Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 46 (13.11.1890)
- Date
- 1890-11-13
- Page
- Seite 345 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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War auch in letzter Zeit jehe Hoffnung auf Besserung fast geschwunden, so kam doch der Schlag unerwartet genug, um nicht alle -reise mit Schmerz und Trauer zu erfüllen. ES ist ein« Seltenheit, wenn die Bedeutung eines Mannes in unserer Zeit außerhalb der ׳ engen Fachgrenzeu von der großen Menge völlig gewürdigt Wird; und geschieht das, so ist es vor allem der Einfluß der Persönlichkeit als solcher, der dies« Wirkung Hervorrust. Und das.war bei Josl der Fall. Wer mit chm sprach, der fühlte f» jedem Worte, in jedem Zuge, daß man einen einzigartigen bedeutenden Mann vor sich hatte, der zugleich im vollen 'Leben stand und trotz aller Gelehrsamkeit nicht zu jenen dünkelhaften Gelehrten gehörte, die man mit Recht oft al- ״lebendige Lexikabepnchnrt. Alles an chm war Geist, alles ׳ Leben. Und was Heine einmal von einem großen Manne gesagt hat, es bezeichnet treffend auch da- Wesen unsere- Josl: er war ein absoluter Mensch, in dem Geist und Materie nicht getrennt find. .Kein Wunder, wenn alle ohne Unterschied der Stände und Parteien ihn liebten und ׳ verehrten, kein Wunder, wenn sich diese Liebe, und Berehrung auch äußerlich in diesen schmerzen-vollen Tagen zahllos kund . that. Nachruf neben Nachruf füllten di« Spalten der TageblLtter; hatte es doch jede Gemeinschaft, jeder Berein es sich zur grüßten Ehre angerechnet, ihn als Ehrenmitglied zählen zu dürfen. In ganz besonders warmen Worten gab der Vorstand im Namen der Gemeinde seinem Schmerze Ans» druck. Die politischen Zeitungen unserer Stadt brachten eingehende RedaktionSartikeh in denen sie der Bedeutung und Thätigkeit de- Verblichenen aufs Wärmste gedachten und ganz besonders sein friedliebendes Wesen und seine Toleranz betonten; auch die ״Schlesische Zeitung," gewöhnlich der treue Kämpe der -rruzzntung, brachte einen ehrenden Nachruf. Zu der Trauerfeier, die gestern Nachmittag 2 Uhr in den neuen Synagoge, der langjährigen Wirkungsstätte de» Verstorbenen, begann, hatten sich trotz des ungünstige« Wetters schon von 1 Uhr ab. Hunderte von Angehörigen der Gemeinde eingefunden, um den allverehrten. Tobten die letzte Ehre zu erweisen. Bald war der große Tempelraum von einer -opf an -opf gedrängten Menge gefüllt. In der?roßen Vorhalle hatten sich um di« tiefgebeugten Hinter« lieben«! die Mitglieder des Vorstandes und deS Repräsen« tanten-Collegiums der Gemeinde, das Lehrer-Collegium de» Rabbiner-GeminarS, sowie zahlreiche Deputationen von Bereinen und WohlthLtigkeitsanstalten, versammelt. Außer den Breslauer AmtSaeno fen hatten sich nahezu 40 Rabbiner eingefunden,- di« schlesischrn waren vollzählig erschienen, von nich-schlesischen bemerkten wir: Dr. Bloch-Pose», Dr. Meyb au «»יBerlin, Dr. Ponanski-Reichenberg, Dr. Bogelsteiu« Stettin. Dr. Winter-Dresden und andere. Als Deputirte der städttschen ««Hürden waren, upr die Lheiluahme der Stadt an dem Verlust eines so bedeutenden weichin t« höchsten Ansehen stehenden Mitbürgers auszu« drück«. Stadlrath veblo, sowie di« Stadtverordnete« Dr. Panne», «ira,onn. W. Epstein, Beyer und Reichstagsabgeordnrter Bollrath in Amtstracht an der Trauerställe «Menen. Um 2 Uhr begabeu sich di« in der Vorhalle Versammelte» anirr den -längen der Orgel auf die für sie