Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 45 (5.11.1890)
- Date
- 1890-11-05
- Page
- Seite 339 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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l■'׳ -״*ד;״ י'־׳:' Thaffach«, ganz genau. I« Bezug auf Industrie, Kunst mtb Oekonomie der Juden läßt er denselben volle Gerrchtigleit.widerfahren. Tr zeigt da» Lügenhafte der Berleumdung, daß die Juden die Bauern zum Trünke verleiten, daß sie sich nicht zu Beschäftigungen eignen, welche körperliche - Anstrengung erfortiern, daß sie die Bauern betrügen, daß (ie Schmuggler und Falschmünzer sind und sich der Trülluna ihrer Bürgerpflichten, besonder» der Mikitairpflicht entziehen. Tr beweist dann, daß in allen Fällen, wo sie sich eine» solchen?!ergehen» schuldig machen, sie diese» nicht thun, weil sie Juden sind, sondern vielmehr, weil die obwaltenden Berhältriffe sie dazu zwingen. Der Autor bemerkt noch: .Was den Militärdienst betrifft, so sind viele Juden ohne Zweistl geneigt, sich von demselben zu befreien. E» darf aber hierini nicht vergessen werden, daß auch der gewöhnliche russisch« Bauer sich nur mit Widerwillen der Tonscripnon unterzieht. Daß e» einem größer» Prozentsah der Juden gelingt, sich derselben zu entziehen, hat wohl seinen Grund in d.-r einfachen Erscheinung, daß die Juden mit mehr Klugheit zu Werke geben, sich einer ihnen unangeuebmen Pflicht zu entledigen, als die unwissenden Bauern." Hiervei darf der Leser auch nicht unbeachtet lassen, daß dem £ meinen russischen Bauern die Au»sicht geboten ist, «neral werden zu können, wogegen der intelligenteste, tapferste und treueste Jude e» höchstenbi» zu einem außeretat-mäßigen Offizier bringen kann." Und wie viele'Juden haben e» heute noch bi» zu dieser Eharge gebracht? — Wie kann ein Russe die Juden beschuldigen, daß sie einen Widerwillen gegen den Soldatenstand haben, wtnn er sich an die denkwürdigen Worte de» Kaiser» Nikolaus erinnert, nach welchen nur Derjenige Soldat sein kann, der hoffen darf, einst General zu werden!" In Bezua auf die beiden andern in jüngster Zeit den Juden zur Last gelegten Verbrechen, nämlich, daß sie organisirte Verbindungen zur Ausführung unerlaubter Handlangen unterhalten und daß eine große Anzahl Juden al» octive Mitglieder der Revolutionspartei angehören, laat der Autor, daß die erste Beschuldigung zu vag und unbestimmt fft, al» daß sie verdiene, ernstlich erwogen zu werden und die zwrite durch Thatsachen hinreichend 'widerlegt ist. — Der ganze Artikel ist eme eingehende und unparteiische Trörterung der Judenfrage und verdient von Allen, welchen da» Wohl der russischen Juden am Herzen liegt, gründlich studirt zu werden. » * » Die Redaction de» »JewiSh Ehronicle" veröffentlicht fachende, ihr zugegangene rnfl. Torrespondenz, die wir unseren Lesetn ebmrfall»glicht.vorenthalten wollen.- »Ihr vorwüchentlicher Leitartikel schließt mit der Befürchtung, daß der Tzar, obschon er Augen hat, nicht sieht und obschon er Ohren hat, nicht hört. Aber wir fabcn fast vergessen, daß e» noch Jemande« giebt, der Israel» «T ' kämpfte. Denn wo fft Jehovah, der König aller Tr, welcher Pharaob stürzte, Tr, in besten Namen de» Israeliten zuries: ,Gott wird für euch, streiten, und ihr «öget stilllchweigcn!* Ich glaube an Gott und unsere MtUgc Geschichte und dieser mein Glaube wächst in dem Maße, als die schreckliche Lage unserer russischen Brüder sich ihrem Höhepunkt nähert. Wenn dieser erreuht ist, ist die Hüffe nuht fern. Sie. geehrter Herr, haben alle» Müg> liche arthan, einen Protest zu Gunsten der russischen Juden zu erheben, der nicht ungehört verhalleu konnte. Die englisch« Borste trat vor die Front, die Sache der Juden zu vertheidigen. Herr Gladstone hat «sprachen. Und den« «och fürchten Sir. der Tzar werde nicht sehen, nicht hören? Go» hat viele andere Boten, de« Tzaren die Lugen und Ohmn zu öffnen. . Der erste dieser Bote« wurde am jüngste» Jom Kippur an. den Tzaren entsendet. Kein bessere^ als der Ber- ׳hätte hierzu gewählt werden können. An diesem Tage, dem 24. September, während 80000 Juden de» Orte» in ihren Gotteshäusern versammelt Ware«, zu ihrem Schöpfer zu beten und vor ihm ihre Thränen zu ergießen, tagte in Odessa eine Versammlung von Mühlen» besitzen,, um die Ursachen der auf dem russischen Kornmarft augenblicklich herrschenden Krise zu erörtern. Da erhob sich ein Mann, ein Russe von reinstem Vollblut, Namen» Bogoma» und sprach: .Bis zu 1884 haben die Juden ein mächtigen Einfluß auf den Kornhandel in Pod olien und Kiew geübt. Da erschienen die berühmten (?) Maigrsetze und dir Juden, sogar de» Rechte», Kornmühlen miethen zu dürfen, beraubt, gaben diesen Industriezweig auf. Al» Resultat können wir heute auf eine große Menge Waffermühlen Hinweisen, welche feiern müssen. Da, wo früher die Aornproduction Hunderte ernährte und dem Gut»- Herrn eine reiche Einnahme brachte, fließt heute da» Master, ohne einen Gewinn abzuwerfen. (Die Herren Philologen wollen entschuldigen,'wenn ich ,Bogoma»" mit.Gottessalbe" übersetze. ES liegt eine Bedeutung in dem Namen.) Der zweite Bote erschien in Pa vlovo, einem Dorfe am Fluste Oka. Ein hervorragender russischer Schriftsteller, Herr Wladimir Kor ölen ko, welcher diese» betriebsame Dorf besuchte, wurde von den Einwohnern herzlich empfangen, da sie ihn irrthümlich für einen Juden hielten und sich un« angenehm enttäuscht sahen, al» sie ihren Jrtthum erfuhren. .Wir pflegten," klagten die armen Bauern, ,immer mit den Juden zu handeln und erhielten einen guten Preis für unsere Produkte. Jetzt aber hat die Regierung die Juden verjagt, daß sie nie mehr mit un» Geschäfte tteiben können. Wir haben diesen Verlust schmerzlich zu beklagen." ״Warum hat man sie denn verjagt?" ftagte Herr Korolenko. .Wer weiß? Man sagt, die Juden bedrücken da» Volk. Nach unserm Dafürhalten aber können sie die kleinen Handwerker gar nicht bedrücken. E» sind die Borkäufer (russische Chrrsten, welche vor dem Märkte die Sachen fort« kaufen), welche sie hasten; da» ist es." ,Und warum haßt man doch jene?" .Warum? — Weil sie Juden sind, welche für einen Gewinn von 2 Prozent 10 Meilen weit laufen, wogegen Andere 1v Prozent verlangen." Einen dritten Boten erblicke ich in der Ferne, obschon ich Gott bitte» daß er ihn nicht entsenden möge. Da» AnstedelungSgebiet, welche» die russischen Statistik! bereital» inficirt erklären, wird e» noch mehr werden, wenn nach Leroy-Beaulieu'S Berechnung noch 2 Millionen Juden in dastelbe geworfen werde». Wa» würde geschehen, wenn eine Epidemie auSbräche? Wer würde zuerst von derselben angegriffen werden?" Wahrlich» wer sehe« will, der sieht den Finger Gotte» in den Ereignissen, die sich vorberelten. Gerichte mstz C*rofe*ttfctt1f*a« Doxtschlaw». Wagdetnra. Der ״Vaulois״ vom 28. Oktober ver« üffrnUicht folgende wichtige Mittheilnng an» St. Petersburg: ,L« Tzar hat befohlen, zum' Zwecke der Abschaffung d« Gesetze und Verordn»»««, welche Rnsseu jüdischer Religion von den öffentliche» Beamtenstcklen auSschliete«. eine «»auSte zu veranstalte». Die erst« Resultaten dieser von Kaffer Alexander HL vorgeschriebeam Maßregel stad Mos: an'» Licht getreten, lade« der kaiserliche Gericht»« Hof in seiner Sitzung vom gestrigen (27. Oktober) beschloß, 100 jüdische Advokaten, welche durch die allgemeine Jndengesetze ausgeschlossen ׳waren, wieder in ihr »«t esnz»setzen." (Hoffentlich fft da» keine Tatarenuacheicht.) Maadstznra, 2». Oktober. Die deutsche Turnerschaft z« Frei bürg an der Unstrut beschloß et« Turnhalle z«