Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 52 (25.12.1890)
- Date
- 1890-12-25
- Page
- Seite 398 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/6492344-5935074-5959553--0456-5374042- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
;/ז׳ an rifltat antemi Rest der Litern oder deren imoaHanrmq ettflmutkt «KT Ol pt-elafie« *erben. 64«!!•(1*wS verschiedener ReligionSgeftllsthaften in rinn BolkSschule vereinig», fo ist «»glichst für die Angehörigen rinn jeden von ihnen ei» besonderer ReligionSuuterrstht einzurichien, wenn »ich» ihr« Zahl »enign al« IS beirSgt. Gehöre« die bettessenten Binder nieder der evangelischen noch der katholische» ReligionSaeftllschast an, >o bedarf «4 außerdem in der Regel de» Antrag(» seiten» der zuständigen Organ« dn ReligionSgesellschost und de» Nachweise« eine« zur Lrtheiluug de» Religionsunterricht befähigten Lehrer»". — (Zu den vom Staate »anerkannten" Religion »gesellschasten gehören die jüd. Gemeinden gesetzlich nicht, sondern nur zu den .geduldeter", darum ist e< dringend erforderlich, bei Zeiten gemeinsam« Schritt« zu thun, daß den jüdischen Religion»- gesellschasten di« Wohlthaten de» neuen Gesetze« zu gut« kommen!) £«»>«,§. 27. Drrrmber. (Or.-Eor) Wie in früheren Jahren, hat die hiesige Henry Jones-Loge auch zum letzten Ehanuka-Feste durch Vertheilung von Kinder-Anzügen rc. Freude in viele arme Familien gebracht. ES konnten in diesem Jahre 270 Kinder berücksichtigt werden, welche auch zu dem, wie alljährlich, am Sabbath - Ehanuka veranstalteten Kinderfeste Einladungen erhielten. Die diScrete Art der Vertheilung. welche jede Beschämung ausschließt, und bereits vor zwei Jahren zur Anwendung kam, kann nicht genug gerühmt und zur Anwendung empfohlen werden. Sie geschieht hier derart, daß den Eltern der betreffenden Kinder soviel Bons zugestellt lverden, als dem Kind« Kleidungsstücke zugedacht sind; diese Bons enthalten nur die Namen des Kleidungsstückes und das Alter des Kindes, nicht aber seinen Namen, und werden von den betreffenden Firmen honorirt. An dem bereits oben erwähnten Kinderfeste, welches am 13. dS., Abends im großen Saale deS Concertgartens stattfand, nahmen außer den bekleideten Kindern die Waisenknaben, sowie eine große Anzahl von Kindern wohlhabender Eltern im Ganzen 466 Kinder Theil. Ein Unterschied zwischen armen und nichtarmrn Kindern war in keiner Weise zu erkennen. Jedes Kind wurde gleichmäßig bewirthct und beschenkt. Die Ansprache hielt Herr M. Deutschländer, welcher, wie der allseitige Beifall bewies, den rechten Ton für den Verstand und die Herzen der Kinder zu treffen wußte. Humoristische Vorführungen, sowie ein Umzug der Kinder mit Fähnchen und Blumen beim Gesang patriotischer Lieder trugen zum Vergnügen d^- Kinder und Erwachsenen bei, und machten daS Fest zu einem außerordentlich gelungenen. Möge die Henry JoneS- Loge auch fernerhin zum Wahle des Judenthums und zum —uhme deS Ordens Bne-Bris thätig sein. Za» Württemberg, 24. Dczbr. (Or.-Corr.) Dem UvtcrslützungSverein für israel. Lehrer Württembeeg« kann sich nach dem tu dieser Woche ausgegrbenen Rechenschaft^- bericht pro 1880/90 eines günstigen Ergebnissedesselben erfreuen, indem er auch Heuer neben einigen größeren Legüten wieder aus verschiedenen Gemeinden theils Beiträge von Gemeindckasscn, theils Spenden von Privaten erhielt; auch Ihre Majestät die Königin Olga erfreute den Verein mit einer huldvollen Gabe. Der Verein vereinnahmte an Beiträgen von außerordentlichen Mitgliedern 344 Mk.. an Oalen von Gciueinden und Privaten 2011 Mk. an Grundstocksbeiträgen 2000 Mk. und rcrausgabte 1625 Mk. Unterstützungen. Das Vermögen hat um 3700 Mk. zuge« nommen. Unter den Mitgliedern sind 8 Pensionäre, von denen der älteste, Lehrer Stern in Sontheim, an 10. Febr. 1803 geboren ist; auch die Herren Oberlehrer Liebmann und Oberkantor Eichberg in Stuttgart haben das 80. Lebensjahr längst überschritten. FSesterretcv-ttnqarn. Wie». Herr Rabbiner Tr. Gübemann, der, wie wir erfahren, vom Lordmayor in London direkt zu dem Protest-Meeting in Guildhall eingeladen, aber an der Hinrrije amtlich behindert war. veröffentlicht einen fulminanten Artikel über die russische Judenverfolgung in der ,Oesterr. Wochenschrift", den er unter Anlehnung an die von David ' uedr. Strauß vor etwa 20 Jahren in: ,Der alte und neue Glaube" gestellt« und verneinte Frage: ,Sind < i. noch Christen?" überschreibt. Da «» für de» Abdruck deS 'AlitktS'^I^ftlu BÜde leMr ari mögen die markantesten Stellen daran» hier wiedergeaeöen sein. .Da« Chriftenthum, an« da« rationalistisch«, welche» Jesu» liiugst" nicht «ehr al» de» »Sohn Vottc•" betrachtet, nennt sich di« Religio«^ der Liebe, nnd nimmt di« Kultur und Civilisatton der Neuzeit al» stinn Hände Wert in Anspruch. Preiswürdia di« Religio«, die solche» von sich behaupten kann, und glücklich ihre Bekenner! Sie dürfen sich de« »echten Ring«»" rühmen, den» er kan» jede Kritik, auch di« Strauß'sche. bestehen! Aber weich« traurig« Illustraston erhält dev stolz« Anspruch durch da» dröhnend« Gewitter, welche» in de« »heiligen" Rußland über den Häuptern von fünf Millionen Mensche» sich «nt» laden soll, und durch da« — Schweigen, mit «eichem di« gesamtnw europäisch« Christenheit da» bevorstehrnde Schauspiel erwarte»! Wen» im Ci reu» de» alten Rom der eine oder andere Bekenner dn Lehre Christi den reißenden Dhieren vorgeworsrn wurde, da mag manchn hartgesottene Heid«, dem die Religion der Lieb« noch nicht da» Hertz erweicht hatte, trotzdem mitleidig den Blick abgewendet hoben. Ader di« Millionen Christen dn Segenwart haben stärker« Nerven. In Rußland wird dn »echte Ring" zum Hal«eisen, an welche« fünf. Millionen Menschen au» ihren Wohnsitzen geschleift werden, mit welche« st« moralisch und wirthschastlich erdrosselt werden sollen, und — die europäische Christenheit sieht diesem modernen llircu»spi«l, dem gegenüber di« »Fackel» Nero'»" eineStümperarbeit darstellen, schweigendzu! Deutschland schweigt,!)esterreich schweigt, Italien schweigt. Frankreich schweigt! Man sagt, di« Behandlung seiner Jude» sei ־rin« innere Angelegenheit Rußland» und man dürfe nicht interveniren. Gut. DaS ist ein Standpunkt Aber ein christlicher? Lin Stand- Punkt der »Religion der Liebe?" Um da» ״heilig« Grab" den Händen der ungläubigen zu entreißen, wälzten sich Jahrhundert»- hindurch die Heerr»züge der Kreuzritter nach Asien. Aber die Milli»»«» der europäischen Christenheit sehen zu, wie sünf Millionen Mensch»., Wen», dt« lebendig begraben werden sollen — und _ schweigen. David Friedrich «trauß heut« noch angesicht« diesn Dhat Frage an sie richten würde: ״Seid ihr noch Christen würden sie antworten?" Fünf Millionen Menschen um ihre Heimath, ihre» Lrwerb, um ihr« Menschenrechte, ihr« Freiheit bringen, und da« zu Weihnacht«»,, wenn nach dem Glauben der Christenheit dn Ruf vom Himmel erön>: »Fried« den Menschen aus Erden!" Welch« Bnhöhuuua dieser Arieden«botschast von Seiten einer Regierung, die sich stet» »i». Borkämpsertn de» Chriftenthum» gegen die Ungläubigen drapirt! Rußland schreibt ein« Satyr« auf da» Chriftenthum,. wie sie büßender der größt« Feind derselben nicht schreiben könnt«, «ü. schreibt sie süns Millionen Menschen aus den Rücken, und sorgt durch.' diese großartig« und seltsame Auflage dafür, daß man e» für all» Zeiten al» den fruchtbarsten und erfinderischeste» Satyriker bezeichn«« wird, der jemals di« Religion der Lieb« lacherlich gemacht hqt. Di» christlichen ZionSwächter aber, die über ieden von einem Juden versaßt«», Zeitungsartikel Lärm schlagen, di« nicht müde werden, di« »Judenpresse" als eine geschworene Feindin des Christenthum» zu denuncieren,. sie lassen Rußland ruhig seine Satyr« schreiben und - schweigen. Man beklage sich nur künftighin nicht darüber, daß der״ christliche Geist schwindet, und die frohe Botschaft von dn Erlösung und Berbrüderung der Menschheit keinen Glaub«», mehr findet. Dem Judenthum vermag Rußland trotz seiner rasfiniNen Grausamkeit nicht» anzuhaben — e» hat Stärk re über» dauert — aber den christlichen Geist steht «S im Begriff« todhn» schlagen, und Europa thut nicht» dazu, ihn am Leben zu erhalt«. Nur daS einzige Englan d*) mag di«Frage: »Stnd wir n»«t Christ«n?" laut und scsi bejahen. Da» ״KrämerVolk", wie daS-, übrige Europa die Engländer vornehm und abschätzig zu nenne» de» liebt, hat dieseSmal, wie gewöhnlich dafür gesorgt, daß der Glaub« tm. die Menicheit nicht gänzlich au» den Herzen dn Menschen verschwind» ' Ten russischen Juden wird da« mannhafte Auftreten LnalandAschwerlich nützen, aber da« Christenthum kann sich bei ihm dafür dedanken. Da» übrige christliche Europa überlaßt da« Schicksal von.' b Millionen Menschen thrilnahmloS Rußland al» dessen ״innere An» : gelegenheit", und feiert die Geburt de« Weltenheiland». ״Friede den Äenschen auf Erden!" Beichte«. öl. Ztriilfet, 17. Dezember. (Or.-Corr.) Die von Herrn Prof. L. Kahn Sr. Maj. dem König Leopold H. za , seinem heutigen Jubiläumstag gewidmete hebräische Lantat« ist heute in Vertretung des durch Unwohlseins verhinderten Herrn Autors durch dessen Sohn dem Ober-Hofmarschall überreicht worden. Dieselbe ist auf Pergament geschrieben und ruht in einem prachtvollen Rahmen, den oben eine vergoldete Krone mit 2 Palmblättcrn ziert. Eine Eopi« der- Cantate in hebräischer Schrift und die französische lieber« ebunden. , . französische setzung nebst einer Adresse, zu einem Prachtwerke gebt bildeten den anderen Theil dieser kunstsinnigen Wtdm Die beigrfügte Adresse hat nach oeutscher Uebers folgenden Wortlaut: *) Auch die .Verein. Staaten von Amerika" Hab« .Protest" nlaffen. nag.