Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 51 (18.12.1890)
- Date
- 1890-12-18
- Page
- Seite 389 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6492344-5935074-5959552--0446-5374033- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
!f £ im toorifjtn Jahre von 2 Mitgliedern «stiftete imicn für die bester! Arbeiten in der jüdischen Religion, 'chichte und im deutschen Aussatz. Nachdem noch eia .Weite» Lied vorgetragen worden war, ergriff der Bice- Präsident, Herr Rechtsanwalt Lange, dos Wort zu einer längeren Rede, in welcher er die Entwickelung de- Judenthum« auf Basis der Makkabäerzeit bi« zum heutigen Tage auSeinandersetzte. Auch dieser Vortrag erntete großen Beifall. Es folgte sodann eine allgemeine Kinder-Einbescheerung, womit der officielle Theil de« Festes beendet war. F. M. O»o Mürtew-eez. 14. Dezember. (Or.-Cor.) Bekanntlich hat eine würtembergische christliche Sekte, die ,Templer' oder .Kiischenherdthüfer" in Kaifa am Berge Karmel schon vor Jahrzehnten eine jetzt sehr blühende Kolonie gegründet, über die vor kurzem Bildhauer Paulus und Dr. Franz Paulus au« Stuttgart in einer Versammlung dieser Sekte benchieten; dieser Bericht dürfte jetzt, da die Kolonisation Palästina'S vielfach erörtert wird, auch für die Leser diese« Blatte« Interesse haben. Die .genannten Kolonien der Templer befinden sich heute in einem blühenden Zustande Und zählen etwa 1500 Ansiedler. In jeder ist eine deutsche Schul«, in Jerusalem außerdem ein Lyceum, in Jaffa ein Krankenhaus. Der Eigenthumswerth an Gebäuden, Ackerland und Bauplätzen beträgt etwa 3 Millionen Franken. Älrentabel erwies sich der W e i n b a u, der ein außerordent» liche« Erträgnis abwirft. Besonders in diesem Jahre ist da» Ergebnis ein so großes gewesen, daß die Kelterräumlichkeitcn kaum zureichten und man das Liter Wein für 6 Pf. kaufte. Ter Export von Palästinaweinen nach dem 'Mutterland« nimmt von Jahr zu Jahr zu und bildet eine Haupteinnahmequelle der Kolonie. Deutsche Maaren finden immer mehr Eingang; beispielsweise hat ein Handelshaus in Jaffa im vergangenen Jahr einen Eingangs-Zoll für Erzeugnisse deutscher Industrie von über 200 000 Franken Äl Die Kolonien wurden ganz aus eigener Kraft n Ansiedlern in de» jetzigen blühenden Zuftand gebracht und dürsten den jüdischen Kolonien als Muster dienen. .Für di« Schulen erhalten die Kolonisten einen jährlichen Beitrag von 4000 M. ch-er-A«ß»kße1» Wir lassen den Schluß des in Mr. 45 begonnenen Artikels unseres treuen, inzwischen so ilötzlich verstorbenen Mitarbeiterder Herrn Jos. Klingen- Nein folgen; eS ist die letzte Arbeit, die der Dahingrschiedene für unser Blatt, vielleicht überhaupt noch schrieb, sie athmet seine volle Liebe für den jüd. Lehrerstand, sowie seine ganze -Entrüstung über unwürdige Glieder desselben. Er schrieb sie am hundertsten Geburtstage Diesterwegs: Allerhand Früchte sind gezeitigt im Laufe dieses Jahr- Hunderts am Baume des Judenthums; vielerlei Bestrebungen könnten unfern Gegnern beweisen, daß das Judenthum lebt, baß eS noch lange nicht todt ist, daß die Judenheit ein- -zetteten ist voll und ganz für gar mancherlei Dinge, daß dir Juden an allen humanen und Bildungs-Bestrebungen - der Gesammtheit regen Antheil nimmt und daß auch der Sinn für sein eigenes höchste« Erbtheil in der großen Masse «icht erstorben ist. Aber, daS Eine, was Noth thut, - wovon man stet« spricht, wofür jedoch immer wenig oder .gar nichtgeschieht, die Ausbildung eines seiner Aufgabe bewußten, in sich gefestigten Lehrerstände- und würdige Stellung für denselben, rückt ttotz aller Redensarten nicht einen Zoll breit von der Ettllr. Tausende unserer Glaubensgenossen auf den Universitäten schreiten der höchsten Bildung entgegen und mit Schmerz, mit unendlichem Wehe erfahren wir, wie sie sich dem Judenthum mehr und mehr entfremden, weil ihre Jugendlehrer für Religion ohne alle Bildung waren und «icht ««mal die Achtung abnüthigen tonnten, welche Wurzel einer geseaneten Jugendbudung ist. — W« «n» dann »tqt führung, ertötet. Wir sehen, wie sie vom Baume de- Jude«- thum« abfallen, wie welke Blätter. Wir weinen nicht u«d beklage« un» kaum, ja eläßt uns vollkommen kalt, wen» die Commercienrath-töchterlein mit Hingabe de« Judenthumeinen adligen Secondelieutenant fischen, für den sie die .Portemannair'S" sind und bleiben, wir gönnen es de« baut, financiers, wenn sie, um ihrem adligen Namen darechte Air zu geben, sich taufen lassen, um sich in die Gesellschaft einznmischen, denen sie doch stet- Juden sind und bleiben. Bon dieser Sorte unserer sogen. »Großen" haben wir in diesem Jahrhundert als Juden nur wenig Segen gehabt, eher viel Unsegen, jo, sie sind dir AuShänge» schildcr des Antisemitismus geworden. Darum: Immer laufen lassen, waS sich nicht halten läßt! fare well. Aber es schmerzt un« unendlich tief» wenn wir die gebildete« Söhne unscreS Volkes, die Aristokratie de» Geiste», sich vo« uns entfernen sehen, wenn dir Männer uns den Rücken zu kehren, deren Bildung dem Judenthum neue Kräfte zuführen könnte, — die die festen Säulen, die Träger und Vertheidiger de« Judenthumsein könnten und alles die-, weil sie und die »veniger aber gut gebildeten Kinder unsere- Volkes keinen Religionsunterricht genießen, der chneu Achtung und Liebe einflößen könnte zu der Religion ihrer Väter. . . Wir kommen auf den Eingang zu unserem ftüheren Artikel zurück. Diesterweg, der edle Weise, würde uns sagen: Wenn ich auch gegen bic konfessionelle Schule und gegen die ractionären Geistlichen als Schulleiter gesprochen und geschrieben habe und wenn mein Leben auch ein steter Kampf niit diesen Männern war: Ich habe dennoch die religiöS-sittliche Bildung als das höchste Ziel anerkannt. Und Ihr, Juden, Ihr müßt schon un! der Charakterbildung, um der Uebcrzeugungstreuc willen tüchtige, geschickte, Überzeugung» treue Lehrer hoben, weil Ihr die Minorität seid und um für Euer klares, vernünftiges Glaubensbekenntniß kein ge-!lügender Raum in den öffentlichen, christlich-gestalteten Schulen ist. Das mögen sich die Männer, die groß und breit auf dem Plane stehen als öffentliche Vertreter der Judenheit in der Gegenwart gesagt sein lassen! Ich gebe keinen Pfifferling für alles großprahlerischc Treiben, wenn eS auch den Anschein hat, als gälte es der Wissenschaft de- Judentum». Diese ist geboren und neugeboren worden in diesem Jahrhundert ohne öffentliche Hülst aus sich selbst heraus; sie wird sich auch aus eigener Kraft weiterhelstn, wenn sie wirkliche Wissenschaft ist. Aber die Religion ssch ule in de« kleinen Gemeinden kann sich nicht aufhelstn aus sich selbst heraus, schon aus Mangel an geeigneten Lehrern, und weil die große Zahl der geeigneten Lehrer unter den bestehend« Verhältnissen keine, den bescheidensten Anforderungen entsprechende Existenz haben. Möge endlich einmal die Zeit kommen, wo die rechten Männer diese Sache, da» Eine, was Noth thut, mit starker Hand erfassen und durchführen. DaS wird das beste Mittel gegen den Antisemitismus und gegm die Lässigkeit innerhalb des Judenthums werden. «L»»e«ß1»g» 6. Tez. Beim heutigen Gotte»die«st feierte Herr Rabbiner Dr. Blumenstein da» Andenk« dvverstorbenen KönigS-Großherzoa. Der Redner wie» auf die Berdimste hin. die der hohe Verstorbene sich um die Wohlfahrt und den For.fchritt de» Landeerworben, wie er die Freiheit de» Gewissen- und de» Bestnntniffe» tna gtwayrt uno .Recht und Gerechtigkeit die Stützen seine- Thronegewesen". Ganz besonder» hätttn die Israeliten Ursache, de« Herrscherhause dankbar zu fein: denn al» um die Mitte de- IS. Jahrhundert» die Juden au- Spanien und Poetugal auSgrwiestn wurden, war. «S die Dynastie -Oranim- Naffau, di« den um ihre-Glauben» will« Verfolgt« gastliche Aufnahme gewährte. Dst Traditionen sein«» Haust» habe der B«storben» de» verschiede«« Bekenntnissen «§oj. PRI) PPQBfCt W ultv&t CfUUKHf fflfttt