Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 12 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
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duellen mb mtimfai Egoismus entsage», sei» eigene« „Ich*, die eigrue« Geschäfte mb Zwecke von be» össrätliche» Angelegenheiten mterschetbe» mb trara», dem bas Jndtvidn»« ist nur ei» «augelhaftes Judtoidmni mb bi« GesammtheV ft ei« LolleclioKörpcr.' Ich habe da» gewußt. aber fatal« UmstSnbe habe» diese Gefühl« betäubt. Unter tym Eivfluff« dieser schönen Red« diu ich neu aufgelebt! I« fünf Lagen findeu die Wahle« endgültig statt; die Lemberger wäre» riu dumme» Volk, wenn sie diesen Grafen nicht mahle« würde«. 8., den 3. October. Noch immer kein Paste« trab ich »arte uud warte. Ich diu bereit, die allerhärteste« Bedingungen zu acceptire», denn zu den Eltern kann ich nicht zurück. Da» ist meioerseil« keine Hartnäckigkeit. Mich vor ihuen beugen, die >ugeu nicht zu ihnm emporheb«« zu könne», di« Buß« mb Last eine« weitere« Zusammenleben» mit iharn auf «ich zu nehme», wo ich weder tu der alten »ach tu brr neuen Haut existier» könnte, — da» übersteigt meine Kräfte. Aber «er weiß, aas da» Leben mit mir uoch vor hat? Ich bi» wie eia Balle«, werb« vom Schicksal geschleudert, vielleicht falle ich in» Meer, vielleicht verb« ich »ou einem Oceaue versprengt, vielleicht auf eine scharfe Kreuzspitze getragen und vielleicht in irgend ei»e fiiedlkch« Bucht gäeitet. L, de» 4. October. Ich bin in der Stadt, wo die Wahlbewegung i» volle« Gauge ist. viel berumgelanfe« und dabei Hab« ich viel Pstz. chologie gelernt. Ich hatte dt» jetzt gar keiue» Begriff vom Leben. Ei» interessantes Studium bat mir bi« Lectür« der verschiedenen Placate. Mein Gott, wir nicht gut find die Marschen. Was bei eine» Tag. ist bei« andern Nacht, was bei einem weiß, ist beim zweit«» schwarz. E» wäre» »agrheurr, den Grafen preisend« Placate, sie pochte» auf» Herz uud Gewissr« der Bürger der Hauptstadt sie bei der Lieb« zu Gott und Vaterland beschwörend, aur de» Grase», uelchrr der Sprößlrag einer berühmte», allen Familie, mit der große» Welt alliirt sei« soll, und de»halb t» Regiernng»kreis«« §ttnt gesehen wird, zu wähle». Fenier soll er ei» großer Patriot ei» opferraüthiger Mensch, «iu Bürger «ft «nbe»gs»«lru Uedrrzeugrrageu u. s. w. sei», »über« Placate besagte» wieder, daß der Graf ebe« «at et« gewöhnlich^ Graf sei, et» Seiner, miserabler Mensch, der btöher «« de, öffeutltche» Angeftgeuhefteu keine» SnthcU geuommeu hafte rnd deshalb auch rächt vermöge» »ftb, der große« Kufgabe würdig Rechuung zu tragen, dem obwohl ein vorzüglicher Deklamator uud Phrasendrescher, kernt er doch nicht die Verhältnisse mb Bebürfuiffe de» Laube». Dafür lobe» fie irgend eine» Dorlar, der Professor der Ockouowie ist trab im Gtrnde sei« wird, da» finkende Laube zu rette» .•. denn er ist ei» eifriger Demokrat «ab ein großer Gelehrter . . Mittag ging ich wieder durch bi« Hauptstraße» — bit Mor^uplacate wäre» verschwtradeu, »an oc»en, größere», »nt fette» Buchstabe» bedruckte» Ksfiche» beklebt. Dft Roche» schreibe«, baß der Graf ei» Spieler sei, de, ft^ud», im «uslaude ganze Schätze verspielt und »erpraßt habe uud jetzt al» Deputirter di« Löcher zuflickr» «ill; e» ist also augeuscheiulich, daß er «l» charaverloser Mensch, nicht «ur be« Lande weder Nutze, noch Ehre bringe», sonder» e» nur dlamire» und ruinfteu wirb. Für dft Stabt lieg« »at da» Heil iu der Wahl de« Professor». Dft weiße» Placate berichte» wieder, baß der kanbibftenb« Proftffor »ur Lariftre wache» «iS, baß er sei» Lebe», «asbildong und Stell«»» der Part« de» Grafen, »elcher er jetzt untre« wird, z» verdanke» habe, baß er also seine« Wohlthäter» gegenüber eft, Undankbarer sei, und al» solcher wird er fich auch dem Laub« und de» Wählern gegenüber erweisen, ferner hat der Professor a« Ort und Stelle heftige Pflichte«, er «raß auf dem Katheder unterrichten, trab wem er «» auf solche lang« Zeit verwast lassen wirb, wird die Jugend der Vorträge und da» Laub der gebildeten Bürger beraubt sei»; folglich haben dftjeuige», welchen da« Wohl de» Laube» wirklich am Herze» liegt, nur für den Giafeu zu sttaime» . . Gegen tbeab trahm dir Wrhlftabl wieder eine «über« Physiognomie •«. Größere mb greller« Placate mit verschftdenen Stuabftber« «»b Losungsworte« bedeckte» die Mauer«. Dft eine« verkünde», baß der Gras et» ehrloser verräther, Spieler, Verschwender sei, der mft de« thawrstr«, nationale» Interesse» feilscht, brr für eine» Judasgrosche» sein« Stimme und da» vaterla«d de« Feinden verkaufte »ft seinerzeit sei»« Vorfahre«. Dft ander« »ufrufe berichte» wiBer, baß der Professor ei» ewiger Komödiant, ei« Demagog sei und dabei »»» uur miserable» Fähigkeite» — und all« Piakatt beschwöre» dft Wähler bei alle» Heiligthümer», baß e morgen früh wie ein Manu für ihre» Auserkorene» innca, wem fie btn Rat» de« Vaterlandes nicht am Gewisse» habe« wollen . . . Ich la» dir» »lle» mit Interesse, e» amüstrft «ich einigermaßen, aber anderseits «rweckft dft» meine» posfimtfttsche» Skopticlsmus aus seiner Lethargft, der mir zuflüsterte, baß u»r Reklame» rnd Dummheit herrsche«, baß diese Leute, welch« die heiligste» Symbole profantre», nicht um uud mit Grrndsätze» kämpfe«, sondern mft thnr» uulftbsamen Persönltchkefte» — was auch dft Placaft bestätigte». Sie tfts find fie gesunken l ... Ich sah «och interessantere Dinge. >m Riagplatze liefe» verschftbeu« Leute mft Plakate» i« de« Hände», ringsum «ft Asficheu beklebt und bildete» eine lebendig« Reklame.. Wft kam mau uur so dft Menschenwürde mißachte» I Mauchr brückte« de« vorübergeheubea Aufrufe mit Gewalt i» die Ha»b, aus volle« Hals« da« Lob, ihre» Herrn, aber nicht da» der Prinzipftn schreiend. Ei« Lärmen, Renne», Fluche» und Drohe». Auf einer andern Sftlle sah ich wieder» wie sogar unständig geveidete Herr,», ihr« Bekurntr» t» «ine Kueip« zum Zeche» «ft fich zöge». Der Kandidat hilft heute alle Wähler frei, trinke» wir, er zahtt — schreie» fie au» volle» Hals«. Dft Schamlose» l Ich hörft auch »ft einig« Arbeiter auf der Straße mitleidig rnd Hönisch lachte». »Amüfirt euch — sagten fie — wir werbe« schon miteinander abrechneu. War«» seid ihr nur dft Herr«», war»» aar ihr Bürger» war»» könnt ihr Abgeordnete wähle», denke» »nd fär die Oeffentlichkeft thätig sei«, uud wir «lcht? Si»d wir kei»e Mensche«?' Natürlich, war»» das? I» Hoftl erzähtte der Wirth lachend, baß er einige blanke Guldea verdient' habe, indem er seine» Wahlzettrl de» Professor verkauft«. Gott, »et» Gott, gibt c§ den» anßer schädliche» ober gedankenlose» Lhieren, keine» Mensch« aus der «eft? — nr. Am Abend des 4. Ocftbcrs, ins Hotel znrückkehreub, beuterke Klara b« Graf», de» Kan bi bäte». Sft erkaunft ihn vo» de« gesehene« Porträts. Er schaute t«tpo»ire»b aus. aber de« »engirrig gemachte» Mädchen fiel es ans, was er so i» später Abendstunde i» der J«be»gafse zu suche« habe? Ihre Verwunderung stieg, als der Graf ihr »ft Schritt für Schrftt in derselbe« Richtung «achging, dasselbe Hotel betrat, und de» erste» Stock htnanfging. Klara betrat ihr winziges Ztmmerchen, welches »ft i» derartige» Hotel» üblich, vom Nachbarzimmer durch ein« Holzwanb gttranft war. Kmrak hafte sft fich entkleidet, als folgendes Gespräch vo» dem jede Silbe wft dft Spitz« eines Pfeiles tu ihre» Gedächtnisse stecke» blieb, a» ihr Ohr drang. Der Graf. sprach mit einem Jude«, »aS a» der Stimme und am Accent fticht zu erkennen war. „Wie gehts Dft, mein lftbes, gutes Jaukelcheut* »A, um. es geht gut, warum sollft es dem schlecht gehe» P* »Wft gut bist Du Jankel, daß Du auf «eine Vorlab... Einladung gleich gekommen bist." - »Gut ober nicht gut, ich bi» »ach «einem Gelb« gekomme», «ab dazu ist Jeder bereit.'