Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 46 (13.11.1890)
- Date
- 1890-11-13
- Page
- Seite 350 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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tat Pöbel zu «Hitzen, Mißtraue« «gm ehrbare Menschen zu erweckm, »te Settackchustm brr Partei» -ege« «inauoer oufzustacheln, bis jene Satastrvphm rmtraten, auf welche die gebildete human« Gesellschaft der Jetztzeit nur mit 'Abscheu Srückblickt. — Die Chronik berichtet, daß die J-raelitm - erste mal au- Lvwenberg im Jahr« 1418 vertriebe« wurden. In Bunzlau hingegm wurdm sie im Jahre 1848 u. z. am 28. Oktober (Simon und Juda«) anihren Wohnungm gänzlich vertrieben» jedoch gereicht edm Bewohnern zur Ehre, daß sie sich bei dteser Befolgung, wie der Chronist schreibt, sehr menschenfreundlich benommm habm. — Die Chronik weiß nun vou diesem Zeitpunkte btzum Jahr« 1812 nicht-, wenigstmberichtet sie nichtüber die Schmsale und RechtSverhältniffe jüdischer GlaubmSgmosim, die hierorts während diese- Zeiträumegelebt haben könnten. Die Grundpfeiler der modernm i-raeutischm Gemeind« bildetm in unserer Stadt drei Familim, Ärael Hülse, Mayer Schidlower und Moritz Zaller, welche im Jahre 1812, als König Friedrich Wilhelm Hl. dm jüd. Glaubensgenossen PreußmS da- StaatSbürgerrecht verlieh, in Bunzlau ihre Niederlassung begründeten. Am 12. August 1813 fand bei dem Kaufmann Zaller di« Beschneiduna seine- Eühnchenstatt und berichtet der Chronist, oaß diese Leremonie seit dem Jahre 1453 in Bunzlau zum erstm Male vollzogen wordm ist. Am 22. März 1815 wurde hier seit Menschmgedenken die erste jüdische Hochzeit in der sogenanntm Sandschänke «feiert. Die Chronik verfehlt nicht hervorzuheben, daß dersebcn auch christliche Hochzett-gäste beigewohnt haben. Mit Bezug auf den Gotte-dimst der drei genannten Familim erfahren wir, daß derselbe in einem kleinen Mieth-lokale abgehalten wordm ist, biletzteredurch fernerm Zuzug jüdischer Glauben-omoffm nicht mehr au<reichend war. Im Jahre 1857 wurde ein grvtzere-, würdig au-geschmückte- Bethau-, aber auch nur im Mieth-verhältniß, «ingeweiht und der Gotte-dimst dm Zeitverhältnisim mtstrechend eingerichtet. Aber auch diese- Loral entsprach »ach 15 Jahrm m räumlicher Beziehung dm vermehrtm Bedürfnissen nicht mehr. Seit langer Zeit hatten edi« Leiter der hiesigm Gemeinde, an derm Spitze Herr Präses und Stadtrath Banquier Adolf Teich mann steht, für angemessen gehalten, «in würdige-, eigene- Gotte-Hanzu erbaum. Unsere Gemeinde, welche jetzt cirra 50 Famineu zählt, besitzt seit dem 17» September 1878 einen Tempel, welcher nicht nur aldainteressanteste und sehen-würdigste unter dm Gebäudm der Stadt gilt, sondem unbedingt zu dm hervorragendsten Geiäudm gleich» Zweckein der Provinz gehört. Selbst der christliche Mitbürger verfehlt nicht, öfterfremde Angrhörig« י^nzuführm und sich an dem feierlichm Gotte-dimst gemich zu erbaum, der mit Orgel und Chorgesaug abltm unrd. Seit 15 Jahre» amtirt zur välstm Znenheit Herr Lehre» und Lantor Lintner in unserer Gemeinde. Andachterweckmde Bortrag-weise, verbunden mit musikalischer Ausbildung und einem sonorm Organ trogen nebm den homiletischm Borträgen wesmtlich zu Erbauung der Gemeinde bei. Die von th« geleitete Religion-schule steht in schönster Blüthe und haben die öffentlichen Prüfumen Amgniß seinepädagogisch» Geschicke- und Wissenan den Tag gelegt. Die Gemeinde huldigt dem religiösm Fortschritt. •jLisrtftti (Hannover). (Or^Lor.) Die hteflg« Synagogrn-Gemeinde geht mit dem Man« um, sich ein« Syuagog« zu erbaum, da daalte gemtethet« Loral in keiner Seif« dm Aufoickerungm mtspricht, die «an an ein!würdig- Gotte-Hau» ftellm muß. Dä ist «- nun rühmmd anzuerkennm, baß der hiesige Magistrat und da- Büchervorstcher- Kollegium diesem Plan« mit großer Liberalität entgegengekommm find. Dieselbm haben in Erwägung, baß der Plan einer ReligiooSgrsellschaft, sich «in 'würdige» Gvtte-- hau» zu erbauen, an sich alle Unterssttznng verdimt, daß^ ferner die hiesige Gemeind«, derM Mitglieder nur zu« kleinere».' Theile «ohlhabmd sind, duich 'die Btzzinsuag und Amor»« « Mangel von Getffmndg» - - - ■ ־ *s t satioa der Baukosten, welch« Äi de«! vermögm augelichm werdm müssen, ganz erheblich fcfaffcr wird, auf Antrag de- Hern» Oberbürgermeister- Lauen« stein beschlossen, dm *n fmbemm» Laufprrlfür die Bauplätze, »elche in «ffrntlicher Lieitatim» zu 7. refp. «.50 Mk. «ingesetzt sind, aus 8 Mt. pr» Quadratmeter zu ermäßigen. Der Herr Stadtbaumeister ist nun seit»« der Gemeuwe ausmsardcrt wordm, einm Sostmauschla, vor»»- lex», al-dann wird dieselbe emm destuPp» «Uschlast. fasst». Da durch den Edelst»« einig« Gemeiudemitglieder ca. 3VV0V Mk. schon »ur Berfüguug gestellt sind, - so ist wohl uicht daran zu -weiscka, daß «S zu» Bau kommm wird. Sftea«rr»1ch. Hkark». Der in Angervom 7, 8^und -. Oktober tagmde Congreß!acholischer Juristm beklagte sich über die׳ Verschuldung des Bauernstand«- und über die den Judm gehörenden Hypothekenschuldm. Aus Grund einer rin» amenden vom verstorbmm Prof. Eschbach, (einem Nichtluven) in Gtraßburg angestelltm Studie über da- Jmmobilar» vermögen weist Isidor Löb die Grundlösiakeit derartiaer Beschuldigungen, soweit diese die Juden betreff», nach. Im Jahre 1856 betrug die Hypothekenschnld Frankreichzwölf Milliarden, 46 Departementparticipirten mit hundert Millionm und in dieser Zahl nahm» die damals am meistm jüdisch bevölkerten Provinzen Ober- und Niederhein den 29.. uud 85. Rang ein. Di« größtm Hypothekmschuldm ha tim die Bezirke Amien-, Orleans, Portier-, RmneS und Cam. ES ist demnach, sagte Eschbach, nicht ein« einzige jüdische Gemeinde in diesen am meisten verschuldeten Provinzm und ist edemnach nicht der jüdische Wucher, der eine solche Lage geschaffen. ttaglMt. 4nIn, 3. Nov. Am Samstag Nachmittag fand «ine von dem Jntemational-Working-Men'S-Educatjonel-Klub veranstaltete Massenversammlung statt, um gegm die grausame Behandlung der Juden in Rußland zu protestiren. An der Versammlung nahmm etwa 1200 Personen «heil und Dr. Aveling verlas Artest von den Aberscheinm zu könnm. Dr. Aveling, der Dichter William Morn» und die russischm Flüchtlinge Stepnink, Felix Wolkov-ki und Fürst Krapotkin hstltm Ansprachm. Gtepniak sagte, man habe behauptet, die Abhaltung einer solchm Versammluug werde die russische Regierung nur zu ärgerer Brdrückung der Juden veranlassen; dazu sei sie schon fähig, aber durch Nachgiebigkeit gegen di« russische Regierung «erbe nicht« erreicht; m keinem anderen Lande werde solche Tyratmet auSgeübt wie in Rußland und die schändlichen Gesetze gegm - die Judm seim erlasst« worden, weil Judm an der revolutionärm Bewegung theil gmommm hätten: damalische Bolk solle fortfahren, seine Stimme gegm russische Bedrückung zu erheb» und so die Hände derjentgm zu stärkm, welche bessere Verhältnisst.herbeizuführen versuchten.' Nachdem eine diesbezüglich« Resolution gefasst wordm war» wurde di« Bersammlung geschloffen. d^mOlost» Veker«-«-. Die ,TempStheilt ein wichtigeamtliches ALmstück mit, welches. Z. der sogenannt» Inden-Commission zugegangm ist. Wir mtnehmm demstlbm die folgmden interessanten Ziffern: De« st oft in Stußland gegm die Judm echobette Bor- Wurf, dH sie da- Handwerk nicht liebet^ wird dadurch entkräfteh daß in 15 GouvememmtS mit einer Bevölkerung von 23,7:116,129 Einwohnern, darunter 2.404,256 ' Judm (also 10 Mt.) nicht wmiger als 283,508 Judm (also IS pLt.) sich dem Handwerk widmen, d. h. mehr Judenal- Christen. Von dm 218,257 Einwohner« Ooessa'S sind 69,000 (31., pLt.) Judm und diest alle« sind bei 50 pCt. aller Industrien der Stadt thätig. — Man «acht. bm Judm ferner zum Borwnrf, sich det Militärpflicht zu mtziehm- Daamtliche Aktenstück zeigt nun, daß sich vertztltnißmäßig.