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Israelitische Wochenschrift · 1890-12-18 · 51 (18.12.1890) · p. Seite 386

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
51 (18.12.1890)
Date
1890-12-18
Page
Seite 386 (sequence 2)
Language
German
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lassen und ihren Saiten melMschen Zauber und harmonische» -,lang entlockt. Auf sein« herrlichen Schöpfungen paßt so recht des Dichters Wort: »War die Kunst un« freundlich doch gewogen, unser Herz erwärmt an ihrem Licht". — ״Neue» bildend audem Alten, stellt fie sich dem SpSpfer gleich". Tie Bedeutung Lelvandowski's als synagagaler Componist ist allgemein bekannt und anerkannt und seine Werke*) sind bereits vielfach besprochen worden, dennoch sei es gestattet, z» dessen Ehrentage auf einige Momente hinzuweisen, welche zur Würdigung des Künstlers und seiner Muse beitragen möchten. Der hauptsächlichste Vorzug, der Loschen gottesdienstlichen Gesänge besteht in ihrer intensiven Anlehnung an die Tradition; sie achmen deshalb auch religiösen Geist und religiöse Wärme, Eigenschaften, welche diesen Werken einen bleibenden Werth sichern. Die außerordentliche Gestaltungskraft, das warme GefühkSlebe», die wahre Innerlichkeit und Tiefe der Empfindung des Künstlers, finden in demselben ihren herrlichen Ausdruck, denn Lewandowski arbeitet aus innerer Nothwendigkeit. — Ihm lag von jeher die Veredlung und die kunftmäßige Bersrinerung des Synagogengesanges am Herzen, eine ebenso hohe, wie schöne Lebensaufgabe, deren Lösung ihm in treffsicher Weise gelungen ist. Unser Jubilar ist aber nicht nur Musi.ker und Componist, sondern auch Lehrer in seiner Kunst. Seine ehemaligen und gegenwürtigen Schüler an der jüdischen Lehrerbildungs - Anstalt zu Berlin werden mit mir in das uneingeschränkte Lob über seine pädagogischen Berdienste gern und freudig einstimmen. Bon diesen ist wohl auch seine echte Künstlernatur, die bei allem Ernste in der Behandlung des «Gegenstandes, er« haben ist über jede kleinliche oder gar pedantische Auffassung desselben. Sie verehren in ihm deshalb den Lehrer und Meister nicht minder, wie den jovialen Künstler, dessen Temperament in vieler Beziehung wohlthuend auf die einem ernsten Berufe sich widmenden Jünglinge eingewirkt. WaS diese von dem Meister gelernt, ist nicht allein das positive Wiffen und Können in der Musik und im Gesänge — in der verhältnißmäßig geringen Stundenzahl am Seminar kann ja auch nur das Nothwendigste gelehrt und gelernt werden—, sondern weit mehr noch die Art und Weise, wie dir Kunst zu üben ist, wenn sie in Gotteshaus und Schule die rechte Wirkung haben soll. Nicht äußerliches, stimmliches Gepränge, sondern die Berinnerlichung de« shnagogalen Gesänge« zu einem würdigen, ästhetischen Bortrage, wie er einem Borbtter geziemt, der di« Gemeinde zur religiösen Andacht erheben soll, ist das unbedingte Erforderuiß, das LewandowSsi an den Cantor stellt. Daher sind sein« Laatilenen und Recitationen frei von jener übermäßigen Berschnörkelung, in welcher letztrrn sich heute »och Borbeter anderer Schulen gefallen, oder die sich «ach berühmten Muster« gebildet. Diese haben in der Uebung des eine» unwesentlichen Moment« *) U. A. auch in des Vers.'« Schrift ,Der Und, Genteindegestw-* die eigentlich« ehrwürdige Syaagogenmelodie, di« the» dem von jedem Israeliten gekannt war, fast vergessen. Thatsächlich vermißt man, leider bei vielen neuern Borbeten» die charakteristische Sangweise der Synagoge, dir rntweder von denselben gar nicht gekannt ist, oder die sich selbst für so originell halten, daß sie einen gewissen künstkrischen Nimbus um sich zu verbreiten wähnen, wenn sie anstatt jener einfachen melodischen, aus längst vergangener Zeit anheimelnd zu uns herübcrtönenden Weisen, moderne Recitative aus Oratorien, Opern oder gar Bravurarien im italienischen Style im Gotteshausc, allerdings) zum Ergötzen mancher Zuhörer, zu Gehör bringen. Dieser Verleugnung der Geschichte und der Tradition gegenüber, durch welche der jüdische Gottesdienst zu einem Zerrbild« hcrabzusinken droht, hat Meiskr LewandowSsi ge« glaubt ein .Halt" entgegenzusetzen. Wer auch nur einen oberflächlichen Blick in sein dem Cantor gewidmete« Werk Lol Rinnnli Ut’fillab wirft, oder seine groß angelegten und meisterlich durchgeführte Partituren Tod» V-imrah studirt, der wird mit inniger Freude und Bewunderung wahrnehmen, wie pietätvoll der geniale Componist die alk Weise gepflegt oder im Geiste derselben gearbeitet und Neues geschaffen. Einfache, edle, iinmer seelenvolle Form ist der Styl, in welchen er die Recitationen für den Borbtter ge« arbeitet. Seine Schüler wissen ihm Dank dafür und mit ihnen auch die zahlreichen Gemeinden, in denen sie thätia sind; denn Lewandowski ist mit Fug und Recht als der genialste Regenerator des Synagogen! grsangeö im weitesten Sinne zu betrachten, womit aber die bahnbrechenden Vorarbeiten eines Sulzer und Na umbourg keineswegs unterschätzt werden sollen. Vermöge der eminenten Begabung dieses schaffende« und ausübenden Künstlers, konnte er seinen Chören zu« Theil eine polyphone Pracht verleihen, wie sie bis dahin in der Synagoge nicht gekannt war. Indem derselbe dem Zeitgeist entsprechend, genöthigt war, dieOrgel als Factor beim Gottesdienste Mitwirken zu lassen, trat au ihn die nicht geringe Aufgabe, auch für dieses Instrument rin« Musik zu schaffen, die sie in Einklang mit dem Geiste der traditionellen Musik bringt. Wir meisterhaft er die» verstanden, davon kann man sich aus seinen Werken überzeugen. Dir obligate Begleitung der Orgel, seine Ritornelleu und Präludien haben musikalischen Werth und ergreife« ebenso das jüdische Herz, wie sie auch jeden ernskn nichtjüdischen Zuhörer feierlich stimmen und ihm Achtung vor solcher Synagogenmusik emfiößen müssen. Der geehrte Jubilar, dem eS vergönnt ist, mit innerer Befriedigung und Genugthuung auf eine fünfzigjährige Wirksamkeit im Dienste des HeiligthumS zurückzublicken, kann sich der Dankbarkit aller Edlen und Besten versichert halten, denn wie seine Ber« diensk» so wird auch sein Ruhm unvergänglich bleiben. Möge eine gütige Vorsehung dem verehrten Jubilar^ der an der Schwelle deS GrcisenalterS steht, seine Lebenskraft und sein« Schaffenslust bis in ein« ferne Zukunft erhalten, zur Freude seiner Jünger und zur Ehre Israels! Und mögen die Lichtlein des Weihefestes seine LebenSbech» mit ihrem milden sich'da« Wort Preise Gottes bewähren: :כי עמך מקור חיית באורן־ נראה אור משך חסדך לידעך, וצדקתך לישרי לב: .Bei Dir, 0 Gatt, ist Mc Quell« M Leben» Und in Deinem Licht« schauen wir Licht. Wende Deine Huld Deinen Vertrauten zu Und Deine Gnade denen, dir geraden Herzen» find." («tat &10.UJ Leipzig, geschrieben am Lhanukaseste 1890 j i

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