Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 47 (20.11.1890)
- Date
- 1890-11-20
- Page
- Seite 359 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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tcffaitift? And hielt danach eine »Lbige tft• Iprache Rach dem mm fotzenden Chovgesang ״Boruch Habs" folgte die Predigt des Herrn Oberrabbiners, welcher zum Hext die Rtbelstelle: ״Und Gott sprach zu Abraham: Wandle in meinen Wegen und sei tadellos" genommen. Den Schluß derselben bildete der feierliche Segen über die Anwesenden. Rach einem abermaligen Orgel - Solo aus dem Oratorium ״Moses" öffnete Herr Oberrabbiner Weil die heilige Lade, ergriff die Gesetzesrollen und sprach nun das Gebet für 2e. Majestät den Kaiser Wilhelm 11״ das Deutsche Reich und für die engere Heimath Elsaß-Lothringen, dem schloß sich der Lobgesang der Gemeinde, (Psalm 150, Halleluja) und Orgelspiel an, worauf die ernste Feierlichkeit durch das übliche Minchah-Gebet beendet wurde, eine Feier, welche in ihrer Gesam.-ltheit wie allen einzelnen Theilen auf die ganze We־ meink^einen tiefen Eindruck hinterließ. Joseph Kllnfensteln 1 (•<». 14. Dezemve» 18*1! gest. 1s. November 18*0 ) Im nahezu vollendetem 83. Lebensjahre starb am 13. d. M. plötzlich infolge eines Herzschlages der in weiten Kreisen bekannte Lehrer in Oberiugelheim, Joseph Klingenstein. Am 16. d. M. fand die Leerdigoug statt. Bon - der großen Beliebtheit und Verehrung, deren sich der Heim- Sgangene zu erfreuen hatte, zeugte die überaus zahlreiche echetligung und die allgemeine Trauer aller derjenigen, die dem Hingeschiedenen Freunde und Lehrer die letzte Ehre -erwiesen, «m Grabe sprachen die Herren Rabbiner Dr. Grünfeld von Bingen und Dr. Satfeld von Mainz, so- »ie die Herren Adolf Teblöe von Frankfurt und Karl Marx von Alsheim, dir in warmen Worten des Verstorbenen hohe Verdienste um Schule und Gemeinde hervorhobeu. Schmerzlich schwer aber muß die Achawa, deren unver» Mißlicher Stifter Kliugenstein gewesen, den Verlust de» »ackern Manne« ewpfinden, in dessen Herzen fich Menschen» liebe einen Altar errichtet halte. Mit wahrem Feuereifer «it unermüdlicher Thatkraft hatte unser entschlafener Frenad vor einem Bierteljahrhundert seine LiebliugSgedanken zur Ausführung zu bringen gesucht und den Verein zur Unter» stütznug hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Wittwen »ad -Waisen in Deutschland in» Leben gerufen. Ihm war die beglückende Freude beschieden, am Abende seine» Leben» sein edle« Werk zu einer -achtunggebietend-n Stellung Heranwachjeu zu sehen. Die Saat, die er gestreut, hat tiefe Wurzeln geschlagen und reiche, fegen» bringende Früchte getragen. Darum ehren und preise» wir Gen Rameu de» wackeren Manne-, in dessen bescheidene» Wesen stch Eeelenadel» Eharaklerfestigkeit und GestnuungS»! Hoheit nie »erleugneteu, die sein Stauen und Streben, sein; Wollen und Wirken zeitlebens letteten. ׳ Da» Andenken de« für Humanität begeisterten, für GeifteSfreiheit und SeisteSfortschritt, für Recht «nd Wahrheit stet» kampfbereiten Manne» werden wir «llezett im Herzen trage» und mit Dankbarkeit in Ehre» .-treu bewahren. Friede seiner Asche! Frankfurt a. M., 18. Nov mber 1898. Der Vorstand der ״Achawa," Adolf Lebläe. Vermischte tust «rttefke Witzchrichte«. gRagdednra. Da« dem Landtag« vorgelegte Bolksjchulgesetz ent» hält auch «tut« Bestimmungen, welch« den an rüdische Schül - ״-״ . . .. . Schüler ju er- Heilenden Religionsunterricht betreffe». Erfreulich ist schon der Grundfatz, daß kein Schüler ohne Religionsunterricht bleiben dürfe. Mr werden hierauf sowohl, «ie aus die in de« katserlichenjSchulrrlaß ent- Halte««» beherzig entwert he » Wtnkefürdt« ErtheUung desReli-tonsunter» richt», dag die ethisch« und apologetische Sette «ehr berütksichtiHt und der MrmortrstoffmSgltchst befchrünlt werden müff«, in einem -tqonder» Artikel znrmnwMMen. 4«täPäS(JSt« PukkzWsßH»*» fee» leidig» ug»pr«cß M Physik»« Dr. Vit wider Herrn fe. Hammerstein, Chefredakteur der ^renzzeitung", «nd Dr. für. Akarri» de gonge wird im Dezember vor der Strafkammer zur Uerhawdtnng gelangen. S. 8p. Berti». IS. November. (Or.-Lorr.) Mil de» beite» Sektionen Süd und Nord hat der ״Centralverei»- seine dieSjSHHm» Generalversammlungen beendet. Auch diese wurden mir je eine« vor» trag« eröffnet und zwar sprachen die Herren Redakteur I. Wiener über »Was sind wir unseren Kindern schuldig- und Dr. Karpels über ״Da» geistige Leben in unserer Gemeinde-; beide Redner erntete» reichen Beifall. Der ״Central-Vereinkann mit großer Genugthuung aus setne diesjährige Einrichtung sehen, denn er hat durch die verschiedenen Ber» sammlungen das Jntcresie für's Judenthum in weiten Kreisen der Gemeiademitglieder getragen und so manches gute Samenkorn ist darin ausgestreut worden, das gute Früchte zu zeitigen hoffen läßt. Frankfurt a. M. Letzten Sonntag fand in einer hiesige« Bstr» gerssamilie eine Taufe statt, wie wohl selten eine Vorkommen dürfte. Der Vater de« Täuflings ist JSraelit, die Mutter Protestantin. Da» Kind erhielt zwei Pathen resp. einen Pathen und eine Pathin. Der Pathr war ein geborener Israelit, welcher später ausgetreten und frei» religiös geworden war. Dl« Pathin zählt zur katholischen Kirche und der Täufling selbst wurde in die resormirte Gemeind« ausgenommen. Kolmar i. P., 7. Nov. Heute wurde hier ein Mann, Rentier Cohn, beerdigt, der ein Alter von 105 Jahren «rreicht hat, also im Jahre 1785 geboren wurde. Er war bis zum letzten Augenblicke rüstig und stets bei gutem Appetit. Beim Geuuffe einer Taffe Kaffee wurde er vom Schlcge getroffen und starb. Leipzig. Bei der am Sonnabend stattgehabten Lesehallen» Wahl hat die christlich - nationale Studentenschaft wiederum gesiegt Ihre Candidaten erhielten 283 Stimmen, die Gegenkandidaten kamen nur auf 136 Stimmen. München. 16. Nov-mber. (Or.-Cor.) In seiner gestrigen Predigt widmete Herr Rabbiner Dr. Perles dem seligen Dr. JoSl ehrende Worte tiesster Pietät. Neustadt bei Pinne, 8. November. In diesen Tagen traf hier ein Mann ein, und verbreitete eine Broschüre: ״Ansprache an Juden-, Vortrag gehalten im Saale der Reichshallen zu Berlin am 26. AprU 1881 von Pastor Dr. Somerville, um Propaganda gegen das Judenthum zu machen. Der Mann bat demnächst die hiesige Polizeibehörde um die Erlaubnis, einen diesbezüglichen Vortrag halten zu dürfe». Als ihm dies »ersagt wurde, wurde von einer noch unbekannt gebliebene» Seite der Konsirmandensaal zu dem polizeilich nicht erlaubten Vorträge eingeräumt. Eine spärliche ZuhörcrsäM hatte sich bereits versammelt, der Vortrag hatte schon begonnen, als die Polizei, welche inzwischen Kenntnis, hiervon erhalten hatte, die Versammlung auflüste. Eiteastbarg Der bisherige Lector und Privatdocent in der Phi» losophtschen Fakulät der hiesigen Universität, Dr. Siegmund Levy, ist zum außerordentlichen Profeyor für englisch« Sprache und Lttteratur in ber gleichen Fakultät ernannt worden. Arnheim (Holland). Herr Nathan Levi hat durch ein« brave Thai sich zum Helden des Tages gemacht. Mit eigener Lebensgefahr hat derselbe bei einem in der Nachbarschaft ausgebrochenen Brande 5 Kinder aus dem Feuer gerettet. Diese befanden sich in einem Schlafzimmer der Etage, in wrlcher das Feuer ausbrach. Der unerschrocken« Retter konnte erst durch Feuer und dichten Rauch zu denselben gelangen, um sie in Sicherheit zu bringen. London» >3. Nov. Der neue Lordmayor, Aldermann Tavertz empfing gestern im Mansion House eine aus Sir John Simon, dom Lordmayor Sir Henry Jsaacs, Dr. Adler, und Mr. Lswald bestehend» Abordnung, welche ihm ein mit zahlreichen Unterschris ten bedeckte« G»» such zu Gunsten der Abhaltung einer Bürgerversammlung in der Guildhall überreicht«, um der öffentlichen Meinung in England über die Judenverfolgungen in Rußland Ausdruck zu geben. Der Lordmayor gab dem Gesuche bereitwillig statt und da» Meettno wird in der dritten Woche des November m der Guildhall unter seinem Vorsitze stattsinden. Das Gesuch ist unterzeichnrt von dem Erzbischof von Canterbury, Cardinal Manning, 4 anglikanische» Bischöfe», de« Dekan von Wejtminster und anderen Prälaten, de» -erzögen von Arayll, Westminsker, Abercvrn, Newcastle, 8 andere» Pair», der Baronin Burdett Lontt», Lord Tennylon, zahlreichen Unterhausmitgliedern, Geistliche« verschiedener Konfessionen und Lertreter» der Kunst, Wiffeu» schaft und Lttteratur. I» Baveel»»« soll Ende Februar 1821 ein internationaler Auttsemiten-Congreß abgehalten werden. Budapest» 17. November. Bei der heutigen Berathung de» Lultusbudget» brachte Jranyi wieder seinen Antrag betreffs der Re» ligionsfreihelt ein und besprach auch die Frage .betr. Begtaufen. Der Lultnsmintster stellte eine Borlage di« bürgerlichen Matrilelsührnng betreffend in Aussicht. (S. den 3. Leitartikel in dieser Nr.) BetersbnrO, 18. November. Wie di« ״Rowoje Grcmjameldet, hat die orthodoxe Geistlichkeit Westrußland« um de» Erlich von vorschriften ersucht, durch welche der jüdische» Bevölkerung verboten wird, an Tonn- und christlichen Feiertagen Handel zu treibe«. (Wenn k« nur an den Werltagen ungtstört alle» Erwerbszweigr» nachgehen vftrftett.