Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 52 (25.12.1890)
- Date
- 1890-12-25
- Page
- Seite 396 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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WL f I hfl■ &:ן*מד*י. tiefere SBusSe« Zn Mmm UnterrichtSgeAmsiande entdeckt nuin fo wahrer Pädagogik als in dem Unterricht der Religion) fok «1 dir diese« Tag in den Schulen angetroffen unrd; von religiöser Bildung kann man fast gar nicht reden.' Soweit Diesterweg. Wir sehen also, wie die Auffassung unsere« Kaisers über den Unterricht in Religion mit der Diesterweg« fast übereinstimmt. BemerlenSwerth ist bei dieser Gelegenheit noch der Umstand, daß in nahen Beziehungen zum Kaiser ein Forscher steht, der den Monarchen auch virlfach auf Reisen begleitet hat und dem es auch verstattet war, sich offen über seine religiösen Erziehungsmalmen auszujprrchen — wir meinen den Afrikareisenden Paul Güßfeldt*) —; dieser hat eine Broschüre veröffentlicht, betitelt: ״Die Erziehung der deutschen Jugend'; worin wir folgende beherzigrnswerthen Aeußerungen finden: »Eine Erziehung, welch« ganz allgemein für die Jugend Deutschlands gelten soll, hat vornehmlich dahin zu wirken, daß die Keime sowohl der Irreligiosität wie der Jatolerauz unterdrückt werden; sie muß ihre Zöglinge mit der Erkenvtniß durchdringen, daß cs etwas Höheres, Uebermenschliche« giebt, das kein Verstand der Verständigen zu dvrchdringen vermag; muß es aber dem Geistlichen überlassen, das Glaubensbekenntniß und die religiösen Ueberlieserungen zu lehren, welche die geistige Ohnmacht ersetzen sollen. Auch ist die angestrebte harmonische Bildung so beschaffen, daß jedes Glaubensbekenntniß darin wurzeln kann.' Aus diesen Ausführungen erhellt der religiöse Stand- Punkt unseres Kaisers deutlich genug. Er konnte darum mit vollem Rechte beim Schluß der Schulkonferenz an deren Mstglicder folgendes sagen, indem er darauf hinwies, daß e« bei der Eröffnung der Confercnz ausgefallen sei, daß er nicht der Religion Erwähnung gethan Hab«: .Ich war der Ansicht, daß meine Ideen und Gedanken über Religiou d. h. über da- Berhältniß eines jeden Menschen zu Gott, welche sie sind und wie heilig und hoch sie mir sind, so sonnenklar vor Aller Blicken daliegen, daß Jedermanu rm Volke sie kannte. Ich werde selbstverständlich al» preußischer König, wie al« inamu episcopas meiner Kirche c« «ein« heiligste Pflicht sein lasse, dafür zu sorgen, daß da« religiöse Gefühl und der Funke chrlstlicheu Geistes in der Schule gepflegt und gnoahrt werde.' Diese« Wort bedars keines weiteren Eommentars und besonderen Hin- «eise«, daß hier unter christlichem Geist die unverfälschte Religiosität und echte Glaubensduldung zu verstehen ist. Hoffenllich ist die Zeit nicht allzufern, in der in den weitesten Kreisen d«S deutschen Volkes sich der Gedanke Bahn bricht, daß nicht das Glaubensbekenntniß an sich die wahrhaft religiöse Gesinnung eine- Menschen gewährleistet, sondern daß, um mit dem hochsel. Kaiser Wilhelm zu reden, ״dir wahre Religiosität im ganzen Verhalten de- Menschen sich zeig».' - Der deotsche RAbbimerverbflnd. Nachdem wir bereits in Nr. SO (unter Magdeburg) die ״Einleitung'deS nachfolgenden Artikels wiedergegeben, lassen wir nunmebr auch den andern Theil desselben folgen, der Angesicht» der in nächster Woche stattfindenden Berathungen de« Eentralausschusses des R.-B. in Ber lm, zu denen auch einige College» au« dem Umkreise Berlins eingeladen sind, von acturuem Interesse sein dürste. Der gesch. Kollege schreibt: .... Der Rabbinerverband hat mit großm Schwierigkeit« zu kämpfen. Wer ist Rabbiner? Schon diese Frag« macht Kopfzerbrechen genug. Gewöhnlich versteht man darunter einen Mann, der von einem Rabbiner rin Zeugniß 1 Gühseldt gehört bekanntlich zu de» Vertrauensmännern, die an der höher» Ort» zusannnenberufene» Lonserenz zur Berathuna von Sagt» «ber da» höher« Schulwesen theilnahmen. Di« vom Kaiser in feiner «röffnunaörede geäußerten «nfichten tede» sich fast vollfülndig iirit fefitta 0Ütfclbt’l9 erhalte« hat auHübt. mache», Osten amtirt Gelehrter, deutsch« vorstellt. Andrers die auf Top! gewichen; m Lifsaer Rabl eine Autoriß dem Caudida! Talmud vor! . firl . tu einer Genwinde entsprechende Fun der Xabbiaerveiband würde doch große Auge» a nun irgend ein Talmudist, der im entlegene» mb nach jenem Priocip: ״mein Mann ist ei« :n kann er nicht schreiben," mit der [tft noch kaum vertraut ist, sich zur Aufnahme ist der Werth dieser talmudischen Weisheit, und Löffel Bezug hat, offmbar im Kurse erzählt sich aus alter Zeit, daß der alte ler (R. Jocob-Lifsa), wenn Jemand von ihm n zum Rabbiner haben wollte, nicht seltm n eine schwierige civilrechlliche Stelle ans dem te, und wenn der junge Manu hier sich gut berauSfand, H erhielt er sein Zeugniß und der Examinator kümmerte sichp nicht weiter darum, wir weit der Examinirte in die Mhsttiri« von Fleisch und Milch oder der talmudischen Tuberculose ringedrungen sei. litt ist ^bekannt. daß vor .jenen Jahren' manchmal ein großer palmudischer Meister in ein hervorragende« Rabbinat kam und sich dann, da die Meisterschaft sich auf gcchz anderem Gebiete bewährt hatte, einen Gehilfen für! die laudläusigen rituellen Fragen mitbrachte. Vollend« in!,heutiger Zeit wäre es absurd, ein Zeugniß über di« AMatniß der auf die Speisegesetze bezüglichen Paragraphen als das entscheidende Kriterium für den Rabburer anWsehen. Derartige Atteste sind zudem oft noch leichter zu erreichen al» Doktortitrl. .Aber selbst auf großen, mit Recht gerühmten theologischen Anstalt« kvianm in dieser Beziehung wunderlich« Diuge passirm. Notorisch« Gelehrte auf dem Gebiete talmudifcher Wissenschaft, deren Namen von jüdischen und christlich« Kennern mit der größten Achtung gmannt werden, habe» ein« Zeit lang dies« Klippe der Prüfung nicht überwind« können, weil ihr hervorragender, von wichtige« talmudischen überängstlichen Lehrer dieser hochbegabten Schüler glaubten dabei noch Wuader wie gewissenhaft zu verfahren. In einer geradezu possirlichea Verkennung dessen, wa» die Wissenschaft und was da» Leben fordert, wird einer Kenntniß, welche besten Falls nur ein« wcnzige Parzelle des JudenthumS darstellt, ein übergroßes Geimcht deigetegl. Und diese Kenntniß. soweit sie im Amte Verwendung findet, ist, w«n sie nur nicht gewaltsam zum Gegenstand tiefgehender Studien gemacht wird, so leccht und bequem mitzuthell«. Gerade die grundgelehrte Methode, die ge» »ähnlich hierbei in Anwendung kommt, und die Jahre tostbarer Zeit hinwegrafft, macht es schwierig, die Fälle, die in der Praxis de« Amtes Vorkommen, korrekt zu entscheiden.. Gegenüber diesem Zustand rabbinischer Studien sollte der Rabbinerverband seine Pforten weit geöffnet halten für Jeden, der eintreten will Es sollte, weil das Reifezeugniß zum Rabbiner sich gerade auf da« Unwesentlichste bezieht, weil einer ein au«ze»eichnetrr Prediger, eia vortrefflicher Kenner der Schrift, der Religi»««- Philosophen, ja de- Talmud, kur» eia großer jüdischer Ge» lrhrter sein kann, ohne in dieser Lungen-, Magen- und Speisetuud« zubrilliren, nicht viel geftagt werden, ob einer diese Autorisation zum Rabbiner überhaupt besitzt. Die größten Diebe haben manchmal die besten Pässe, und so haben zuwellen ganz dumme Menschen glänzende Zeugaiffe. Es giebt in Deutschland tüchtige Leute, die als Lehrer angefangen Hab«, aber sich selbstständig im Amte fortgebildet haben und die zweifello« denen vorznziehen sind, die nachdem sie die Zeugaiffe und die E«ennung zum Amte in der Tasche hcUtm, zu lata« ausgehürt haben. Der Rabbinerverband ist keine Behörde, kein« gesetzgebende Körperschaft, um so weniger hat er cS nöthrg, dm Kreis so eng zn