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Israelitische Wochenschrift · 1890-12-25 · 52 (25.12.1890) · p. Seite 394

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
52 (25.12.1890)
Date
1890-12-25
Page
Seite 394 (sequence 2)
Language
German
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hätte ok oas tä^icke Brod. Hir^h« Massen oer Vertriebe««, AuSg>«esrne«, Vrrfnfizte» Beraubten, die sich «ach und «ach m de» flkmtistat eia» gesunden und angesammelt haben nnd Elend auf Elend häufen. Und nun denke man au diese elenden, zerlumpten, hohläugigen Kinder und diese mumienhaften, kraftlosen, hin» siechenden Mütter, wie sie uns selbst hier am Orte täglich vor Augen treten, — und nun denke man sich die von allen Seiten uns zukommenden Hilferufe: ,Erbarmt Euch unserer, unserer Frauen und Kinder!- und dann erst urtheilt, ob wir Recht hatten, den Aufruf zu erlassen oder nicht. Wir treiben hier keine Politik, sondern Unterstützung-» thätigkrit und kümmern uns weder um Franlrcich noch um Rußland, sondern wir suchen di« Unglücklichen zu retten — wenn» gelingen sollte — dir sonst dem unvermeidlichen Untergang« verfallen würden. Wie wir in der Begründung unsere» an die israelitischen Gemeinden Deutschlands versandten Aufrufs gesagt, ist eS unsere Absicht, das bereits im Jahre 1882 begonnene Unterstützungswerk, nachdem e» mehrere Jahre au» Mangel an Geldmitteln unterbrochen werden mußte, wieder auf» zunehmen. Bereits im Jahre 1883 hatte das Comitee den Beschluß gefaßt und durchgrführt, daß fortan nur noch Personen unterstützt werden sollten, welche unzweifelhaft darzuthun im Stand« wären, daß sie von ihren nächsten An» verwandten di« Heimath zu verlassen und zu ihnen zu kommen aufgefordert worden scien. Im darauffolgenden Jahre, als di« Mittel schon sehr knapp zu werden begannen, wurde die Unterftützungsthätigkeit noch weiter durch die Br» stimmung eingeschränkt, fortan nur noch Frauen und Kinder zu unterstützen und zu befördern, welch« zu den bereits ausgewanderteu Männern und Bätern sich hinbegeben wollten. Dir,es Programm wird nunmehr auch noch ferner ringehalten oder erweitert, je nachdem un« hierzu die Mittel geboten werden sollten. Bon einer Ueberfluthung von Hülfesuchenden und Rassenauswanderung nach den Grenzen wie im Jahre 1881—82 kann absolut keine Rede sein; die russischen Glaubensgenossen sind von unserem Vorhaben verständigt, kennen unser Programm ganz!;enau und wiffen, wie weit wir gehen können und dürfen. Einen ,unzeitgemäßen Ausrufnennt die Alliance in Pari» den unsrigen. Wir aber bleiben des Wortes der Schrift eingedenk: »Du sollst nicht stille stehen bei der Blotgefahr Deines Nächsten!- Wenn ich Jemand ertrinken sehe, dann sehe ich mich nicht lange um nach einem Schwimm» güriel, um auch ganz sicher zu sein, mich und den Er» trinkenden retten zu können, oder gar, wie die Pariser Miaue« will, ich gehe nicht «rst hin und lasse den Ofen Heizen, damit der später aus dem Waffer Gerettete eine warme Stube finde. Hier heißt es: .Rette die dem Tod« Verfallenen!- und wäre eS selbst mit eigener Lebensgefahr. Man wird .eine große Verantwortung auf sich laden-, wenn man stillschweigt, die Sache hinzögert, oder gar dem zur Rettung Gekommenen in ven Arm fällt — für diesen .Rettungsrufwollen wir die Verantwortung schon über» nehmen. Und nun, Ihr Glaubenrgenoffen aller Welttheil«, ergcht nochmals und noch dringender die Bitte: Gebt uns die Mittel, den Unglücklichen Hülse und Rettung zu bringen. Wir verlangen nur einen ganz kleinen Bruchtheil von Eurem Ueberflusie. Jeder grspendett Pfennig ist eine RettungSthat und findet Rettungsdank bei den Unglücklichen und Rettungslohn bei dem Gotte de» Heils und der Hülfe. Memel. Weihefest 5SS1./1890. Dr. Rüls. Berlin,' 11. Dezember 1890.'" Sehr geehrte Redaktion! Hierdunh bitte ich Sie? ganz ergebenst um Aufnahme folgender Zeilen?) In seinen Ausführungen über die Nächstenliebe in der jüdischen Religion in Nr. 49 Ihrer geschätzten Zeitung polemosirt') Herr Landrabbiner Dr. Buchholz «ge» einen von mir herrührenden, in Nr. 37 der Allg. Zta. ve» Juden» thum» abgedruckten Auffatz: ,Die Religion der Versühnung.- Wer meinen Auffatz nicht zur Hand hat — und da» dürfte wohl die Mehrzahl Ihrer Leser sein — muß nach der Buchholz'schen Schilderung annehmen, ich bestreite der jüdischen Religion da» Gebot der Nächsttnliebe oder wenigsten» die Ausdehnung diese» Gebot» auf die Nicktjuden. Er muß mich für einen Anhänger de» von allen christlichen Theologen seit vielen Jahrhunderten behaupteten Satze» halttn: .Der Gott des alten Testament» sei lediglich der Gott ,de» Zorn» und der Rache-, — einen Satz, den ich für unrichtig halte und bei jeder Gelegenheit bekämpft habe. Nun hat H*tt Dr. Buchholz übersehen oder wenigstcns wiederzugeben nicht für nöthig befunden, daß mein gedachter Auffatz mit dep Worten anfängt: ,Al» vor beinahe 19 Jahrhunderten das Christenthum als ein« Sekte der jüdischen Religion entstand, und die Lösung seiner weltgeschichtlichen Aufgabe, die heidnischen Völker in die Bahnen monotheistischer Welt» anschauung hineinzuziehen begann, nahm eS die jüdische Sittenlehre, die mosaische Ethik, deren Aus» gangSpunkt der Satz ist: Liebe Deinen Nächste« wie dich selbst, in sich auf und nannte sich gerade nach diesem Satze: die Religion der Liebe.- Ich habe dann im Fortgang der Ausführung hervorgehoben, daß sich die an jedem Jomtippur auf» Neue verkündete ,Versöhnung nicht bloS auf die Be» kenner des JudenthumS beschränkt, sondern auf die ganze Menschheit erstreckt-?) Ich habe also Alles, was Herr Dr. Buchholz bestreitet, nicht behauptet, und was er benutztet, nicht bestritten. E» ist mir daher unerfindlich, warum er meinen Artikel be« kämpft.') Will er mir etwa bloS eine zarte Aufme.ksamkrit erzeigen, indem er mich mit Schleiermacher, Gneist. Birchow und Steinthal zusammenstellt?') Herr Dr. Buchholz frägt mich: .Und liegt denn in dem VersöhnungSgedankn de» JudenthumS nicht ein unendlicher Schatz von Liede?- Ich stthe nicht an, diese Frage mit einem unumwundenen Ja zu beantworten; mein ganzer Aufsatz war ja in der Tendenz geschrieben, zu behaupten, daß die Idee des Jomkippur das höchste wirklich erreichbare Ideal von Nächstenliebe darstellt.') Herr Dr. Buchholz hat auch noch gefragt, indem er au» meinem Gedantengange *>Wir habe«, um durch di« Reptil keine Duplit zu veranlasse» .. 1־t, und die .Entgegnung' Herrn Landrabbiner Dr.Buchholz zugesandt, veröffentlichen jene nunmehr gleichzeitig mit den abweisenden Argen» bemerkungen »unseres gesch. Mitarbeiter«. (Red.) *) Füll mir gar nicht ein, Herr Syndikus! Handelt es sich doch nicht um Psc »dbriese oder juristische Fragen. In reltgionswissenschaft» lichen Dinge dttturire ich mit Ihne» nicht. (Stehe weiter Anmert.«,) ף Ahc Darum also braucht man auch am Jomkippur nicht gerade I u d zu sein, das Lottes hauzu besuch», oder gar de« .Leib zu kasteien!' ') Vek «pst! Ach nein, mein Herr! Lesen Sie gef. die Sie angrhende § «lle in «einem Artikel noch einmal und Sir werden finden, daß h dort sage: .Wir sind überzeugt, daß der Bersafler (Herr Dr. M.) de, Judenthum etwa- Schöne- und Lutes nachsage« wollte." Rennen sie W>«: .bekümpstn'? ') Rel Ausmerksamj .) - höchste» L Geringste z> Tag« sühnt SV' 3 Herr Syndikus, denn das wäre weder zart noch ein« — ~ ■ aber bedürfen keiner Folt«. Id« des btbl. Bersöhnung-tage» ist der Au-dnuk der tesliebe, hat aber mit der Richstenliebe nicht das thun. Di« Stelle lautet bekanntlich: »Denn an diese» - r euch, um euch zu reinigen, von alle» euren Sünde» Lott rein «erden ' (Lev. 18,90) Au die Unterscheidung S) zwischen Sie wohl k» eichbar« Ideal «»lieb»

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