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Israelitische Wochenschrift · 1890-11-05 · 45 (5.11.1890) · p. Seite 340

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
45 (5.11.1890)
Date
1890-11-05
Page
Seite 340 (sequence 4)
Language
German
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erbauen und sie dem Andenken des deutschen Turnvater» Jahn zu weihen. Da sie nickt im Stande ist, aus eigenen Mitteln das patriotische Werk zu vollenden, so sammelt sie zu diesem Zwecke Gelder. Nun gingen von verschiedenen Seiten dankbar von den Freiburgern angenommene Geldspenden ein. Da kam auch eines schöne- Tages aus Wien vom »ersten Wiener Turnverein", demselben, welcher am 15. Juli 1888 auf Antrag des Herrn Dr. Gütz wegen antisemitischer Tendenzen aus der deutschen Turnerschast ausgeschloffen wurde, eine Geldsendung von bv Mark mit einem wunderschönen antisemitischen Begleitschreiben an. Der Ausschuß druckt dasselbe in der »Deutschen Turnereitimg" ab. Der letzte PaffuS des Briefelautet folgendermaßen: »Obgleich dieser Beitrag verhältnißmäßig klein er» scheinen mag, so thaten wir eben, was unsere gegenwärtig bescheidenen geldlichen Mittel erlauben, wir thnte« es aber al» von Juden und deren Gesinnung-genossen in Haß und Bann erklärte, um so reineren Herzen», mit frischem Muthe und froher Zuversicht auf den Sieg de» unverfälschten Jahn'schen Turngedanken» und Blühen- und Gedeihen» unseres deutschen Turnbundes." Der Brief, welcher mit Ausdrücken wie ״Vermischung mit Fremden" und ״Bandenwesen" um sich wirkt, wurde vom Ausschuß für maßlo« erkürt. Zugleich cheilt letzterer mit. daß er Brief und Geld zurückgeschlckt hat. (Die deutsche Turnerschaft ehrt sich dadurch selbst.) G. 8p. Ater kl». (Or-Eorr.) Der ״Central» Verein" hat insofern eine schöne Einrichtung getroffen, al» er die Generalversammlungen oder Sektionen stet» mtt einem Bor» trag eröffnen läßt, liebet den Vortrag der Sektion O haben Sie berichtet: es haben jetzt ferner die Sektionen Westen und Eentrum ihre Generalversammlungen abgehalten und sprachen in der ersten Herr Rechtsanwalt Dr. Heinrich Mayer Cohn und in der zweite» Herr Rabbiner Dr. Iraner. Letzterer, der über: »Ein Wahlsprnch au» der altrabbinischen Ethik" sprach, erntete den lebhaftesten Beifall. Der geschäftliche Theil wurde in allen Sektionen fast gleich» mäßig erledigt. Kl. Hser-Iu-elhei«, 29. Oktober. (Am hundertsten Geburtstag DiesterwegS.) Gestatten Sie mir, verehrtester Herr Redakteur, zu den wahren und schönen Worten Spanier» in der jüngsten Nummer dieser Zeitschrift einen Nachttag zu liefern. Ich fühle mich hierzu verpflichtet, einmal um der Sache Willen, die ich feit vielen Jahren verttete, nid dann aber auch als Ausdruck unbegrenzter Ber« ehrung für den M a n n, der zu den Besten und Edelsten aller Zeiten gehörte. Möge es seinegleichen noch viele geben in der Menschheit. Diesterwegs »Rheinische Blätter für Erziehung und Unterricht" Wattn mit dem von mir herausgegebenen »Israel. Lehrer" in Tausch und ich habe für dieselben zuweilen Artikel geliefert Als dann da» erste »Jahrbuch der Achawa" erschien, fühlte ich mich verpflichte^ dem Altmeister der Pädagogik ein Exemplar zuzuschicken. Ich erhielt darauf folgende Zuschrift von ihm: ,^Berlin, S. Februar 186b. Hochgeschätzter Herr -lingeuftein! Ich habe thr lkmvfangen ©ie süi wirb feinen schönen Zweck erfüllen. Gern möchte ich auch etwa» dazu beitragen — durch eine wohlverdiente empfehlende Anzeige in meinen Blättern — und alsbald. Da mir nun wegen einer Handverwundung da« Schreiben schwer wird, so habe ich den hiesigen, mir befreundeten Rektor Hvrwitz gebeten, die Anzeige zu übernehmen. Ich hoffe, sie bald in der Hand HU frafrfn. Besonder» hat mich auch der Verein zur Unterstützung von Lehrern, Wittwen und Waisen erfreut, Er stellt sichebwwLcha neben unsere Pestalazzi-Berttne, welche denselben Zweck verfolgen ust» allseitig segensreich «Men, nämlich tilcht blich für ihren nächsten Zweck, sondern.auch für die Entwickelung der Schule, die «olloataUtät der Lehrer, ihre Fortbildung. Sie werden bereit» dieselben Erfahrungen gemacht haben und sich, gleich un», für alle Mühen und Sorgen reich belohnt fühlen. habe ihr inhaltreiche»?vuch ״Achawa" mit ttennfc gelesen. Sie für dessen Mittheilung «einen herzlichen Dank. E» La» beiliegende Scherflein') betrachten Sie nur al« ein inniger Theilnawne n - - Ihre» Sie hochachtenden . V -' Lonvitz recrnsirte da» Buch in würdiger Weise. Dennoch fühlte sich Diesterweg veranlaßt, noch folgende ״Nach» schrist" anzufügen:-) »Ich muß gestehen, daß Hr. A. H. in der Empfehlung der Achawa mir nicht genug thut. Ich habe dieselbe mtt großer Befriedigung gelesen; die Sachen sind fast ohne Ausnahme vortrefflich?*) ** ***)) Die Herren Berfaffer und Heraus« aeber sind nicht blos wegen, des edlen äußettn Zweckes, sondern auch und ganz besonders wegen der Bildung»- förderung, welche die Leser du ch ihre Arbeiten empfangen, ftevdig zu beglückwünschen. Die Verfafler rr. erwerben sich zunächst um fljre College«, zugleich aber um die Lehrer überhaupt ein namhafte« Verdienst,sund sie sorge« durch den israelitische«« Bettin, den sie gestiftet haben, in exemp»!arischer Weise für ihre Wittwen und Waisen. A In dem ersten Bereinsjahre bettugen die Einnahmen nickt wenig« als beinahe 4000 fl. pp. Das Hauptverdienst dieser edlen Bestrebungen gebührt Herrn 1k lin genstein, Lehrer in Obernheim. Die Lehrer der Provinzen, welche noch eine» Pestalozzi-Vereins entbehttn, mögen daraus entnehmen, was durch Eifer und Thätigkeit geschafft «verden kann." Lassen Sie mich hieran einige Betrachtungen knüpfttt. Im Gegensatz zu diesen Auslaffongen eines humanen Mannes verhielten sich die jüdischen Blätttrf) von dazuinal lau. Da- Buch wurde Wohl belobt; es war aber keine Liebe zur Sache, kein Vertrauen darin. Sie konnten eben nuht wiffen, »was aus dem Aindttin wird." Gott fei Lob und Preis: »Der Stein, den die Bauleute verworfen, ist zum Eckstein geworden." Ja ein Stein, ein starker Eckstein der neuzeitlichen, jüdischen Litteratur und der Regeneration de» Judenthums überhaupt war der Haupttedakteur des Jahrbuchs: Dr. Leopold Stein in Frankfurt 0-M. Daß jüdffihe Lehrer dazumal mit großen Ikosttn dicke Brocküttn gegen den Bereu! (Alhawa) und den ״Vereinsgründling," «via sie den Schreiber dieses geschmackvoll nannten, drucken ließen und verbttiteten, soll nur nebenbei erwähnt werden. Vorüber! .... Allein ein Anderes ist leider nicht vorüber, ist vielmehr immer noch im Werden und Wachsen Wie viele deutsche Bolksschullehrer sind seither unter die .Antisemiten" gegangen, heulen und wühlen mit diesen,' und wagen eS dennoch, sich Jüngtt Pestalozzi'» und Diesterweg» zu nennen und haben ihn auch wohl mitgefeiert. Wie sehr verkenne« sie da» Wesen des Meister». Wo gibt es heute eine so weithallende Stimme, die für eine jüdische Veranstaltung so eintnten würde?' Was ist in diesen Jahren über uns Hin» gegangen! Wie weit sind wir zurückgeworfe« worden, wie inett entfernt von den Idealen eines Diesterweg! Würde' der weffe und edle Diesterweg, wenn er nrieber käme, solche Männer als Lehrer de» deutsche» Volles, als seine Jünger anerkennen? Würde er es für möglich halten, daß die an politislher Macht so voraugeschrittene deutsche Nation in ihn« Charakter, in Toleranz und Humanität so zurückschrerttu konntt? Aber noch audett Bettachtungen knüpfen sich an das Angedenken de» großen Meisters der Schutt, an den Mann von unerschütterlicher Hingebung an feine ideale« Zwecke und Ziele. Was würde er sage« über die Lässigkeit, mit *) «» lagen st iyw bei. -) Meinfae Blätter 1866, Sein 17&, im letzten Hefte, da» nach »an Ihm selbst rediglrt wurde. ***) L» waren natürlich nur jütische Arbeiten von jütisch« Ver» fasse» geschrieben, wie sich wohl viele Ihrer Leser nach erinnern f).Die ״J»r. Wochenschrlst," die sich stet» mit Wärme der ״Achawa" n. de» Letzrerftande» angenommen, existirte damal» noch sticht. i ׳t ״.L- י.

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