Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 47 (20.11.1890)
- Date
- 1890-11-20
- Page
- Seite 358 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Ge« ei «beschule in Oöer-Jnselhei» n. Hür über»»-« er gleichzeitig bet der iSrael. Gemeind« die Stelle al« Lnntor «ob ReligionSlehrer »uo wirkte bi» zu seinem Lode Ire« «nd redlich in seine« Berns׳. Zn einem Stipendirnverein für israel. Seminaristen in unserem Lande gab er de« Impuls «nd wirkte auch hier al» Borstaadtmitglied bi» jetzt. Und al» vor ganz kurzer Zeit ein Verein der israel. Lehrer in Hessen gegründet wurde, wählte mau ihn ein׳ stimmig zum Präsidenten derselben. — Bei mehreren früher ftattgrhabien Synoden war er ein tbätige» Mitglied, «ad den Interessen des Dentsch-JSraelitiichru Äemeindedunde» dessen Delegirter er war. widmete er׳ ebenfalls seine volle Thvtigkrit, ohne aber deffr» Liebediener zu sein. Seine Uebrrzeugung stand ihm höher al» Ehrenämter. Seit einem halben Jahre stellte sich Asthma bei ihm «io; doch arbeitete er, trotz vieler Beschwerden, die er den Eeiuigrn zu verbergen suchte, ruhig weiter. Letzten Donner»׳ tag nun traf ihn bei einem Spaziergang ein Herzschlag, und schied er kurz daranf friedlich und schmerzlos au» diesem Leben. — Die Anerkennung, die er sich durch sein Wirken noch den verschiedensten Richtungen erworben, zeigte sich deutlich bei seinem Leicheabegängniß. da» sich zu einem großartigen gestaltete. Die Bewohner de» Ortes, ohne Unterschied der Eonfesstonen und der Stände, seine Schulklasse. Lehrer de» Kreise» » ad außerhalb desselben, Freunde und Bekannte von Nah und Fern und sein einziger in London wohnender Sohn waren tzerbeigeeilt. um dem theuren Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. Nachdem die Lehrer de« Kreise« Bingen einen erhebend»« Trauergesang in wohlg'luugeuer Weise am Grade vorgetrageu. sprach zuerst Herr Rabbiner Dr. Grünfeld au« Bingen In musterhafter Rede entrollte er da» Lebensbild de» Lerftorbeneu; e» waren Wort der Wahrheit und de» wärmsten Gefühl«, die gar Biele zu Thränea rührten. Herr A. Tebläe au» Frankfurt a. M., der derzeitige Vorsitzende des Vorftande» der ,Achawa", widmete ihm Namens diese» Bereit»» einen Kranz als Zeichen dankbarer Anerkennung der vielen Verdienste, die sich der Selige nicht allein durch die Gründung, sondern auch durch die uner- «übliche Thätigkeit für seine Schöpfung ermorden. — Lehrer Marx au» AlSheim dankte im Namen d«S i-r. Lehreru. Stipea dien oerein», und rief seinem langjährigen theuren Freund mir innig-bewegten Waneu einen SdjchiedSgruß nach. — Nach ihm Die» Herr Rabbiner Dr. Saalfeld ans׳ Mainz als Bevollmächtigter de» deutsch-irr. Gemeind-BaudeS sowie als Freund de» Geschiedenen in kurzen Zügen und mit treiflicheu Worten uater anderem darauf hin. wie Haupt» sächllch drei dem Verewigten voraagegangene große Geister seine Leitsterne griveseu seien: Mendelssohn, Pestalozzi und Diesterwcg. — E» war eine erhebende und ergreifend« Feier, und Alle verließen den stillen Ort mit dem wehmüthigen Gedanken, daß ein Manu von uv« geschieden, der viel Gute» für die Schule, für J«׳ael und die Menschheit gewirkt. Möge ihm lie Erde leicht sein! — Wir College» aber wollen «»» sonnen au seiner Wirksamkeit und sie uns al» Muster dienen lasten! — Der Name Joseph Klingensteiu sei «n» «in Leitstern, sein Andenken sei «ad bleibe gesegnet für all« Zeit! ... x. Kckornsßei« (Rheinhessen), 9. November. (Or.-Corr.) Am jüngsten Labbat ist die hiesiigc umgebautc Synagoge seierluh eingcwciht worden. Tie Renovirung ist durch eine Lüftung der von hier stammenden, in Memphis (Amerika) angesiedclten Gebrüder Löwen st ein bewerkstelligt worden, welche, wie dies der sungirende zuständige Kreisrabbiner Tr. Rothschild (Alzey) rühmend und dankend hcrvorhob, von Gott mit reichen Glücksgütern gesegnet worden sind und sich nun bewogen finden, wie überhaupt durch Wohlchätigkeit, so auch durch diesen Shnagogenbau Gott öffentlich und laut dankend Segen unter »hren Mttbrüdern zu verbreiten. Die Feier und Festlichkeit war erhebend; auch die christlichen Mitbürger, denen die wohlthätigen Süfter ebenfalls schon oft reiche Segnungen zugewiesen haben, betheiligten sich der Bürgermeister voran, an den religiösen und weltlichen Feierlichkciten (Concert und Ball). Um so auffallender war es, daß einzelne jüdische Gcmciude- und selbst Vorstandsmitgliedcr sich fern hielten, vorgcbcnd, der Synagogenbau habe von ihnen keine Opfer verlangt und nöthig gemacht, mm» mehr verweigern sie auch die Kosten, welche die Feier, religiöse und weltliche, nöthig mache. Alle Kosten wurden von einem privaten Fest-Comite gestritten, an dessen Spitze der erste Synagogen-Vorsteher, Bruder der Stifter, stand. Selbst der Rabbiner brachte Opfer. — Bon vielseitigem Interesse war dessen Predigt. Ticse hob die Bedeutung des jüdischen Gotteshauses hervor, welche sich auch außerhalb Israels kund geben solle, denn auch Andersgläubige können darin beten, wie die Religion Israels eine Bestimmung habe für die ganze Welt. Dies lege Israel, welches sich in seinem Thun und Leben von der ganzen Welt beobachtet wisse und wissen solle, die Pflicht aus, hierin ein Muster und Vorbild für alle zu sei». - Wenn es ttotzdcm und gerade deswegen von jeher Truck und Verfolgung erlitten habe und noch erleide, so seien die Zeiten doch auch schon besser geworden. Beweis sei der kirchliche Erlaß, welcher den Geistlichen verbiete, gegen Juden zu Hetzen und ihnen die Schuld für den wirthschaftlichcn Rückgang von Christen aufzubürden, welcher ebenso gut durch eigene oder Anderer Schuld veranlaßt worden sein könne. Durch solches Thun werde eine falsche Begehrlichkeit im Volke erweckt, welche Zuchtlosigkeit und Störung der allgemeinen Ordnung in Staat und Leben zue Folge habe. Die Predigt hätte auch auf einen inzwischen veröffentlichten Erlaß des Staatsministeriums erner jüdischen Deputation gegenüber, Bezug nehmen können, welche sich über die wachsende antisemitische Bewegung beschwerte. Die Regierung versichert die Juden aufs neue des staatlichm Schutzes und bedauert ebenfalls diese bedrohliche Bewegung, spricht aber die Hoffnung aus, daß der gesunde christliche Sinn im Volke die Richtung desselben bald wieder zum bessern lenken »verde, die Juden indcß möchten auch Sorgr ttagen, daß den Klagen über die Handlungsiveise mancher ihrer Glaubensgenossen abgeholfen werde. Wir ftagen, warum wird vorausgesetzt, daß Juden, dieser gesunde religiöse Sinn fehle und ohne fremde Anregung und Mitwirkung nicht ausrcichc, die Ursachen zu den vorgebrachten Klagen zu beseitigen? Ferner — wir lehnen zwar die Mitverantwortlichkeit für die Handlungsweise der jüdischen Bürger unsererseits nicht ganz ab, wie es ja über- Haupt Pflicht ist, für die allgemeine Bildung und Gesittunng nach Kraft und Möglichkeit mitzuwirken; aber wir frage« wieder, welches Recht hat der Staat, von Juden den Juden gegenüber eine Pflichtübung zu-fordern, welche er Cbristen den Christen gegenüber nicht aufbürdet? (Schluß folgt.) Slrntzönrg i. 3. Novbr. Zur gestrigen religiösen Feier der Amtseinführung des Herrn Oberrabbiner» Weil hatte sich eine überaus zahlreiche und glänzende Versammlung in der hiesigen Synagoge eingefu.iden. Der Tempel sttahlte in wunderbarem Lichterschein, die Räume unten wie die Tamentribüne waren von Audächtigen fast überfüllt. Pünktlich zur angesetzten Stunde beschritt der feierlich« Zug den -heiligen Raum. Unter Voranttitt der Choicknaben, des Vorsängers, sowie von zwei Synagogendienern in AmtSttacht und mit Stäben, folgte, begleitet von Herrn Blum-A»lscher und fämmtlichen Mitgliedern des Konsistoriums, der Herr Oberrabbiner Weil; ibm schlossen sich fast sümmtliche Rabbiner des Unter-Elsaß, darunter mehrere mtt Orden geschmückt, an» Der Zug bewegte sich unter den Klängen eines feierlich«» Marsches, auf der Orgel meisterlich vorgettagen, gegen -den Altar. Hier nahmen die Theilnehmenden Platz, worauf der herrliche Chmgejang «öl» Tabu" den weite« Ran» «stillte. Der Herr. Präsident de» Konsistorium» , *Mai y>rau| bfe