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Israelitische Wochenschrift · 1890-10-29 · 44 (29.10.1890) · p. Seite 332

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
44 (29.10.1890)
Date
1890-10-29
Page
Seite 332 (sequence 4)
Language
German
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Bei dem gemeinschaftliche» Mahle kam auch der gemüthlich« Ton zur Bettung, wozu di« verschiedene» Toaste beitrugen. Bon diesen galt der erste unserem herrlichen, jugendlichen Kaiser. Nachmittag« wurde «in gemeinsamer Spaziergang unternommen. LlSdann führte da« Dampftob die Kollegen in ihre Wirkungskreis« zurück. Sie all« werde« gleich mir gern und freudig an die beiden ^chvnrn Konferenztag« zurückdenken. Auf ftohe- Widersehen im nächsten Jahre! Der Schristsührer: F. Israel-Norden. Gerichte und Smrrespsirden-e«. Deutschland. □?Sagdetnrg, 21. Oktbr. (Orig-Corr.) Der ,Fall Lindau' soll durchaus den Juden angehängt werden. Auch die ״evangelische Monatsschrift', herausgegeben von Euperintendent G. Pfeiffer in Cracau b. Magdeburg, rührt diese Beschichte auf, um dabei auch den Juden etwas auswischen zu können. Mit Bezug aber auf das 13. Kapitel im ersten Corintberbriefe, wo gesagt wird, daß die Liebe die Wahrheit verlange und die Ungerechtigkeit hasse, machen wir darauf aufmerksam, daß Paul Lindau aus einer evangelischen Familie in Magdeburg stammt und daß hier noch letzt christliche Verwandte von ihm mit Namen Lindau angesehene Bürger sind. Aber die ׳:vangelische Monatsschrift, zu deren Mitarbeitern, wie das Titelblatt anaiebt auch lingnis!“ Herr Stöcker gehört — wahrscheinlich schreibt er darin ül«r die Heiligkeit des Lides — benutzt diese Angelegenheit, um von jüdischem Schacher, schamloser Reklame und Mache, sklavischer Aohängigkeit der ,Kleinen Leut" von den «großen' zu reden u. s. w. Auch Herr Pfeiffer wird wohl allsonutäglich über die .Liebe' reden, da» verträgt sich ja auch ganz gut mit einander. Ein Passender Prediattext für den Herren Superintendenten wäre Joh. 4, 20: ,Wer da sagt, ich liebe Gott und hasset doch seinen Bruder, der ist ein Lügner.' Ein solches Borgehen gegen die Juden stött natürlich die Judenmisston in ihrer Belehrungsarbeit und so finden wir denn auch in einer anderen chnstlichen Zeitschrift, in den .Mittheilungen u. Nachr. s. d. «vang. Kirche in Rußland" (begründet von Bischof Dr. C. Ulmann, redigirt unter Mitwirkung von Superintendent Haller, frobst Kählbrandt, Pastor Seesemann u. a. von h. Helmsing in Riga 4Ster B. S. 381) folgende Berurtheilung der judenhetzerischen Blätter: .Gegen diesen Standtpunft (N.B. Stöcker'» auf dem evangelisch-socialen Congreß) ist nichts einzuwenden. Aber fett einem Jahre erscheint in Berlin eine politische Zeitung, ״Da« Bolk', welche ähnlich, wie die »Neue preußische Zeitung' (Kreuzzeitung) und der .ReichSbote" tn« christliche Weltanschauung vertritt und dennoch in der boshaftesten Weise die Juden täglich angreift. So werden z. B. die Helgoländer glücklich gepriesen, weil in ihren Adern kein Judenblut flieA, und di« beiden Darstellerinnen der Städte Wien und Düsseldorf auf dem Auge des Schützenfestedeswegen getadelt, weil sie ,»vaschechte Jüdinnen' gewesen. Ja, sogar die Kraft deS׳ Wortes Gottes an einem Judenherzen wird geradezu geleugnet, wenn behauptet, wird, daß da» ergreifend« Passion«- spiel in Oberammeraau die jüdischen Zuschauer nur mit Zorn und Haß erfüllen könne! In einer Klagesache wider den Redakteur dies. Blatte» (.Volk") — heißt eS m der genannten Zeitschrift weiter — erklärte der Gerichtshof, die betreffenden Artikel für ,boshast und niederträchtig". ES wäre wohl an der Zeit, daß alle auf christlichem Bekemüniffe ruhenden Blatter ״ . ») «ach de« .«altsoll der «roßveter Paul Lindau'» L I. 1816 zu Wusterhaufi« «. S>. mit srimr Krau zu« Lhristenchu» über- .:*retcn fei». Seine Mutter »ar ׳ die Lochier «ine» evangelisch« "!ediger» Xamtn» Müller. (Red.) wider die Haltung dieses Blatteein entschiedene« Zeng» niß ablegrn׳. Di« Redaktion der .Mittheilungen' scheint auch nicht zu wiffen, daß das .Volk' als «vangelisch-orthodoxe- Blatt die Liebe für die Quintessenz de- Evangelium» ansieht und offenbar doch nur in dieser Weise die christliche Liebe bethätigen will. LerN». (Die jüdische Präparandenanstalt.) Acht Jahre sind eS, daß Hr. Rektor Dr. Holzmann die Leitung der jüdische« Lehrer-Bildung»-Anstalt zu Berlin in die Hand genommen. Wie ganz er seiner hohen, idealen Aufgab« al« Seminardirektor gewachsen war und ist, beweist die sttaffe Zucht und Ordnung in der Anstalh die vorzüglichen Abiturientenprüfungen seiner Zögling«, die treffliche Hartung derselben in den Gemeinden, in denea sie ihren WickungSkreiS gefunden Al» ein unumgängliche» Hilfsmittel zur Erzielung solcher Erfolge schien lhm die Gründung einer Vorbereitung»- anstatt zum Seminar, in der di« künftigen Scminarzvglinge eine ordentliche'erste Grundlage für ihren Beruf erhalte» sollten, erforderlich. Und dem ausdauernden festen Willen de« Herrn Dr. H. ist es zu verdanken, daß jene Anstalt vor fünf Jahren in'- Leben geruftn wurde. Während bi» dahin junge Leute verschiedenen Alters au« aller Herren Ländern mit den mannigfachsten Borbereitung-artea in'» Seminar traten, um im ersten Jahre der Seminarzeit gewiffermaßen einzeln abgerundet und der Besam mtheit an-! . .. . ..« ... die Klassen des Seminar», weil sie nach «ine« Muster vorbereitet aus der Präparandie in die höhere Anstalt hinüberkommen. Hier, an dieser Stelle, dürste es für die gesch. Leser dieses Blatte» wohl von ganz besonderem Interesse sein,, z» erfahren, welchen Einfluß die Präparandenanstalt auch auf da» Gebiet des hebräischen Unterrichts innerhalb der ganzen Lehrer-BilduugSanstalt und somit auch auf einen nrcht zu unterschätzenden Theil unserer jüdischen Jugend au» übt. Wie schon erwähnt, kamen vor der Existenz der Präparandenanstalt junge Stute mit verschiedenem Wissen in das Seminar, der eine wußte wenig Deutsch, tonnte dafür mehr Hebräisch, der andere war kaum mehr at» de» hebräischen Lesens kundig, war dagegen jenen in den andere» Disciplinen weit überlegen. Jetzt kommen durchweg im Hebräische» vorzüglich vorgebilvet» junge Leute in da- Seminar und - diese Vorbildung erlangen sie eben in der mit demftlben verbundenen Präparandenanstalt. Der Schreiber diese» Lrtlkels hatte jüngst Gelegenheit, persönlich Einsicht in den hebräischen Unterncht an dieser Anstalt zu gewinne« und war herzlich erfteut über di« geradezu kaum glaubliche«. Leistungen der Schüler in diesem Fache. Au« dem Unterricht konnte er wahrnehmen, daß die Präparanden im Pentateuch nicht allein wörtlich zu übersetze« und die einzelnen Wörter fast durchweg grammatikalisch zu analvstre» vermochten, sondern daß sie!«de» Kapitel, das sie soweit beherrschen, auch memoriren und schließlich ohne jegliche» Hilfsmittel in hebräischen Schristzeichen an die Wandtafck schreibe». Handelt e» sich um Angabe von Parallelsten«^ so muß man staunen, wie beschlagen sich die Knabe«׳ i» Gebetbuch, im Pentateuch, ja sogar in den einzelnen ״Haftarot", ,Jozerot' und .Eelichot' zeige«. Mit alle»,- (bl» auf die fernliegevdsten) Bräuchen deS Juoenthum» werden * sie an der Hand de» ״Ch»j« Odom“ vertraut gemacht. Daß ein solches Borgehe« in der Präparandenanstalt auch' eine Erweiterung des Unterricht-plane» und der hebräische» Unterricht-gegenständ« nochwendig gemacht hat, ist selbstverständlich, uno rühmlich muß heworgchoben werde«, daß nunmehr auch ״Naschi" in de« Pla» ausgenommen worden ist. Aber nicht nur für di« Pflege de» Wissens uub Können» alle», s»»dern auch für

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