Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 12 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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,D« fctfl «echt Jaukel — «kr mU »eht« km V«ca? nk Mm ffcitun ., . . arte kW er dem tut?* — Jaukel (twtf unwillig: .Gut, sehr «ul. ich dauke «uter- Pstkigst, «kr »«s ist« «it de« Vckde?" .Wie cfllfl Da bist! vir (Soaen ja vorher wie alte ' Fremde plündern.' »Zu viel Shre l «kr ... «kr «ut, den« da« Sprich» -»»rt sagt: Liebe» »ir uns. aber rechueu »tr wie . . .Gut als«, schreite« »ir als« gleich zur Sache. So »iss« km, »ei« Lieber, Du wirst all Detu Geld bi« zum letzte» Heller erhallen." I« Jaukel« Stimme macht sich ei« Mißtraue» bemerk» bar: .vtrkich?" .Natürlich, wie ich e« faar.' ,O. daß der Herrgott dir« de» wohlgeboreve« Herr« sergelte. Da« ist für «ich ei« »ahre« Glück, da« ist meme Aettuog, de»» ich beoitthige s« driogead . . Ich hak er» «ochse«« Müdche« . . mit Sühne« ist schon eine Keiner« Nach, kr J«k giebt sich schon «tuen Rath, akr Müdche«, »a« kürneu di« uateruihm«? Lei «u« ist «ine Fra« «auz U»a« rnkre« wie kt Inch. Ti« jüdische« Müdche» wird «tcht al« «mm« dienen . . »ird nicht i» Felk pflüge«, sie wird nicht zur Erntezeit «it eiaer Schuitterschaar »ach Po« tzale« auf «rbeit ziehe» . . unser Araaenzimmrr muß «tue» chü»slich« Vinkel, einen Morn, nuu und Siuder hoben . . »msa»ehr meine Töchter, inelchk solch einer aageseheue» Jo»ille entstammen." .«ha, ich »eiß, die Enkel irgend ,i»e« Rabbi'«.' .So ist e« . . wein« Vater »ar Rabbtuen md auch ich bi» «icht zum Pächter grschaffm, aber »a«, »«»« Gott e« so habe» wollte." lver Graf trüllert leise irgend eine Operumelodie md Jaukel spricht begeistert »etter: .Mein« Dichter, »ei»e süße« drei Dichter sind «icht »ehr jung, Benha hat kceit« »redmdzwanztg Jahr« . ach, al« «eine Großmutter tu diesem Mter »ar, hatte st« bereit« sech« ' Kinder.' — .Da« ist «tue schüne Freuk . ." — .So, so, »atürltch, da« ist unsere erste Mizwe (Pflicht).. aber e« ist schon die höchst« Zeit, md «tgerlesem Fuuge»« hak ich, daß e« mr ei« v«»kr ist. (va hörte «an «in Schnalze« «it der Zunge.) E« fehlt «tr aber Geld, alle« »a« ich hatte, hat sich der guüdige Herr geltrhe» md «ei« Dichter »arte» ' «rd »arten — di« sie sich mit kr Zeit erwarten werk»." .Mit der Zeit? also »icht schon jetzt?' Da senkte der ' Graf di« Stimme. .Hbre mr Fankel, Du kennst «ich gut." . — .O, ich kenne Sie, mr z« gut." — .«so höre, ich hak . »ich jcft entschlossen, «eine Lebensweise zu Luder», ich »erk sjetzt Geregelt lebe«, weine lugrlegmhette» ordne» md auch ■■ Dir 3mh( werk ich alle«, aber auch alle« bi« ms ei» ' ■9*ia kzahle».' »Und woher »ird kr Herr Graf solch eine milchspeudeuk Kuh bekomme«? vielleicht rinc Helrach? . ." .Oh «ein, ich bi« kein Narr; ich hak aber eine bessere Kuh — die weder Futter »och Pfirge erskden md «icht Milch, sonkru seiltgeu Rah« liefert." — .Ich verstehe «icht * — »Ich werk Abgeordneter.' — ^ch versteh« nicht." — .Ich fahr« nach vir» in« Parlament." — .Ich ' n«rsteh« nicht." — »Ich werk dort sei», »o man große ''Politik macht md »erk »»ehr al« eine« htugeworfene» fette» - Knoche» benagen." — »Ich versteh« nicht, der »ahlgeboreue; Herr spricht zu gelehrt." — .«so hör«. Befaßt D« Dich «it Politik?" — .Ich «it Politik? wo« kSumert di« «ich? Mich lUtrreffirt »a« in Dorfe vorgeht, die Rechnuugcu md Preise. Manchmal erzählt »ir et» Städler, »a« in der x große, velt geschieht, »er und «it »«» mau sich schlügt — dem der Mnrsch ist ja »'«gierig — wie ttzawr ta« Getreide ist, «kt wozu nützt mit «chr?" — Da« ist sehr schlecht.. Du wohnst iw Sank, bist beste» Bidger, Du solltest also str selb«« arbeite»." — »Mit der Politik? Und wer «ir» Frau «ub Kindern zu esse» gebe»?" »Also zur Sache znrückkouuneud — «eiu» Pflichten i«m und auch «ei» Int,«sie erheische» ««, daß ich «ich ms die PoNtsk werfe, «uh da« wird «ir «icht schlecht beko»««. Sied mr Acht — ich bin eiu Abgeordueter, ein einflußreicher Mensch, hak tu wichtigen Sachs» eine Stimme, Verbindung« «it der Regier«»« ... .Aber bas Geld, das Geld — jene» ist ei»e Bagatelle.' »Das ist es eben, daß mir die» zufließe« »ird, »te die Kinder tu Eurer jüdische» Familie." .Also hat der Herr Graf jetzt das Geld «tcht? Das ist eia Uuzlück." .Ader was denkt fih nur Jankel. daß das Geld sa plötzlich «it de« Rege« vom Himmel heruuterfüllt? Langsam, allmählich . .' .Und wozu hat der Herr Graf verlangt, daß ich herkomme? Wozu mich foppen? Habe» Sie noch wenig mei« Blut gesaugt." .Ereifere Dich nicht Jaukrl, sprechen »Ir kühl, wie Geschäftsleute." .Der Herr Graf sagt schon so seit einigen Jahre« und was habe ich davon? Immer «Ur: später uad später, und ich »orte und meine Töchter warten." — .Ich saze Dir, jetzt wird's wirklich ein Enk geben. Du wirst das Geld mit Prozente« zurückbekommeu, «ur jetzt hilf mir noch einmal." .Vas? Noch, Herr Graf? Sie spaßen wohl." — .Nein, Jankelchen, gleb «ur acht. Denn ich Abgeordneter werk, kann ich iu einer Noch« mehr verdienen, al« auf km Lank durch ein ganze« Jahr." — »E, St« «ach« stich über mich lustig." — .Aber da« ist ja eine ganz einfache Sache. Mas . will t« unsere« Bezirke jetzt eine Bahn baue». Ich als Abgeordueter bestrebe mich, daß dieselbe durch unser Dorf geführt werk . . aufgepaßt Jankel, die Bahn kauft unsere Bokugrüuk, weißt Du, «ievtel mau daun für einen Morgen zahle« »ird? Für ku verkauf einiger Greuzmorgeu —' haben wir eine« koloffaleu Schatz! Und dabei — wenn bei ms ein« Bahnstation sei« wird, was für Verkehr wird dam herrschen «ab wteoiel wirft Da verdiene» kömea!" Etutge Mimten herrschte rtnr Stille, als würde Jaukel überleg«. .Und feiner — ich bin ein Abgeordueter, bin Allen uothweadtg. Die Minister deftredcn stch «« «ein« Freundschaft, was Leichteres also, als in einer große» Baak, oder besser i» Ministerium «iaea Postm z« kkommeu . . so ist es, ich werk »ich kr Diplomatie widmen, ich habe seit meiner J^end dafür Neigung md Talent. Dam habe ich eine bedesleuk Peufiou, kzahl« Dir die paar elende« Tan-. senk, befriedig« die Ba»k — athm« «it voller Brust auf, was skr vaunel" Es trat eine Stille et«. Endlich läßt stch Jankels gedämpft« Stimme vernehme«: .Herr Gras . . ich bitte sehr «m Entschädigung . . »ir te»»«» ms nicht . vo» heut« . . wozu diese neuen .Kommödtm"? Sie find wtrkich ein großer Politiker, aber . . ." .vie da»? glaubst Du «ir Jankel nicht?" Und er begaun «in« lauge vewrtsführuug, «it zahle», Daten. Name» und wahrscheinlich auch mit Papieren unterstützt, bis Jaukel schließlich fragte: .Na» gut» aber wozu noch Geld? — ,vozu?" .Du bist posstrltch. Um gewählt z« werde«." — .Ich verstehe nicht." — .E, die Mensche« sind Mensch«, man m»ß zu ihnen mit ««schlichen Argummteu sprechen. Ich hak ei»« Gegner und m»ß ihn rntergrade« uud.ruiuiren— mit Geld. Zur Bollzühliglett fehlte» «tr nach etwas Stimmen» die ich mir kauf« mnß." — .Ich verstehe nicht." Hier kgau» «tue Auseiuankrsetzung »oll Gemeinheit und Lyuismus, daß jedes von die Neroeil des im an» stoßrnk« Zimmercheu auf die Lauer liegenreu Mädchens, zerriß . . jeder Aöruck rnterwühltr einen Fels« in ihrer Seele — k« übrig« Sla«ku und an die velt und m die Mensch«. Sie hörte wie et» Mensch, kr das Gewiss«, dt« Ehre, das Wohl de» Lande«, da« Glück vo» hundert» tauseukn Leut« mißachtet — ein Mensch, der die allergewöhutichst« iüechtschaffeuheit geringschttzr, «it Bestimmtheit kHäuptel, daß ih» die Natirn zum Führer wähl« wird. Und er sprach »on sein« Milardrtteru, von Literaten md