Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 4 (1890) · p. Seite 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
4 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/6492351-8723730-5959559--1306-5374058
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

'feiner fitzenden Tächter (egenk, sagte mit ftiutontf im *e* ] wöhulich» Jarm»: .Seile! In ein» da»« Sichre mied , Deine Hochzest mit Herrn Mose« llallfind»! Ich rk , 10000 Gulden und ihr Werdet Such inOnnbe», ein» eigenen f Laden eröffnen! G»vg de« — MüHgg-nv«' «r fpr-ch ' da« ruhig, aber zum Schluffe fügte er mit gehobener Stimme hinzu .wenn heute nicht Schadbe« wäre I... Im Zimmer herrschte Stille, nur «Hose nneberholte einige mal leise: .Sott sei Donk, Sott sei Dank!" j VilL j Bon diesem plötzlich» Schlage verblüfft und betänbt, konnte Klar« durch eine längere Zeit nicht zu sich komm». . Der Bater mit Herrn Mose« halt» ihr Zimmer bereit«! verlaffeu gehabt. Chaje. ihre Danlbatkeitsgefühle vor Sott j ergießend, entfernte sich ebenfall« um den auf die l»f»de! Woche entfallend» Abschnitt der Thora in »er Jargmüberi ,etz«ng zu lesen, und Slara faß noch immer unbeweglich ans derselben Stelle, die »ugeu gedaukenlo« auf d» Anßdod» i geheftet. Die« währte ziemlich lange, «u« dieser Lethargie er« weckte sie Margna, die Di»stmagd. »Wird da« Frdnlei» nicht zu Mittag speis«?' .Sut. gut, laß mich in Rnh', erwiderte Slara nuge> duldig. da« Zimmer einigemal uachfinueud durchschreit«». Sie warf ein» Blick auf dm Schreibtisch; die Stelle, w« gewöhnlich ihr umfangreiche« Notiz- und Tagebuch lagen, war teer; Mernnowicz's Broschüre in Unordnung am Atßboden zei streut. Die Spur» der vormgegmom« Szme brachten ihr die donnernd« Worte de« Vater« m« Gedacht« niß, welche jäh und schrecklich ihre 8eb»«blüthe, d» Fad» ihrer Träume, die Hoffnung ihrer Zukunft durchschnitten. Sie, über jede« irdische Niveau erhalt», sollt» jetzt so hin- »nie, steigen? In ihrem Herz» und Seifte halt» sich die Schönheit«, und wahrhettsgättinu« ein» Altar errichtet und jetzt sollte fie ihn zerstör» laffeu und sich rdie Sette de« widerwärtigen prosaisch» Leben« mfchvlied«? .Frau Saufmännin', »Fr» Mose«'*) — ach, da« ist gräßlich. Und sollte fie übrigen«, die eben darüber nachdachte, «ui welche Weise sich au« der, dnrch ein» Zufall der Gedun über fie heraufdefchworen» Knechtschaft zu befreien, sollte fie sich jetzt mit einem noch stärkern Bande mit dem Jurenthum verbinden? Seele und Leib an ein» Mmschen verkauf», der Jude, Laufmann und rothaarig ist? .Nein, nie und nimmermehrl Lieber ... Lieber fterb»', ftüsterte ihr ein Scho der Monologe von Nornanheld n. .Lieber d» Schritt unternehmen, zu welch» der Geist, liche mir schon so lauge strebet', ließ sich der Wiederhall de« gestrig» Abend« und ihrer eigenen bi«her unentschieden» Sympathien vernehmen. Diese« zweite Rettnngsmsttel erschien ihr viel praftischer und bequemer. I» »tefem Moment entschloß fie fich, da« Eltern Han« und da« Judenlhn« ans immer zu verlaffen. Da« persöutiche Iutereffe kam in« Spiet und üderwog die bi« jetzt wankende Waagschale. In der Taufe war ihre Rettung, «6er nicht da« Lebensziel. Diese Gedanken durchschwirrtm beinahe »hig ihr Köpfchen. „9* siebt kein Uebel, welche« keine gute sistendnng uehw» sollte', schloß fie. Wer weiß? Dieser Schlag hätte fitt mich in sein» Folge» furchtbar sei» kdunm, aber unter seiner Wirkung ed» reist in mir eia Setanke, der mir Srlösuug dring» kann . . .' Sie »erzehrte ihr Mittagmahl mit Appetit. Al« ihr Maryua die traditionelle .Saget' reichte, fchmte Slara mttleidig auf ihre Portion. Sie schi» z» fm«. .late wohl, wir seheu uu» h»te zum letzt» Male.' Rach dem Mittag» Eff» machte fie endlich Toilette und dann ging fie wieder an ihre Lectüre. Ueber die Sreigniffe de« Bormittag«, welche i» ihrem jung» Leb« ein» Durchbruch verursacht«, dachte fie nicht mehr viel nach. Die Thür war zngefalle». flat einigemal erhob fie ihre Angm vom Buche und spracht laut: ,Fron Mose« . ..-Frau Saufmännin.. brr k' De« Abends trat sie wie gewshnlich ein« Spaziergang an. Für |e» wöhulich wie» fie die «ch»ke, durch eine Hinterttzüre in« Feste gelang«», aber jetzt war diese Tdüre verWoffe». Die geftagte' Martzna antwortete, »nß der Herr selbst die Thür »»gesperrt uad den Schlüffel zu fich genotum« habe. Nolena to1«u, ging Sla» in« Sefellfchast«,immer. .Wohin gehst Du Srile?' friste plötzlich der Vater im Ja»ou. fich von feinem Sitze, wo er in tiefem Nachfiun» faß. erheben». Sla» fühlte fich verletzt, — .spazier»', stammelte fie hervor. .Du wirft nicht allein geh«', sprach Josef sanft. .Von h»te an wird Dein Fuß da« Pfarrhaus nicht mehr detretm. Lauge genug habe ich da« geduldet. E« ist schon Zeit, dem ein Ende zu mach». Du bist eine Jüdin, ei« einfache Jüdin I" «ne Scham- oder Zoraesröthe üdergoß ihr Seficht. .Vater, iq »erstehe diese Sprache nicht", ries sie. .vir Hab» disher untereinander nn« de« polnisch» Dialekte« bedient l" — .Und ich bedanre da«! Ich sehe die Folg»! Denke, schlage Dir alle die Aldernheit» und Jllnston» au« dem llopfe . . Du bist nn» bleibst ei« Jüdin." Sie preßte die Lipp» zufamm» und ging in ibr Zimmer zurück, von diesem Moment war fie gleichsmn in ihrem Zwamer ei« Gefangene. Tag« dar»f verreiste zwar der Vater, mit ihr herzlich und lange über das Thema de« Judeuthnm« sprechend und fich zärtlich veradschieden»; Herr Mose«, der sich kühl de- «hm und nnr beim Abschiede che die Hand Hegen wallte, M« itz« «der nicht gelang, verreiße eb»fnlls Aber Slara »ar nicht allein, denn der inqnifitarifche Blick der Mutier, welche ihr strenge« «nd barsche« Be«tzm» verdoppelte, bewachte sie. Awifch» Mntter mb Tächter kam e« sag« g» stürmisch« Szene». Slar« war in verzweifln»,. Im Zimmer eingefchlofie» langweilte fie fich und fan» mch Sie bedurfte freier Lnft ssd allein »h« die Mutter konnte fie nicht aasgeh«, kannte sich nicht «st dem Geistlichen in Verbindung fetz« und ihn von ihrer Abficht demchrichtig». Manchmal wem die Mntter fie zu schimpf« »nd dreh« b««n, üderkam fie ei» Schmer . .. e« kam« ihr die gelesen« Schil»e»>g», der durch IM« an Neoptzhtt» verübt« Rache, in bra Sin» »nd füt zitterte. Endlich — c« war schm Dienstag Nach mtt lag — kam Sophie zu ihr. Die kleiae, runde Blondine, mtt einem Stumpf,äsch« uM estrern irnmerwähernd lächeln»« Mmde, mar in jeber Beziehung Slara'« wahrer Kontrast. Aber «ach von der Pension her heüt« fie fich sehr lieb. «« Ltzaje die Tochter de« verhaßt« Geistlich» die Schwelle bettet» sah, erhob fie fick zornig. Aber sie üder- »md fich, erinnertt fich, daß fie in manch» Stück« vom Geistlich« adhäogig sei, daß er ein« groß« Ginfinß «f die Bane» übe md die geschäftlich» RittWchtt» gewann» dtt Oberhand. Sich »erbeng»d, führte sie Sophie iM Lndinet ihrer Tochter. Die Freundinnen küßtt» fich, sperrt» dtt Lhüre ad md fiüsten« lange mit einander. Durch dtt gmze Zeit lachte Sophie nicht ein etnzige« Mal. Dtt zwetstündige Smsereng schloß fie mst d» Wart«: ,SM also de« Abend« werde ich Dtt dtt villet« de« Vater« durchs Fenster üdergeb» . . »M sei varfichtig . EL Die Loerespondevz durch« Fenster gwisch« dem Pforr- Hanfe md Slara wnrdr sehr lebhaft gesühtt. Da« letzte. »er Gefangen« «m Donmrstag spät in der Nncht überreichtt Briefchen, lanttte wie folgt: .9« freut mich »»gemein, daß D» endlich Del« Befürchtmge» und Unentschloffentzest ans» geged» Höst- >lf» tmrg« um diese Zest werde ich Dich erwart« — D» wirst dies« Ort de« Schlmnmes md der trmrigeu Erimermg« verlass» nM die Schwelle «iOes neu» und so S«t will Mstich« llebm^betrett». Dtt> Slmbe wird Dich genes« machen. *) 9n Solen tiftgt die Krön auch den Lornomoa M Manne«.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.