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Israelitische Wochenschrift · 1890-11-13 · 46 (13.11.1890) · p. Seite 348

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
46 (13.11.1890)
Date
1890-11-13
Page
Seite 348 (sequence 4)
Language
German
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wühlt, zählt es die Niederlagen auf, d« der Antisemitismus in diesem Jahre erlitte-!, mögen sie in der .Wochenschriftauchregistrirt sein: .Den Reigen erSfinete in diese« Jahre der hessisch« Staal««1atster Finger, welcher in der hessischen Kammer dir antisemitische-Uewegung in Heffen für »in ^knnstprodnkterklärte. Dann kam die zeitweilige Aushebung «ine» Freiburger Korp», weil ei« Angehöriger desselben einen Inden, der sich unverschämt benommen hatte, im Duell erschaffe» hatte. Dann die Rede de« Grobherzog» von Baden, in der er di» deutsch-sozialen Antisemiten — ohne sie direkt zu nennen, aber verständlich genug — der Fri«d«n»störung k«zichttgtr. Dann die Maßregelungen, welche die UniversUSttbe- Hörden von Bürzburg und Fretburg den Studenten zu Theil »erde» liehen, di« sich der antisemitischen Vesinnung schuldig gemacht hatten. Dann di« de» Antisemitismus vom christlichen Standpunkt scharf verurtheilenden Brief« der hochseligen Kaiserin August«. Daun die Lerfolgungen, di« sich die badischeReaierung «gen die Führer der badischen Deutsch-Sozialen, Dr. Hentschel und Tr. Sevin, herausnahm. Dann der Juden-Erlaß de» hessischen Konsistorium« der di« treuen trsfischen Geistlichen in ihrem vom Ebristrntum gebot«- neu Kampf scheu die jüdisch«, christenthumseindliche und ausbeulerilch« Sippe lähme» sollte. Dann der Juden-Erlaß de» LberlandSgerichtSpräsideale» Bardel eben, der den christlich - deutschen Referendaren da» sonst allen Menschen zustehende Recht verkümmert, umzugehe» mir wem sie wolle», nur damit ein Jüdchen sich nicht zurückgesetzt fühlt. Ohne besondere Verwunderung lasen^tr die jüngst« Kundgebung Er. Königlichen Hoheit de» Grobherzog» von Hesse». Trotz aller dieser Haupt- und EtaatLlktionen ist der AntifemitiSmu» immer noch nicht tvdt. Da sind also neue Todesstöße ndthig. Sie blieben nicht au». Der Rücktritt de» Herr» Hosprediger» Stöcker von seinem geistliche» Amt«! E» war zu erwarten, daß die Bank» und Börsenpreffe darin eine» Triumph ihrer Sache erblicken würde. Man sagt, mit dem Verluste de» Hofamte» »erde auch der Rimbu» de» Träger» schwinden, da» heißt, der Partei de» Hosprediger» Stöcker drohe der Zusammdruch durch «in« allgemein« Fahnenflucht. Rag mau un» verkleinern und al» einen Faktor behandeln, den man ungestraft mißachten und aus di« Seite schieben kan«, mögen di« Bankluden di« Hofkanzleiea aller Buudesstaate« gegen un» in Bewegung setzen, wir begnügen un« für jetzt mit de« Bewußtsein, daß man eine» Tag» «ft un» wird rechnen müssen." Klingt daS nicht, wie das Bismarck'sche Abgangswort: Der König wird mich Wiedersehen müssen! Nun — der »Herzog* siel, und nun fällt der .Mantelnach — וכשל עתר ונטל עזור »Es stürzte die Stütze und es fiel der Gestützte.- A. W. HSerli», 10. November. (Or.-Cor.) Statistische Aufnahme» der Schuljugend werden bekanntlich seit längerer Zeit auch bezüglich der ReligionSverhältnisft gemacht und rn Programmen zur Kenntniß weiterer Kreise gebracht. Obwohl drese» eine administrative Maßregel ist, tritt darin doch zugleich die Aussicht der leitenden Behörde zu Ta«, den geistigen Zustand der werdenden Unterthanen ebenso sehr wie ihre HeimatbSverhältnifst in den Bereich chrer Beobachtung zu ziehen. Mancher wünscht der billige Beurtheiler anders. Wenn der hohe Prozentsatz jüdischer Schüler an den Gym- 4taft« und Realschulen Leuten, die nicht wie di« diesjährigen Antragsteller d«S Herrenhauses Grund zur Erregung feindseliger Gefühle haben, mißfällt, so ist dieses erüärlich auS dem vielfach geäußervm Verlangen, daß von jüdischer Seite mehr Fühlung mit den mittleren Ständen angestrebt wird. :Unverkennbar geht ja auch von vielen jüdischen Männern -Dimh die aegenwärttge Pfleg« deS BolkSschulwesenS manche recht fruchtbare Anregung nach dieser Seite hin auS. DaS Verhältnis der jüdischen Schüler zu den christlichen ist allerdings׳ an den meisten Berliner Lehranstalten um vieles höher, als dasjenige der beiderseitigen Bevölkerung. Aber die Reaierung hat hiermit zu rechnendenn die Berhältuisst sind so wie sie sind, durch innere Nothweudigkeft spword». Wenn etwas geändert »erde» soll, «nß der Grund dazu tiefer -allegt werde», durch inniger« Verschmelzung der heterogene» «ewente. Für Berlin find di« Zustände tat» doch einiger« maßen normal, well in de» Mittelpunkt der nationalen I-ttellizenz die gebildeter» Kreist im Allgemein« »ad Fnserhelb derstlben die jüdisch» Elemente »othwmdig eine höhere ProportionSzifstr Hab« «üff» als anderSwa Für die einzeln» Stadttheile Berlins mag «an d» Prozentsatz jüdischer Schüler au» Fügende« erkenn»: a Auf dem Falk-Realghmnasinm i« West« find am 1. Februar d. IS. unter SOS Schülern 130 jüdische, unter 183 Lorschüle» 36 jüdische, gezählt worden. DaS ergiebt 'also für das Gymnasium 19,46für die Bonschule 19,12'/,, für die ganze Anstalt 19,39'/,. Da» Askanische Gymnasium im Südwest» hat unter 037 Schülern 109 jüdische, unter 164 Borschüleru 29. Der Prozmtsatz ,st 17,11 und 17,08, für die Gesammtheit 17,29. Auf dem Leibuitzgymnasium i« Ost» komm» auf 493 Schüler 88 jüdische, auf ISS Borschüler 36. Mithin hat da» Gymnasium 17,24%, die dreiklassige Bor» schule 20,01'/,, die «sammle Anstalt 18,21% jüdische Schüler. An dm ander» aleichstehevd» Schulen bewegt sich die Berhältnißziffer in gleichem Maße zwischen 17 nnfc 20'/,. ES ergiebt sich daher im Maximum ein Satz von 20'/, jüdischer Schüler. Vom GesirbtSpunst der Eruehung und Bildung ist diese Zahl ohne Bedeutung, im Hinblick aus die durch die Schule zugänglich gemacht» BerufSart» wird man e» doch gern anbet» wünschen müssen. Htreata» Durch das Hinscheiden des Rabbiners Dr. JoSl bat auch daS theol. Seminar ein» schwer» Verlust erlitten. Bei der Eröffnung desselben im Jahre 1864 hatte sich da».Augenmerk Frankels auf JoSI gerichttt. Er lehrtt an der Swstatt ms zu seiner Berufung als Rabbiner von 1884—1866. Auch in den letzt» Jahr» sett dem Abgänge des Prostffor Dr. Freudenthal hatteJoöl wieder pbilosophtsche Vorlesung» am Seminar übe»ommm. DaS Lehrer - Collegium wie die Hörer de» Seminars widmet» denn auch dem Bielvenhrt» warme Nachrust. Wie wir hören, wird auch noch eine besondere Trauerseierlichkeit im Seminar veranstaltet werde«. —Beim gestrig» SabbathgotteSdimste wies Herr Rabbiner Dr. Knoller in der Prehjat nochmals in tiefbewegt» Wort» auf d» unersetzlich» Berwst hm, der uns gettoffen, und mahnte die Gemeind«, im Geiste de» Verstorbenen, dessta Name hier und in ganz Israel unvergessen bleib» tpttbv weiter zu leb» und zu streb». Aufs tiefste bew»t lauscht« die zahlreich Versammelt» dm ergreifend» Wort« deS . Gestern fand auch in der Lessingloge eine Tranerstier statt, wobei HerrDr. Rosenthal die Gedenkrede hielt; eS warm dazu Emladungen an Borstand und Repräsentant» der Go« mernde ergangen. feft (Hannover). Die »Krmzzl-.- und ihre autisemitischm Frmnde gerath» ganz auS de» HänSch» i» Zorn und Wnch über den OberlandeSgerichtSpräfioent» Dr. Moritz Bardelebe» hier (vormals Stadtgerichts» präsidmt von Berlin), Landwrhrmajor a. D., Ritter de» eise»» KrmzeS, «egen der von ihm verfügt» Uerschnng der Restrmdari», wache ein» jüdisch» Kolleg» von ihre« Tisch anSfchlosstu. »ES ist totst gekomm» i» dmtsch» Reiche-, ruft di« antisemitische Prefle aus. Da sie i» dr» Ade» des Her» Bardel«» kein» Tropf» semitisch» BlutrS Nachweis» kann — auch dm im Krieg« als Führ« eines wesffälischm LondwehrbataillonS schwer verwundet« Ritter de» eis««» Kr»zeS nicht. wie «in« ReichSfrind behandeln kan», wird schamloser Weist ei» Gerücht erstmde»^ Bardelebm habe bei seiner E»»uuug de« damalw» Justizminister Dr. Friedberg, defst» GroHllte» Ink» war», versprach«, d» AnttsenistiSmnS sin Hannoverla»» zu bändige». Aber der jetzige Jnstizminister Schellt»» werde rS ihm schon sag», — und eine Interpellation i» Abgeordneten haust we»e nachhelstu. ״Wen» dst Herr« Antistmsi» sich sin Abgeoeduetenhanst durch«»« blamtr» wolle», mögm sie 4« ch», »st ihm» der ***»*»י«»« zu, ׳»dem er qw» «gleich folgendes gukt: Der Prästdmt o«S ««Hst» d»

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