Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 50 (11.12.1890)
- Date
- 1890-12-11
- Page
- Seite 380 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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jüd. Botte die AnkerMMdiU z» *a «efchelteu: .Ziehet hinaus!" (Jes.4S. 1—4, 4SMI. Er gestattet «icht nur die Rückkehr nt'» heiltze Land und der! Wiederaufbau de» Tempel», sondern er bewilligt ihnen Schuy und Geld, er liefert ihnen die von Nebukadnezar erbeuteten Tempel» geräth« aus, — und so ersteht der Tempel auf» Neue, an Glanz und Pracht den ersten überstrahlend. Den Zurück» kehrenden war das Alles wie ein Traum (Ps. 126,1). — Wie und wodurch war dies Alles so gekommen? Woher die mild« Gesinnung de» Perserkönigs? Nun denn, schlagt doch auf die heil. Schrift, ihr könnt an zwei Stellen die Antwort j lesen, klar und unzweideutig, in Chronik II, 26,22 und in! Esra 1,1. Da steht cs: 21V כורש ם?1!־ m וי, י העיר את ר j .Gott hatte den Geist des Perscrkönigs CyruS dazu ane!“ Und ein .neuer Geist" war über das Volk gem, und so bethätigte sich wiederum unser prophetisches Textwott: .Nicht durch Heeresmacht und nicht durch irdische Kraft, sondern durch meinen ^Geist — spricht der Herr Zebaoth?" III. Nach der Wiederherstellung des jüdischen Reiches, war das Verlangen des jüd. Volkes nicht mehr auf weltlich« Macht und Herrschaft gerichtet, sondern es wandte sich in der That, von Esra angeregt und von den Männern der großen Versammlung belehrt und geleittt, der geistigen Seite des jüd. Lebens zu, dem Studium der Thora, der Wissenschast, der BÜdung. Man wollte nunmehr wirklich durch den Geist siegen, aber nicht durch den wahren, sittigenden Seist G o t t cs, sondern durch den Geist seichter, philosophischer Weltanschauung. Man verwechselte die Herzens- und Geistesdlldung, wie sie Israels Religion anstrebt, mit der oberflüchlichen Bildung der Zeit, man huldigte schlüpferigen griechischen Sitten, helenisch-schöner, ausschweifender Lebensweise, man vertauschte den Geist Gottes mit dem Geiste der Zeit, man übersah, daß cs in unserem Texte nicht ganz allgemein heiße: .durch den Geist" sondern: TTTD כי אם .durch meinen Geist". Was war natürlicher, als das ein syrischer König, der da sah, wie wegwerfend Israel selbst seine eigene Religion behandelte, aus dat Gedanken kam — worin jüdische Abtrünnige selbst ihu noch bestärkten — den Israeliten seines Reiches das Tauschgeschäft in Vorschlag zu bringen, diese von ihnen ohnehin geringschätzig behandelte Religion ganz aufzugeben und dafür die heidnisch-griechische, mit der sie liebäugelten, offen anzunehmen. Doch wie groß auch die Zahl der ״ םרשיעי כריתder Frevler am Gottesbunde" damals gewesen, so tief war das gesmnmte Israel doch nicht gesunken, daß es seine heilige Religion auf Befehl des Syrerköuigs aufgegeben hätte; im Gegentheil, des Antiochus Blutbefehle rüttelten oaS Volk auf, und ob auch dieser Tyrann mit eisernem Willen darauf bestand, das Judenthum mit Stumpf und Stiel auSzurotten, und ob er auch sein Bekehrungs- und Zerstörungswerk mit roher Gewalt durchzusetzen sich anschickte, die wachsende Gefahr stählte gar Biele in Israel, und sie starben lieber den Märiyrertod, und besiegelten mit dem Leben ihre Liebe zu ihre« Glauben. In dieser Znt der Noth bekleidete sich ein. greiser Pri-ster — nicht aus Jerusalem, aus den Hauptpädten kam für Israel selten das Heil — Mathathia» aus Modin, mit dem Geiste Gottes. Er und seine tapfer» Sühne organisirten den Aufstand. Anfangganz allein, gesellte sich die Schaar der Gesetzestrruen bald zu ihnen und sie kämpften mst Lüwenmuth für das heiligste Gut der Menschen, für Religion»- und GeuissenSfreiheit. Uud Gott gab ,die Zahl der sehr überlegenen syr. Söldner tu die Hand de» Keinen aber von makkabäischem Muth de» seelteu Häufleins jüdischer Krieges. Juda Makkabi zog an der Spitze seiner Begeisterten in Jerusalem ein, säuberte de» durch Götzendienst inzwischen verunreinigten TemPÄ, »und sie zündeten Freuden- und Weihelichter in den Bor- Ä^isteraag Aber die brutale Macht' davongetragen. Ja dtesr Thanukalichtlein predigten ebenfalls klar und eindringlich die Lehre, daß ,.nicht durch Heeresmacht und nicht durch irdische Kraft, sondern durch den Geist Gotte»" jeder geschichtliche Fortschritt sich vollbringt — eine Lehre, die Israel bis auf den heutigen Tag vrrttauensvoll beherzigen und laut verkünden soll. Was unsere heil. Thora von den Bausteinen zum Gottesaltar sagt: ״So du das Eisen darüber schwingest, hast du ihn entweiht" (2. B. M. 20,25), da» gilt von jedem Baustein, den du zur Errichtung de» Gottes- Heiligthuns herbeibringst; so du mit dem Schwerte in der Hand, durch Gewalt, deinem Glauben Sieg und Geltung verschaffen willst, so hast du ihn entweiht, denn du hast dadurch gezeigt, daß du kein Vertrauen zu der überzeugenden Macht der deinem Glauben innewohnenden Geiste der Wahrheit hast. Wer seine Ansicht Jemanden mit Gewalt aufzwingen will, der hat ihr von vornherein schon das Todesurtheil gesprochen. Seht, das Symbol unseres Chanukafestes ist die Menora, ״der Leuchter", der nach Vorschrift der Bibel ehedem die Gestalt eines Baumes hatte, wie Zweige sproßten von rechts und links die goldenen Röhre aus dem Schafte hervor, an denen wiederum .Knäufe und Blumenkelche" in gettiebener Arbeit prangten; in der Mitte erhob sich der Stammwipfel. Auf diesen ״Lichtbaum" weist wohl auch der Prophet in der heutigen Haftara hin, wenn er sagt: ״ כי הנני מביא את עבדי צמחsiehe ich bringe meinen Diener, der der Pflanze gleiche. Wie die Pflanze sich aus sich selbst heraus entwickelt, צמח שמו ומתחתיו יצמח, also soll Israel seine messianische Aufgabe zu lösen trachten. .Nicht durch Heeresmacht, oder irdische Gewalt, sondern durch meinen Geist" — durch die unwiderstehliche Macht der Ueberzeugung, durch die sich selbst aufdringcnde Wahrheit. Wie am Chanukaleuchter die Zahl der Licktlein immer steigt, also breitet das Licht der Wahrheit von selbst sich immer weiter aus. Laß du, Israel, dein Licht nur in deinen Häusern rein und klar leuchten, seine Sttahlen werden schon hinausdringen in das Dunkel, das hie und da noch herrscht, erhellen. Das zielt von Israel im Großen, das gilt für jede (Gemeinde in Israel. Nicht durch Macht und Ge- Walt — sondern nur durch den Geist der Liebe und der Versöhnung vollbringe sich jeder Fortschritt im Gemeindeleben. Die Fühter und Leiter können nur Gärtnerdienste verrichten, den Boden besprengen, Samenkörner ausstreuen, die zarte Pflanzung pflegen und vor Sturm bewahren, aber Alle« nicht durch Machtspruch, oder gar Gewalt, sondern durch den Geist der Belehrung, durch die Kraft der Ueberzcugung!" .Haus Jakob's, wohlan laßt uns wandeln im Licht« des Herrn!" Licht ist das Symbol unserer Religion,--״tMim eineHLeuchte ist das Gesetz, ein Licht die Lehre. — Während der Priester anderer Religionen das Volk im Dunkeln und Finstern zu erhalten bestrebt waren, zeigt uns da- Chanuklfest Israels Priester als Lichtträger, als leuchtend« Vorbilder vor Israels Priesterberuf, zu sein »ein Licht der Völker". Ja dieses Israel, das kleinste unter den Völkern, nicht gestützt auf weltliche Macht, steht selbst da als lebendig« Verkörperung des PropyetenworteS: ״Nicht durch Heereszahl und nicht durch weltliche Macht, sondern durch meinen Geist — spricht der Herr Zebaoth!" Amen. Berichte u«d Larresporrdenzen. Deutschland M-gdeßarg, S. Dez. Anläßlich unserer Bemerkungen in Nr. 48 über den Rabbinerverband sind un» von vielen Seiten zustimmende und aufmunternde Zuschriften zugegangen. Bon einem sehr geschätzten Tollegen erhielten wir ewen ansführlichen, anregende» Artikel darüber, von de« »ir für ג־!". . - r f> r ■1i1---111־a1inrtrTiirf**i