Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 51 (18.12.1890)
- Date
- 1890-12-18
- Page
- Seite 387 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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HHjUmlUk «»V 3Ve««ttz. San SaaMtaftMiwr Dr. Vuchh»lz-L»be«. IL (Schluß.) Ist denn nun aber di« Demuth überhaupt im Juden- Ihum von weniger hervortretender, charakteristischer Wichtig- Int, al« im Christen thum? Eist richtig, daß in der mosaischen Lehre die Demuth alreligiöse Tugend nicht geboten wird. Aber auch da- Gottorrlranen wird dort nicht geboten, sondern von den Hcrzen-pstichten gegen Gott allein: Liebe und Ehrfurcht. (Deut. S, S, 10, 12.) Wie aber die 'Liebe da» Vertrauen einschließt, so hat die Gotte-- furcht dir Demuth zur Voraussetzung, wie e» in dem angeführten Verse au« den Sprüchen deutlich ausgesprochen ist: ,Die Ferse der Demuth ist die Gottesfurcht!" d. h.: Erst Demuth und dann Gottesfurcht! waö dem jerusalrmischen Talmud (Cabb. I, 5, Schckalim 3. 4) und dem Midrasch (Chasit 1, Jalkut z. St.) niit Bezug auf den PsalmvcrS 111,10: .Der Weisheit Anfang (Haupt) ist Gottesfurcht", zu dem Epigramm Veranlassung giebt: .Ter Weisheit Krone ,st der Demuth Sohle". Welch hohen Werth aber die Propheten, und namentlich die Psalnien, der Demuth beilegen, ist jedem Bibelkundigen bekannt und wird ja auch vom Berfasier schließlich anerkannt Im Talmud erscheint die .Anawah", welch« ebensowohl Bescheidenheit gegen Menschen, wie Demuth gegen Gott bedeutet, in der Thal als von .hervorragender, charakteristischer Wichtigkeit" für da« religiöse, goltgrfüllige Leben. Von den vielen, die«- bezüglichen Stellen, rvrlche von den jüdischen Religion»- Philosophen: Bachja ibn-Bakuda. Maimuni (im Commentar 5u Aboth) und Anderen vielfach erörtert sind, sei nur der lu-spruch des R. Josua den Lev, (Ab. Sara 20, d) an- . geführt: .Die Demuth ist die höchste aller religiösen Tugenden", (vrrgl. dazu Tosaf. das. מוה) eine Ansicht, welche vom Talmud als die maßgebend« angesehen wird. (Lrachin 16, b) Endlich müssen wir gegen die Ansicht, daß die Demuth ,au» der religiösen Rede, aus dem BeanffSkreise des LhristrnthumS erwachsen", Herrn Professor Steinthal selbst ««führen und zwar nicht aus einer seiner übrigen Schriften, sondern aus dem in Rede stehenden Bortrage selbst. Da« rst ja da» Befremdende in demselben, daß die spüteren Sätze Pie vorhergehenden völlig aufheben. Nachdem nämlich Pst 39, 10 und öl, 19 angeführt worden, fährt der Vcrfafsrr fort: ,Demnach sind wir doch wohl berechtigt, allen Psalmen, sowohl den Äußerungen tiefsten Schmerzes als höchsten Frohsinns die Demuth unterzulrgen, auch wo sie nicht entschieden ausgesprochen ist u. s. w." Und aus der nun folgenden Red« erkennt man, wie der Verfasser ganz erfüllt ist von der Kenntniß des jüdischen Demuthbegriffe«. Man kann ganze Sätze seiner Ausführung rm Talmud, in den Commentaren, bei den Religion-Philosophen, wenn auch nicht in der präcisrn Fassung des Philosophen, doch inhaltlich genau wiederfinden und ich bin weit entfernt von der Meinung, daß ich dem Herrn Profesior etwas Nenrs gesagt habe. Der Zweck meiner Ausführungen ist vielmehr nur darzuthun, wie in neuester Zeit Mische Gelehrte r« für nothwendig erachten, wo sie von dem Lehrinhalte de- Judcnihuigs reden, vor dem Christenthum ein« Verbeugung zu machen, und demselben Lehren zuzuschreiben, , welche audem Judenthum hervorgegangen sind. Während die Einleitung behauptet: ,Da- Wort Demuth ist aus dem Begriffskreise de« ChristenthumS heworgegangrn, im Ehrifienthum ist die Demuth von charakteristischer Mächtigkeit" und in dem Leser die Erwartung weckt, daß nun da» Wesen der Demuth audem christlichen Gchriftthum dargethan werden wird, ist in der Abhandlung selbst von diesem mit keiner Silbe die Rede, sondern für dir scharfe Charakteristik der Demuth und die tiefsinnigen Bemerkungen über dieselbe wird allein daalte. Lestaureut und ei» Gebetstück der Jude» augeführt! Warum also diese Einleitung- Etwa al- ««ptatio buooro^eatfa•? Wir verstehen und billige« durchaus da- Bestreben, vor jeder, auch der allergeringsten Verkleinerung der historische» Bodeutung des Ehristrnthum» oder deethischen Werlhenamentlich der drei ersten Evangelien, mit Sorgfalt sich z« hüten. Wir unterschreiben vielmehr au» voller Ueberzrugung da» Urtheil unseregroßen Amt-vorgängcrS, R. Jacob» Emden, seligen Angedenken», in dem Buch« 7GN2 f0*1 S. 15, b: ,Heil den Christen und uns, wenn sie ml» uns verfahren nach der Lehr«, die Ihnen im Evangelium geboten worden! Denn wenn fir dir dort ihnen gegebenen Gebote gehalten hätten, so wären sie hohen Lobe« würdig und gewiß, auch wir wären glücklicher und führte» et»' weniger bedrängte« Leben und die lausende und Myriade« unser»» Märtyrer wären nicht hingeopserl worden und ihr Pädel würde un» nicht Haffen!" Allein ist e< denn eine Zurücksetzung de» ChristenthumS, wenn die Quelle seiner Lehren im Judenthum nachgewiesen und gezeigt wird, welchen Entwickelungsgang dieselben ge» nommen, welche Modifikation sie erfahren haben? »oaioiooim» verita»! Durch Berläugnung der Wahrheit wird es nie ge» lingen, Friede oder Liebe zu gewinnen. Auch der Christ, der diesen Aufsatz über Demuth liest, muß über diese» in der Einleitung dem Chliftenthum dargebrachte, in der Ab- Handlung selbst aber so gründlich widerlegte Complimeut stutzig werden und vielleicht die Absicht merken. Im Berliner Unions- (Protestauren-) Verein werden alljährlich Vorträge über dogmatische, religionsphllosophische und -geschichtliche Themen gehalten. Aber wie oft sich auch die Gelegenheit darbietet, es kommt keinem Redner in den Sinn, dem Judenthum auch nur Gerechtigkeit widerfahre» zu lassen und ihm zu geben, wa» ihm gebührt. Umsomehr ist es des Juden Pflicht, den Besitzstand de- Judenthumzu wahren und wa» ihm etwa unrechtmäßiger Weise genommen wird, zu recla>niren, wie es jedes Menschen Pflicht ist, für den guten Namen seiner Eltern cinzutreten. Eine Religion, welcher der Begriff der Demuth nicht zum vollen, klaren Bewllßtsein gekommen, ist untergeordneter Art, kann nicht den Anspruch erheben, aus das Sittlichkeit»- und Humanitätsbewußtsein der Menschheit maßgebend einzuwirken und besitzt nicht die Macht, eine Literatur zu erzeugen, wie das Judenthum sie im alten Testament der Menschheit dorgebracht hat! Der Schluß des zweiten Leitarlitels aus vor. Nr.: ״Der -r«ttßt»n«»vt,reicht u«ch dem neuen volksschnl» «»setz - Entwurf nnd de« Kaiserliche» Erln-, »on M> «panier" folgt in nächster Ne. (•(«».) Gerichte u»d Lorrefp»nde»xe». Deur,ct,laud. Maßbeünrg. ES ist längst anerkannt, daß sich kein Fest so sehr zu einem fröhlichen Schülerfest während der WinterSzest eignet, wie das lichtstrahlende Chanukafest, daan die glorreichste Parthie der jüdischen Geschichte erinnert und recht viele Momente enthält, um die jüdische Jugend, klein und groß, für da« Judenthum zu begeistern, wa» in unserer Zeit ja ganz besonder» noth thut. Es ist ein unbestreitbares Verdienst der historischen Schule, die Menora au« dem sagenumsponnenen Winkel hervorgeholt und in dahellere Licht der Geschichte gesetzt zu naben. Von diesem Gedanken ausgehend haben jugendfrrundliche Vereine in vielen jüdischen Gemeinden die Anregung zu Chanukafestlichkriten für die Schuljugend gegeben. Auch di« Logen des Bne- BriS-OrdenS in Deutschland haben diese Idee erfaßt und damit ein Hauptprincip des Orden», die Wohlthätigkeit, in Verbindung gebracht, indem sie in Anlehnung an diese- Fest, daza meift um die Weihnachtszeit fällt, an welchem unser« Jugend so viel von Befcheerungen liest, hört und sieht, auch die .jüdische" Liebe »um Ausdruck bringen und ärmere Schulkinder mit warmer Kleidung bedenken.