Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 45 (5.11.1890)
- Date
- 1890-11-05
- Page
- Seite 341 (sequence 5)
- Language
- German
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fß: ZV -&■ welcher bk jüdischen Lehrer ihre eigenen Angelegenheiten und bk ihrer prallen und Kinder betreibe«, über die groß« Zahl der jüdischen Lehrer, bk noch heute sich sem halten von ben Bestrebungen ber Grsammtheit, die scho« so reichen Gegen verbreitet haben? War würbe er sagen zu denen, bk nur ernten wollen, ohne zu säen, bk, «eil sie selbst sicher gestellt sind, nicht der Noch ihrer Brüder gedenken? Was würde er sagen zu denjenigen, bk seinen Leben-spruch: »Lebe im Ganzen" nicht beachten, und selbstsüchtig trennende, nicht einigende Bestrebungen verfolgen, ja heute noch Separatvereine gründen, trotzdem sie an sprechenden Beispielen sehen und erkennen könnten, daß sie nur da- Sroße Ganze schädigen, für ihre Sonberbestrebungen aber nnen Blcken finden? Wa» würbe er sagen, wenn er er wüßte, baß von ben mehr als 2000 jüdischen Lehrern, die in ber Statistik aufgeführt werben, bis heute nur etwaüber 300 ber .Achawa" angehvren? (Schluß folgt.) £Ubr*f<i«k Die hiesigen jüngeren unverheirathetrn Juristen (fast ausschließlich Referendare) haben einen gemeinschastlichen Mittagstisch, an dem auch einige Personen anderen Standetheilnehmen. Die Gesellschaft ist insofern eine gesihloffene zu nennen, als sie eigene Satzungen und Aufnahmebedingungen hat. Ein kürzlich hierher versetzter Referendar jüdischen Glaubens, Sohn des Advokaten Dr. Benfey in Haanover, suchte Aufnahme in die Gesellschaft zu erhalten, in der die Aufnahmebedingungen sehr streng sind: eine ablehnende Stimme genügt, um die Aufnahme zu verhindern. Der Referendar meldete sich zum Eintritt m die Tischgesellschaft und — wurde abgewiesen. Er wandte sich hierauf an das OberlandeSgeruhtSpräsidium in Celle und wünschte ohne Angabe von Gründen seine Versetzung. Bon dort aus wurde eine Untersuchung der Angelegenheit angeordnet, in Folge deren acht an der Abstimmnng betheiligt gewesene Referendare, welche bei den hiesigen Ge- ■ruhten «wer Rechtsanwälten beschäftigt waren, auf Befehl , des OberlanbeSgerichtSpräsidcnten Dr. Barde leben, ver- "setzt wurden, während das BersrtzungSgesuch des jüdischen Referendars abschlägm befchieden wurde. Zwei ebenfalls an der Abstimmung bähiäligt gewesene Referendare, welche bei dev hiesigen Staatsanwaltschaft beschäftigt sind, bleiben am Orte. — Schon einmal ist hier ein ähnlicher ,Boykott"-Versuch vor längeren Jahren unternommen worden, damals hatten die zuständigen Behörden mit Mahnungen zum Frieden ein, f gnffen. (Hervorzuheben ist ber Gegensatz zwischen dem Berlten des Oberlandesgerichtspräsidenten und des OberaatSanwal tT.) Kanziß, 3l. Oüober. In ber gestrigen auch vog Damen sehr besuchten Versammlung de- Gewerbeoereinhielt Hr.RabbinerDr.WernereiuenBortragüberToleranz, Der Redner begann mit ber Au-einandersedung, wie der Kampf um- Dasein in der Natur, im socialen Leben, wie auf Sm Gebiete sich bemerkbar macht. In dem Streite r, was die Wahrheit ist, kann allein dk Toleranz versöhnende Antwort geben. In knappen Umrisien wurde dk Geschichte dieser Tugend, wo, wk und durch wen sie sich entnnckelt bat, beleuchtet; in rein gedanklichen Erwägungen, ok durch Beispiele audem Leben unterstützt wurden, entwickelte der Redner dann, daß Toleranz aus den Quellen de- Recht-, der Wohlwollen«, ber Cultur, ber Bescheidenheit und ׳der sittliche« Rothwendigkeit hervorgeht- Der grüßte Feind aller Duldsamkeit ist da< von Haß geborene Borurtheil, o«n sich als traurige Genossen Unbitbung, Unfrömmigkeit «ad Aberglaube auschließeu. Nachdem ber Redner gezeigt hatte, wk gegen diese unheimlichen Mächte gekämpft werben «uß,. schloß er, hiawchsenv auf Lessingr .Nathan", Goethe« ^Fanst", Kant- ,Kritik", damit, daß bk Weg« zum Ziele wohl verschkde» sein mögen, da« Ziel aber ftetda- Gut«, Wichre und Schöne sem muß pud «rß somit die verschiedenen Ratwnen, Religio,«« Mb Parteien gemeinsam «ine große Aufgabe habe«. JUalfe, Mchzk» 2. Novbr. (Or.-Corr.) Ei» seltenes Fest wurde hent in nairrrr Gemeinde begangen. Da« M. Berg'fche Ehepaar feierte in körperlicher Rüstigkeit sei« SS. Ehejubiläum, das. seltene Fest der eisernen Hochzeit, llm S Uhr Nachmittag« fand in der Synagoge eine Feier statt, bei welcher der Rabbiner der Gemeinde. Herr Dr. Grabowrki, dk Festrede hielt, dk auf die ohne Unter« schied der Eonftsston zahlreich versammelten Anwesenden einen tiefen Eindruck machte Der Frkr wohnten u. A. der Landrath Herr Dr. Kautz und der Bürgermeister bei. Nach der Predigt überreichte der Lanbrath dk Ehejubiläum-- Medaille, welche Gr. Majestät geruht hatte, dem eisernen Brautpaar zu verleihen, dem Rabbiner Dr. Grabow-ki, der sie bann dem Jubelpaare mit warmen Worten übergab. Nach der Frkr fand in der Wohnung de« Jubelpaare« ein Festessen statt, an welchem auch drr Landrach Herr Dr. Kautz theiluahm. Aremkreich. /tk«. (Rabbiner u. Bischof.) Der Norden Frankreich«, der verhältnißmäßig nxnig von Juden bewohnt ist, und dessen Bevölkerung erst seit der Annexion Elsaß-Lothringen« sich ' vergrößerte, eignet sich «egen seiner strenggläubigen Katholiken ganz besonderzur antisemitischen Agitation: ״Der Norden", schreibt der ״Uni▼«■■. i«m«üu“, .ist eia Land deS Glauben«» vom Glauben zum Fnnati-muS und von dksem zum Judenhaß ist aber nur ein kurzer Schritt. Ungeachtet die .Liller Zeimng" schon deshalb gerichtlich verurtheilt wurde, setzt sie mtt einem andern Blatte (.da» wahre Frankreich") dk infame Judenhetze noch immer fort. DaS Märchen vom rituellen Blute, von ber Ausbeutung Frankreich« durch die Juden, und wk die abgeschmackten und tausendfach schon widerkgten Lügen alle heißen mögen, wurden neu aufgewärmt und die Geistlichkeit stand der Redaktion dieser antisemitischen Blätter nickt fern. In richtiger Würdigung der Gefahr einer Verhetzung der Bevölkerung wendek sich der hiesige Oberrabiner Cahen an den Erzbischof von Cambrai in einem äußerst taktvollen und doch energischen Brief, in welchem er auf dk Gefahr einer derartige» Agitation durch die niedere Geistlichkeit aufmerksam machte. .WaS soll schließlich aus dem Frieden de- BaterlantM werden", sagt der Oberrabbiner, ״wenn in verschiedenen Tonarten täglich dem christlich-n Publikum eingerrdet wird, daß die Juden die Feinde der?,hristen, daß sie nur aus den Ruin, de» Tob ber Christen sinne», und baß die katholische Geistlichkeit die geborene Feindin ber Juden ist". ״Liefern diese Berläumder, die die jübische Religion öffentlich herabsetzen, nicht den Religion-femden überhaupt Waffen au-, bk später gegen die katholische Religion in« Feld geführt werden. Bitten Sie die Priester Ihrer Stadt, deren Einfluß auf dk katholische Presse so groß ist, daß dieser häßliche und unbegründete Krruzzug aufhöre. Sagen Sie denselben, wa» Sk von dksem Brudermorde denke», von dem Niemand Nutzen zieht. Suchen Sk Ihrer Geistlichkeit etwavon jenem Edelsinn beizabringen. der einewahrhaft religiösen und charaftcrftsten Mannewürdig ist und der die Einigkeit■ beider Religionen mit dem Psalmwork: ״Eooa quam bonam »t quam )uoaadum habitare fracr•■ in aaumu bezweckt." Der Bischof antworkk in auSgezeichnekr Weise in zwei Briefen, nur in dem zweiten macht er dk Bedingung, daß seine Antwort weder in der Press« noch vor Gericht veröffeatlicht werde. Heißt da« nicht, mit der einen Hand geben und mit ber andern wieder nehmen? Jndeß entnehmen wir doch au« dem ersten Brkf folgenden Paffu«» der de« ehrwürdigen Prälaten, de« Nachfolger- ASnelon«, durchaus würdig ist ״Ich mißbillige durchaus derartige Artikel, welche bk Herabsetzung der jüdischen Religion zum Gegenstände haben und in keinem Fall sehe ich e« mit günstigem Luge, wk Geistliche in der Presse eme ganze Klaffe von Bürgern dem Hasse prri-geben, uukr denen entschkden viele ehr-