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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 5 (1890) · p. Seite 18

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
5 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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Sau« hatte Me Gesellschaft ctnifit: Schritte |aräd|(((|t, al« ein Oebringe und Znanlt entfiacden. Kn« dam Eckhaus« stürzte ein nachlässig gekleideter Man», wit zerzaust» Barte und »ild anssetzend, und fich niit seinem Stacke durch die Meuschenmaffe drängend, ries er in tanloser Stianne: „Rein Sind» meine Llara!' — .Was ist denn tat?" ertönten Stimmen und unwillkürlich machten ihm die Leute Platz. Dieser Aufschrei traf Llara jäh und gewaltig wie ein Donnerschlag. Am ganzen Svrper bebend, wandte f.e fich gegen die Seite, wo dieser Donner geblitzt hatte. Und dort schob Josef, nicht zum Erkennen verändert. alle an« einander und mit empcrgeschwnngenem Arme, mit »orgebengte» Svrper drängte er fich in die vordersten Reihen. Dabei flüsterte er bald flehentlich, bald rief er drohend: .Laßt mich, laßt, ist da« doch mein Sind, meine einzige Tochter . . . meine . . Slara! Schon mich an . . blicke Dich n» . . . ich tin e« . Dein Vater . . Slarchen . . oh . . .' Au« der Menge trat nach einer Seile ein Polizeimann hervor und packte Josef beim Arme. „Sa« bedeutet da«?" schnob er ihn mit einer mächtigen Geste an. „Diesen dort gleich arretiren!" ließ fich an« der ersten Reihe der Herr Präses mit starker Stimme hören, seine Tauftochter zugleich fester haltend. Aber in diese« Moment schlug Josef, vor Schmerz rasend «n» blind, in seiner Aufregung noch dem Polizeimann und stürmte wie ein Wirbelwind vorwärts. — „Schufte . . nein Lind haben sie mir eutriffen . . gebet fie mir zurück. . Slara I" rief er mit heiserer Stimme bald polnisch, bald in Jargon. Dieser unarticulirte, wilde Schrei der Verzweiflung und insbesondere der Jargon und die verwahrloste Lleidnng, belustigten die anwesenden jungen Städter und Bauern. Die Volksmenge ist immer erbarmungslos. Einige von Ihnen» an« der momentanen Erstarrung zu fich kommend, ergriffen den fich windenden Josef und unter Anführung de» Polizeimanne« wurde er ans« Polizeiamt gebracht. Diese ganze Szene hatte keine fünf Minuten gewätzrt. Während dieser Minuten hatte Llara Höllrupetu gelittet-. Sie stand nie angewurzelt auf dem Flecke, da« Blut strömte ihr nach de« Gesichte, i» Lopst sanfte e« ihr und ihr Herz wurde von eine« heftigen nuanssprechlichen Schmerze znsammeugepreßt. Ein Schauer durchzuckte ihren ganzen Sörper. (Sine nebelhofe Empfindung ihrer Schuld, Entsetzen, Bedauern, Erbarmen, Zorn und Scham vereinigten sich zu einer Lette, welche fie wie ei« Schlange umschlang und würgte. Ihre Seele wurde von den widersprechendsten Gedanken zerriss». Aber die Tanfpathen umarmten fie herzlich. „Sehen wir, «ein Lind", sprach der Herr Prise« ruhig, „das ist augenscheinlich irgend ein Wahnsinniger. — „Das ist irgend ein Jude', verbefferte die Marschollin verächtlich. Und zwei Züge schrillen weiter. In eine» führten zwei gntmüthige Fanatiker dem Pater Raimund, ein kleine« Lind, dem dir Füße wankten, und dem e« »ar den Angen flimmerte, zu. I« zweiten wieder gelellrten Polizeimänner und da« „Volkden fich sträubenden und fluchenden Josef, sich über ihn luftig machend und ihr Müthchen an ihm kühleich. Der arme Vater schante wie ein Wahnfinui^r an«. Er fluchte fich, die Tochter, und die ganze Wett; stieß gegen die Polizei« minner, Behörde und Geistliche Drohungen an«. Rach einigen Minuten kniete Llara halb ohnmächtig in der Ltrchr. Alle« drehte fich «tt ihr i» «reise, ihre Bewegungen waren mechamsch, die «orte abgeriffen. Da» erste Gebtt »errichtete fie mit gebrochener Stimme — nun mußte e» ihr vorsagen. Aber auch ihre Gedanken «eilten wo ander». Die Marschälliu war sehr unzufrieden» da fie bei ihr die erwartete Ekstase und ei« andächiige Loncentrirnng de« Geiste» nicht wahrn<$mcn. Uv dieselbe Zeit erwartete Josef im Geftngniß sein wettere» Schicksal. Abend» »ährend de« Thee» bet der Kran Marschallin? derathschlagte der «taat»au«alt mtt de» Prise«, Josef 4 „wegen der Behirde geleisteten «iderftande», «egen Störung der öffentliche» Ruhe, »egen Errepmg »an verachtmeg der Regiernng gegenüber, wegen Beleidigung der Lieche" u. s. w. . einen Prozeß anhängig zu machen. Di» st Angelegenheit, von den Auösageu vieler „glaubwürdiger Personen' unterstützt und durch den beredten Proenrator gebührend wotioirt, sollte vor da» Komm eine» Schwurgericht» gebracht «erden. XI. Einige Tage später kam der Herr Mose» nach Matinee auf Besuch, um da« Geschäft perfect zu machen. Lau« aber halle er die Schankftube betreten, al« ihm ein sonderbarer Anblick eutgegeuftarrte. In eine« Winkel bei» Ofen saß Jastf auf einem niedern Schemel, in schmntziger Lleidnng und ohne Sttefel — und wie verändert. Sein schmutzig.graue« Harr flatterte um sein Haupt und um seinen verwahrlosten Bart; da« eingefallene Gesicht war von zahlreichen Runzeln dnrchfnrcht; seine ganz znsammeugekanäte und gebrochene Gestalt erinnerte ganz und gar nicht an den schönen und stolzen Saufmann. Herr Mose« erstaunte, bei ter Thüre stehen bleibend. Jostf gewahrte sofort den Gast. Er erhob fich von seinem Sitze, streckte aber nicht Me Hand zum Gruße entgegen. Sein Gesicht zog fich um couvnlfivisch in Kalten zusammen und in seinen Augen blttz'e ein unheimliche» Feuer. „Ah', rief er, „wie gehl» Ihnen, Herr Mose«. Sie find wahrscheinlich um Ihre verlobte gekommen? Sie ist nicht da, o, fie ist nicht «ehr da. Sie hat auf Sie nicht gewarttt, fie hatte keine Luft zu warten.' Mas«» Erstannen wnch». ,va» ist geschehen, geehrter Herr Zwiebel? Ich »erstehe nicht, was bedeutet diese Ihre Miene und birst Lleidnng? Sitzen Sie, Gatt behüte, nicht nach Jemande» Sostiwott?' (siebentägige Todtentraner). .Sa»? Sie wissen nicht?' rief Josef nud seine Stimme Merle »dr Erregung und Lhrtnen. „Ich habe kein Lind, ich habe keine Tochter mehr! 7- „Sa», was sagen Sie, Ihre Tochter ist gestorben?' ,O, schlimmer, schrecklicher — wäre fie lieber gestorben!' Und diese Sorte mtt Anstrengung her»erbringend, warf fich der unglückliche Vater auf den Schemel nnd rang die Hände. „Und ich habe fie so lieb, habe fie so gerne gehabt. Sie war mir eine Seele, da» Lhenerste auf Erd», ein Auge im Lagst. Mein einzige», thenres, süße» Lind! Kür fie habe ich nicht« gespaart, für fie war «tt nicht« zu thener; ich arbeitete wie ein Och«, lebte wie ein Bettler, um nur für sie soviel al» möglich anznsamwelu, um ihr Glück zu sichern. Und fie. Me Undankbare, fie hat mich verlassen, »ein Herz nutz »ein Han» verwarf», fich von unser« Glanden, unserem Stamme losgesagt und ist zu d» 9gogia* übergegangeo. O, eher hätte ich d» Tod erwartet, den Tod erwünscht.' Und sein erschütternde» Haupt in die Hände bergen», begann er wie ein Lind leise und rührend zu weinen. Diese, im gewöhnlich» Jargon, «st znsammenbangla« heroorgelr^chi» Sorte erklärt» de» Her» Mose» die Sttnatton einigermaßen. Da kam Chase an» den» zweit» Zimmer. Lebla» wie gewöhnlich, nur in schmutzigerer Lleidnng und in Strümps», belebte fie sich etwa», d» Säst erblicken». „Rn, setz» Stt, wa» für »lnglück nt getroffen hat. Aber ich habe da« schon längst »«ranggesagt, immer pflegte ich zu sag»: Mein Mann, wozu diese Schule und viele Bildeeng, . Mefc Bücher und Me Grill«? Seile wird verdorben, überlabet fich d» Lopf nt*l gavtostnDüigen und c» mir» schlecht sein! Aber er Mite nüht h«r» — jqfl hast Dn e», Dn m(Jkoehamm fOdfce). - ' Sie snrnck Mac Morte fielt, beinahe

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