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Israelitische Wochenschrift · 1890-11-27 · 48 (27.11.1890) · p. Seite 363

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
48 (27.11.1890)
Date
1890-11-27
Page
Seite 363 (sequence 3)
Language
German
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_ », er toat in dieser Bezdchmia TtpO דד את» Urte e» die Alten »eimen, und er hat dieser keiner Würde «it Wissen und Wollen durch sein Thun memal» «Mas vergeben. Lr ist da» in unsrer »ich» gerade -pietätvoll» Zeit, aber doch einer Zeit, welch« di« Träger der Torahwiffenschaft und geistlichen Führer deeinstigen Nimbus, der. ihre Person umgab, längst entkleidet hat, aber nicht leicht. Man denke nur an di« heutige Besetzungrweise und nicht gerade der kleinsten Stellen, die für den jüd. Theologen in Betracht kommen. Freilich hat I. sich nie um «inen größeren Posten erst bewerbt» müssen; die großen warben um ihn. E» ist ihm erspart geblieben, wie den tveniger Bevorzugten seine- Stande-, in den Staub der Arena zu treten mit Anderen und sich all den Belleitäten eine» Be- »erbuogSkampfts au»zusetzrn. bei dem die Gefahr nicht au»- geschlossen, sich etwa» zu vergeben. Da» mag er nun seinem guten Stern zu danken gehabt haben. Aber wie hat er auch auf der einmal gewonnenen Höhe sich auf keiner Schwäch« ertappen lassen! Wie hat er, so elastisch sonst 'seine Natur und so sehr er der Mann war, den Gemeindewillen und dessen gesetzliche Vertreter zu ehren, sich doch diesen wie den Parteien im heutigen Jndenlhum gegenüber feine Selbständigkeit zu wahren gewußt. Und heute wifien» ihm Jene wie Diese Dank. Nicht, ob er Himmelstürmender Reformer oder Partisan der Orthodoxie gewesen — er pflegte über den heutigen Mißbrauch mit diesen Echlagwürtrru zu lächeln oder in küstlicherWeise zu scherzen*)— nicht da» entscheidet für die Frage de» Charakters, sondern daß er sklbstständig dachte. Josl besaß ja wohl auch da», Wa» man heute Pastoralklugheit nennt, sei e» nun Dank' derselben oder auch ohne diese, genug, er war nicht der Mann, sich hinüberziehen zu lassen, er zog hinüber. Pietät, wie sie «inst in der »guten alten Zeit* auch bei uns in Deutschland gekannt worden, ist von kleinen Minoritäten abgesehen, im Schwinden, Autorität ist'», die dem deutschen Rabbinerstande zu erlangen übrig geblieben. Jo«l hat sie in reichem Maße besessen und auSgeübt, bei Christen wie bei Juden, mehr als einmal hat er in der so heiklen Frage de» Antisemitismus, vor Gerichte, in der Presse rin gewichtige» Wort mitzusprechen gehabt, und vielleicht ist er um foj eher gehört worden, als er mit dem reichen Wissen einen achtunggebietenden Charakter verband. So ist sein Guchtachten über den Talmud entstanden, das vielleicht, wenn die Krankheit de» Aatifemttismus in Deutschland überwunden sein wird, auch dann noch eine anziehende Lektüre für Gebildete in und außer Israel bilden wird. Da» Geheimniß der gewaltigen, achtunggebietenden Persönlichkeit im jüd. Theologenstand« wird auch in Zukunft bleiben: Selbstständigkeit bei dem Anstürmen von inner» und äußeren Faktoren des Leben». T. Wohin ««»wandern? B. Petersburg, im November 1890. Ich habe Sie vielleicht schon zu »st mit meinen Asyl- Gedanken beschäftigt, doch trafen solche — wir Sie in der vorletzten Nummer aniührtm — mit denen eines großen Gelehrtrn zusammen und dies ermuthigt mich, den wichtigen Gegenstand weiter zu besprechen. Diese Asyl - Gedanken dräng» sich um so hartnäckiger auf, je rachloser und ver- -weifelter unsere Glaubensgenossen vor der Frage stehen: wohin auswandern? Bor Palästina wird strengsten» gewarnt, da die massenhafte Zuströmung des jüdischen Proletariat» bereits dir bisherigen dortigen Colonisten in Gefahr bringen. So erläßt die Gesellschaft für die Unterstützong der Juden in Palästina Warnung über Warnung, *) ,Lch bin" — sagt «r einmal bem Redakteur d Bl. in einem Gespräch über die Richtungen und Parteien im Judenthum, besonders in Breslau, wo man bemal» von «eigeraneru, Likttnianern, Telia»»»» sprach— ,.gar bi« ^iner" s»»d»r» ״-iner." Ja er sk ja nicht die Emigration dorthin zu leukru. um nicht sich und den GlanbenSgrnossen in Palästina da» «lochst» Loos zu bereiten'). Mit der Auswanderung nach Brasll ie» steht e» noch viel schlimmer, «eil eine SmigrationS-Epidemäe unter dem Landvolk in Rußland, wie bekannt, auSgeb roch» ist, welche die Regierung mit der Waffe und «it schwer» Gefängnißstrafen zu dämpfen sucht. Andererseits ist diese Emigration zum grüßt» Theil von verbrecherischen Agent:« in Scene gesetzt worden; die Allswandernden werden wir Gclav» verkauft, und weil sich Juden unter den AuSwandernden de» finden, werden ihre gesammten Glaubensgenossen der Auswiegelung und verbrecherischer Thätigkeit beschuldigt. Nuu kommt eine aus Galizien stammende sogenannte spanische Propaganda. Vor einigen Jahren bereits ist das Prof« der jüdischen Emigration nach Spanien und ein Werbung»« Tomitee hierfür aus Initiative de» spanischen S»ator» Herrn Lopez Lapoja. entstanden. Diese Agitation ist bald durch die gewaltigen Hindernisse aufgelöst worden, während die jetzige Propaganda au» Spanien und Portugal an»- gehend, die elend« Spekulation zum Sclavenhaaoel nach Brasilien al» Basis hat, als» mit der unglücklich» E«igrations - Epidemie nach Brasilien vollkommen identisch M betrachten ist. Das von Herrn Weinstock in der ״Neuzeit* aufgetischt» Projekt: die Emigration nach Kalifornien zu lenken, sowie da» von JoÄ Ra binowin an» Cap Town im ״Jet». World* veröffentlichte Schreiben an Dr. Adler, al» Asyl Mas sauah zu nehmen, endlich die vielen Verlockungen nach Süd-Afrika oder nachAstralien — richten ein« solche Unmasse von Berwirroogrn an, — daß für die An»- wandernden nur die Furcht, der Unverstand oder betrügerische Spekulation Anderer den Ausschlag geben und mau ru ״Nacht und Sturm* wie Child« Herald yinauszieht: .bring' mich Schisflein wohin Du willst, nur nach der Heimath nicht!*') Ist es da nicht «boten, daß endlich die Asyl-Frage in ein entschiedenes, ernstes Stadium trete? Soll man d» elendsten Antisemiten den Triumph gönnen, daß die Juden sich selbst dem Untergänge weihen und Herrn Dühring die Lösung der .Judrnfrage", welche er mit .Vernichtung der Jud» au» der Welt" entscheidet, überlassen? Ohne mich irgendwelcher Utopie hinzugeben, und neue Vorschläge zu machen, glaube ich, daß jüdische Finanzgröß» im Verein mit bedeutend» Sozialökouomen — wie ich schon früher klarlegte — bal richtige Asyl schon finden werden, wenn sie nur ernstlich suchen. Aber an diesem Ernst scheint es den Meiste« »och zu fehlen. Sie fühlen nicht das Dringliche der RothAb Wenn sie auf Spekulation Milliardenanleihen glücklich durchführen kdnnen — warum sollten sie nicht ein Asyl- Aalehen — welches sich moralisch und materiell vorzüglich procentiren dürste — zu realisirrn verstehen? Die Rathlosigkeit ist das grüßte Unglück; zeigt d» armen rufst chen Brüdern, die zur Auswanderung gedrängt und bereit sind, rasch das Ziel der Auswanderung, gebt ihnen eine Antwort auf die Frage: .Wohin auSwandern s* P.S. Wie die ״Buenos Aires Handelsztg.* mittheilt, geht Baron Hirsch mit der Absicht um, ungefähr SSO,000 russische, durch die neuesten Verfolgungsmaßregeln betroffen«^ au« den Dörfern ausgewiesene jüdische Ackerbauern in Är? grntinienanzusiedeln. Er hat zunächst eine Kommission von drei an die dortige Firma Mallmann & Co. empfohlenen Herren nach dem Rio de La Plate entsandt, welche bezüglich der Verwirklichung des Projekts in nähere Unterhandlung» ') Dennoch proponirt die hebräisch« Zeitschrift ״Dorsche Zion* ein« Aktivagesellschaft zu gründen, um Grundstücke in Palästina *״Vf* taufen, und die Verwaltung der Dampfschifffahrtsgesellschaft in Odessa hat für die jüdischen Auswanderer nach Jaffa und Palästina dtp Reisekosten von Rbl. Lt auf 10 vermindert — also auf mehr at» die Hälfte — und »acht Seschästel י) Die jiinzft in Rew-Aork erschien«« Brachüre in Angelegen»^- der ״imnigrstio» der Juden noch Amerika" fordert di« grihtmSalich» Zurückweisung der rnsnjche» Juden — als Amerika zur Last salb»».

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