Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 48 (27.11.1890)
- Date
- 1890-11-27
- Page
- Seite 362 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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: ocit sGagbcmm also vor! Steht Parlament! verlangt «- selbst; ein Ausi da man ja auch für andere Dinge sie gefunden auch, indem Ihr jene- Bündniß meidet, da» in den die emancipirt, nur überflüssig noch und schädlich, Ihr wißt, die Alliaoc« iaraälit•; diese- Band zu sprengen ist Euere Pflicht, ja Euere Pflicht." Herr Iunius junior muß die letzten Jahre verschlafen haben, denn sonst würde er wissen, daß jener Schlagbaum längst ansgcrichtct ist, nicht gerade von jüdischen Händen, auch nicht aus jüdischen Antrag, aber durch Herrn Puttkamcr, Stöckers begeisterten Zuhörer und Verehrer, oder sollen wir nun auch einen Schlagbaum gegen Oesterreich beantragen! Herr Iunius scheint dies zu verlangen. Was ist das für ein armseliger Philister, der, wenn Bruder Studio pur ein wenig renommirt, folgsamer, hündischer ist, als ein Pudel. Bon welchem Adelsgeschlecht Herr Iunius abstammt, weiß ich nicht, aber er kennt wol seine jüdischen Kameraden unter deutschen Schriftstellern; wie viele kommen aus jener ״Schuttabladestelle" für Oesterreich und Rußland: anfangs zählte mancher unter ihnen zu jenem ״eklen, schmierigen Gelichter," wie Herr Iunius sich so geschmackvoll ausdrückt, aber sie sind rasch sauber geworden, jedoch, ekel und schmierig kann die Gesinnung eines Philisters sein, der die sauberste Wäsche und den modernsten Frack ttägt. Herr Iunius will Verschmelzung der Juden mit den Deutschen; die Judcnheit sollte eine Exttavrämie darauf setzen, dergleichen Leute wie ihn los zu werden, vorausgesetzt, daß sie sich dazu entschließen auch das deutsche Vaterland zu vertaffen. Der ärmste Jude hat seine paar Pfennige gegeben, um unfern Glaubensgenoffen in Rußland zu helfen; ihre seelische und ihre leibliche Roth geht uns tief zu Herzen und verscheucht uns oft den Schlaf; Gladstone erhebt seine Stimme für die Gequälten selbst auf die (Gefahr hin den russischen Bären zu reizen. Herr Iunius aber warnt die deutschen Juden vor ״philanthropischen Duseleien." Unsere Feder skäubt sich die Worte niederzu chreiben, die für ein solche» Gebühren am Platze sind. Auch meine fünf Mark, die ich alljährlich für die Mianz zahle, sind dem Herrn ein Dorn im Auge. ״Es ist Euere Pflicht dies Band zu sprengen." Cremieux war üsident der Allianz Jahrzehnte hindurch, und die Franzosen »en an seiner Vaterlandsliebe nicht gezweifelt, aber Herr Iunius der sich verschmelzen möchte, borgt sich die Brille der ״Kreuzzeitung" und findet etwas Schlimmes darin, daß deutle Juden ein paar Groschen hergeben, um die Kultur der Zwden im Orient zu heben. Herr Iunius empfiehlt uns, wenn wir zurückgesetzt werden ״Gümld! Geduld!" ״Wenn die Regierung zu gewissen Aemtern Euch nicht zuläßt, vorläufig, so macht nicht jedesmal Geschrei, erstens, well das unnütz ist, da es doch chr R«ht ist, sich über die Qualifikation der Kandidaten zu entscheiden, und zweittns, well das von Neuem immer böses Blut mache." Und so was nennt sich ״Iunius"; man soll sein Recht nicht fordern, denn das Gesetz des deutschen Reiches hat uns vor mehr als zwanzig Jahren die Gleichbrrechtigung gewährt, ״weil das von Neuem immer böses Blut macht!" welch ein Erzphilister! ganz Deutschland hat keine Schlafmütze, die für den groß genua wäre. Abraham Geiger würde sich im Grabe herumdrehen, wen» er hörte, daß Iunius sich zu seinem Apostel aufwirft. Wann übrigens ist das geschehen, was der weis« Mann auf S. 102 berichtet, daß man Abraham Geiger zu einem Widerruf gezwungen hat? Herr Iunius sündigt genug auf eigene Kosten, was braucht er noch aus Kosten des Alden- Hums zu sündigen, und Nachrufen zu verbreiten, die uns herabsetzen, undGeiger in den Ruf eines S chwächlingS zu bringen. Dieser ganze Schwall, in dem sich hie und da auch etwas Gutes findet, so z. B. daß Leopold Raak als Heinrich wurde, die Bemerkung macht: ״ich wußte «r Mann Historiker ist", dieser ganz« Schwall »st in rat« Novelle eingeschoben, die womöglich noch geringwerthiger ist, als die Philippika gegen die Antisemiten. Der jüdische Liebhaber eines christlichen Mädchens, der diesem nichtdavon erzählt, daß er Jude ist, macht sich einer Unterschlagung schuldig. Das ganze Opus läßt auf einen völlig unreifen Bersasser schließen, der von allen Ecken Rottzen zusammengestoppelt hat, die er meist selbst nicht versteht. Es lohnt kaum dem Manne gegenüber das Grundthema seine«. Ausiatzes, nämlick das Problem der politischen, und socialen Gleichberechtigung der Juden, ernstlich zu diStutiren. Um es kurz zu sagen, wenn der Jude seine Pflicht gegen deck Staat erfüllt, fo geht es den Staat nichts an» was der Jude ißt und trinkt, »vann er betet oder wann kr arbeitet. Die Verlagshandlung kündigt von dem Buche die dritte Auflage an. Will der Verfasser, offenbar noch ein sehr junger Iunius, der Emancipation der Juden einen Dienst leisten, so soll er künftig über etwas Anderes schreiben. S. L Am» «»de»ke» 3»er#. Daß auf das frische Grob des der Wisienschaft, de« Leben, der Berufsthätigkeit nur zu früh entrissenen Meisters jüd. Theologie, uuseres unvergeßlichen JoSl — gcfamtte* Andenken»!— in diesen Tagen an der Bahre, in der Preise mancher RuhmrSkranz nirdergelegt worden, ist nicht u»ehr billig, es wird auch manches Ruhmesblatt noch nachzuliestr» sein. Es drängt den Schreiber diese«, auf zwei Punkte be» sonders aufmerksam zu machen, die — so scheint es ihm, noch nicht genügend in Würdigung des Leben» und Eharakters de» großen Tobten hervorgehoben worden. JoSl, wie er praktischer Theologe war, ist auch i« eminenten Sinne Lehrer der praktischen Theologie, insonder» hell der Kanzelberedtsa«k«it, zahlreichen Jüngern gewesen, er ist es nicht sowohl durch fernen Unterricht in der Homiletik geworden, den er Jahre lang im Seminar erthnltr, als vielmehr durch das lebendige Beispiel, durch seine zahlreiche« Predigte»», di« er in dem Seminar, später säst ein Menschen» clltrr lang in der Breslauer Gemeindesynagogc hielt. Man rühmt Joäl's Predigten nach, daß sie durchdacht, wohlgesetzt gewest«, und durchdacht von der Frisch« eigener und eigenartiger, den Gegenstand vertiefender Betrachtung, durchweht war Alles b« JoSl. Doch diesen Vorzug mag er mit Andern getheilt habe«. Was aber seinen Predigten bei de« Jüngern der Theologie bildende Kraft verlieh, daß sie lernte», wie sie's selber zu machen hätten, soweit sich da» lrme» läßt, das war die Durchsichtigkeit in seine» KanzelvortrLgeq, die einen Einblick in die innnst« Werkstätt« seine» geistige» Schaffens »erstattete, die Aufban und Gliederung oer Red« deutlich erkennen ließe« und doch das Ganze wie aus einem Guß entstanden hervortreten ließ. Daß derselbe geradezu «usterglltig werden konnte, da« hatte wohl seine« tiefsten Grund dann: JoSl hielt sich bei aller Eigen» artigkeitfern von allem Manierirten,Gekünstelten, in Dikton und selbst im äußeren Bortrage — er hatte der« gleichen auch nicht nöthig — und vielleicht beruhte ebe» darauf die so packende Wirkung Jos Äscher Predigten, wenn sie zu Gehör kamen, deren Mancher sich wohl «och erinuer» wird. Man möchte sagen: JoSl war der Less»ag ^auf der Kanzel, edel, gediegen und doch einfach in der Form. Dag die Gelegenheit, JoSl als Prediger zu hören, von den am Seminar Studireaden fleißig aufgesucht wurde, versteht sich nach dem Gesagten von selbst. Und »»ancher der Leser tnes. Blatte» gesteht flch'S wohl, daß er JoSl in dieser Beziehung viel verdankt. DaS will nicht» weiter als ein bescheidener Beitrag zur sein, da» «■km betrifft seine» Leunzeichmntg fest«» Genies Lharakter und das ist: Jösl hielt et»as lürde