Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 48 (27.11.1890)
- Date
- 1890-11-27
- Page
- Seite 365 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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cn "AntisemitiSm«» zu treten ernstlich Mene macht. Auftreten war bereit» von guter Wirkung es hat den Bater und Haupfförderec des Antisemitismus im neuen deutsche» Reich, der im skalar der Liebe den aufreizendsten Hak predigte, zu Falle gebracht. ReqniMoat io paoe! Jhr««fttfKrt «. Kt.. 26. Nov. Die Verwaltung der Erziehungsanstalt der Julius und Amalie Flersheim'schen Stiftung hat soeben den fünften Bericht ihrer jetzt 25jährigen Wirksamkeit veröffentlicht. Ter Bericht wirft zunächst einen Rückblick auf die Entstehung und Geschichte der Anstalt, tvclche nach dcni Willen des Stifters armen Waisenknaben und Söhnen armer Eltern die Wohlthat einer häuslichen Erziehung gewähren und ihnen die Familie ersetzen soll. 1868 hat die jetzige Verwaltung die Gründung eines Sparkassenfonds für diejenigen Zöglinge beschlossen, welche mit dem Einjährig-Freiwilligen Zeugmß die Anstalt verlassen. Ter Zweck ist, ihnen mit dem hierfür festgesetzten Betrag 150 M. zuzüglich der nach und nach zugewachsenen Zinsen und Geschenke während der Lehrlings- und Hllilitärdicnstzcit ein kleines Kapital zur Unterstützung zu gewähren. Im Lause der letzten fünf Jahre trat Herr August Rothschild an die Stelle des inzwischen verstorbenen <f>errn A. Maciß als Borsitzender; . Herr Tr. I. Kracauer übernahm 1885 die Direction der 1|, Anstalt an Stelle des inzwischen ebenfalls verstorbenen Hrn. Dr. Auerbach. Die Verwaltung besteht gegenwärtig aus den Herren August Rothschild als Vorsitzenden, Wilhelm Feist als Oeconomcn, Heinrich Cahn als Kassirer, Josef Baer als Gcgcnschreiber und Tr. Maas als Protokollführer. Im Jahre 1889/90 hatte die Anstalt 18 Zöglinge, darunter 3 neu Aufgenommcne, d e sämmtlich die Realschule der isr. r;: Gemeinde besuchten. Tic Gesammtzahl der aufgenommenen Knaben beträgt jetzt 65, »on denen jeder durchschnittlich sechs Jahre in der Anstalt wa c. Aa«t»r§ Zur Aufnahinc der Juden in die Genossen- '1 schaft freiwilliger Krankenpfleger im Kriege erläßt der Vorsteher der Genossenschaft, .,.'xrr Wichern, von hier im ״Reichsboteneine längere Erklärung. In entschiedener Weise tritt Herr Wichern gegen die Lügen und Verleumdungen des Vereins ״Deutscher Studentenin den ״Akademischen Blättern" auf. Es sei erfunden, daß eine von Juden ' aufgeworfene Frage der Geldbeittäge die Aufnahme derselben ^veranlaßt habe. Die Genossenschaft erhalte ihre materielle ^Grundlage allein durch das Centtalkomitee dxr Vereine vom Roten Kreuz. Es kann auch nicht die Rede sein von einem r geräuschvollen oder gar herrschsüchttgen Sicheindrängen jü» f bischer Elemente. ״Es erscheint tief bedauerlich, wenn »-Christen Personen israelitischen Glaubens von positiver Mit-!! arbeit an einem idealen Werke der Liebe zu dem statuten- | gemäß christliche Opferfreudigkeit verlangt wird, unter dem Borwurfe zurückweisen, als hätte auch hier lediglich ein niedriges Motiv, nämlich das der.Herrschsucht, sie zu solchem Schritt getrieben—). Hett Wichert erklärt, daß bei der Er- ^.Weiterung der Genossenschaft, insbesondere auch durch Auf- ‘ nähme von Katholiken, 14 Vertrauensmänner des Vorstehers, ^.darunter evangelische Theologen und zwei Generalsuperin- ^Wndenten, eimmer mehr als unberechtigt und zugleich "daganze Werk schädigend erklärt hätten, solche JSrarliten weiterhin auszuschließen, die sich zum Eintritt in die , Genossenschaft melden, und vor keiner Dienstleistung, auch der allergeringsten nicht, zurückschrecken. ״Man fühle sich um so weniger dazu berechtigt, als ja auch die Israeliten dem Vaterlande mst der Waffe zu dienen berufen sind, und die Vaterlandsliebe, an die auf allen Studentenversamm« lungen apellirt werden mußte, an eine konfessionelle Schranke nicht gebunden ist.- Herr Wichern erklärt, daß er, ״obgleich Vorstther einer spezifisch-evangelischen Anstalt H *) In diesem verleumterischen Sinne hatte auch da« Stöcker'sche 80״U' geharnischte Leitartikel gegen die Ausnahme der Juden gebracht. <1 ist sehr erfreulich, daß Herr «chern mit so energisch«! (Bartai dem »haften Treibe» entgegen!ritt — eine «oohlthueude ״milde- Stimm« he» ״rauht»- -«1P. (Red.) der inneren Mission, von der Leitung der Genoffenschaft, nachdem letztere die Thore weiter aufgethan, nicht zurückge. ttetrn, weil er einerseits den christlichen Charakter der Ge» sammtheit schon durch ihre Zusammensetzung für gewahrt hält, und weil er voraussetzt, daß alle dazu qualifizirten Mitglieder einst den Verwundeten und Sterbenden, abgesehen von ihrer eigenen Pflegearbeit, die ja selbstverständlich im Vordergrund steht, auch im Sinne der von seinem Vater T. Wichern begründeten ״Felddiakonie" zu dienen haben werden." Ioß«»», 22. November. Gestern Nachmittag fand hier die Einweihung der neuen Synagoge statt, liegen 2'/, Uhr versammelte» sich die israelittschen Gemeinde» Mitglieder und ihre Oiäste vor den: Portale des im Festschmuck prangenden Baues, mit ihnen oie eingeladenen Festgästr, darunter Herr Landrath zur Nedden, die Bürgerineister und Beigeordneten unserer Städte, Mitglieder der Stadtvcrcrdneten-Collegicn von St. Johann und Saarbrücken, desgleichen von Malstatt-Burbach, die Geistlichkeit der anderen Confessioncn,-) Verttcter der Militärbehörde, Schulvorstände u. A. m. Vor Eintritt in das Gotteshaus hielt der Vorsitzende des Synagogen-Vorstandes, Herr Banquier M. Lazard eine kurze Ansprache, worin er u. A. bemerkte, daß bei der Grundsteinlegung am 6. Juli 1888 wegen der doppelte« Landesttauer von jeglicher Feierlichkeit abgesehen worden sei, daß die Vollendung des Baues unter die Regierung eines Herrschers falle, der alle guten Kräfte der Nation verkörpere und dem Zusammenwirken aller Confessionen Schranken nicht gezogen wiffen wolle. Er erinnere an die Thronrede vom 27. Juni 1888, worin es heißt: ״Dem Borbildc meiner erhabenen Ahnherren folgend, werde ich es als meine heftige Pflicht erachten, allen religiösen Bekenntnissen in meinem Lande meinen königlichen Schutz angedeihen zu lassen." DaS seien königliche Worte, die wohl im ganzen Lande und besonders bei den Israeliten den freudigsten Widerhall ge» funden. Er stelle das nun vollendete Haus unter den mächtigen Schutz der Regierung und unter die specielle Ob- Hut der Stadtgemeinde St. Johann auf alle Zeit. Zu« Schluß bat er den Herrn Architekten Mertz, den Schlüssel zur Eingangsthür dem Herrn Rabbi ,er zu übergeben, welch«« Wunsche jener mit einigen Worten der Anerkennung für alle Diejenlgen entsprach, welche ihn bei dem Bau unterstüht. Herr Rabbiner Dr. Frank öffnete sodann die Thüre m ixis Innere des im Kerzcnglanz ersttahlenden Gotteshauses, das in kurzer Zeit bis aus den letzten Platz gefüllt war. Den nun folgenden Festgottesdienst kettete ein Präludium auf dem einstweilen die Stelle der Orgel verttetrnde« Harmonium ein. Die Fcstpredigt des Rabbiners twn gleich gehaltvoll wie schön geformt, sie ermahnte nach einer an Beherzigenswerthem reichen Einleitung stets eingedenk zu sein der 4 schönen Gebote: Liebe Deinen Gott, lieb« Dein« Nächsten, liebe den Fremden und lieb« Wahrheit und Fried«! Daran knüpfte Redner eine Reihe von Bettachtungen, welche nicht nur die Glaubensgenossen, sondern alle Confessio«» berührten, jedoch immer wieder in Beziehung gebracht wurd« zu der eigentlichen Mer, der Weihe des Gotteshauses, von oem alle Liebe, alle Wahrheit, alles Licht, aller Frieden auSsttahlen solle. Deutscher Gesang des Synagogenchores folgte, worauf der Rabbiner das Gebet für König und Vaterland und alsdann das eigentliche Weihegebet sprach. Unter den Klängen des Harmoniums und des Chores verließen die Festtheilnehmer das Gotteshaus, um sich zu der außerordentlich zahlreich besuchten Reunion m den schön decorirten oberen Räumen des ״Tivoli" zu begeben. Concert wechselte mit Redm und Toasten ab. Hnr Banquier Lazard ecöffnete die Reihe der Ansprachen mit einem Hoch auf Kaiser Wilhelm. Die Versammlung sang stehend di« Rattonalhymne. Herr E. Lyon gab ein« geschichtliche» *) Die protestantischen Seistl'chen von hier «nb Saarbrücken waren erschienen, auch der altkachollsche Pfarrer, dt« übrige katholisch« SeistltchleU hatte der Einladung keine Holge gegeben. ׳ ׳ "... .