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Israelitische Wochenschrift · 1890-12-11 · 50 (11.12.1890) · p. Seite 378

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
50 (11.12.1890)
Date
1890-12-11
Page
Seite 378 (sequence 2)
Language
German
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Ävüfeui!ftnntn, ,ob die Deinnth; wie ör: sie dem Hebräer aufgegangen war-. Denn als Abraham sein siebet um Schonung für Sodom und Amora immer dringender wiederholte, da fühlte er sich gedrungen voraus« zuschicken: ,Siehe doch, ich habe mich unterfangen zu reden zu Gott, wie wohl ich Staub und Asche bin". (Gen. 18, 27.) Ist das nicht echte, bewußte Demuth? Und ist sie etwa aus Unglück und Elend erwachsen? War Abraham nicht damals im Besihe der Verheißung, daß ihm Nachkommenschaft gegeben sein werde? Oder wenn Jakob vor Gott betet: ,Ich bin zu gering aller Gnaden und aller Treue, die Tu Deinem Knechte erwiesen!- (das. 32, 11) ist das nicht Demuth ,wie wir sie verstehen-, d. h die aus dem Gefühl der sittlichen Unvollkommenheit hervbrgehende Verzichtleistung auf alles Verdienst vor Gott? —Aber der Herr Professor zweifelt, ob dem Hebräer der rechte Begriff der Demuth aufgegangen, weil ,hm derselbe, wie die Wörter für die Benennung des Demüthigen ergeben, aus den, der Erniedrigung und Demüthigung durch das von Gott gesandte Unglück hervorging, und ihm Die Demuth als eine Tugend erschien, ivelchc im Unglück erwächst; das sei eine einseitige Auffassung. Und doch sind die griechischen Benennungen des Demüthigen im neuen Testament nichts anderes, als mehr oder weniger wörtliche Uebersetzungen der hebräischen Wörter und auch daS deutsche Wort ,Demuth" bedeutet etymologisch, wie der Verfasser ausführt, ,die Gesinnung des Dienenden und mag früher nicht blos in religiösem Sinne genommen worden sein, sondern auch Herablassung und Bescheidenheit bedeutet haben-. Wo liegt denn nun der Unterschied im Worte, oer zu einem Unterschied im Begriffe berechtigt? Inwiefern ist die Auffassung des Hebräers von der Demuth mehr eine einseitige, als die des Ehristenthums? Ist es nicht unzulässig, von einer Sprache zu verlangen, daß sie den Begriff der Demuth durch ein anderes Wort, als durch ein solches ausdrücken soll, welches Niedrigkeit bedeutet? Daß aber der Demüthige dem Hebräer ״gebrochenen Herzens, niedergeschlagen, arm und elend" ist, wie der .Herr Verfasser meint, geht weder aus den Beispielen dcmüthiger Gesinnung im alten Testament, noch aus dem Worte hervor, mit welchem der Hebräer die Demuth und den Demüthigen bezeichnet. Dieses Wort VS und!ענוד entstammt der Wurzel ענה, welche allerdingS ״leiden, gebeugt unterdrückt sein", aber auch wie im Göschen und Arabischen ״antworten, erwidern, bescheidenbedeutet.׳ Es entsprechen daher die hebräischen Bezeichnungen des Demüthigen (OT) und der Demuth (.ענוה) genau den deutschen ״bescheid.n" bezw. ״Bescheidenheit". Die klassische Stelle für das crstere ist 4. Buch Mos. 12, 3, wo von Mose gesagt wird, daß er sehr ״Anaw" war, mehr als alle Menschen auf der Erde. Mose ist dort weder gebrochenen Herzens, noch niedergeschlagen, noch ann nnd elend. Aber er ist bescheiden und nachsichttg gegenüber den üblen Nachreden seiner Geschwister gegen ihn. Die LXX übersetzen *P®0« sanftmüthig, gelassen, gleichmüthig. Der Hebräer 5?*.abfr für Bescheidenheit und Demuth daffelbe Wort. Beide sind ihm psychologisch dasselbe. Beide gehen aus dem Bewußtsein der eigenen Unvollkommenheit hervor. Wer demüthig ist vor Gott, ist auch bescheiden gegen die Menschen. ״Bor dem Bruche blähet sich des Mannes Herz, vor der Ehre aber Bescheidenheit (ענוה)- (Spr. Sal. 18, 12) ״die Ferse der Demuth (7NV) ist Gottesfurcht" (das. 22, 4). Die aus dem Leid, dem Unglück, der Armuth hervorgehende Muthlosigkeit und Zaghaftigkeit, mit welcher Bescheidenheit und Demuth als ein Accid«1z nicht als eine Tugend verbunden sind, bezeichnet der Hebräer gewöhnlich als ein «ebenalsein des Geistes*.) (veral. Ks. 57, 15., 66, 2., Pf. 34, 19. Sp. 16, 19. 17, 22.) Diese Unterschiede in den Worten und Begriffen »er» wischt der Verfasser, indem er den DemuthSbegriff des Hebräer» ausschließlich aus dem Uuglück erwachsen läßt. von hervorragender, ganz charakteristischer Wichtigkeit. 3dni_ in der Bergpredigt widmet den Demüthigen sein erstes Aschrs (die erste Seligsprechung)-. — Wie lautet aber diese? Maxiptot 01 mcdxol TwaSfiaxt bei Matth. 5. S, bei LucaS 6, 20 nur 7ra>xo£, erstere Stelle übersetzt Hieran ymu» wörtlich: pnnporos spirita, Luther: ״die da geistlich arm sind-, letztere Hr. punporo», L ״ihr Armen-. WaS sind denn nun diese nvaxpl xö> 7rvt6{ura anders als die דכאי רוה des Psalmisten. oder der rm דכא ושפל, von denen auch Jesaja (57. 15 vergl. 66, 2) sagt, daß Gott gnädig auf sie blickt und bei ihnen wohnt? WaS berechtigt den Verfasser nun auf Grund dieser Worte die Demuth al» von hervorragender, ganz charakteristischer Wichtigkeit für das Christenthum hinzustellen? Liegt in d:r Verbindung mtaxoi xö itveOpar. der Begriff der reinen, absoluten De« muth schlechthin, so ist derselbe ja auch in den hebräischen Worten enthalten, von welchen jene die Uebersetzung sind, und ist mithin für das Judenthum ebenso wichtig wie für das Christenthum und für dieses nicht in höherem Maaße charakteristisch als für jenes. Enthalten aber die hebräischen Worte nur eine einseittge Auffassung der Demuth, so kann die griechische Uebersetzung derselben doch keine vollkommrnere Auffassung des Begriffe» ausdrücken! Mit viel größerem Rechte kann die zweite, bei Luther die dritte Selig« sprechung (Matth, das. 4) auf die Demüthigen bezogen werden; denn 01 natptXz, 8x1 a&xoi oouaiv rfjv yijv — entspricht dem s-« וענדם יירשו Ps. 37, 11, was von dem LXX auch mit denselben Worten wie im neuen Testament übersetzt wird Sowohl da» griechische, wie das zu Grund« liegende hebräische Wort bezeichnet den Demüthigen, während unter den st0>xo£ oder den ״geistlich armendiejenigen zu verstehen sind, die ohne viel zu klügeln glauben. _ (Schluß folgt.) Der Religio«s«»terricht nach de« »e«e« BottSschAl-esetz-SNtwArf ««d de« kaiserliche« Srlatz vom 1. Mai 188V. Bon Morip Spanier in Magdeburg. 1 נכה־דב״רשסלחח Mit großer Spannung ist besonder» in Lehre «kreisen das neue Volksschulgesetz erwartet worden, ohne sich darum optimistischen Hoffnungen hinzugeben. Und in der Thal weist das Gesetz eine ganz bedeutende Schwäche auf, denn klar ersichtlich sind die Eoncessionen, die die Regierung dem Windthorst'schen Schulantrag und der klerikalen Partei gegenüber zu machen sich bemüßigt findet, obwohl dieselben dieser unersättlichen Partei — nach den jüngsten Arußeruuge» ihres redegewandten Führers — durchaus nicht genügen. Wenn daher in dem Gesetz auch in allgemeiner Weise vom ״Religionsunterrichtdie Rede ist, so gebe man nüht de« Gedanken Raum, als ob der Gesetzgeber, von freisinnige« und humanen Anschauungen ausgehend, den Begriff ״chnstlicher Staat" momentan außer Acht gelassen und auch für den jüdischen Religionsunterricht besonder» freundliche Gesinnungen hegte. Unter dem Ausdrucke ״Bekenntnnse' ist gemeiniglich doch nur das evangelische und katholische zu verstehen. Uns bleibt nichts anderes übrig, als da» wir selbst die für den Religionsunterricht anderer Confesstonen gettoffenen, heilsamen Bestimmungen auch auf unsere Berhältnisse anwenden. Die die confessionellen Verhältnisse berücksichtigenden 88 des Schulgesetzentwurfs lauten: K 14. Bei der Einrichtung von Bolksschulen find di« konfessionelle» Verhältnisse «»glichst zu berücksichtigen. Grundsätzlich soll kein Sind ohne de» Religionsunterricht seines ׳ BekennMifies bleiben. Zur Theilnahme an einem andere» Religionsunterricht Sinder nur aus Antrag der Elter» oder deren Stellvertreter «erde». Sind Sinder verschiedet«« Rrltgt,,» schul« vereinigt, so ist »ägiichst für dt» i Äi i: ג■־■ in einer

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