Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 50 (11.12.1890)
- Date
- 1890-12-11
- Page
- Seite 382 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Hei« |u schaffe», wo sie sich al- Familienaagehörige fühlend leichter der Segnungen theilhaftü werden können, welch« Kinderliebe und Elternliebe auf Bildung von Gemüth und Lharakter üben: wo sie ferner neben dem sorgfältigen Unter« richt der Schule im Hause täglich den harten Kampf um- Dasein vor sich sähen und dadurch der Sphäre nie entrückt würden, für die ja doch die meisten von ihnen — einzelne Glücksfäll« abgerechnet — bestimmt seien. — Lauter Beifall wurde von ollen Anwesenden, die auf Antrag de- Borsitzenden dem Redner zu Ehrensich von ihren Sitzen erhoben, dem Redner zu Th-.il. An seinen Borttag knüpfte der Borsitzrnde Ergänzungen und Erläuterungen zu dem veröffentlichten Jahresbericht und wies auf den Segen hin, der ttotz der spärlichen Mittel der Verband bereits geschaffen, erwähnte aber auch mit Bedauern die Thatsache, daß ein« große Zahl von Bewerbern abgewiesen werden mußte, well die Mittel nicht ausre'.chten. Solle der Berband nur entfernt den an ihn gestellten Forderungen genügen, so brauche er viel mehr Geld, als er bis jetzt habe; so bedürfe er vor allem eines Fonds, zu dessen Beschaffung hochherzige Menschenfreunde sich zusammenthun müßten. Man begründe die Ablehnung, sich diesem Verbände anzuschließen, oft mit der Thatsache, daß man bereits zu einem Waisenhaus beisteure. Ties sei eher ein Grund, für den Anschluß an den neuen Verband, als gegen denselben. Denn unglücklicher als die Zöglinge der Waisenhäuser seien gerade all« jene Kinder, die aus irgend einem in der Natur vorliegende Grunde in ein Waisenhaus Aufnahme nicht fänden und dadurch von der Gefahr völliger Penvahrlosung bedroht seien. Durch Beispiele aus der Erfahrung deS jungen BerbandeS begründet der Vorsitzende diese Behauptung und schließt mit warmem Apell an die Herzen der Hörer. Eine Sammlung, welche spontan aus die Mitte der Anwesenden vorgenommen wurde, ergab einen recht hübschen Ertrag. Manche erhöhten unter dem Eindruck des Gehörten ihren Jahresbeitrag auf dg- Dreifache, was der Vorsitzende mit Genugthuung constatirte. Derselbe spricht dann besonders Herrn Rabb. Dr. Münz in Gleiwitz und Herrn Rabb. Dr. Plessner in Ostrow den Dank des Verbandes für ihr besonders eifriges Wirken aus. In Ostrowo sei nicht bloS ein Bezirkskönnt«, auch eine Propaganda-Commission begründet, :ine Maßregel, die sich zur Nachahmung sehr empjehle. — Darauf wird auf Antrag des Vorstandes zur Berrthung über die revidirttn Statuten geschritten. Dieselben werden durch en bloc-Annahine genehmigt; desgleichen die Aenderung des bisherigen Namens in den der Thäligkeit des Verbandes entsprechenderen: .Verband zur Erziehung hilfsbedürftiger israelitischer Linder." Die um die Gründung des Verbands verdienten im Lause des Jahres verstorbenen Vorstands- Mitglieder Herr Wilh. Jany und Rabb. Dr. Daniel Frä nkel, sowie Herr Rabb. Dr. Manuel Josl werden auf Antrag des Vorstandes unter Zustimmung der Versammlung als immerwährende Mitglieder in den Listen des Verbandes verzeichnet werden. In das Erntral-Comitee werden außer den bisherigen Mitgliedern desselben die Herren Rabb. Dr. Münz in Gleiwitz, Rabb. Dr. Plessner-Ostrowo und Kaufmann Max B öhm-Zaborzc zu Revisoren, die Herren Lippmann Bloch, Paul Altmann und Moritz Rieß gewählt. Tie letzten 3 Herren nebst Herren Joseph Kober und Hermann Kalischer eonstituiren sich auch nach dem Vorgang: von Ostrowo als Propoganda-Comitee für Breslau. Nach einigen Dankesworten für die lebhafte Theilnahmc an den Verhandlungen des Alends und erneuter Ermunterung zu frischer Agitation draußen in Stadt und Land schließt der Vorsitzende die Versammlung. Anrkrruße, 25. November. Im Verein für jüdische Geschichte und Llterthum-kaude hielt Hr. Stadtrabbimr Dr. Schwarz, eine» Borttag über Don Josef Nässt, Herzog von Raxos. Wie ein inteieflaoter. färbenr>lchrr Nomon hörte sich di« Geschichte dese» Manne» in dem prächtig lebendig gehaltene» Borttage an, und manch- «al wie ein phantasierriches Märchen. Und hatte der Redner ans seiner Valette für die Schilder»«- der Dekoration der damatige« Zeit, ahne di« sich die ganz» Historie wie «in »»verständlich« ״Aventinre" anhvren würdet Die ginze mittelalterliche Welt von damals zog wie et» wüster, aber brillant adgetönter Trau« an »n« vorüber. Die gauze seltsame Schaar »on Maronne» tritt da gleichs-m in Aktion, ciuzelnr Gcstalten heben sich plastisst davon ab: der schwache, nur in der Verstocktheit starke Köutg Do« Smanuel von Portugal; der energische, freihaudelud« Do» Joao; sei« Nachfolger, David, da« schwarze verwachsene Männchen, der gnomenhafte Abgesandte dearabischen Herrscher-, der schöne, blendende, alle Weiberherzen entzündende Jüngling Salowon, welcher seine ganz« Liebe jenem groresken Abgesandten zuwandte; dann endlich die Familie Mendez; Donna Grazia, ihre schöne» Nichten, dann ihr Reffe Juan Mrudez. welcher es dahin brachte, Herr einer Insel zu werden, welche für die verfolgten Inden ein neue» Jerusalem werden sollte . . olledahörte sich, wie gesagt, in diese« glänzenden und seflrlnden vortrog an wie ein Märchen au- 1001 Nacht, doch wir wiffru, daß diese Dichtung auf historischer Wahrheit beruht. äS»lla«d. Imäerdam. Der Tod des Königvon Holland, des letzten männlichen Sprossen aus dem Lause Oranien, bezeichnet eine wichtige Epoche in der Geschichte, an welcher die Juden, die dieser Dynastie so viel zu verdanken haben, nicht mit Stillschweigen vorüberschreiten können. Treu den Traditionen seines erhabenen Hauses, war Wilhelm III. während der ganzen Dauer seiner Regierung ein Muster eines konstitutionellen Herrschers, welcher mit der äußersten Grwissenschaftigkeit die hohen Prinzipien der Religionsfreiheit, welch« in der Geschichte Hollands eine so hohe Rolle spcelt, aufrecht erhalten hat. Die Regierung des hochseligen Königs wird für alle Zeiten nicht nur mit dem Wachsthum der jüdischen Bevölkerung seiner Staaten, sondern auch mit der hervorragenden Stellung, welche viele Juden im Staate einnahmen, in engster Verbindung genannt werden. Unter König Wilhelm Hl. bekleidete zum ersten Male ein Jude, Herr Godefroi, den Posten eines Justizministers. Auch heule haben Juden Sitze in beiden Kammern: Herr Abraham L. Wertheim aus Amsterdam ist Mitglied des Oberhauses; Herr Professor Dr. R osenstein.einerder außerordentliche« Leibärzte des Königs, ist Rektor wagniLoua an der Leydener Universität und Herr Assrr, einer der bedeutendste« Juristen der Gegenwart, Mitglied im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten. Die jüdischen Institute in verschiedcnen Theilen des Landes wurden von dem verstorbene« Könige großmüthig unterstützt und als eifrigster ״Förderer der Künste gewährte Se. Majestät in hochherziger Weise die Mittel zur Ausbildung jüdischer Talente, von denen sich viele eines ausgebreitete,1 RufeS als Musiker oder Maler in unserer Hauptstadt erfreuen. Daß die Juden Hollands dem Herrscherhaus« aufinnigste ergebe» und für die vielen Freiheiten, welch« sie genossen, auch von Herzen dankbar sind, haben sie ber Ge» legenheit patriotischer Ereignisse mehr als einmal bewiesen. Auch die Königin-Regentin hegt dieselben freundlichen Gesinnungen gegen die Juden, wie ihr glorreicher Gemahl. (J-Chr.) Belgie«. Krüssel, S. Dez. (Or^Corr.) In Nr. 43 Ihres- "י ..־•■״׳ ׳״ ־■ ־׳ ־• יי ׳ י nähme der von den erster«« gefaßten Resolution, welche die ׳ Demission PH. verlangte, seine Erledigung gefunden Hab«. Wie sich jetzt h-rauSfiellt, war dieselbe nur ein« scheinbare- und der erste Att de» Jntriguantenstückchens, das die Herren Studenten aufgeführt Die ~ ' ' Jude ■5 4 1 5