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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 3 (1890) · p. Seite 10

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
3 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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gmitad. Dann^pntzten^flch dk CriUftaat« sch», her«l«, giagta ia prachtvolle, »osestätisch« tmpü, sie ah« hatte keine Fei erlöge. Ihr OM friert» nicht Sabbat. Die freie» Lag« bracht« er »tt seiner Göttin außerhalb de« Hause» bet irgend einer Unterhollnug zu, aber «au empfing solche S»fit, deren Gesellschaft ihr «eicht behagte. Wahrend Panltoche» h«ra»»uch» und selbstthLtia »her Toilette und über einen schduen Studntte» Mst ersten Stocke» nachzndenke» begann, «vard Klara täglich »ehr in fich »rrschloffen. Ihr Gefichllkrei» wurde von immer schwärzeren Wolke» umzogen. Sie la» viel an» der Bibliothek der Ara» Poniedzialkowska. E» «oare« die» lanier au»gr»Lhlte Werke, die größten Sprachmufter der Nation au» der romantisch«« Epoche. Sie vertiefte fich darin gierig und andLchtig. Sie ergötzte fich an de» großartige» Bildern, schwungvolle» Worte», erhadenen Gedanke», di« fie in den Muster werten der nationale« Lrterainr so reichlich vorfaod. Sie dacht« «nd fühlte polnisch und vrrstoud e» nicht» »ie e» ander» sein könnte. Desto mehr mußte e» st« befronden, daß Onkel nud Tante Güsten gegenüber sich der dentsche« Sprach« und unter einander gar de» »tdenvLrtige» Jargon» bediente». E» schmerzt« sie. daß ihre Eollegiuneu so glücklich waren, in einer Welt der Ideale zu leben, während fie diese Gefühle nur au» Erzählten und Büchern kannte. Die Kluft zwischen ihr »nd der Welt wurde tüglich tiefer, auf ihre« Lebenswege thürmteu fich immer spitzere Stachel» ans. St« wurde traurig, ihre innere ideale und religiöse Stimmung »urde immer intenfiver und artete in Exaltatioa au». Da» junge Herz sehnte sich darnach, Jemande» zu liebe», an etwa» zu glauben. Der Vater war weit. Onkel und Tante waren gleichgiltigr, kalte Leute und ring» umgab sie eine ordinäre Prosa. Klara wäre bereit gen»eseu, für einen großen Gedanken, für eine heilige Idee, selbst de» Scheiterhaufen zu besteigen, wie jeue Helden, von denen fie so viel gelesen hatte. Aber was half'», in ihrer Umgebung war Specnlatio» und Lalculatioa der Hauptgedanke, und da» Ideal — rin rechtschaffene«, bequeme» Lebe». Da» aber genügte nicht de» edlen Schwange ihre» Geiste». Eine Antwort auf all die Rächsel »nd Fragen, welch« ihr Herz zafleischteu, faud sie endlich in de« Worte „Jüdin-, welche» ihr eine erboste Lollegi» in» Gesicht schleuderte. Ms« da» .Judeuthumist der Fluch, die Quelle de« Unglücke»! Klara kannte e» nur einseitig. Ei« fühlte nicht, »a» fich auf der Rückseite dir Medaille befind«» t»u»e. Bei hr war die jüdische Reügiou im väterlichen Dirlh»- hau e. i» übelriechenden Lheder und im schmntzigr» Gebet« dache de« „Belfer«- verkörpert. Jndemhu» war ihr jener Mangel an Jdeali»«n» »nd de» Herzen», da» überschwänglich Praktische, die „thierische" Gottlosigkeit »nd der Jargon ihrer Anverwandten. Di« Ethik, Geschichte und Litteratur der Juden, waren ihr unbekannt »ad sie vermnthetr nicht, daß fie überhaupt exiftirteu. Bekam »an doch i» Louvrcte selbst über die Geschichte und da» geistige Lebe» der Hotten» tollen um» z» hören, von de» Jude» der Gegenwart aber nicht«. Da» find nur Kauslentr, Trödler, schnüre »nd aichtLwürdige Leute. Niederträchtigkeit, Diebstnhl, verimeche», selbst da» Schlachte» christlicher Kinder — bildete» einen inte, grirendrn Theil de» Judeuthum». Hatte fie doch da» in einigen Bücher», deren Inhalt fie nicht controlireu konnte, Een «ud glaubte e«. von Haß »nd Absch«, gegen de» «i»mu», mit »elchem fie ei» gemeinsame« Loo», »e de» ig mit dem Baumstämme verband, erfüllt, fühlte fie fich niedriger und »»glücklicher, al» da« ärmste »ichtjüdische Mädchen. Fortwährend »achte sie Gott Borwürfe, warn» er fie al» Jüdin d. h. al» da» elendste Geschöpf unter der Soune erschaffe» habe? Warn« er sie iu diese Pfütze »<» Kotheh und der Genieiuhrit warf, an» welcher fie sich nicht emporarbeileu könne. Selbst ihr Name war «ft dir Ursache von Lrindlnge» und Deaüthignng. „Zwiebel", »je da» ungeheuerlich kliugt, wie verspürt« man la daß IUenthnml 1 Dieser Gra» und Kunnwer wirkt» schädlich Gesundheit. Josef, davon verständigt, km noch Ml «nd glücklich ob der Schönheft „nd Gelchrsamkrit ftinnr * Tochter, «chm er fie mit sich »ach Honft, wo fie fich jene» reizend« Eabftut. eine» .golden«, Käfigeinrichtete. Auf de« Lande beodachtet« sie an» »öchster Näh« da» praktisch« Leden der Jude», welche» fie noch »ehr verletzte ul ug(M» lich machte. St« sah ihr« Glondenögenofien wegen rin paar .elender" Kreuzer fich mit de» «aner, henemzanken u» fortwährend von solche» Geschäfte» in Anspruch genmnmech dt« ihr an» dem Eonviet« witgedrachter Jbeältsmn» sehr übel anfnah». Dt« Mutter verlangte, daß fie tüglich, ihr »me«rftünd» lich« «»«drücke wiederhol«, welch« ihr« innige religiöse Hin» getmng »»»sprechen sollte». Die übrigen Juden wäre» so garstig, ungebildet »nd selbst di« Eltern! .. Do» konnte fie »icht länger ertrage». Ach, »eu mu fich doch mt» dieser Umgedug loörriße» könnte! Um diese Zeit kam Sophie, die Tochter de« Pfarrer», deffen Frau gestorbeu war. tu« Dorf. Lima besuchte oft die Freundin ud wurde auch mit dem Geistliche, bekannt. Dieser erkannte bald ihre» Eharakler und Seeleaznft ind und al» eifriger Priester bemühte er fich um ihre Brkehmng. Er diöpnrirte mit ihr über die Juden und gab ihr solch« Bücher, iu welcheu dieselbe» übereinstimmend im schlechteste» Achte dargestellt waren. Und so wußte da» stedzehAührige. in ein« fnrchtdarea Wirbel geschlenderte Mädchen, nicht» wo» anzufauge» .. Jetzt fitzt fie ans der Baak düster ud nochfinnend mit nebelamfloffene« Blick, nett gramersüllte« Hetzen. Ihre, Kopf bestürm«» tansend« wirrer, widersprechender Gedanke» und Bilder, sich gegenseitig die Wagschat« haltend. Oh. wenn jemand ihre» wirren Kopf »ft eine» Funke» Acht erhellen möchte» auf daß fie fich überzeug«, ans wesse» Seit« da« «echt, »er die Wahrheft repräseutire, »er Griftltche, oder da» ihr in ubestimmter »erzerrter Gestolt vorschwedend« Jadenlhum? Sft sehnte fich nach Arb« »nd Giand« und streckt« ihre Hände an» nach Wahrheft schmachtend. Der GeisAtch« und seine Tochter red» ihr zu, dir gefiel» der Knechtschaft abznschüitelu . . und da herrscht ringsum Grabesstille. Die Katar begiebt sich zur Rahe, «ine» laues Lüftchen Schriet» liebkost alle «chöpfuge» dm Not« ud allnfthalden herrscht Fried« ud Grill«. Da läßt fich plötzlich vom nahe» Kirchthürmlei» da« dnrchdringend« Geschrei der Eule vernehme». Klara sprang von ihre» Sitze empor und ein Schauer machte ihre» Körper erbebe». „Acht, «chr Acht-, flüstert« sie «tt flehender Stimme; nugsnm war'» »de ud leer. vielleicht find« ich in de» soeben vom SeiMche» erhaltene» Werk« Meruomftz'» .Dir Ind«- Ausschluß." Znm zwefte» Male erschütterte da» wüste Geschrei der Eule »ft nächtliche Stille. Klara ritte »ach Hans«. YL Joses, von de» Ansdleide» seiner Tochter beunruhigt, »erwünschte t» Geiste Na Geistliche» und Sophie, und gab fich da» Wort, »ft »ehr Klar» z» gestatte», »aß fie de» Pfarrer besuch«, danut fie sich nicht deffen schädliche» »nd gottlos« Einflüffm -»»setz-, «r ließ da» aber « seinem Aenßer» nicht merke», sonder» saß lächelnd and wohlgemnih i» Gesellschastsgftnmer bei« rein gebockte» Tische »nd unter, hielt seine» Gast. Da« schien auch kein alltäglicher Gast M sei», deu es wurden hente -»»erlesene Sprift» ansgetrage» »nd dos Besteck war Silber, am Tisch, glitzerten silberne Lenchter. Joses wie« de» Gast« de» ersten Platz an »nd behandette ilpi sehr höflich »nd respektvoll. Fortwährend vm er »» ihn beschäftigt, ihm bold Wein rinschenkend, bald «ine» Teller «ft .Sabdatpschen" reichen». Die Znderritnng dftser, uter de» Hakb-Herre» der Umgegend «l» utnezetchmte and rar« Sperialttät gellende» Fische, bildete Me Bafi» von J Ehche'» Renommee «ft Popnlantät. -

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