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Israelitische Wochenschrift · 1890-12-11 · 50 (11.12.1890) · p. Seite 381

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
50 (11.12.1890)
Date
1890-12-11
Page
Seite 381 (sequence 5)
Language
German
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3t;'3 Um ׳gefien, [«*ft die zum Schluß ausgesprochene Bermuthung sich in der That be« ־itet hat. Dasselbe lautet: ״Et exssttrt in Deutsch!«!»!» ein Rabbinrrvrrband, von dem man nicht gerade behaupten kann, daß er sich allzulaut uud lebhaft in Pen Vordergrund dringt. Gliche er nur dem Veilchen, das im Verborgnen blüht, und nicht im Verborgenen — dahinwelkt. Der Präsident det Verbandes war nicht nur durch Wahl, sondern gleichsam naturgemäß Dr JoSi. Mal,bäum hat Ixm Leiter des Berbandes tiefempsundene Worte nachgeruscn, aber dabei aus Versehen dem Verbände selbst eine Leichenrede gehalten. Mit JoSl, so ungefähr war der Sinn der Rede, sei auch der Verband entschla -en. Die Sache war umso schlimmer, als durch eine Seltsamkeit des Referenten von der ganzen Rede fas» dieser Satz allein durch die Zeitungen Verbreitung gefunden hat. Wir verstehen die Empfindung, aus der Maybaum sich zu diesem Satze verleiten ließ. Zotls Raine war ein Programm, keiner aus dem Verbande besitzt die Autorität, die er hatte, aber dies ist noch kein ausreichender Grund, daß der Verband nach dem Tode seines ersten Präsidenten zerfallen soll; mit Recht hat der Redakteur dieser Blätter hervorgehoben, daß dies ein: Versündigung gegen das Andenken des uns Allen theuren Mannes wäre: wir haben die Zuversicht, daß Maybäum selbst alles thiiu wird, uin seine Prophezeiung zu Schanden zu machen; vielleicht hat er auch nichts anderes gewollt, als durch sein icharses Wort den Verband aufrütteln, um ihm ein wirkliches Leben «!"Stelle ds» Scheinlebens-zu geben." .- . Wir haben nun dieser Tage vom geschäftsführenden Borstand des Verbandes eine Einladung zu einer Sitzung deS Centralausschusses auf den 30. und 31. d. Mts. erhalten, in der u. A. über die zukünftige Gestaltung und Thätigkcit des Verbandes bcratben iverden soll. Es liegt in der Absicht des Vorstandes, sämmtliche Mitglieder des Verbandes zur Thcilnahme an den Berathungen einzuladen. Aus der reichhaltigen Tagesordnung theilen wir die wichtigeren -Gegenstände mit: Stellungnahme des Verbandes zu dem dem preußischen Landtage vorliegenden neuen Volksschulgesetz. — Referat über das Statut für die Pensions- und Wittwenlasse. — Antrag betr. Gründung von Vereinen zur Förderung deS Handwerkes. — Antrag zur Ausarbeitung einer deutschen Hagada für die Sederaberidc u. o. m. Die Sitzungen werden in den Localitäten der neuen Synagoge stattfinden. — Die geehrten Mitglieder werden hieraus die erfreuliche Fortexistenz des Rabbinerverbandes entnehmen und erledigen sich hiernach die vielen dieserhalb an uns gerichteten Anfragen. M«gd«t»rg Während die russische Regierung ihren "Drrrorismus soweit treibt, daß sie sogar die Veröffentlichung -eines Protestes gegen ihre barbarische Behandlung der Juden :untersagt, muß es fast Erstaunen erregen, wenn wir hören, daß ein russischer Priester den Muth gehabt hat, öffent-!ich die Judenverfolgung von Seiten der Regierung zu verurtheilen. Dieser brave Priester und Ehrenmann ist Pater Remiroff an der Klosterkirche St. Michael in der Nahe von Odeffa. Bon der Kanzel ließ sich Pater Memiroff vor einiger Zeit vernehmen, daß, welches Schicksal seiner auch warten möge, er sich gedrungen fühle, eine Politik, wie sie gegen die Juden gehandhabt wird, als «nchristlich und unmenschlich bezeichnen zu müssen. Er ermahnte seine Zuhörer dringlich, lieber die guten Eigenschaffen der Juden nachzuahmen, als sich durch Kränkung oer Juden selbst zu entehren. ״Wenn ihr dahin strebt, wie die Juden, arbeitsam, mäßig und geduldig zu sein-, sagte er unter anderm, .dann werdet ,hr keine Ursache mehr haben, euch über GeschästSstockung zu beklagen und über die englische und deutsche Concurrenz, in deren Hände euer Geld fließt, beschweren zu müssen.- Man fürchtet in Odessa, daß Pater Remiroff bald zu denen gehören wird, die auf imnißvolle Weise verschwunden sind, »veil sie eS gewagt n, die Wahrheit zu sagen, bemerkt das ״Jew. Chron.- MaDSe§»r§, 9. Decemder. ״Eine möglichstst vollständige Säuberung von Petersburg und der ganzen Umgebung M« den Juden wird gegenwLrtig in Angriff genommen. Mit aller Strenge wird eine Revision der Aufenthaltsscheine sämmtlicher Juden vorgenommen, und Diejenigen, «i denen der geringste Zweifel über die Berechtigung ihre» lte» im Petersburger Kreise vorhanden ist, müsse« diesen ttfort verlassen, ve»u sie dadurch auch di« größten materiellen Verluste erleiden. AufenthaltSrrcht habe« aber nur Kaufleute der Gilde, Handwerker und dieffuigeu. die einen gelehrten Grad haben. Dabet hat übrigen» außerdem der Stadthauptmann von Petersburg das Recht, ohne Rücksicht darauf, jeden Juden aus der Hauptstadt auszuweisen, wenn er dir» aus diesem, oder jenem Grunde für geboten erachtet. Bezüglich der verwiesenen ausländischen Juden ist cs gleichfalls vollständig dem Ermessen de» Stadt- Hauptmanns überlassen, ob er ihnen Auffnthaltsrecht gewährt oder nicht. So sind Fälle vorgekommen, daß en» gagirten ausübenden Künstlern die polizeiliche Genehmigung de; Aufenthaltes versagt wurde. Die vorgenommene Re« Vision soll zum 1. Januar vollendet sein.- So schreibt die heutige ״Magd. Zeit.-. Es geht doch nichts ülir die Objektivität eines national-liberalen Blatte», das kein Won der Entrüstung für solche Grausamkeit und Zcrtretung aller Menschenrechte hat. A«flek. Auch den Schulbehörden in Hessen scheint eS jetzt geboten, dem Antisemitismus entgegenzutrete«. Seitens der Regierung in Kassel ist eine dahin gehende Verfügung an die Kreisschulinspectoren ergangen, in der e» u. a. heißt: ״Es sei der Regierung bekannt geworden, daß vielfach christliche Schulkinder die israelitischen Schulkinder und erwachsenen Israeliten öffentlich verhöhnen und verspotten, und daß manche Lehrer in schwerer Versündigung gegen ihr Amt durch unziemend« Redensarten ihren Schülern gegenüber diesen! Unfug Vorschub leisten. Ein derartige» Gebühren der Lehrer sei im höchsten Grade unpädagogisch und aus» Schärfste zu mißbilligen. Ter Lehrer habe die Pflicht, jeden Fall strengstens zu bestrafen und die Kinder durch geeignete Belehrung zur Duldung und Achtung Andersgläubiger zu gewöhnen.- - Da habe ich zufällig die Nr. 358 des ״Deutschen Reichsherold" vor mir. Es ist interessant, zu sehen, wie sie mit dem grobherzoglichen Hessischen Erlaß Herumangeln und zappeln und doch nicht los werden können. Er macht dem armen Antisemiten Böckel doch zu viel Kopfschmerzen. In der einen Korrespondenz wird er in's Antisemitische übersetzt, in der anderen wiederum als durchaus füdisch zu» rückgewiesen Herr Böckel legte so große Besorgniß für den antisemitischen Viehhandel an den Tag, daß wir ihn darauf aufmerksam machen müssen, daß kein Jude für ihn Geld ausgeben wird. Eine Korrespondenz aus Winnen vom 11. November schließt mit den Worten: ״Darum nochmal», kein Jude soll Offizier werden, kein Jude Soldat. Aber zahlen sollen sie Steuern, damit das Volk entlastet wird.- Wir fügen hinzu: Und zahlen sollen sie auch die Alimente, damit so manches SittlichkeitSböckel entlastet wird!- Aresl««. (Verband zur Errichtung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder.) Mittwochs den IS. November 8 Uhr Abends fand im Hotel zu den 3 Bergen die erste Generalversammlung des im vorigen Jahre gegründete« Verbands zur Erziehung israelitischer Waisen unter dem einem Delegirten des Üokal -Comite» zu Ostrowo, Herrn Ad. Baer. Andere auswärtige Mitglieder haben der Bersammlung ihr Bedauern darüber ausgedrückt, an der Betheiligung verhindert zu sein. Nach einer Begrüßung der Erschienenen durch den Vorsitzenden nahm Herr Rabb. Dr. Rosen thal da» Wort. In der diesem Redner eigenen herzgewinnenden Art besprach derselbe die Ziel« uud Bestrebungen de» Vereins und beleuchtete sie in geistvoller Weise. Unter anderm hob er hervor, daß der Verband mit Recht von der sonst meist üblichen lokalen Beschrüukung abseh«, und seinen th eilnrhmenden Blick und sein fühlende» Herz ohne Unters chied auf die Hilfsbedürftigen lenke, wo sie sich auch befänden. Auch den Bemühungen de» Verband«» spricht er feine volle Anerkennung au», den hilfsbedürftigen Kindern lieber in anständigen, anspruch»losen Familien ein

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