Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 48 (27.11.1890)
- Date
- 1890-11-27
- Page
- Seite 364 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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tr״*en sollen. Der Chef der «rstenSLHnten Firma Herr R. de Muralt, hat bereits mit dem Präsidenten der Republik in der Angelegenheit Rücksprache genommen und bei Herrn Dr. Pellegrini natürlich volles Entgegenkommen gefunden. Baron Hirsch soll bereit sein, in dem Kolonisationsprojekt nöthigenfalls bis zu 80 M. Franken anzulegen. Gerichte 11r»d &tutid> lanb. ZKagdeGurg Wir erhalten folgende Zeilen zur Veröffentlichung: ״Breslau, den IK. diovemher!880. Einem hochehrwürdigrn Central-AuSschuß des Rabbiner-Verbandes in Teutschland spreche ich tiefbewegten Herzens den innigsten Dank aus für die erhebende« Beweise tiefempfundenen Beileids, ivelchc Wohlderselb« an-!ilßlich des Hinscheidens meines theuren in Gotit ruhenden Gatten mir und den Meinigen hat zu Theil werden lassen. Wie der unvergeßliche Ladt« seine Dienste gern und freudig den großen und heiligen Beftrebungen des Verbandes geweiht, wie er es mit Stolz und Tankbarkrit empfunden hat, an die Spitze einer so ehrwürdigen Bereinigung gestellt worden zu sein, so «erd« ich und so werden di« Meinigen allzeit «ingedenk sein der Lied« und Berehrung, welche die hochwürdige» Mitglieder des Verbandes dem Berklärten im Leben bezeigt, nnd der trostreichen und uns ausrichtenden Thetlnahme, welche Sie »ns nach seinem Heimgang erwiesen haben. In größter Berehrung Eines hochehrwürdigen Ausschusses ergebenste Flora JoSl." Sicherem Bernehmen werden vom Central - Ausschüsse demnächst Schritte gethan werden, um den Rabbinerverband neu zu constituiren, denn, wie groß auch der Verlust ist, den der Verband durch den allzufrühen Heimgang seines allverrhrten Vorsitzenden erlitten, so kann selbstverständlich die Existenz des Verbandes deshalb nicht in Frage kommen. Ja, die Erhaltung desselben erscheint allen Einsichttgen gerade jetzt ganz besonders geboten; ein im versöhnlichen Geiste JvSls wirkender, an die Lösung der zahlreichen praktischen und wissenschaftlichen Aufgaben rüstig arbeitender Verband deutscher Rabbiner wäre das schönste und würdigste Denkmal, das wir seinem ersten Ehrenpräsidenten setzen können. Möge der geschäftsführende Vorstand nicht zögern, den Mitglieder de- Central-Ausschusses recht bald die Einladung zu einer berathenden Sitzung — etwa in der ersten Woche des neuen Jahre- — zugehen zu lassen. sH Aerkl», 20. November. (Lr.-Cor.) Die Aus- Wanderung russischer Juden," betitelt sich ein Aufsatz des Herrn Pa u l us Me ye r״) von hier im ״Reichsboten" vom IS. November 1890. In demselben tritt er den bekannten Ausführungen des Dr. Schwalb entgegen, weil wie er sagt, Liebe zur Wahrheit und Menschenliebe ihm die Feder m die Hand drücken. Nun, wir kennen diese Wahrheits- und Menschenliebe von Stöcker und Stöckcrgenossen. Es giebt freilich noch einen bessern Weg zum Heil für die russischen Juden als die Emigration — Herr Paulus Meyer weiß das — es ist die Taufe. Nun, manche Leute sind zu chrlich, um des Lebensunterhaltes wegen sich taufen zu lassen. Sollen die darum in russischer Sklaverei weiter schmachten? Daß alle jüdischen Kolonien in Palästina darniederuegen, ist eine Unwahrheit, noch unwahrer, daß die meisten eingegangen sind. Daß die ,Alliance Jsraslite" die Tausende von russischen Juden an den Bettelstab gebracht hat, glaubt Herr Meyer doch wohl selber nicht. Herr P. Meyer zeiht dim Pastor Schwalb der Unwahrheit, weil dieser behauptete, daß bei den Judenverfolgungen im Zstrhre 1881 ein paar Tausend Juden getötet und für brtt Millionen Rubel an Werch Eigenthum geplündert und verbrannt worben. Alman nicht die amtlichen russischen Eingeständniffe von 1882 mehr hätte. Meyer sagt, das Gcldsammeln, um die Juden nach America, Palästina oder Argentinien zu bringen, sei eine Maßregel, wie sie thörichter Weise gar nicht gedacht werden kann. Es ist doch wunderbar, wie sich der Stöckcrsche ,Reichsbote" mit für die armen russischen Juden erwärmt, es sieht schier drollig aus, wie er sich für jüdisches Interesse in die Schanze schlägt; er v c r j u d ct ain Ende noch ganz und gar! Oder hat er nur aus dein Grunde das Manöver in'S Werk gesetzt, um der ״Judenmission" in die Hände zu arbeiten? Dann wäre seine Meinung etwa die: ״Die Juden müssen in Rußland bleiben, um recht viel Prügel zu bekommen, damit sie sich der seligmachenden Kirche zuwenden. Wir wollen ihren Leib züchtigen und quälen, damit wir ihre Seelen retten, und sic wider ihren Willen glück» lich mache»! Eins möchten wir zum Schluß noch hervorhcben: Die christliche Mission in Palästina muß doch in letzter Zeit sehr schlechte Geschäfte gemacht haben, wenn man jetzt seitendieser Kreise der jüdischen Kolonisatton in Palästina entgegentritt, während man sic, so lange man Hoffnung auf .seligmachenden" Erfolg hatte, in jeder Weise hätschelte und sogar jüdisch-nationale Zeitungen in hebräischer Sprache mft missionierender Tendenz druckte. Herr Paulus Meyer bereiste im vorigen Winter Palästina, in welchem Geschäfte können wir uns denken! B. Schsrnttzeim (Schluß) Der Staat hat di« Pflicht den Juden gegenüber für Bildung undGesittung zusorgen, denn er hat eine solche im allgemeinenfür alle Staatsangehörigen. Ja weiter noch — da die Religion eine Hauptquelle und Stütze für sittliche Bildung und Erziehung ist, erscheint der Staat auch dem Juden in gleicher Weise wie dem Christen gegenüber als verpflichtet, für die Pflege des religiösen Unterrichts und Lebens zu sorgen. Krineswegs hat er das Recht, die Erfüllung dieser Pflicht den Juden allein zu Überlasien nick» mit der Abwehr des Antisemitismus zu warten, bis der gesunde christliche Sinn sich von selbst gehoben hat, oder die Juden sich von selbst oder durch fremde Anregung ge. bessert haben. Dennoch ftagen wir auch uns selbst: Thun die Juden genug für ihre Lultus- und Culturzwecke, für religiöse und sittliche Hebung und Vervollkommung ihrer Glaubensgenossen? Die Mndung von Verbrechen genügt nicht, um dem Kreise der Gebildeten und Gesitteten zugezählt werden zu können: die Ansprüche sind höher zu stellen. Es ist auch fraglich, ov die sittlichen Uebelstände, welche man an den Juden tabcä; allein in der bevorzugten Neigung zum Handel begründet liegen. Wenn aber auch, so genügt es durchaus nicht, sie vom Handel ab- und dem Betrieb von Handwerken zuzuführen; Schulen und Synagogen, die SÜtten der BiUkung und religiös-sittlichen Belehrung und Erziehung müssen von und für jedermann gepflegt werden. Aber weder unsere Schulen, noch unser Gottesdienst, namentlich auf dem Landes stehen auf dem Standpunkte, daß diese Ziele in ausreichender Weise erreicht werden könnten. Weder dort noch hier wird das nöthige Bildungs- und GesittungS^ Belehrung-- und Erziehungsmaterial in genügendem Matze geboten, und wenn geboten, nicht benutzt, selbst nicht immer in dm größeren Stadlgemeinden. Jndeß auch den Regierungen müssen wir sagen, daß sie, obwohl es doch ihre Pflicht wäre, den Jude« nach dieser Sette hindurch aus nicht genügend unterstützen, besonders gerade in den Bestrebungen für Bildung-- und Gesittungszwecke, in der Ausbildung von Lehrern und Rabbinern, deren Anstellung und Amtsführung; in den meisten Fällen stehen sie den bezüglichen Anstrengungen der Juden indifferent gegenüber, oft treten sie auch den Bemüh- . ungen derselbenchinvernd entgegen. Es ist aber leider heute »och so allgemeine Regel, wir muffen edaher unsrer hiesige» l Regierung Dank »kiffen, daß sie in einen offene» Kämpj^: *) Er selbst nennt sich einen Rnsseal