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Israelitische Wochenschrift · 1890-12-25 · 52 (25.12.1890) · p. Seite 397

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
52 (25.12.1890)
Date
1890-12-25
Page
Seite 397 (sequence 5)
Language
German
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... ,.. ,. WS tet fitrfrnb, oh« eine . . .... nt« Tendenz zu isaben, dcnnoch nicht i» Stande geroeseu ist. alle Rilhtingen in sich zu vereinige«. ES hat «inen Sinn, einen Verband freisinniger Rabbiner zu grtluden, «S hat auch einen Sinn, einen allgemeinen deutschen ptabbinerverband zu stiften, aber daß die freisinnigen zufammrnkommen und imnn ihre Standarte verstecken, ist peinlich. Vielleicht gelingt es den Rabbinern doch noch, «inen allgemeinen Verband herzustellen. Was der Verband thun soll? Zuvörderst zusammenkommen. Da« ist schon an sich ein großer Segen; der Richter, der Arzt, der Lehrer, der christliche Geistliche, alle chaben Gelegenheit, sich mit Genossen auszusprechen und Dadurch sich aufzuklären.P der Rabbiner ist vereinsamt, das erhöht teinesw.g« seine Fähigkeit für sein Amt; seiner Schwächen, seiner Vorzüge wird er sich bewußt werden im Verkehr mit Kollegen. Daß wir nicht jede« Jahr, wenn wir uns vereinen, di« Religion und di« Menschheit retten werden, ist selbstverständlich. Religion und Menschheit haben e« ja auch Aar nicht nöthig. Aber auch an Stoff zur Berathuna allgemeiner Angelegenheiten wird eS nicht fehlen, am besten wäre es. wenn wir alle Kollegen, die schwarzen und die Hellen, Herangehen könnten, nicht gerade, daß ich meine orthodoxen Kollegen so unbändig liebe, aber die Unter- Haltung soll eben die Geister aufrütteln. Die Rabbiner sollten ferner aber auch so geschridt sein, um von denLehrera etwas zu lernen; provinzielle ^Verbände müssen gebildet werden, mancher Verband |'iann sich auch auf mehrere Provinzen erstrecken, diese engere Vereine künncn Vorarbeiten und sind auch am ehesten ge- ■eignet, die Gegensätze der Prrhrten zu versöhnen. Wissenschaft. «irfarungr« aus dem Amte, öffentlich« ^Angelegenheiten, gesellige Unterhaltung, alle« müßte herhaltrn, jf um dieTheilnahme an denBerhandlungrn angenehm zu gestalten. £ Um einen Berbandtag irgendwo azuhalten, bedarf e« £ feiner Einladung der dortigen Gemeindebehörde, obgleich wir ondererseitS gastfreundliche Aufmerksamkeit nicht zurückweisen - sollen. Auf intime Brrathungen jedoch darf sich der Verein nicht beschränken, er muß da, wo er sein Zelt aufschlägt, Lorch Borträge, durch Erörterung allgemeiner Fragen, für die dl« Referate wohl vorbereitet und druckreif sein müffen, nach wohl durch eine Predigt, die Gemeind« anregen. Er muß endlich keinerlei StandeSintrressen verfechten. Wir haben alle unsere materiellen Sorgen, aber wenn wir einmal zusammenkommen, wollen wir diese - Sorgen weit hinter un« schleudern, um un« gegenseitig anzuregen und zu belehien." Gerichte w»d Dentfedlwnd. Mnßtzeßnrß. (Antisemitische Logik.) ,Warum bleiben immer mehr deutsch: Mädchen sitzen?" fragt da« Antifemitenblatt ״Volk", und kommt in der Beantwortung dieser pochweisen Frage zu folgendem curiosen Schluß: »Ein Jude heirathe׳. immer wieder eine Jüdin. Dagegen mehren sich unter Offizieren und studirten Leuten di« Fülle, in denen sich ein deu'scher Mann an den jüdischen itzeldsaek verkauft. Selbstverständlich bleibt dadurch eine enrprechend« Anzahl deutscher Mädchen einfach sitzen. Da nun neuerdtrg» di« Juden in alle Berusszweige schaaren- .weis« eindrtngen, so verloren die deutschen Mädchen immer mehr Au«- sichten auf Bersorguna Der jüdische sng. billige Mann häuft Hletchthümer aus Reichthümer und der deutsche sog t Heu re Laufmann erhält sich notdürftig aufrecht. Laust nur weiter zum Juden, ' ihr lieben Hausfrauen, und kauft beim billigen Manne Schundwaare. wenn aber Sure Dächte, alte Jungfern werden, dann wundert Such »ur gar nicht, Ihr seid selber €$ulb daran, «eil Ihr immer nur billig, billig beim Jude» gekauft habt! Mächte sich doch jede deutsche f -MuÄer vergegenwärtigen, dah sie ihrer Liebltngttochter jedesmal ein« ll'AuHficht aus Kerbeiratung wegnlmmt, so oft sie einem Juden etwa» {•«Häuft oder an ihn veriauft - Da« also ist t«S Pudel« Kern: Kauft nicht bei den Zuden l . 21. December. (Or.-Eor.) An Studienjahrr 1889.90 haben nach Angabe der Dentsch-socialen Blätter an der hxftgen Universität 287 Personen, darunter 80 Juden, promoviert und zwar waren dieselben in folgender Weise vertheilt: Nach der Konfession: 155 Evangelische 28 Katholiken 80 Juden 6 Dissidenten Nach der Fakultät: 8 Juristen 183 Mediziner 96 Philosophen 287 Bon den Juden waren: 3 Juristen, 48 Mediciner, 31 Philosophen, (darunter: 22 Chemiker, 7 Philologen, 1 Mathematiker, 1 Physiker.). Wir wollen diese Zahlen einmal gelten lassen, so ergeben sich daraus ungefähr 30'/, jüdischer Dostoren an der Berliner Universität. Würden wir aber z. B. die Promotionen an der R o stocke r Universität in ähnlicher Weise feststellen, so könnten alle Katholiken über den ungeheueren Procentsatz von Evangelischen und ebenso die Evangelischen über die katholischen Promotionen in München Jammerlieder anstimmen. Berlin ist eben diejenige Universität, welche d-e jüdischen Studenten vorzugsweise besuchen. Wenn eine Statistik de« gesammt en Reiches mit seinen Universitäten (bez. Promo» tionen) vorliegen würde, so würde daS Resultat ein ungleich anderes sein. Sodan» sind in Berlin allein die Juden 15'/, der Einwohnerschaft, und da sollen die Procente ihrer Promotionen etwa gennger zu erwarten sein! Ferner aber ,st hier dasselbe zu beachten, wie bei dem Besuche der höheren Lehranstalten seiten« der Juden überhaupt. Die Juden sind vorzugSw::se Städter, und bekanntlich sendet die städtische Bevülke ung ein bei weitem größere« Kontingent von Schülern in die Universitäten, al« die Landbevölkerung. Wir wollen schließlich keineswegs bestreiten, daß die Juden wirklich ganz besonders bildungsfreundlich sind; aber Bildung«- trieb ist eben nur in den Augen der Antisemiten ein Verbrechen. Denn Antisemitismus und Bildung vertragen sich durchaus nicht. Und wie sich die antisemittsche Moral durch kine Gründe der Humanität beeinflussen läßt, sondern unentwegt, aller wahren Moral zum Trotz, ihren Weg verfolgt, so ist eS auch unmöglich, die antisemitische Logik durch irgendwelche Schlüsse oder Gründe der Logik zu widerlegen. Wohnt der Jude auf den! Lande, so soll er in der Stadt wohnen; wobnt er in der Stadt, so hat er Scheu vor dem gesunden Lande; besucht er keine Schulen, so ist er bildung«- feindlich, besucht er die Schulen, so macht er den Herren Antisemitlein in ihren Stellen Konkurrenz. Die Juden treten nicht zur Landeskirche über, nun, so sind sie gottlos, Juden aber, die sich taufen lassen, werden Heuchler titulirt. ieht der Jude vor Jemanden den Hut ab, so ist er ein iecher, thut er es nicht, so ist daS «ht jüdische Frechheit. Am schlimmsten aber ist eS, wenn ein jüdischer Gelehrter zu größerer Bedeutung gelangt, als ein Nichtjude; dann macht sich eben dir semitische AsterweiSheit und Zudringlichkeit geltend. — Beharren wir getrost bei unserem Bildung«- trieb, lassen wir jencn die — Verrohung. JSnti«. Hervorragende Männer unter Führung von Gneist u. Rickert haben den .Verein zur Abwehr de« Antisemitismus״ gegründet. Der Verein fordert die Männer aller Parteien auf, angesichts der so stark betriebenen antisemitischen Agitation und der massenhaften Verbreitung antisemitischer Schristeu, namentlich in ländlichen Bezirken, sich zur Abwehr in Wort und Schrift zusammenzuthun. Der Erfolg ist ein sehr günstiger. Werkt». Der ß 14 des BolkSschulgesetze« erhielt nach langer Debatte in der Kommission folgende Fassung .Bei der StnrtchMug der Volksschule sind dl« konfessionellen Verhältnisse möglichst zu berücksichtigen. K 14». Der Regel nach soll «in Rind den Unterricht durch einen Lehrer seine» Bekenntnisse» empfangen. Ohne den Religionsunterricht durch einen Lehrer seine« vekenntnisse» soll grundsätzlich kein Sind bleiben, welche» einer vom Staat «»erkannten Reiiglonsgefellschast angehän. Zur Dheilnahme

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