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Israelitische Wochenschrift · 1890-11-13 · 46 (13.11.1890) · p. Seite 346

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
46 (13.11.1890)
Date
1890-11-13
Page
Seite 346 (sequence 2)
Language
German
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bereit gehaltene« 'Jätze. Der von bre»»cad«a Leye» um• Sbene Sarg staub vor der Lanze!: die Kandelaber, Treppe«. lustraden und die Kanzel wäre« mit schwarze« Flor «mhüllt, so daß da» Anuere de» breite« .Gottähauft» eine« ernste«, ergreifende« Eindruck machte. Rach Absingnng eine» Psalm» hielt der zweite Rabbiner der Gemeinde, Herr Dr. Ln oller, die Trauerrede; unter Anknüpfung an da» Schrift, wort: .Die Lrone ist gefalle« von unsere« Haupte' würdigte derselbe in formvollendeter Rede, wie in wannen und er« hebenden Worten die seelsorgerische Thängkeit de» Dahingeschiedenen, seine Bedeutung für die Wissenschaft, die Macht seiner Beredtsamkeit, seine UeberzeugunAStreue, sei« milke» Wese», seinen edlen Sinn, seine Bescheidenheit, seinen Tinfiuß als Borbild aller der Tugenden, z» denen er mit heiligem Eifer sein« Gemeinde angcleitet. Darauf trat Rabbiner Dr. Z i e m l i ch au» Nürnberg, einer der Schwiegersdhne de» Verewigten, an de« Sarg, um der Llage über den schmerzlichen Verlust Ausdruck zu geben, der die schwergeprüfte Familie getroffen, und da» Bild de» edlen Menschen, über besten Tod allüberall getrauert werde, wo man sich der Bedeutung der Berklärten bewußt sei, mit der Pietät eine» dankbaren Sohne» zu vervcllstSndigrn. Gesang schloß die ergießende Trauerfeier. Durch die Reihen der spalierbildenden Mitglieder der hiesigen Lessing-Loae und der Hörer des Rabbinerseminars wurde der Sarg hinausgeleitct, worauf sich der Trauerzug in Bewegung setzte. Vor dem Leichenwagen schritten unter Anführung ihrer Lehrer die Kinder der Industrieschule, des Waisenhauses und der von dem Verstorbenen geleiteten Religionsschule; neben demselben gingen die Hörer des Seminars als Marschälle. Hinter den Familienmitgliedern, die dem Leichenwagen folgten, schritten im Ornat die erschienenen Rabbiner. Das nach Taufenden zählende Gefolge füllte Straßen und Plätze. Eine unabsehbar« Wagenreihe beschloß den Trauerzug, der sich durch die mit Menschen dicht besetzten Straßen nach dem Friedhof bewegte. Dort wurde in der Halle, in der zahllose Kränze aus allen Fernen gesandt, niedergelegt waren, der einfache schmucklose Sarg ausgestellt. RaD>em der Synagogenchor ein Lied gesurren, hielt Herr Rabbiner Dr. Rosenthal, der Seelsorger der Sitgen orchodoxen Gemeinde, tief bewegt die Trauerrede, in er die Wirksamkeit de» Verstorbenen nach allen Richtungen hin kennzeichnete, seine hingebungsvolle Liebesthätigkeit gegenüber allen Bedrückten schilderte und besonders ihm nachrühmte, daß er die hiesige durch Parteiungen zerklüftete Gemeinde zu ungestörtem Frieden vereint habe. Herr Rabbiner Dr. Mayboum aus Berlin, sprach in Worten wärmster Begeisterung un Namen der Deutschen Rabbiner, die in dem Verstorbenen ihren von Allen anerkannten Führer verehrten; sein Name habe die widerstrebendsten Elemente zusammengeführt, er habe den Rabbinerverband begründet und eS.sei jetzt fast zweifelhaft, ob derselbe ohne ihn fortbestehen werde. Rabmner Dr. Pogelstein aus Stettin gab im Name« der älteren Schüler, Dr. Jakob im Namen der gegenwärtigen Hörer des Seminars den Gefühlen de» Dankes Ausdruck für all' das. was sie dem gefrierten Lehrer zu verdanken hätten. Rabbiner Dr. Eckstein aus Bamberg der zweite Schwiegersohn des Verstorbenen, sprach in tiefer Emriffenheit das Schlußgebet, in Namen der Seungen und Aller Abschied nehmend von dem geliebten Toten. Mitglftder des Borstarwes trugen nunmehr den Sorg zum Grabe, für das ei« reservirter Platz des Friedhofes ausgenMt war, unter Fackelschein wurde daun die Hülk de» Verblichenen in dir Gruft gesenkt. Mt dem Gesäuge eine» hebr. Liede» durch den Synagogenchor schloß die ernste Feier, nach der -tiefbewegt die anwesenden Menschenmassen dre stille Stätte verließen. —!7, «2 * ת* ל F. (Die in der Synagoge und au der Bahre gehaltene« Reden werden im Druck erscheinen.) Der hessische «AtisenüttA«»». Jtrltif#« BnwrtMin!mm CNitwMKUtlri»fttel» f Der alte Kurs ist offenbar verändert, und der neue eingeleitet. Einige krüische Bemerkungen zu dem auch i« diesem Blatte freudig begrüßten Overconsiftorial -Erlasse dürften doch noch am Platze sein, um zu zeigen, ob wir un» auch im richtigen Fahrwasser befinden. Im Hessenlande wurden die evangelischen Geistlichen verwarnt, an der antisemitischen Agitation sich ferner zu betheiligen, aber e» wird ihnen nicht geradezu aufgegeben, der juoenfeindliche« Bewegung durch Belehrung und Vorbild entgegenzutreten. Man erklärt sogar, daß die antisemitische Bewegung sich begreift auS den Rücksichten auf den Rothstand unftrS Volksleben» und die an unser« Bauernstand« begangene schwere Versündigung; man fügt noch hinzu, e» sei ein Unglück, daß man auf jüdischer Seite die Berechtignag gewiffer Klagen über das Verhalten vieler Geschäftsleute ׳ und Literaten nicht genug einfthen. So urtheiftn Regierung»- organe über Beranlaffung und Berechtigung de- Antisemitismu». Jedoch giebt man zu, daß auch solche, welche sich Christen nennen und deutscher Nationalität sind — sieht man Juden in Deutschland als Fremde und.nicht ab» Deutsche an? — an der Verschuldung unserer wirthschastlichen Nothstände betheiligt seien. Dies sei eine Folg« de» Mammonsoienstes, de» Börsenspiels, de» Schwindel- und Wuchergeiste», der Ausbeutung der wirthschastlich Schwache«, wovon solche Christen beherrscht sind, während sie ihre beffere Einsicht, ihre höhere sittliche Erziehung und angeborene deutsche Att verleugnen. Man scheint also zu glauben, daß den Juden al» solchen beffere Einsicht und höhere sittliche Eyiehung fehle und deutsche Art ihnen auch nicht angeboren sei, sondern nur bei Christen al» solchen vorausgesetzt werden könne. Schließlich wird aber doch zugegeben, daß dft Schuld eine allgemeine und nicht bloS jüdische sei. denn man finde doch auch bei jüdischen Staatsbürgern Beispiele wirklicher Milde und Gutthätigkit, Muster pietätvollen Familiensinn». — 0» hat den Schem, als suche man hierbei da» Wort -Lftbe* absichtlich zu meiden, da man gewohnt ist, bei .Liebe' nur an schriftliche Lftbe' zu denken, welche eigentlich dem Judetr fremd sei; man spricht von .Milde und Gutthätigkit,' da man Lftbe bei de« Juden für unmvglich zu halten scheint, sondern nur al» Lehre uud Eigenschaft der Christen aner- Konen will. Vom Standpunkte des ChristruthumS verurtheilt man deshalb auch dft Verfolgung der Jude«, da Jesu» durch da» Beispftl der Samarrteruebe dem Jude«- thum seiner Zett gegenüber statt Nationalstolz uud Rasse»- haß allgemeine Menschenliebe predigte. Mt dieser Ansicht will ja aber Jesu» nicht dem Judeuthum gegenübertrrb», sondern er rxemplificirt einem jüdischen Weisen, welcher snh auf dft Lehre der Rächsftnlftbe als eine ast-jüdische beruft, de« Begriff von .Nächster*. Er gebraucht dazu eine Erzählung, welche, gleichgültig, ob sie eia wuckliche» Erri§»iß berichtet, de« Anscheine nach demonstrativ angelegt ist. Ein Mensch (ein Fremder, Nichtisraelst?) so rmrd Lue. 1(^26 ־ berichtet, lag beraubt und verwundet auf der Straße; «i» Priester und dann ein Levit (gerade dft Vertreter de» Judenthums!) gingen vorüber, ohne sich um de« Leihende» Suc kümmern, aber ein Samariter ging vorüber «ud «ah« sich seiner an. Also dem Samarüer, sprach Jesuch war der allgemeine» Nächsten- -und Frrmdeulftbe bewußt, welche Mose» ausdrücklich mit de« Hinweift dara»s «»schärft: »Dn, Israel, Kunst ja da» Bedürft» iß und de» *) Sic fM0L M •aad, ־ cnäST lehrt JtJa am |RMt ■EBjQKCi lehrt -*

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