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Israelitische Wochenschrift · 1890-11-20 · 47 (20.11.1890) · p. Seite 357

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
47 (20.11.1890)
Date
1890-11-20
Page
Seite 357 (sequence 5)
Language
German
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F1 nichts in der Außenwelt [ denen unser Ruf gilt: geltend machen könnt, Ihr seid es S-V Erwählet die beglückende Lebens - Aufgabe, Helferinnen der Nochleidenden zu sein, schließt Euch uns an, folget unserm Ruft und werdet Krankenpflegerinnen. —r. (Wir bringen obige Korrespondenz, die eine Angelegenheit behandelt, für welche wir wiederholt in uns. Bl. und auch aus den Gemeindetagen deS D. I. G.-B. daS Wort genommen, mit dem Bemerken zur Veröffentlichung, daß An- Meldungen für die Ausbildung als Krankenpflegerin jeder ‘ Zeit an Herrn Or. w«ck. H. Schlesinger, Künigsmarkcrstraße 3, Frankfurt a. M, gerichtet werden können. Wir Haben noch den besondern Wunsch, daß die jüdischen Kranken- Pflegerinnen auch in der Massage ausgebildet werden mögen. Red.) 8. J. Merkt«. In der jüngsten Versammlung des hiesigen Andrea-Platz - Bezirksvereins hielt auf Ersuchen des Vorstandes Herr Dr. PH. K r o n e r :inen Vortrag über den ,Kulturwerth des Gewerbefleißes", dem die Zuhörer mit ge- £ spanntester Aufmerksamkeit folgten. r Einleitend bemerkte der Vortragende, daß hinsichtlich | der Würdigung der menschlichen Arbeit bereits ein neues UK Weltalter angebrochen sei. Im Alterthum eignete manche F A^Nrbeit ausschließlich dem Sklaven, in! Mittelaster dem Leib-;; ־ «tzenen, in der Neuzeit eigne jede Arbeit dem fteien Menschen. f ute schändet keine Arbeit mehr; Tüchtigkeit und Genungslauterkeit adeln jede Berufsart. Kastengeist und pfthum sind unrettbar dem Untergange geweiht. Wirklich *ע5־ geadelt wird der Mensch nur durch edles Denken, Empfinden und Handeln, und unter manchem härenen Gewände klopft - * daS Herz eines wahren Edelmannes. Wie schön sagt diesbezüglich Schüler: Arbeit ist dr» Bürger» Zierde, Segen ist der Mühe Preis: Ehrt den König sein« Bürde, llhrrl un» der Hände Fleiß. Den Schluß bildete die Folgerung, daß auch das Gebiet des Gewerbefleißes zeigt, wie naturnothwendig die Zusammengehürigkeit, Einheit und Einigkeit der Menschenwest ist — «ine Kulturidee, für deren Verwirklichung die Edelsten vieler Völkr gelebt, gelitten und gestritten. Der allgemeine warmherzige Beifall, den der Vortrag fand, bewies, eine wie ttef greifende Wirkung er auf sämmtliche — verschiedenen Konfessionen und Ständen angehörende Zuhörer ausgeübt. Mreaka«, 16. November. (Orig.-Cor) Vergangenen Sonntag fand im jüd. theol. Seminar eine würdige Trauerfeier für dep seligen Dr. Joöl statt, der so lange Jahre segensreich an dieser gewirkt hatte. Außer dem Kuratorium des Seminars hatte sich auch die Familie des Verewigten eingefunden. Gesang des .Gesangvereins jüd. Theologen" erf nete die Feier, worauf Dr. Jakob die Gedächtnißrede st, in der er ein ttefflicheS Bild der vielseitigen Vorzüge! Verstorbenen entwarf. Mit Absingung des Ps. 16 .^schloß die ernste Feier. V I»s 3tfrt«f<ffta, 17. Novbr. (Or.-Eor.) Gestern Murd« ein Mann zur Erde bestattet, der nicht allein in «nserm Großherzogthum, sondern weit über die Grenzen l desselben hinaus, ja wir dürfen sagen, im ganzen deutschen ^Vaterland sich eines ausgezeichneten Namens zu erfteuen checkte: Lehrer Joseph Klingen stein aus Ober-Jngelheim. — Wir dürfen darum wohl in diesen Blättern, die ja die Interessen der Religion, der Schule und des Gt- «eindelebcns so warm vertteten, und für die der Verstorbenc so wacker gekämpft*) ihm ein Denkmal setzen, indem * •) Sei» ln St. 45 begonnener Artikel, übet dessen Fortsetzung rMt mit ihm in Lorrespondenz standen, dürste seine letzte litterarische ^Arbeit gewesen sein. Wir betrauern in dem so plötzlich Entrissenen einen! der trrnrsten, lharaktervollürn Mitarbeiter — der vom neuen Jahrgang in die Sedaction (zur Bearbeitung aller pädag»gischen Angelegenetutrrten soll«. Sein Lod ist ein schwerer *־,״,״■ 1"־"יsw1 ’Vis wir sein Lebensbild zu zeichnen versuchen, ihm zur Ehre und uns zur Nacheiftrung. Joseph Klingenstein war geboren iu Miltenberg am Main »m Jahr 1826. Unter ärmlichen Verhältnissen ansgewachsen, war es ihm nicht möglich, durch das Besuchen irgend einer Bildungsanstalt seinen früh schon vorwärts sttebendeu Geist so zu fördern, wie er es gewünscht; und so blieb er denn darauf angewiesen, sich durch Selbststudium die Kenntnisse zu erringen, die zu dem Beruf nüthig waren, für den er stets begeistert war, dem Lehrerberuf. Er trat sehr früh eine Religions-Lehrrrstclle' an, lehrte und lernte. Durch unausgesetztes Arbeiten auf geistigem Gebiete war es ihm möglich geworden, das Staatsexamen als Elementarlehrer zu bestehen, chne ein Seminar besucht zu haben. Er wurde von der Großherzoglichen Regierung an der israel. Elementarschule zu Ooernheim im Kreis Alzey «ngestellt. Dort verehelichte er sich und lebte, ttotz des geringen Gehaltes, glücklich und zufrieden. — Er wirkt« nicht allein als Lehrer, sondern auch als Cantor nach Kräften und suchte namentlich seine kleine Gemeinde auf einen immer höheren Standpunkt zu führen. Das war aber seinem stets fortschreitenden Geist und seinem weichen mitfühlenden Herzen nicht genug; die traurigen Verhältmsse der israelitischen Religionsschule und ihrer Lehrer drängten ihn, den Verbesserungen dirser Zustände seine ganze Kraft zu widme», und so gründete er die Wochenschrift ״Der Israelitische Lehrer", wodurch er auf Lehrer und Gemeinden einzuwirken suchte. Durch gediegene, anregende Aufsätze wollte er namentlich die Bernfsgenossen zum Weiterstreben, zum Aneinanderschließen, und die Gemeinden zum Emporstreben ermuntern. Gar manche Saat wurde hierdurch ausgestreut, die gute Früchte trug, aber auch der Anfeindungen manche hatte er zu beklagen; ja häufig brachte man ihm Spott und Kränkung entgegen, wo er Dank verdient hätte. Die armseligen Ver» hältmsse und die geringe Bildung vieler Lehrer verhinderte« oft sein Streben, und mußte er oarum große Opftr bringen an Zeit und Geld, um sein Blatt über Wasser zu halten. Allem die Undankbarkeit und Nichtanerkennung konnten chn auf seinem einmal eingeschlagenen Weg nicht ermüden und sein. — Die traurige, materielle Lage seiner College», inSbesondere der iSr. Rel.-Lehrer, lag ihm schwer am Herze«, und gründete er darum im Jahre 1864 den Verein ״Achawa* zur Unterstützung hilfsbedürsttger iSr. Lehrer, Lehrerwittwen» und Waisen in Deutschland. Welche Mühe, welche Arbeit, welche Kämpft er hier zu bewältigen hatte, daS weiß und kennt nur derjenige, der, wie wir, an diesem Werke mit ihm gearbeitet. Allein, seine zähe Natur, sein treues Ausharre« tu de« Ziele, das zu erreichen er fich als Lebensaufgabe gemacht und sein uuermüdete« Schaffen ließen ihn die Früchte eines graßeu Werkes genießen; er erlebte es, daß dirser Brreiu heute als eiuer der segeubrtugeudste» tu Israel vo» allen Seite« anerkannt und gepriesen wird. Das allein w«rde genüge«, ihu mit unsterblichem Ruhweskranz zu ««- gebe». — Dabei war er als pädagogischer Schriftsteller für die Bolksschnle thätig, und seine Arbeiteu, die er in ver« schieden«» pädagogische» und anderen Zeitschtristen lieferte, zeige«, daß er di« pädagogische« Zeitftageu mit klarem Geiste aufgefaßt, und mit logischer Schärft und gewandtrm Styl «iederzulegen wußte. Ebenso anregend wirkte er in Lehrer« Confrrenzen. Seine Begabung und seine Arbeitskraft wurden dar»« auch vo« Troßherzogl. Ministerium anerkannt, welches ihn in dft Eommisfion zur Berathuug unsere« neue« Schulgesetzes vo» 1874 zur Mitwirkung berief. Auch hier hat er fttuem Namen alle Ehre gemacht. Als t» «iserr» Lande « viele» G«met»de» Simultan; schüft» errichttt anrtatp&att H» dft «egirrun, ,, der mjA U. Jijt

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