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Israelitische Wochenschrift · 1890-10-29 · 44 (29.10.1890) · p. Seite 333

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
44 (29.10.1890)
Date
1890-10-29
Page
Seite 333 (sequence 5)
Language
German
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— 841 - ükftanung und BcthStigung des im Unterricht Aufgenommenen ist in den letzten Jahren viel gethan worden. Hierfür zeugt die Einrichtung eines Gottesdienste» im Seminar, an welcijem die Zöglinge abwechselnd aktiv durch Ausübung der einzelnen Funktionen sich betheiligen; endlich die Ausweisung von Zöglingen bei Wahrnehmung religiös, widriger Handlungen, was bereits mehrfach unter der jetzigen Leitung vorgekommen ist, Die Schöpfung der Präparandenanstalt, die eben die ׳Grundlage eine» ausgezeichneten hebräischen Wissen», eine» wahrhaft religiös > sittlichen Lebenswandels giebt, ist unter der gegenwärtigen Leitung sowohl, als auch unter den jetzigen Lehrkräften (Lehrer im Hebräischen ist Herr Dr. S. Sonnenschein) als ein Segen für die Berliner jüdische Leh!e!bildnng»-Anstalt freudig zu begrüßen. K.-8. G. 8p. -Leieti« 8. O., 27. Oktbr. (Orig.-Corr.) Die General-Versammlung des . Central-Bereins" (Sektion Ost und Nord-Ost) fand am Mittwoch, den 22. Oktober, im Englischen ®arten, Alexanderstr. statt und war ziemlich stark besucht. Bevor der geschäftliche Tbeil erledigt worden, hielt -Herr Dr. Leopold Auerbach, der Verfasser des Buches »Da» Judenthuni und seine Bekenner", einen mit lebhaftem Beifall ausgenonmenen Vortrag über das Thema »die Bedeutung des mosaischen Offenbarungsglaubens im Judenthum . ) . Den Rechenschaftsbericht erstattete Herr Dr. Eonrad Schläger. AuS demselocn ging hervor, daß der Verein dem Repräsentanten - Collegium schon manche gute Anregung gegeben und daß der Antrag des Herrn Justizrath Makower betr. Abänderung der Statuten, nichts anderes ist, als ein Auszug der vom Verein gestellten Wünsche, ferner daß innerhalb des R.-C. eine Commission niedergesetzt worlen, welche die eingelaufenen Petitionen zu "prüfen hat. Tie Mitgliederzahl ist gewachsen und die Kasfenverhältnissc sind nicht schlecht. Besonders wurde vom Referenten betont, daß der .Central-Vercin" durchaus nicht beabsichtige, eine prjncipiell gegensätzliche Stellung dem Repräsentmiten-Coll.'gium gegenüber einzunehmen, "sondern das Interesse der Geineindemitglieder an den GcmGndeangrlegenheiten anzuregcn und seine Wünsche an geeigneter Stelle jur Durchführung gebracht zu sehen. Die ausgeschiedenen Mitglieder wurden wiedergewählt. Aenftadt A.-Lchk. (Orig.-Corr.) Es ist in jüngster Zeit vielfach vorgekommen, daß Jahrmärkte auf jüd. Festtage trafen, wodurch die 0eftfeier wie der Synagogenbesuch, alLauch die ErwerbSverhältnrsse conservativ-religiöser Juden geschädigt waren. Ich ertaube mir daher meine Glaubensgenossen, vornehmlich die Vorstände und Cultus - Beamten der jüd. Gemeinden, auf 'rie dabei zu beachtenden Punkte ausmerffam tzu machen. Di« Jahrmärkte werden bekanntlich von den städtischen Behörlxn auf 2 Jahre voraus festgesetzt; eS ist jedoch nicht Obliegenheit der Stadtverwaltung, sich um den jüd. Kalender zu kümmern, der nicht 2 Jahre voraus gedruckt wird, eS ist vielmehr Sache der jüd. Interessenten, da» Datum der M. Festtage den Magistraten an die Hand zu geben; alsdann ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die dieSbez. Wünsche der Juden berücksichtigt werden. ES sind mir Fälle bekannt, daß zur Zeit angebrachte Vostellungen — 2 Jahre im Voraus — mit Bereitwilligkeit entgegengenommen resp. beachtet worden sind. Ist aber /rst der Jahrmarkt-tag festgesetzt nnd veröffentlicht, dann sind beim besten Willen die Magistrate s-.'lten in der Lage, eine Derleguog des Markte» eintreten zu lassen. Ich habe bereit» vielen Wochen da» Datum der Feste für da» Jahr 1892 dem hiesigen Magistrat, der mich dcmim ersucht hat, vorgelegt. Wenn in dieser Wesse vorgegangen wird, dann werden bereute Urbelstände vermieden. A. I. Pinln, 22. Oktober. (Orig.Eorr.) In dem Lon der »Gehe-Srftung" ausgehenden öffentlichen Vortrags- EykluS sagte - der bekannte Socmlpolitiker Geh. Reg.-Rath «wrfc» den oedantenretchen Bortraa in nächster Nr., . ■ , («*>•) Prof. Dr. B öhmert in seinem Bortrvg über Armenpflege u. A. auch Folgendes: »Im Gegensatz zu der heil»- nisch - römisch - griechischen Armenpflege steht die christlichjüdische, die nicht einfach die Noth zu lindern, sondern dauernd die Gründe der Armuth zu beseitige.! sucht. — Namentlich da» jüdische Volt zeichnete sich schon früh durch eine praktisch geordnete Armenpflege au» und die Kraft der hierauf bezüglichen Gesetzgebung desselben war so stark, daß sie alle Stürme und Leiden dieses Volkes überdauerte und noch jetzt fortwirkt. Die jüdische Familie!!- wohlthätigkeit ist bekannt; unter 63 Wohlthätigkeitsanstalten in Dresden sind 12 israelitische." Eine nur gerechte aber wohlthuende Anerkennung, doppelt werthvoll aus dem Munde solchen Mannes. 8. H. äfiftf. 27. Oktbr. (Orig.-Corr.) Wir finden in den meisten städtischen Verwaltungen hervorragende Männer jüd. Glauben», gleich ausgezeichnet durch ihren biederen Charakter, ihre Liebc zum Gemeinwesen und ihre praktischen Erfahrungen. Nicht minder erblicken wir in den jüdischen Mitbürgern die thätigsten und aufopferndsten Teilnehmer an den Aufgaben der öffentlichen Wohlfahrt, an gemeinnützigen Einrichtungen, an künstlerischen Schöpfungen Eine solcheSchöPfung wurde in Gestalt eines Kunstbrunnens am 3l.August cr. hier, und am 16. Oktbr. cr. in Nürnberg der Oeffentlicykeit übergeben. Die Uebergabe erfolgte durch einen Rrdeakt, und wie hier der Festredner die verstorbenen Glaubensgenossen, den Ehrenbürger von Fürtb, Dr. Wilhelm KöniaSwarter und Magistratsrath I. P. Morgenstern als grüßte Förderer deS Kunstwerkes, — letzterer hatte den Grund zum Fonds durch eine Stiftung vor etwa 2ä Jahren gelegt —, feierte, so tonnte der Festredner in Nürnberg die bei der Feier anwesenden Herren Gemeindebevollmächtigter GeierShöfer und Commerzienrath Gerngroß als solche nennen. Es ist.dies erfreulich, und ein lichtbares Zeichen, in welcher Anzahl die jüd. Gemeinden ihre Angehörigen in den öffentlichen Dienst stellen. Hessen-Ulaffa« Am ll. Oktober d. M. kainen zwei Herren (Brüder), einer ist Schullehrer in einem Dorfe irrt Kreise Fritzlar, der andere irgendwo Verwalter, narh Mansbach, und legten in einem dortigen Gasthause mehrere antisemitische BolkSkalender aus» sowie Exemplare de» .Reichsherold", beide redigirt von Dr. Böckel aus Marburg; gleichzeitig kündigten sie an, daß im Laufe dieses Winter» Herr Dr. Böckel eine antisemitische Versammlung hier abgehalten werde. Einige gerade!m Gasthau» anwesende!! Leute machten der Wcrthin Vorstellungen״ über diese Zeitschristen, daß diese Klassen- resp. ReligionShaß Hervorrufen, und baten dieselbe um Entfernung genannter Schristen, was auch sofort geschah. Abends gingen die genannt»! tHerren in ein andere» Gasthaus und wollten da ihr: Hetzereien fortsetzen, dachten auch mit Freibier Leute sü: ihre Sache gewinnen zu können, sahen sich aber in ihrer . nicht gestört werden. Nachdem sie nämlich «inige Schmäh- Worte gegen die Juden losgelassen, rief Alle»: »Hinaus mit diesen Menschen!" und da die Haltung drohender wurde, zogen die Brüder vor, in Nacht und Nebel das Dorf zu verlassen, trotzdem sie schon Logis für die Nacht beim Wirti, bestellt hatten. Nun wird sich Dr. Böcke! gewiß eines Anderen besinnen und nicht hierher kommen, da eihn jedenfalls auch nicht besser ergehen würde. — Möchte eS den Herren Antisemiten überall - so ergehen, dann würden sie ihr Handwerk schon von selbst einstellea. — (Gegenüber dem schamlosen Treiben eines hessischen Lehrer» erfüllt ei! uns mit Genugthuung, zu Ehren de» deutschen Lehrerstandes constatiren zu können, daß die weitaus größte Zahl de!:. Lehrer, wo sich Gelegeicheit bietet, für die Juden eintritt.) £dOt»a«, 24. Oktober. (Oria^Corr.) Die Wahl eine» Landtagsabgeordneten im benachbarten OberamtSbezm

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