Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 52 (25.12.1890)
- Date
- 1890-12-25
- Page
- Seite 399 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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![*_*' SU Zllraeliten haben während her lawzen unh U»kU» gehr- Himderte he» Mittelalter» et» verlerni, ZiatGtieber zu finge». Ihre Leier hing traurig an he« fkttai auf her unwirthschaftltche» Flur her Fremde Wenn sie sangen, so waren e» Klage« über ihr Mißgeschick und, warum e« verbergen, über die Verirrung ihrer Verfolger. Denn die Geschichte wird eine» Tage» die Feind« J»rael» lehren, wenn fie -e» nicht schon gethan hat, daß überall, wo da» beschick die Uebrrbleibsel de» Judenthum» HIngeworsen, fie al» treue Jünger der alten Propheten wahr und bieder für da» Wohl de» Staat«», der sie gnädig auf- ^genommen hat, gearbeitet haben. Da» heutige Belgien ist seit seiner Bersafiuag al» unabhängiger Staat eine» von den vorangeschUttenen, bevorzugten Ländern, welche«, tegeifterl für die Prinzipien religiöser und gerechter Duldung, die I»raelit«n mit Wohlwollen ausgenommen ha«. Seine Berfaffung hat »Ihnen den ruhmvollen Nanun .Kinder de« Vaterlande»» zugestanden. J«rael ist dankbar. E» liebt sein Land, da» sein theure» Vater- ״- und M*. mutet iif« auf fcUM» Srwerb oder aus sein Seid verachten, »nd da» ,st rusfifih» GerechttaUttl — >r»e jüdische Mädchen entschlossen fich nicht selten, u« de« gefürchtete« Zwang« de» Ghetto zu entflUben, in den Spitäler« di« Verrichtungen einer Hebamme zu lernen und sich der'vorgeschnebenen Prüfung zu unterziehen. Da erschien «in« Verordnung, welch« erklärt«, e» sei wohl richtig, daß jüdische Hebammen da» Ghetto verlassen dürfen, diese» Siech« erstrecke sich aber nicht aus ihr« Kinder. DU Hebamme wird also genöthlgt, für immer der Sh« zu entsage», und wenn sie e« nicht thut, so beraubt sie die Geburt eine« Kinde« der Nahrung»quellk, oder sie muß ihr Kind tu di« wette Frrn« schicken, um «» fremden Händen anzuvertrauen Di« Austreibung von Säuglingen! — Sine« Tage» entdeckt« di« russische Negierung, daß Bäcker, Fleischer, Glaser kein« Handwerker seien, au» Moskau wurden sünsundzwanzig Drucker mit der Begründung auägewiese», da« Drucken sei kein Handwerk, sondern eine technisch« Kunst, und man berechnet, daß nicht wentger al» zwelhunderNaujend jüdische Handwerker au» den verschiedenen Provinzen Rußland» in da» Bereich de» Ghetto zurückkehren mußten. Im Ganzen sollen 1'/, Millionen Personen durch die Ausweisungen bereit» betroffen worden sein. land geworden, «» liebt e» au» Bateriand»lieb« und au» Dankbarkeit. Der Unterzeichnet«, bescheidene« Mitglied de» beig. Judenthum«, her alleruntenhänigst« Diener Sw. Majestät, hat unter der Macht dieser Befühle der Versuchung nicht widerstehen können, die Tugenden seine» König» bei welegenheit seine« ruhmreichen NegUrung»jubUäum« zu fivgen Sr ha« sich der heil. Sprache de» Psalmisten bedient, au« Shr- Erbietung für diese alt« Sprach« und in Hinsicht darauf, daß sie zum 'Ausdruck lebhaster, patriotischer iSesühle wohl die geeignetste ist. Sr bittet Sw. Majestät, sein« aller«hrsurch«»vollsle Huldigung ^allerguüdigst genehmigen zu wollen. Sr hat nicht den Anspruch — er hat dazu auch keinen Austrag, 1« Namen de» Judenthum» in Belgien zu sprechen. Aber er ist sicher, haß die Gesammthei« de» belg. i»r. Sultu« beseelt von diesen (»«fühlen ist und die Wünsch« billigt, welch« er auädrückt. Sr Hot die Shr« zu sein Sw. Majestät alstrunterthänigster, allergehorsamster L. Kahn.» 20. Dezember. Trotz inständigster Bitten hat Professor M. Philippson sein Entlassungsgesuch, als jsor der phil. Fakultät aufrecht erhalten. eitenS des BenvaltungsrathS sind wiederholt Schritte :aethan und eine von einer sehr großen Anzahl seiner Studenten Unterzeichnete Adresse ihm in der Absicht über» eben worden, ihn zu reranlassen, sein Gesuch zurückzuziehen, noch hat Herr Philippson auf seinen Entschluß bestanden. Universität zu Brüssel verliert in Philippson einen Manu von großen Verdiensten um das geistige Wohl der ^studirenden. In den weitesten Schichten der Bevölkerung steht man ihn mit den« größten Bedauern scheiden. * Nachschrift. Noch einem im Laufe dieser Woche seitens ^Herrn Philippson an die ,Nation" gerichteten Schreiben -wäre die ganze Angelegenheit ein politisches Wahlmanöver -von 2—300 Studenten, das Benehmen de- BerwaltungS- «sth« ein feiges rc. gewesen. Die ״Reform", ein demokratische« Blatt, bring! einen geharnischten Artikel gegen PH.; -die übrigen Blätter betrachten die Sache mit Recht als erledigt und kommen nicht mehr darauf zurück. dl. Rußland. GeteeSpne», 17. Dez. Der.Tim«»- zufolge enthält der neue, GU Inden betreffende Gesetzentwurf im Ganzen 4L Arttkel, über »elche i« R-ich»rathe abschnittweise berathen werden soll. Nach denfelben sollen u.«. jüdisch« :Handwerker, Apothekergehülfe» und Apotheker- Uhrlinae, jüdische Gehülsen von Aerzten, Zahnärzte uud Hebammen -««» allen Orten außerhalb den der Juden zu« Wohnorte angewiesenen Gebiete «uägewUscn und Au»nahmen nur mit besonderer Srlaubniß de« Minister« de» Jnnei» gestattet «erden; hiervon sind aber die Kinder der Begünstigten auSgeschlosse», sobald sie volljährig werden .»de, nicht so b«ünsth»r l Zu den ehelichem «u» Mußiau» «erden einige neu« Fälle mitgelheilt, welche wie jetzt di« Juden chtkanirl werden. Sin Jude, »elcher »dwerker oder Amt wnr. besaß b««her da» Recht der Freizügigkeit. Advokat Goldenberg Übte in Kiew, kaufte dort in der nstrnße ei. Hau», heirathete und wollU seine junge Frau in u Hei« bringen. Diese La«« hatte bi»her in dem sog. Juden- und mußte daher ihre» Aufenthalt wechseln. Da« Gericht daß die G»«i» keineSweg« daHwhtiWSIaun«« thEe Vermischte ml nnufle U«ch richte». M«»d«ß»eg Der nahezu 4M Mitglieder zählend« ״Magdeburger Lehrerverein" hat in der am 18. d». stattgefunbenen zahlreich besuch«« Sitzung folgende Resolution fast einstimmig angenommen: ״Der Magdeburger Lehrerveretn spricht sich au» pädagogischen und nattonalen Gründen gegen die SenfessionSschul« au», wie sie in dem Gesetzeniwurf vorgesehen ist, hält vielmehr eine» konfessionellen Religion»unt«rricht für ausreichend." Berti». Die .Boss Ztg." schrieb dieser Tage: .Unter den im neuesten Justiz-Ministerialblatt- »u OberlendSgericht-räthen ernannten Personen befindet sich zum ersten Male in Preußen ei« Jude." Da« ist (wie dU .Franks. Ztg" bemertt) nicht richtig: dU Persönlich» keit, die allein gemeint sein kann, hat vor einiger Zeit den Uebertritt zum llhristenthum vollzogen. Getaufte Juden in hohen Justizftellen sind aber gar nicht» Neue«: waren doch sogar der vorige Justizminister uud der jetzig« Reichlgericht-präsident v. Stmso n al«Juden geboren B«rki» -i.i d.r Leitung der inneren Abtheilung de» jüdische« Krankenhaus«» ist Dr Ju'.iu» Lazaru«, der schon seit Jahren deck verstorbenen Professor Heinrich Jakobson zu vertreten pflegt«, vorläufig betraut wordendH Berlin. 8. December. (Or.-Sor.) Im Frühjahr 1891 wird unter der Redaction de« Hrn. Böckel ein — wU er selbst sagt — gediegene« fachmännisch«» ABS-Vuch der antisemitisiben BolkSpartei erscheinen. Da« Buch soll zugleich de» Gegnern zeigen, wa» an Side- Herr Stöcker, über .Wucher- Herr Pickenbach, über ,Schuldenbezahlen- Herr Liebermann von Sonaenberg. Wa« Abwehr von Radau und ähnliche schöne Lachen betrifft, so wird Herr Werner sicher nicht versagrn, sein Schärslein deijutragen. — Da« Seutralbureau de« Agimlion«verdande» der Antisemitischen Partei befindet fich Berlin 8W., Schönebergerstr. 28 bei R. Jacob. Basen» 92 Dez. Am nächsten Donnerstag tagt hier der neu« Verein jüd Lehrer der Provinz Posen. Mögen sein« Berathnngen recht ersprießliche, besonder» für den jüd. Religton»unterricht, sein! Basewalk Auf Anregung unsere« Rabbiner» Herr» Dr- Ar ü nfe l d ist hier jetzt anch eiu Jugendgottesdienst eingerichtet. Bei» Eintritt de» Shauukaseste« fand unter reger Theilnahm« der Gemeinde ein besonder« festlicher Gottesdienst statt, bei welchem der Rabdiuer «ine eindrucksvolle Ansprache an die Religionsschüler hielt Memel Am Sonntag, den letzten Shanukatag, Nachmittag fand in der von Juden und Ntchifuden gefüllten Synagoge eine ShanukafeUr mit einer zündenden Rede de» Herrn Rabbiner» Dr. Rülf und Gesang der Schuljugend statt, der ein« Beschenkung der ärmeren Kinder folgte. Nmßeim (Holland). Herr Nathan Levi, der, w e wir kürzlich mitthe lteu, fünf Kinder mit Gefahr seine» eigenen Leben» ««» einem brennende« Hause retbt«, ist an den hierbei empsangeaen Brand» wunden gestorben. Baktzar« (im russischen Sentral - Asien). Herr G. Surzon veröffentlicht «in« Schilderung der Juden in Bokhara, von welchen er sagt, daß sie sehr hübsche Leute mit seinen Gesich«»zügen und von freundlichem Aussehen sind. Obschon auf «in orientalische» Ghetto be» schränkt und sei« langer Zeit in Bokhara den grausamsten Verfolgungen auSaesetzt, bewahren sie in ihrer vorgefchrtebenen Kleidung und äußern Erscheinung da» Gepräge eine» eigenthümlichen Volke«. SU habe« da» Haupt geschoren und tragen uur an der Seite beider Schläfen je 2 lange Herabhängendr Haarlocken; auf dem Kopse tragen sie «ine viereckige, schwarz«, mit Pelz verbrämten Mütze au» Kaimn uud um da» Lverkleid einen Gürtel. Zu seiner größten Verwunderung de» gegaetc er auch einem Juden, welcher etwa» französisch!sprach. Herr Surzon behauptet, daß in der Tt-idt Samarkand 1600 Juden und in' dem ganzen Distrikte »ach ftattstische« Angaben 9668 Juden leben sollen.