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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 5 (1890) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
5 (1890)
Date
1890-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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tcnnrfpftiai Mn Dr. M. >ntz»»r tn Maßdedurg. 3» Krtrrtztttrr-1 -cktzruz flr die isrMische Foilie._ rkMt_<4. Dt» tymt Jüdin Ein» loItol-sdhcholeaischD Erzähluag Mn lfilltzel» N«ld»aaa. (Joris«pmg.) — Der vberrabbin-r * «a Eagteab. - IfaW för den vmoiueatisch. — MtfttfenfgftWn nnb «tmhsel L«si (aakfngtn Afnaatn. «nchdrMk •all ktdm Watte Ist antcrfait. *i« ich»»« aui». (Wn# tem tzwlatschea Uerttagt» Mn 6. Horomiy.) S] - m«4tnrf aamfr^t) lag* boranf (angle bet Pfarrer Xabtcaa mit Llara erst gegen Mittag in O. einem -bei grösseren CUAbte Galizien« an. Sie hatten in der Nacht früher «tt Wagen nnb bann mit der Eisenbahn hi« 2V Meilen znrückgelegt. Llara war ruhig; bie Eindtt de der nächtlichen Reise nnd da« Gespräch hatten ihre Nieteegeschlagenheit nerschencht. Sie saß neben dem Geistlichen mit der Ungezwungiuheit nnb dem vertrauen et«« Mädchen«, de« noch ave LekuOoerhälwisst ftemd sind. AU fich ihrer nnterweg« der Schlaf bemächtigte, nnb sie unbeweglich ruhte, sich an ihren Gefährten nnb veschün» lehnen», stxitte er sie ans merksam und »ehmüthig and «nßte gestehen, baß sie ein sch»«« Mädchen, wie »an solche wenige finkt, sei. In O. begab fich der Probst Inkea«, kt schon mehr au ein Schäflein bekehrt haben dürste, mit Klara znr Kran Bezirksmarschallin. Die Kran Morschalltn war ab ihre« Eifer«, die gäben zn bekehren, in der ganzen Ge. gegen» bekannt. Da« war ihre einzige Lebensaufgabe, die eüwige Idee, welche im Geiste dieser reichen nnb fich langwett» den Dame herrschte. Der Verwirklichung dieser ihrer .Sttfflen" opferte die Kran Morschollin ihr Leben nnd 0« mögen. Sie hotte ober auch den Trost, daß sie einige jüdische Müßiggänger nnb Gassenjungen bekehrend nnd durch einige Heil deren Unterbett an« Eigenem bestreitend, al« „heilige Kren' ansgeschrieen Muk, obwohl da« Werk ihrer Hände, die Täuflinge, an Müßiggang nnd an et« leichtfertige Leben«, »eise gewöhnt, dann in den Gtrafhänsern oder hinter einem Zaune endeten. Da« verringerte ab» nicht ihre Verdienste der Welt und Gott gegenüber — wie die« der Pater Raimnnd dezengte. Die Kran Marschallin empfing die Gäste sehr höflich, vorher sprach mit ihr der Geistliche allein, ihr Klara'« Lebens« wnd DeZckweisr allseitig schildernd. Sie war entzückt, denn solch «in Braten hotte fich chr «ch nie dargeboten. Schließlich kschloß sie, daß filor« vorlänsig t« Aranen» klofter de« Orte« Bogaang nehme, um da die Grundsätze kr Religion zn erlernen. Eitügemol in der Woche Hobe fie wer Fron Mmschollin zum Thee zn kommen nnd erst in ^ei Wochen Hobe ihre Tonfe in der römisch-katholischen Kirche pattznstnden. Der Pfarrer Lndreut machte darauf ein verdrießliche« Gesicht, aber die Morschalltn schloß: „Der griechisch-katholische Glanbe ist für vanern gut. nicht ab» für den Del nnd die Intelligenz." Mit rnhige» Gewissen, verflchiwt et« gnte Thal per. übt zn hoben nnd über die Theologie der Frau Morschollin kn Kops schüttelnd, fuhr der Pfarrer «ch Hanse. - L >» Ringplatze nnb in kn <Strogen kt Stadt O. herrscht rin nngmlhnliche Bewegung, »w gmKe« Gedränge. Die Bürger in ihren langen Kappröcken »mb Lamm-Mützen chun fich in Gruppen zusammen und sprechen lebhaft unter einander. Hie und da nähert fich einer Groppe ein Bauer, schüchtern und neogierig. Und wenn ein Jude vorübergeht, schauen ihn alle höhnisch an. In einer Gruppe gibt ein grauhaariger Fleischer, der zugleich in der Kircheubrükrschaft ein .älterer Bruder" ist, den Ton an. Die wichtige Figur ist mit einem kugelrunden Kopfe, mit büschelarttgem Schnurrbarte nud mit einem drifachm Kin« geschmückt. .So wird heute also", erzählte er der» Neugierigen, .die Tonst schon stottfiuden. »der ich sage euch, eine Jüdin, sein wie ei« Himmbeerr. Ich habe sie mit meinen eigenen fingen bei der Fron Morschollin gesehen. Und was sprechen nicht die Leute von ihr. Man sogt, daß sie die Tochter eine« gelehrten Rabbi'«, eine« aac£oin«-mor»ine* sei, ha, ha, ha! Der fitte wollte da« Mädel an ein fromme« .Iüngel" verheiratheu, fie war oder gar zu eingebildet. Der fitte gibt ihr Geld und fie behauptet «etter da« Ihrige. Do denkt sich der fitte, darin muß wo« stecken. Und richtig. - ficcaro« am Sonntag noch der .Kugel" kommt ein junger Herr ongefohrrn, irgend ein finverwandter unser» Frau Marschallin, entführte die Jüdin und fort geht«. Wie »seine« Pferde die Zügel schießen läßt, hält » erst hi» an. Ha, ha» hol Nun kommt Gevatter Jederzej in die Kirche, um diese« Wund» ouznsch««en. Und wißt chr nicht, »» die Tonspothen sein »erden? .Nun w»?" — „Die Fron Marschallin und b» Herr Präsident!" „Oho, darin steckt wa«. Natürlich ist da« keine erste beste Jüdin." Bei den übrigen Häuflein wird i« ähnlichen Sinne geplondrrt. Man erzählt fich die wunderlichsten Dinge von kr Jüdin» welche sich heute eudgiltig taufen soll. Unter ander« wird »zählt, daß die Inden dos Kloster überfallen und die Ihrige entführen wollten, ab» die Marschallin hak fie zu sich in« Hau« genommen. Und viel Volk geht nach ba .Hernngaffe" vor da« Hau« kr Morschollin, von wo baldigst .viele Herrschaften" «ch d» Kirche, zur osten tattoen Taust, ausbrecheu sollen. Denn die eifrige Marschallin hatte bei dies» Gelegenheit ei« große Agitation entfalt», die »ganze Intelligenz" kr Stadt eingrlakn, die LedenOgeschichte .chr« Pupille" übrron« dromalisirt, um auf diese Weist — wie fie sich ausdrückte — heilbringend auf die Stadt p wirken. Sie wallte daß die Tanssti» sich glänzend und imposant gepolte, und dadurch .den Geist de« Lhristm-, thnm« lheden und auch die übrigen Inden onimiren" .... Und wirklich kam gleich der ganze Zug d» herausftassirteu Herren und Damen zu» Vorscheine, in kr Mitte — von de« langen, knochigen Präses und d» kleinen wohlbeleibten Morschollin geführt — Klara blaß, verwirrt, den Blick gesentt. Au« d» Menge schlug da« Flüstern an ihr Ohr., fi sah. wie mit Fingern ans sie gezeigt »nrk. was ch» tkgsttiche Schüchternheit noch steigerte.

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