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Israelitische Wochenschrift · 1890-12-18 · 51 (18.12.1890) · p. Seite 390

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
51 (18.12.1890)
Date
1890-12-18
Page
Seite 390 (sequence 6)
Language
German
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מס die zdorte, die TodMage» seine» sa«e» an sein Bost Völker und nicht di« Händen seien. Diese der Wma g•! _ n Wilhelm de» ilet, daß die Fürsten um der ülkr um der Fürsten willen vorgoldenen Wort« habe er selbst in'» Praktische übersetzt, als er bei Gelegenheit einer Uederschwemmung sich eine Stunde lang in einem Nachen trotz Sturm und Regen mst der Rettung der vom Wasser bedrobtrn Menschen beschäftigte. Darum werde sein Anden«?, als Regent und Mensch in den Herzen aller Menschen ein gesegnetes bleiben. Chorgesang und ein Gebet des Rabbiners für das Seelenheil des Königs beschloß die würdige Frier. Artlfek, 6. Dez. (Or-Cor) Professor L. Kahn, der Direktor de» weltberühmten internationalen Handelsinstitntes, hat Sr. Maj. dem König Leopold II. von Belgien aus Anlaß seine» bevorstehenden 20jährigen RegiernngsjubiläumS eine Cantate, welcher ein hebr. Text untergelegt ist, gewidmet. Dieselbe, von dem Komponisten Erlanger in Musik gesetzt, hat die Form eines Akrostichons und zerfällt in 7 Theile und ein Schlußgebrt. — König Leopolds Gerechtigkeit gegen alle seine Unterthanen, sowie seine Weisheit und Tugenden, sein« Regierungshandlungen ivcrden in der geistvollsten Weise unter häufiger Anführung cntspr.Bil>elj«llen geschildert. Sicherem Bernehmen nach wird dieses Meisterwerk jüdischer Dichtkunst nebst der frauz Uebersetzung dem König am Jubiläumstage in besonderer Audienz überreicht werden. E«gla»d. Die Protest-Versammlung in derLondener Guildhall gegen die russische Juden Verfolgung. Der 10. Dezember des Jahres 1890 wird sicherlich als ein merkwürdiger Gedenktag in den Annalen der modernen jüd. Geschichte verzeichnet bleiben. An diesem Tage fand nämlich, wie in diesen Blättern bereits mitgctheilt, die Persammlung statt, welche vom Lord-Mayer auf Anregung der würdigsten Repräsentanten der öficntlichen Meinung in mraland einberufen wurde, um gegen das babarische Thun und Treibe» der russisch'n Regierung ihren jüdischen Unterrhcnwn gegenüber laut zu protestiren Die Guildhall, «in in der City von London gelegenes historisches Prachtgebäude, war vom Nachmittage des besagten Tages, obschon man nur durch eine vom Lord-Mayor ausgefertigte Einlaßkarte hineinkommen konnte, von Herren und Damen äußerst dicht gefüllt, die augenscheinlich bei besseren Klasse der Einwohner der englischen Metropole angehörten. Die mit rothem Tuche l-edeckte geräumige Plattform war nicht minder von einer Anzahl bedeutender Persönlichkeiten voll, die unter der böchsten englischen Nobilität und auf dem Gebiete der Theologie, Wissenschaft, Kunst und Litteratur die klan vollsten Namen führe». D<n Eindruck, den diese groj artige Versammlung aus den Beschauer machte, war höchst unposant. Wohl war das Wetter außerhalb kalt und nebelig, aber das von Hunderten von Gasflammen ausstrahlende Licht und die innere Wärme des Auditoriums für den zu behandelnden Gegenstand ließen die Strenge der äußern Elemente für den Augenblick vergessen. Pünktlich um 3 Uhr erschien der Lord-Mayor (der, nebenbei bemerkt einst Student am hiesigen College war) und eröffne« die Sitzung mit einigen einleitenden Worten, indem,er zugleich mehrere Briefe und Telegramme von abwesenden Ehrengasten vorlas, die aus unvorhergesehenen Gründen ^plötzlich verhindert wurden, der Sitzung beizuwohnen, zugleich aber auch schon im Voraus ihre Zustimmung zu den beabsichtigten Resolutionen gaben. Unter diesen abwesenden Ehrengästen, welche die Petition an den Lord-Mayor zur Abhastung der fraglichen Versammlung unterzeichnet hatten, sind besonders zu nennen: die zwei höchsten. Würdenträger der anglikanischen und katholffchen Kirche in England — der Erzbischof von Cauterbury und der Cardinal Wannina — einige englische Herzöge und dy .«MUMMe eaglffche Dichter von stürmische« Beifall oft unterbrochenen Rebe der Lord-Mayor auf die Tendenz der statthabenden SitzungZ hin, und meinte, daß die Londoner Bürger, die fett Jahr- -■ Hunderten immer gewohnt waren, gegen die Beeinträchtigung religiöser und bürgerlicher Freiheit, wo immer sie auftriE laut zu protestiren, sicherlich niemals einen besseren Grund dazu gehabt hätten, als gerade jetzt, wo die grausame Be- . handlang von mehr als fünf Millionen Juden in Rußland besprochen werden soll — und ihre Sympathien den letz«re» kundzugeben, sei der Zweck dieser Versammlung. Es würde zuviel Raum dies. Bl. in Anspruch nehmen, wollte ich hier auch nur einen kleinen Theil von denn bedeutenden Reden anführen, die an jenem historische. Tage von den verschiedenen Rednern zu Gunsten der jüb Rasse im Allgemeinen und der Juden Rußlands im Be» sondern gehalten wurden. Wir begnügen uns daher mit einigen Proben. Der Herzog von West min st er führte im Laufe seiner Rede die aus Frankreich vertriebenen Hugenotte« als warnendes Beispiel an «nd sagte: ,Die Hugenotten, wie Sie wisse», wurden ebenfalls verfolgt und aus Frankreich vertrieben. Hat aber Frankreich dadurch etwa« ge- Wonnen? Und glauben Sie, daß Rußland durch di« Bersolgung fclMr jüdischen Unterthanen etwas profittrrn werde? Ich glaube das Evtgegengesetzte behaupten zu dürfen. Aber manche Russen sagen: ״Ja, die Juden sind schlechte Bürger." Was ich der russ. Regierung t» dieser Sache zu erwidern «Ir die Freiheit nehme ist dies: »Wenn ei» Bolk von seinem Beherrscher beständig unterdrückt und verfolgt wird,-' mit welchem Grunde kann er erwarten, daß dasselbe Volk eine g»M-. Bürgerschaft bilden soll«? Doch, es steht zu hoffen, daß. wie einst t» \ Egypten zur Zeit de« hartherzigen Pharao, dir Israeliten ihre Ermtzs lösung gefunden haben, so «erde die Sonne der Freiheit, dir alle . civUisirten Staaten in Europa und Amerika beleuchtet, auch jetzt die j finstern Schatten der Trauer und des Elendvon den Juden Ruß» ן lands verscheuchen. Der Bischof von Rip on sag« un«r Anderem: Man behauptet, es ged« einzelne schlechte Juden: ist es aber-p recht und billig, die ganze jüd. Rasse für das Thun und Treibe«.' einzelner gottloser Individuen verantwortlich zu halten? Sicherlich giebr cS schlechte Charaktere unter den Juden, sind aber etwa all« Christen durchaus fehlerlos? Wenn Sie von Griechenland sprechen, k» denken sie natürlich nicht an die modernen Griechen, sonder« St« denken vielmehr au Perikle«, Aristides und Sokrates.^ Wenn sie von : Engländern sprechen, so müssen Sie nicht noihwendigrrweise dir hinter» ' bliedenen Begleiter Slanlcy's in Afrika ein Auge haben, aber Sic denken sicherlich an Männer wie D r a k e, John Howard und General G o r d o n. Und wen» wir von Juden sprechen , so verweilen wir nicht bei den Shylocks und Fagius, sonder» wir denken vielmehr an die Raffe, welche einen David, einen Judahs Maccabaeus und einen Sir Moses Montesio re der Welt gegeben hat. Wenn es schlechte Juden aiebt und gegeben hat, so ist es geschichtlich,-' scstgestellt, daß Christen oft sie dazu gemacht haben." Nachdem die verschiedenen Redner enthusiastffch applaudirt wurden, schloß der Lord-Mayor die Sitzung, in» dem er zugleich die Hoffnung aussprach, daß die einflußreiche Stimme der Londoner Bürgerschaft zu Gunsten der rnff. Juden einen Wiederhall beim Beherrscher derselben finde«., werde. — hritannia locata ent, wir wollen nun das Re»- sultat ruhig abwarten. Harrow (bei London), l2. Dezember 1890. Dr. Chotzner. Di« einstimmig zur Annahme gelangten Resolntione» erklären: die erneuten Leiden der Juden RußlimdS durch Inkraftsetzung strenger Ausnahmegesetze seien tief zu beklagen: in diese« letzten Jahrzehnt de« neunzehnten Jahrhundert« sei dt« Glaubensfreiheit ei» Grundsatz, der von jedem christliche» Gemeinwesen als eines der natürliche» Menschenrechte anerkannt «erden sollte. — Ferner wurde dem Szaren eine von dem Lordmayor im Rame» Londoner verleihe», welche keine übrigen Untertanen genießen Der Earl of Meath und Sir Joseph Pease sind beauftrag«, di«׳ Bittschrift dem Czaren persönlich zu überreiche«. RnfKiuii In echt antisemitischer Weise veri die hiesige ,Reue Zeit" die Bedrückung der Inden ir *) Der ^rtsr «lndfton. hlie»»ns dtpl»

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