Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1890-12-25 · 52 (25.12.1890) · p. Seite 395

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
52 (25.12.1890)
Date
1890-12-25
Page
Seite 395 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/6492344-5935074-5959553--0453-5374039
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

aewähl che tut eignet sei, in den &!fern eine falsche Anschauung de» Ber» hältnisseö hervorzurr sen. Ich kann »ich freilich vor Miß- Verständnissen nicht schützen, aber ich Hütte erwartet, daß wenn eia böswilliger oder thörichter Leser aumeinem Aus» satze Angriffe auf da« Judenthum herau-aelesen haben sollte — daß mich dann Herr Rabbiner Dr. Buchholz gegen denselben in Schutz nehmen würde, anstatt selber über mich loszuziehen.') Wenigsten« würde ich. wenn Jemand den Buchholz'schen Auffatz verkehrt auffassen und z. B. seinen Inhalt in die ®orte zusammen fassen würde: ״Herr Dr. Buchholz bestreitet, daß da» Judenthum eine Religion der Brrsühmmg sei", itm antworten: ״Da« haben Sie falsch verstanden; da« thut Buchholz nicht — da kennen Sie Buchholzen flach!'') Hochachtungsvoll und ergebenst Syndikus Dr. Minden. Der Neligio» »Unterricht ««ch de« nette» vslkAschnl-ese tz»Entwurf «mV »ent Inifer״ «che» «rlatz »o« 1. Mai 1889. Bon Mort- Spanier in Magdeburg. II. Wie wir bereits andeuteten, athmct der kaiserliche Erlaß vom 1. Mai 1889 einen ganz anderen Geist al» der Goßler'sche Bolksschulgesch-Eutivurf. Während letzterer vom Stand- Punkt de« streng«lirchliten Bekenntniffe«, de« einseitigen Dogmenglaubens dictirt ist, ist rrsterer ein Produkt echter Religiosität"). In dem bezüglichen kaiserlichen Ihr« Ansicht stritt sich al« gletchwerlhtg nrbrn die ander«, dag sich die an jedem neuen Jombppur verkündete Versöhnung nicht blo« aus die Bekenner de« Judenchrm« beschränkt, sondern auf die ganze Menschheit erstreikt. Hätte ich 2t« bekämpsen wollen, so wäre hier ein weite« Feld für leichte Sieg« geuusen Indessen — dazu Hai Buchholz keine Lust! (S. oben Am». 1) •) «Da» tlhristenihum ist di« Religion der Liebe, da« Judenthum dir der Versöhnung', da« sind nicht Au«drtute, sondern «ätze, die »ich« au« Ihrem «edintengange hera»«genommen, sondern da« Factt desselben sind. ' Wenn diese« mit Ihren vorhergehenden Ausführungen im Widerspruche steht, so ist da« Ihr« Schuld. Wenn St« sagen: «Spanien ist da« Land der Kastanien, Italien aber da« der ilttronen,' io heisst da« doch: I» Spanien wachsen mehr Kastanien, al« in Italien, in diesem Lande aber mehr Eilronen al» in jenem So können auch Ihre Sätze keine andere Bedeutung haben al«: da» llhristrnthum ist «lesenig« Religion, in welcher dt« Liebe «ine wichtigere Bedeutung hat al« im Iudenthum, und dies« Behauptung Hab« ich in meinem Artikel «l» falsch dargethan Ihren Aussatz :,ab« ich nur al« symptomatische Erscheinung einer ge vissen Richtung im Judenthum der Gegenwart erwähnt, welche ohn,: genügende Senutniss der jüdischen Lehre über dieselbe Unheil« öffentlich ausspricht, welche geeignet sind, falsch« Anschauungen über da« iSerhältniss der beiden Religion«» zu rtnander zu verbreiten und daruni gerade in unserer Zeit, wo der Abfall anf der einen und die Schmö,sucht auf der anderen Seit« ihre Orgien feiern, gefShrlich sind und zurückgewiesen werden müssen ') Sie irren sich wieder einmal, geehrter Herr! Diese« vom Paukboden und den Raufbolden hergeholte Won setzt doch die Absicht «ine« ktzmnpse«, ja sogar einer Verwundung de« Gegner« vorau«. Oben «ber haben Sie mich im Verdacht, dass ich Ihnen «zarte Aufmerksamkeiten' erweisen will. In >>er Thal nenne ich Ihren Aufsatz einen «schöngeschriebenen' und setz« bei Ihnen die beste Absicht voraus. Wenn Sie sich dennoch verwundet fühlen, so müssen Ihr« Schmerzen doch einen andern Grund Hab:». *) Wenn ich nt. n Ihre Entgegnung noch einmal durchles«, so kann ich für dieselbe, neikn einiger Aichtigthuerei, absolut keinen andern Grund finden, al« dir Absicht, diesen ebenso schöne«, wie witzigen Schlusssatz au« Etinde'» vielgel>!sene« Buche anzubringr». Und mit Recht! denn «it dem letzte» Worte desselbe» haben (Sie selbst di« Eensur unter Ihr Scriptum öesetzt. Landrabbiner Dr. Buchholz. *) Was in der Anmerkung zu tz 17 des Entwurf» — um die« »och einmal zu wiederholen, da der bti.-rffend« Satz iir meinem ersten Artikel leicht zu irrtümlicher Auffassung Anlass geben kann — inbezug aus den allgemeinei« christlichen und ganz allgemeinen Religion«» unterricht al« ״unterechtigt, unchrtstlüh und jedenfalls al» unau«- fiihrbar' bezeichnet »ürd, ist »ach Dieüerwea« Ueberwmguna inbezug «ch den streng cmteffionell - dogmatishe» ReltaiMW>»we7i ht ״un- ,«enschlich. unpäda^st^ tzchv»»^,»», «gut Messe uö» M flriM■■ coPMÜstistischeu und söeialistttchr» Jrrlchre, hstD» wiesen und daran werde« besvnderr Erwäß»»>» knüpft, dir der Beachtuua zu empfehlen seien. Al« Ne. 1 figurirt folgcude These, die von hervorragender Bedeut«,» und von solcher Tragweste ist, daß sie nicht nachdrücklich genug gekennzeichnet werden kann. Sie lauttti ״Um de« ReltgionSuntericht in dem augrdeutete« Sinne fruchtbarer zu machen, wird e« erforderlich sein, dt« ethische Seite desselben mehr in den Bor der» grund treten »u lassen, dagegen den Me«srtrst»ff auf da« Roihwevdigfte zu beschränken.' E* ist intrreffant, diesen Satz mit folgenden rühmliche« Al»«» sprüchen de« kaiserlichen Großvaters, ruhmwürdigen Augedenken«, dem ja unser jugendlicher Kaiser al« Ideal nach» strebt, zu vergleichen. Am 8. November 1858 äußerte der Prinzregcnt. der spätere Kaiser Wilhelm I.. in seiner Auspräche an da« neue Gtaat-ministerium folgende«: ״Die wahr« Religiosität zeigt sich im ganzen Berhaltea de« Menschen, da« ist immrr in« Auge zu fassen und von äußerem Sebahrrn und Schaustellung zu unttrschechea". und am 14. Mai 1878 nach dem berüchtigten Attentat richttte Kaiser Wsthelm folgende Worte an da« Staat«» Ministerium: .In erhöhtem Maße ist es Aufgabe der Regierung, dahin zu wirke», daß die revolutionären Elemente nicht die Oberhand gewinnen. I»«besondere kommt e« darauf an, daß dem Volke nicht die Religion verloren geht.' Nicht« von engherzigem Eonfessionali«»»«, jede« Wort bekundet den hohen ethischen Standpunkt, die edle Gesinnung de« erlauchttn Monarchen, und ein gleiche« Leitmotiv erkennen wir in dem angeführten Satze unsere« jungen Kaisers. Jedoch dürftt nicht Jedem die hohe Be» drutung de« kaiserlichen Worte« von der Betonung der ethischen Seite de» ReligionSunttrricht- und der Beschränkt« de» Memorirstoffe« auf demselben Gebiete sofort einleucht«»» sein, darum möge folgende« als Erläuterung dienen. Bor allem ist da« Moment von besonderer Wichtigkeit daß sich da« kaiserliche Wort in diametralen Gegensatz zu den ״Regulativen" stellt, gegen die vorzugsweise Diesterwea, den wir unlängst in diesen Blätteru gefeiert haben, in fo energischer Weise Front gemacht, und der demzufolge einen tödtlichen Haß seittnS der Junker und Pfaffen, dir syste» matisch auf die Verdummung des Volke« hinarbeiten möchte«, sich zugezogen hat. Der herküminliche Religionsunterricht und der nach den Regulativen beruhte nämlich auf eitel Gedächtmß» kram. Und nun bekennt sich unser Kaiser in bezug auf den Religionsunterricht zu dem Standpunkte D'esterwtg». und anderer freisinniger Pädagogen, die weqen ihrer m» religiösen Anschauungen von orthodoxer Teste verhetzt u»d verfolgt wurden. Welche Forderungen stellr denn- Diesterweg a« de» ReligionSunttrricht 7 Nach ihm soll derselbe den ganze« Menschen bilden. Die religiöse Bildung ist wesenstich GemüthSbildung; die Richtung des ganzen inneren Mensche« alerkennrl.de«, fühlende« und begehrende« Wesen ans das Höhere. Folgende Momente sind in der religiösen Bildung bt» Menschen zu unterscheiden L. das eigentlich reli» giöse, die religiösen Borstellungen und Begriffe, Gefühle und religiösen Handlungen; 2. das sittliche, oaS sich auf das rechtt Verhältnis des Menschen zum Menschen bezieht und 3. da» ästhetische Moment, die Liebe zum Schönen, die Darstellung de« schönen Menschenlebens. ״Dtt Bildung de« Gemüth« gedeiht nur in reiner Luft, in heittrer Um» gebung, in gemächlicher Stimmung. Die Religion soll nicht Niederdrücken, sondern befreien, erheben, beglücke«. Nun weiß jeder, daß nicht» die höheren Bermögen, de« Flug de« -eiste«, mehr niederdrückt al« Belastung iw» Gedächtnisse«, al« wörtliche« Au»wendigl«r«ea «asseuhaster Stoffe, al« der Gedäcktnißtra». Diese« Ungethüm, dies« traurige Erbschaft geistloser Schul» chranueu, hat der Religion, wie der -esammttn Jugend»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.