Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 51 (18.12.1890)
- Date
- 1890-12-18
- Page
- Seite 391 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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' M Mir» Ne fa bet L-nbckGet DuMßaL Oünften der ruMymJuden gefaßt« Kefchküfse. Da» an sich nichts?^»wunderliches, seltsam aber ist «ü, daß :y' daS offiziös« Telegraphenbureau die Schimpfereien des rusfischen Blattes in großer Ausdehnung weiter verbreitet. ES handelt sich garnicht um eine Bedrohung der Unabhängigkeit Rußlands, sondern um die Abwendung ungerechtfertigter Bednickungsmaßregeln. Der Vergleich zwischen den Juden in Rußland und den Iren hinkt, denn die Irländer sind nicht wie die russischen Juden einer AnSnahmegesetzgebung unterworfen. Unabhängige Leute in Rußland urtheilen ganz anders, leider sorgt die Zensur dafür, daß chre Stimmen nicht gehört werden. So hat eine Anzahl russischer Schriftsteller und Kunst ler, etwa sechzig, einen Protest gegen die Judenhetze veröffentlichen wollen, was die Lberpreßverwaltung verboten. Der einzige Unterzeichner, dessen Name genannt werden darf, ist Graf Leo Tolstoi, an welchen sich die Regierung nicht heranwagt. Dieser Protest lautet: »Die von der russischen Preffe nach dem Borgange DeuschlaodS C״ ־verbreitete und beförderte Bewegung gegen die Juden bedeutet eine ft?Muerhörte Verletzung der fundamentalsten Prinzipien der Gerechtigkeit > und Menschlichkeit. Wir halten e« für nothwendig, das russische i Publikum an diese elementaren Prinzipien zu erinnern, deren offene » -Annahme die einzige Lösung der sogenannten jüdischen Frage ist. Die * bloße Existenz einer solchen Frage ist einfach eine Folge deffen, daß Ev am jene Grundsätze vergessen hat, daun würdige und schändliche Personen uuter allen Rationen vorhanden sind, ohne nothuiendlgerweise die ganze Nation auzupecken oder hinetnzuziehen, was, wenn dies der Fall wäre, Me moralische Verpflichtung des Einzelnen vernichten würde. Jede ly offenbare Feindseligkeit oder Handlung gegen die Juden als lyanzes. p' ober blo» deshalb, weil sie Juden sind, wäre eine Schwäche blinden nationalen Egoismus oder beschränkten Eigennutzes, was Beides nicht einen Augenblick gerechtfertigt iverden kann. Es ist ungerecht, die Inden verantwortlich zu machen für Mängel, welche durch eine tausendrige Bersolgung und durch die abnormen Bedingungen, unter denen haben leben müssen, bedingt sind. Wenn sie seit Jahrhunderten gezwungen gewesen sind, sich mit Geldgeschäften zu befassen, weil sie vou allen anderen Geschäften ausgeschlossen wurden, so kann die UNangenehme Wirkung einer so ausschließlichen Richtung jüdischer Energie ■Atfi durch weitere Verfolgungen betrieben werden, welche nur geeignet »Ire«, die Uebel zu verewigen. Ein Mitglied der semitischen Raffe ^zu sein und die Gesetze Mosis auszuüben, kann doch nicht den geringsten Grund zu besonderen Beschränkungen lediglich den Juden gegenüber abgeben, wodurch sie ungünstiger gestellt werden, als russische Unterthanen anderer Rasse oder anderen Glaubens. Da die russischen den die Lasten tragen und die vom Staate auseriegten Pflichten in '■*■ז־ Weise erfüllen, wie alle anderen Mitglieder derselben Bevöl- ^klaffe, so sollten sie auch dieselben Rechte haben, wie diese. Die Mwrkennung und Anwendung dieser elementaren Wahrheiten, sind Gichtig und nothwendig sowohl für unser eigenes Wohlergehen als /**m für dasjenige der Juden. Diese tiekqehende Erregung von Rossens- und Glaubenshaß, welche dem Geiste des Ehrisienthums so sehr widerspricht und gegen alle Gefühle der Gerechtigkeit und Humanität verstößt, ist geeignet, die Gesellschaft di« in den Grund zu ^Verderben und sie kann zu vollständiger moralischer Vereinsamung führen Die Sache ersckuint um so ernster angesichts de« merkbaren , Niedergange« humanitärer Ideen und der Abschwächung des Rechts- ' iMaiip* in unserer gegenwärtigen Gesellschast. Da» bloße Gefühl der ' .GMdfterhaltung verlangt daher eine entschiedene Lerurtheilung dieser j-a nt isemiti sehen Bewegung, weil sie nicht nur als unmoralisch Ha» sich, sondern auch als höchst gefährlich für die Zukunst Ruß- Alands angesehen werden muß.״ T<lS Gewissen der russischen Regierung muß sich sehr ldbewußt fühlen, wenn sie ein so maßvolles Schriftstück -iMterdrückt. _ 1• _ Ker«chchte »nd nnufkt Mschrtchtr«. Mugbaburu. Da» Levi und Pauline Franksche Ehepaar, da», > Mte bereit« in d. Bl. gemeldet, am 1. September sein goldene» Hochgettsjubiläum beging, hat nunmehr nachträglich lnachdem der rechtzeitig »icht zu beschaffende Drau schein mit entsprechendem Gesuch de« Rabbiner« Äreicht worden) von Sr. Maj. dem Ikaiser die Ehejubiläum«» llle verliehe» erhalte«, und hatte der Herr Rabbiner den Aller- « Auftrag durch den Oberpräsidenten von Pommeru-Esche e» diese sowie da» Kaiserliche Glückwunschschreiben de« Ehepaare überreichen. Die« gtschah am jüngsten «Sabbath in der Synagoge feierlicher «eise. Baelt«. Der gtlj. Medlc.-Rath Dr. «ed. Heinrich Zar ob so«, * ־ und leitender Arzt der innere» Abtelluug de» Hause», ist i». Mter von «4 Jahren Gstoebe» . f- Uttb, I» kt Leitung M PchMN»» eck kt Mger »e» KAniNr« LndwigTrünbe. " feiner Berufung nach Berlin war Jacobson in seiner Heimat 1 berg in doppelter Hinsicht al» Kliniker und Universitätslehrer __ Die Begabung zur medizinise^wiffenschaftlichkn Arbeit hatte Jaeätfd» erblich überkommen. Sein Vater, Ludwig Jaeobson, hat sich durch chirurgische Schriften hervorgethan. Ein längerer Bruder von ihm war der im vmiaen Jahr verstorbene Juliu» Jacobson, znletz» Königsberg« Ordinarius der Augenheilkunde, einer der hervorragendsten Schüler von Gräse. — Schlicht und einfach wie er bei selnm Lebzeiten gewesen, gestaltete sich auch die Trauerfeierlichkeit Jedenfalls in Erfüllung seines letzten Wunsches wurde am Sarge keine Grabrede gehalten. Rur der Chor der neuen Synagoge sang zwei Shoräle, und der Gebetsprecher hielt eine kurze Andacht ab. Die Letheiligung an der Feier war trotz der frühen Stunde eine sehr große. Vom Mlnisterium waren die Geh. Räthe Sersand» und Skreczka erschiene«, von Universitäts-Dozenten waren u. ׳ A die Professoren Senator, Brieger, Juliu« Bolff, S»ebner. Hirsch und Faßbinder zugegen. Die .Freie wissenschaftliche Vereinigunguud der .Verein für Ratur- Wissenschaften und Medicin" hatten Deputattonen mit den Verein«» sahnen entsandt. Einen großen Theil der Trauerversammlung stellten auch die zahlreichen Clienten aus der großen Praxis de« berühmten Arzte«. Berlin. Die Wahl de« zum vierten Rabbiner gewählten Hrn>. Dr. Stier aus Steinamanger ist von der Regierung bestättg« uud wird derselbe zu Anfang des neuen Jahre« sein hiesige« Amt anireten. — Der berühmte Bildhauer, Pros Anatolsky, ist von der hiesigen Malerakademie zum Ehrcnmitgliede ernannt worden. (A. ist ruff. Jude, vielleicht revanchirt er sich und haut einmal die Verfolger seiner Glaubensgenossen in einer Gruppe aus.) ID Ekelt«, den 14, Der. (Or -Corr.) Gestern Abend fand ein Lhanuka-Kindergottesdienst in der Synagoge der Gemeinde Bne Brith statt, wobei Herr Rabb. Tr. Krone * eine sehr ansprechende Chanukapredigt hielt. — An demselben Abend fand in Stein'« t^iesellschaftssalon da« Stiftungsfest des russisch-jüdisch-wissenschastlichen Vereins statt. Herr Mozkin hielt eine deutsche, Herr Tr. Brand eine russische, Heer Lewin eine längere hebräische Rede. Obwohl der Verein erst seit 2 Jahren besteht, zählt er dennoch schon über 80 Mitglieder. Bremen. Hier haben sich am 18. November wieder 2800 russische Juden nach Brasilien eingeschifft. Essen, 14. Dezbr. (Or.-Eorr.) Am Mittwoch, den 10. d. M., hatte unsere Gemeinde eine Schulfeier des Chanukkafefte« in der Rothenburg unter der Leitung des Herrn Oberlehrer« Graf veranstaltet, wie sie seit Jahren sich in unserer Gemeinde der allgemeinen Theilnähme erfreut. Rach einer vortrefflichen Rede des früheren Oberlehrer« Blumen selb, der sich über die Bedeutung des Lhanukaseste» »ach vierfacher Hinsicht in anziehender, für die Eltern wie für die Kinder belehrender Weise auslieb, sangen die Kinder einige sehr schöne Lieder. Hieraus begann das Festspiel von Juffus: »Die Lhanuka-Wunder-, welches der Herr Oberlehrer G. in mühevoller Arbeit deren einstudiN hatte, daß die Ausführung seiten« der Schulkinder der jüdischen Schule und einiger Kinder der höheren Schule eine ausgezeichnete genannt werden kan». Mit jedem Akt steigeNe sich der Beifall über die An und Weise deS Borttage«. Der Saal war bi» aus den letzten Platz gefüllt und konnte nicht alle fassen, die Einlaß begehrten. Bo» «eh- «nn Seiten ist an den verdienten Leiter de« Ganzen da» Ansuchen gestellt, zum Besten der Ueberschwemmten eine Wiederholung de« Stücke« stattsinden zu lassen. dtanensdnrg (Würlt.) 14. Iezemb.(Or.-Cor.) Vergangenen Mittwoch tvurde im Landauer'sche» Hause nach dem Religion»unterricht eia Jugendgottesdtenst abgehalten, bei dem He« Rabbiner Laupheimer au» Buchau die Feier durch eine Ansprache einlettete, worauf die Kinder die Benedicttonen »nd Lieder im Shore sangen und »bwechselungdweise «ltgiöfe Gedichte dortrugeu. Da« Landauer'sche Ebepaar ließ e« sich nicht nehmen, die Kind« auch festlich zu bewirtben. Ueberhaupt bekunde«, die Raven»burger Familien Häupter einen überaus lobenswenheu Eiseck uud eine seltene Opserwilligkeit für de» segensreichen Unterricht, de» sie nun 8 Iah« schon marrriell mit 200 Mk. unterstützen, außer der nicht unerheblichen Kultussttuer, die sie an ih« Heimathgemeinde. Buchau zu leisttn verpflichtet find. EBten Die beiden Königswarter'schen Stipendien für jüd. Theologe», um welche sich über 20 Kandidaten au« Berlin, Bre«l«u und Pest beworben, erhielte» zwei da« Breslau« Seminar besuchende Rabbinatscandidaten sau» Oesterreich). Gast. Die neue kunstvoll gearbeitete Menorah im hiesige» Tempel (in d« Tabockgaffe) ist i'/, Meter hoch und ebenso breit; »hr Stlberwerth ist 1000 Gulden. London. Baron Rothschild und viele ande« hohe jüdische Persönlichkeiteu fürchten von dem Pvotest-Meettng eine Verschlimmerung kr Loge kr russischen Juden. — Inzwischen läßt die russische Re^.ernng zur Beschwichtigung kr öffentlichen Meinung in de» ausländischen Blättern Mmeuen, daß die Gerüchte von kr Absicht, verschärfte Judengefetze zu« 1. Januar 1881 zu «lasse», unbegründet feien M. vetrrsÜnrg. Die htsher erlaubte Zahl kr jüdische» «tmliekr kr «iadtverordneten soll von 80 Prozent aus 10 Projeu» herabgesetzt wrrdtN.