sekunden leichthin die verdächtige Stelle, und erklärte e« dann al» Chomez, und daher oaaar befaaoo«,11) und befahl, deck nicht nur die ganze Mazzeloksch. sondern auch alle« Geschirr. m welchem selbe angesertiget, gebacken und auf welche« jede« Stück gelagert war, in die Moldau geworfen werde« müsse. 9fcac(t- ') Hü» 3«cac{ ') QaaUUUAa ») Haftai IbtfcttaftM tt ■■Uffnt *r ) ,«•» Mdttn, « “1 MisWi gahaat. diesem Anderethun. als Sträuben« feiner Kaum eine halbe Stunde später sah man folgenden Trauerzug au« dem Hause de» Reb Jtzig der Moldau zu sich begeben: Voran die Magd mit einem Korb auf dem Rücken, worin da« diverse Geschirr lag, und in der Hand trug sie eine verdeckt« große Schüssel, als Sarg der zum ErtrmkungStod« verurtheilte» Mazzeloksch Ihr folgte Reb Jtzig, die vier Kinder und der Bochur — al» Leidtragende. Als der Zug am sogenannten .Johannesplatz' in der Nähe der Moldau angrlaugt war trat ihnen der hinkende Jezbera, der sie bereit« aus der Entfernung beobachtet hatte, entgegen. .Wer war dieser Jezb ra?" höre ich fragen. Jezbera war der leibhaftige Ueberau des Prager Ghetto. Er war von Alt uud Jung gekannt und kannte auch Jeden, war Rachtwächttr, Markthelfer, Commffsionär, löschte Freitag Abend m den Synagogen di« Lichter auS, und machtt Samstag, dort wo e« nöthig war, in den Judenhäuftru Feuer an. Durch den jahrelangen, ausschließlichen Berkehr mit Juden kannte er deren Gebräuche und hatte sich ihren üblichen Jargon angewohnt. Dieser Jezbera nm» trat an Reb Jtzig heran und fragte, wohin der Zug zu dieser ungewöhnlichen Zeit sich begebe, wa» die Magd trage u. s. w. Nachdem ihm alle« aufgeklärt wurde, bat er, mau möge ihm da« chomezige Stück der Mazzeloksch zeigen; darauf besah er, gleich dem Rabbi, ein« Weile da« Korn, riß eS dann mit dem Finger au« der Maffe, kratzte daran, begann hell aufznlachen und sagte: „Ihr seid lauter „Amrazna",") da« ist kein Weizenkoru, sondern da- KnöSpchen einer Ruthe." „Du bist eine Beheme,") Jezbera, wenn der Rebbe sagt, e« ist ein Korn, so ist e« ein Korn!" „Und ich sage, e« ist ei« KnöSpchen!" erwiderte erregt Jezbera, setzte aber soglenh ruhig hinzu: „Gehet nur nochmal« zum Rebbe und sagt: Jezbera hat gesagt, es ist kem Chomez." Obwohl Reb Jtzig durch diesen kategorische» AuSsvruch Jezbera'« in dem Vertraue« zur Jufallibrlität de« Rabbi ein wenig wankend wurde, wagte er e« dennoch nicht, da« vermeintliche Korn in die Hand zu nehmen,' »ind auch nicht den Rabbi nochmal« zu belästigen, erst nach wiederholtem Zureden Jezbera'« und de« Bocher«, befahl er seiner Truppe umzukebren, und schritt nun an der Spitze derselbe» dem- Hause de» Rabbi zu; ihnen folgte der hinkende Jezbera» Beim HauSchore angelangt, ließ er Alle warten und ging, da« vermeintliche Korn nehmend, nochmal« zu Rabbi Samuel. Etwa« schüchtern bat Reb Jtzig den Rabbi, ihm mochel") S sein, wenn er wieder störe, und erzählte daun, wa« «genth die Meinung Jezbera'« in dieser Angelegenheit sei. Lachend nahm ihm der Rabbi da« Korn au« der Harck^ drehte e» nach allen Seite«, riß c» auseinander, und nachdem er sich so die Uebeiynmung schaffte, daß «S wirklich cta' Ruchenkörnche» und kein Chomez war, er aber durch! leichthin gefällte Urcheil beinahe einen Justizmord > schuldet hatte,, sagte er zu Reb Jtzig: .ES ist wahr, ich Hab «ich toS" mochel, Reb Jtzig", und setzte dann ft ihr. daS ist die «tmfe. weil ichl-ichtfinnig -rth kommt Jezbera und , seid Hinz«: . ohne g«»a> muß »ei ihr,daSistdie«tmfe, $» untersuchen, da Dajjen") sein." Da nun Alles gerettet war, eilte Reb Zchtg foad seinem ganze» Auhaug zurück, um Frau Chawe, weüh« beret che jontovngeS Gefchwr beweinte, dessen wunderbare f mittatbeilen.