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Israelitische Wochenschrift · 1890-11-13 · 46 (13.11.1890) · p. Seite 349

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
46 (13.11.1890)
Date
1890-11-13
Page
Seite 349 (sequence 5)
Language
German
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seftseimr EinfttznnP kr: erste, der de» erste» Präsidenten. -Echt de» deutschen Reihstags »ach Wftderherstrüuug de» 'Deutschen «eiche» »irrt- — der ehrwürdig, Dr. Simso», der am 10. November sein« achtzigsten Geburtstag feiert, ist — wie Jedermann weiß — al« Jude geboren. Und da halten diese Rcsrre»>»ariev, die erst zu beweis« Hab«, daß sie in Zukunft nach Bändigung ihre- Borberettungszeit sittlich vud geistig befähigt und würdig sein werdm, Recht zn fprech« — rt für zeitgemäß, damit zu prahl«, daß sie «ft einem in der Bortiereitnng z» den!selb« Beruf be- § Eenen Genoss« keinerlei Verkehr Hab« wollen, well er ude ist? Präsid«t Liardelebm hat Recht gethan, dem Uebermuch dieser Gegend «in« klein« Dämpfer aufznsetzen.- Dkan kann von jung«!^«ten. welche dereinst berufen sind, diecht und Gesetz zu hardhaben, verlanam, daß sie sich mit den Grundsätzen des oberst« dieser Gesetze, der Verfassung, mft d« Hauptgcdank« dieses Rechtsstaates erfüllen, zu den« die Gleichberechtigung ohne Rücksicht auf Glaubensrmterschiede gchört. ,Wir sind der fest« Zuversicht,* schreibt die .Boss. Znt,-, .daß ler h«tige Justizminister in gleichem Falle nicht anders ha ndeln würde, als Herr Bardelebm -Hechan. Wenn es einen Stand geben soll und muß. in welchem konfessionelle Gegensätze keinen Raum haben, so ist os der Richterstand. Er müßte ,weit gekomm« sein im Deutsch« Reiche*, wenn die Bechätigung dieses Geistes im Michterstande nicht die vorbehaltlose Billigung so gut der StaatSregierung wie der Volksvertretung fände.- Stege», 8. Novbr. Man liest in den nationalliberalen 'Blätftrn, die jetzt lange Leitartikel über Stöckers Berabschiedung bringen, daß Stöcker nunmehr wohl mit Bückel, Pick«bach, Liebermann u. Tonsort« gemeinschaftliche Sache und mit vereint« Kräften lx-fto mehr in Judenhetze mach« werde. So liegt die Sache denn doch aber nicht. Man vergißh daß Böckel und Stöcker in Fehde lieg« und sich scharf bekämpf«. So liest manj in dem stückerfrrundlichm ,Volkfolgende Eorrespondmz von hier, die als «gnttar» temporia wtchl zu beacht« ist: 3m vah»«tck M ()m» Hofprrbigers Stöcker zu MoruAhausrn b. S. (Jttei* BUbatbafi, fcmb ®onntag, bat 8. November eine anttsemlttsche Bollsversa««lt-ng statt. Aus brr Lribütte erstbten al« Iiebner brr Aetchriagsabaeorvuetk vBdtl. Ar sprach über bi« Auf- «abat unb Ziel« brr «tttsaattrnpartri, ihr« ®trilung zur Sqial- ZOMakraiie unb br» Judmthu».- Dt« ganzr lang« Acbe war buxchbrnngr» von schwülstig« L'brbbrzrugung« gegen sein« eigrne, gewichtige Perlon unb gipfelt« in jen« «arttschrrirrifch« Phrase», mit bat« «r sein« — allein beu Bane« heUbringenb« — .Neich«Herold" ««Pfahl. Sun ba« ist ja so recht Dr. Bickel» Art — unb einem Man», brr nicht» veffrre» zu bieten vermag, ver^thet man schon gern« nach dem Sprichwort: »Siemanb giebt «ehr wie er hat". Aber rin» Ist Dr. Bückel nicht zu verzeih« unb verdient, festgenagelt und weiteren «kann gegeben zu «erb«. Dr. Bückel betreibt vier An^emiten. Hospre ttger iBtMrt, ben Bertretrr de« nirk», tan» «an jedoch nicht zähle». Der steht un» nur im Wege, der Hindert un» und schada r!ur. U wäre besser, er wäre gar nicht da." (Armer Stöcker!!oft tief bist Du gefall«! Gelbst Deine Jünger voll« nicht« mehr von Dir miss«, und agitirm -eg« Dich dm großen Agitator). SarmAastt, &. November. Der Großherzog hatte in her vergangmm Wock« ein« Abordnung der israelitischen -Gemeiuden der Proitinzialhauptstädte empfangen. Mft Be- »ng darauf veröffenfttcht heute die ,Darmstädter Zeitungoa» folgende Schreibe, de» Staatsministers Finger: ,Auf die' von dmDeputirftu der israüuischm Gemeinden von Darmstttdt, Gieß« und Maiuz mündlich und schriftlich an dm GwHerzog gerichtete Vorstellung vetrrfs» der antisemitiswen Bewegung im Groß« habe ich Euer Wohlgeborm im Allerdas Nachstehende zu eröffn«: seft «ftriger Zeit? ft» mehrrr« Dheilm de» - (*atn» orr an! cherzogth»« ha! Höchst» Anträge l israelitisch« Unterchane» hat ue ru Kruatniß gevommm. Er mißbilligt dieselben auf da» Tmstlichste und erwarftt vo» dem sonst gesund« undr chistlichm Sinne der betheiliatm Kreise ein baldige» Aufhören jener gehässigen Aagaff< wmn übrigmS wesentlich mit beitrag« wird, wenn der sittlich höher stehende Theil der israelitisch« Bevölkerung eS sich angelegen sein lässt, dm Ursachen zu Klagen über die Handlungsweise mancher seiner Glaubensgenossen nachzuforschm und mit dm geeignet« Mitteln abzuhels«. In dm ihnen verfaffungSmäßtg und gesetzlich znstehmd« Re.ht« werden nach dem Willen des Großherzogs dessen israelitische Unterthanm ebmso geschützt werden, wie diejmigm anderer Bekenntnisse.- (Sittlichhöher u. tiefer Stehende giebt es in jeder Religion.) ggiflfMfr» i Th-, 3. November. (Or.^or.) Die Ehrlmte TistPonneister Löben stein und Fron Johan« aeb. Frank feiert« h«te goldene Hochzeit nur« freudiger Theilnahm« aus allen Kreis« der Gnneinde uni» Bürgerschaft. Scho« um früh« Morgen brachte da« Stadtmusikcorps «in Ständchen. dann lam die Lirdertaftl, deren Ehrenmitglied der Jubilar ist und sang einige sei»» Lieblingslied». Bon 8 Uhr ab lamm Gratulationen au» all« Sesrllschaftsklaff«, au» all« Straß«, beladen mit bra schönst« Blum« und zum Thell werthvollen Ge» schmkm, d«n Löbmstei» gehört zn den beliebest« Bewohnern der Stadt. — Un 11 Uhr oegann die Fei« i« Tempel. Schon lange vor der festgesetzt« Zeit füllte sich da» mft Blumen und Pflanz« schön geschmückte Gotteshaus. Das Jubelpaar wurde von Verwandte«, die von nah nick ft« her gekomm«, und von Frrnnd« eingeführt. Dle Gesänge .Lobet den Herren-, .Sott ist mein Hirtwurde» von der Liedertafel vortrefflich auSgeführt. Der Herr Prrbig» Fackenheim hielt eine Ansprache, in welcher er dm Lebensweg des Jubelpaare« zeichnete und nachwieS, .wie da« Leb« gut» Mmschm schon hi» auf Erd« sein« Ehrenpreis findet und ein« Segen bereitet für da» kommeade Geschlecht.- Er üb«gab darauf dem Jubelpaar die vo» Se. Majestät verlieh«« Ehejabllüumsmrdaille nebst eine« Glückwunschschreiben. Mft dem Priesters«-« und einem Schlußgesang endete die erhebmde Frier. Der Herr Ober» ~ ־..־ "־ ־ ׳ "' bk rea» bestehend« nneinde beglückwünschtr und beschenkte das Jubelpaar mft einem werthvoll« «ndenkn. L« kam« Deputation« der Schütze», kompagnft, der Turn- und ander» Vereine und b«cht» schön« «ud kostbare Geschenke. He» und Frau Löben stein sind Gottlob für ihr hohe» Alt» »och rüstige Leute und wünsche« wir. daß sie «och vftl« Jahre ihr» Famllie und dem große« Kreise ihr« Freunde erhalten bleiben. Dl »nzka »- Schlesien im Oftob«. (Or.-Eorr.) ES dürste die Les» Ihre» geschätzten Blatte» «leressiren ein« kurzm Umriß üb« die Geschichte d» hiesig« Gemeinde zu »sahn». Wann Israelit« in Schlesien event. in Bunzlau ihre Niederlassung genommen habe«, ist nicht bekannt, dagegen ab« steht fest, daß fl« im 12. Jahrhundert schon einheimisch war« und im 13. volle Bürgerrechte genossm 3hr« Wohnung könnt« sie willkürlich wühl«; wo sie in groß» Anmhl lebt«, gestattete man ihn« Synagogen und Friedhöfe. St« trieben bürg«liche Beschäftigmig um» ihre Gemeinde- Angelegenheiten wurden von Gemeinde-Aeltestm geleitet. In Bunzlau zählte man, wft dft Thronik mittheilt, schon im. Iah« 1190 eine große Anzahl Israelit«, die sich auch jährlich vermerkt« und weg« chr« Reichthümek in große» Ansehen stand«. So «achten sie d« Herzögen bedeutende Borschüffe und znr Stadtbesestigung namhafte Gescheute. E» kann nicht die Aufgabe dieses Artikels sein, hnr tuttersuch«, ׳. aus welche» Grunde im Mittelalt» lichm Judetchersalguna« herbeiaeführt wurd«, nur mag erwähnt werd«, staß em aus der ein« Sette lauter« Elenw«tr «tfachter celiaUbfcr Fanatismus, gepaart »be, das ft »ft UnwtfftnheÜ und! l srimge daz» beigetrage».

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