Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 51 (18.12.1890)
- Date
- 1890-12-18
- Page
- Seite 388 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6492344-5935074-5959552--0445-5374032- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Tie hiesige Mendelssohn » Loge gab ekenfall» die Anrcgung zu einer solchen fröhlichen herzerquickenden Feier für eine große Anzahl von Familien und Lindern. Dieselben — wohl über 100 an Zahl — versammelten sich in den Räumen des .Hütet Rom" (Jul. Schlesinger) am Sonnabend Abend. Nne große, in vollem Lichterglanze strahlende Menorah prangte im Saale, die nach einem einleitenden Gedichte von einem Schüler der ersten Klaffe unter den üblichen hebr. Benediktionen angezündet worden, worauf die ganze Versammlung unter Klavierbegleitung die fünf Strophen des .Moaus Zur" sangen. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Rahmer einen anregenden Vortrag, worin er Hauptsächlich die er ziehlichcn Lehren des ChanukafesteS (Bescheidenheit, mit Kleinem anfangen, allmähliches Forschreiten, Charakterfestigkeit, religiöse Begeisterung, Lpferfreudigkeit, Vaterlandsliebe) hervorhob. Schüler und Schülerinnen aus allen Klassen der Religionsschule trugen im Anschluß daran geeignete Gedichte über das Fest (aus den von Herrn Dr. Rahmer herausgegebene» .Lichtstrahlen") mit Begeisterung vor. An langen Tafeln wurden dann sämmtliche anwesende Kinder von jungen Damen bewirthrt, worauf eine allgemeine Berloosung für die Jugend stattfand. Ein kleines Tänzchen schloß nach 12 Uhr dies schöne Fest, das alle Teilnehmer mit vollster Befriedigung erfüllte. Die Beschenkung von 10 bedürftigen Kindern fand -- daS sei anderen Vereinen zur Nachahmung empfohlen — nicht öffentlich statt, sondern in zartsinnigster Weise in xren Wohnungen. Man hofft im nächsteu Jahre s. G. w. dieser Festfcier eine größere Ausdehnung zu geben. Itre-t»», 14. Tecember. (Or.-Cor.) Vergangenen Dienstag, den 9. December feierte der .homiletische Verein" des theol. Seminars im Concerthause dahier sein 2Sjähr. Stiftungsfest. Außer den derzeitigen BereinSmitgliedern hatte sich eine große Anzahl von Gästen eingestellt, unter denen u. A. die Herren: Äminarrabbiner Dr. Levy, Dr. Ros in, Kurator Haber, Rabbiner Dr. Knoller, Dr. Rosenthal, Dr. Kronberg. Dr. Chodowski sich be« fanden. Herr Candidat Freudenthal, dem die Leitung der Festesfeier übertragen war, rröffnete dieselbe mit einigen poetischen Begrüßungsworten. Es folgte darauf die Festxebc deS gegenw. Vereinspräsidenten Herrn Dr. Bi ach. Wir entnahmen derselben, daß der sek. Tirekor Frankel die Anregung zur Gründung des Vereins gegeben hatte, «ine Anregung, die auf fruchtbaren Boden fiel und gar bald verwirklicht worden war. Mit Genugthuung — führte der Redner aus — könne man es aussprechen, daß der Verein seiner Aufgabe voll und ganz gerecht geworden sei; aus seiner Mitte seien Männer hervorgegangen, die heute in den bedeutendsten Städten Deuffchlands, Oesterreichs und auch über diese Grenzen hinaus eine segensreiche Thätigkeit entfalten. Die Usffache für einen solch glänzenden Erfolg liege in der segensreichen Bedeutung des Homilet. Vereins, die am besten durch das Dichterwort charatterisirt werden könne: »Ein edler Mensch kann einem engen Kreise nicht seine Bildung danken. Vaterland und Wett muß auf ihn wirken. Ruhm und Tadel muß er ertragen lernen. Sich und Andere wird er gezwungen recht zu kennen". Die Anstalt schon, an der der Verein bestes, wie ihre Leiter hätten eine solche Bereinigung von specieller und allgemeiner Bildung, von Religion und Wissen zu ihrem Prinzip gemacht; bei aller Pietät für unsere heilige Traditton auch ein verstandnißvvller Blick für die Ansprüche der Gegenwart, daS sei ihr Wahlspruch. Der homiletische Verein aber sei die Stätte, wo die Verschmelzung vor sich gehe, wo im anregendsten «jenseitigen Gedankenaustausch jeder Kollege durch deS Anderen Anschauungen Erfahrung belehrt und gefördert werde. Ohne jede Scheu oder Rücksicht werde hier daS Schlechte getadelt, das Gute zelobt und keine bessere Schule gebe es zu lerne», welchen Maßstab man au sich und andere zu lege» habe, als hie^ wo!rer Blick gefihärsh daS Urtheil ioerde. Diese Prinzip»» dtnicht nur der Grund feiner diShermen Erfolge, sondern die Bürgschaft für sein fernere- Wachsen und Blühen. In längerer Rede sprach hierauf der gegenw. Lehrer der Homiletik am Seminar, Herr Dr. R o s i n, dem Vereine ebenfalls eingedeihlicheSFortbestehen wünschend.HerrFreu den tb a l toastete auf die Gründer; worauf Herr Seminarrabbmer Dr. Levy, der zu den ersten BereinSmitgliedern gehörte, erwiederte. Herr JolSky sprach auf die Dozenten der Anstakt, F r e u n d auf die anwesenden Gäste, von denen Herr Kurator .Haber, die Herren Rabbiner Dr. Rosenthal, Dr. Kronberg und Dr. Chodowski. sowie Herr Dr. med. Rosin das Wort nahmen. Eine Menge von Telegrammen und Schreiben waren aus allen Gegenden eingetroffrn und kamen teilweise zur Verlesung. Der Redakteur dieses Blattestellte in liebenswürdigster Weise eine Anzahl homiletischer Werke zur Begründung einer BereinSbibliothek zur Verfügung. Die Festlieder, die abwechselnd gesungen wurden, trugen nicht wenig zur Erhöhung der Festesfreude bei, so daß der frohen Feier offizieller Theil erst nach 1 Uhr Nachts, der unoffizielle zu unbekannter Stunde schloß. — Are»»«» In seinem jüngst hier erstatteten Bericht über den im Oktober zu Gotha abaehaltrnen 18. deutschen Protestantrntag gedachte Herr Pastor Gamper auch der Egidy'schen »Ernste Gedanken", als eines neuen Beweises wie schwer von gar vielen lauteren Seelen der kirchliche Glaubenszwang und di« an vielen Orten herrschende Unwahr» Hastigkeit in religiösen und kirchlichen Dingen empfunden, wird. Da- Büchlein sei ein Nothschrei aus den Kreise» Derer, die aufrichtig religiös gesinnt, eine endliche Erlösung aus offenkundiger GrwissenSbrschwrrung ersehnen. Es sei kein Geheimniß, daß die übergroße Mehrzahl der denkende« Glieder unserer Kirchen den meisten Anschauungen de« Berfasser beistimme. So könne man nur wünschen, daß sie mit ihm zur rechten Zeit den Muth haben möchten, zu ihrer Ueberzeugung zu stehen, damit aus diesem so unerwartet gestreuten Samenkorn eine verheißungsvolle Saat erwachse. Wir theilen bei dieser Gelegenheit die folgenden Stemm aus einer uns zugegangenen Zuschrift des Herrn v. Egidy mit: ״Gros ich Jh« dieser Streit einmal geschlichtet ir nur nicht aus — uh will die ganze Welt von Neuem mit dies«. Hoffnung beleben — will sogar mehr thun: will Greifbare-' a a biete» und zwar ohne Zaudern. — Schlägt «an e» au», nun da»» wird Gott ja wohl das Menschengeschlecht de» Jahre» 1891 für noch zu unreif eine».halten — aber da» glaube ich nicht — man k a n n e» nicht auSschlagen K.M. von Egidy." Straßtnkß i. £. 13. Derber. (Or. - Cor.) Wie im vergangene» Jahre, hatte auch aus Anlaß des diesjährige« Chanukafrstes die hiesige Loge »UnitaS" beschlossen, durch einen besonderen Akt der Wohlthätigkeit die Entfaltung ihrer segensreichen Thätigkeit nach außen hin zu beweisen. Zu diesem Zwecke versammelten sich die Mitglieder fast vollzählig mit ihren Damen am Sonntag, den 7. d. M, im Saale des »Englischen Hofes" und wohnten der Feier. außerdem noch mehrere Gäste bei, u. a. auch der jüngst hier in sein Amt eingeführte Oberrabbiner Herr I. Weil. Die Feier wurde eingeleitet durch ein religiöses Lied, das einv beliebt« hiesige Sängerin unter Harmonium-Begleitmm vortrug, worauf der Präsident Herr Bankdirektor Karmin-« in einer längeren Rede die Bedeutung de« ChanukafesteS, seine Geschichte und Beziehungen zu der Jetztzeit beleuchtete. Nach diesem gediegenen Borttage wurden unter den Klängen de- Harmomums IS von der Loge eingekleidrte Kinder hineingeführt, an welche Herr Karminski ein« kurze, aber zu Herzen gehende Ansprache hielt; sodann ermahatt er auch j die Lehrer und Lehrerinnen, die von der Jetztzeit an Rr gestellten Ansprüche und Pflichten nach jeder Richtung h» gerecht zu werden. Nunmehr vertheiu« er an S andere ' rohenhain, I. Dez. 1890... .Mit aufrichtigem Dank empfing Nr. 47.*) »Wer möchte indes, dir Hoffnung ansarbe«, daß treit einmal geschlichtet werden wird"-ich gebe sie nicht ■i *) Die ein« Besprechung der »rrnste» Gedanke»" enthielt «U de» oben citirt« Ge rün s," ' —.