Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 44 (29.10.1890)
- Date
- 1890-10-29
- Page
- Seite 330 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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schleunigst zu ratben und zu tkmtm,. auf welche Weise unfern so schwer bedrückten und voffolgtm GlaubmSbrüdem wirksame Hülfe gebracht werden kann. <S« verlautet, daß der Groß^rzog von Heffen. von Pari» au» augeregt, vor ewigen Monaten beim Kaiser von Rußland für die hart» bedrängten Juden sich verwendet und r» bewirkt haben soll, daß die Ausführung der geplanten grausamen Maßregeln «c?n sie ausgeschoben wurde, wodurch eine Frist zu weiteren Schritten gewonnen ist. Nütze» wird dieselbe, stehen wir nicht müßig bei derLrbcnsgefahr unserer Brüder IlOT!עושו נושו Wir lassen im Anschluß hieran eine beherzigenswert he Petersburger Correspondmz folgen: ״Petersburg, im Oktober 1800. Ich freue mich, daß ich die in Ihrem gesch. Blatte vor vielen Monaten von mir angeregte und wiederholt besprochene Frage betreff» eines zu schaffenden Asyls für die verfolgten, ausaewiesenen ruff. Juden, endlich in Fluß kommt. Der Augenblick ist günstig, alles drängt zur schleunigen LSsung der Frage. Neben unseren bekannten traurigen Verhältnissen in Rußland sind die antisemitischen Wahlergebniffe m W ie n und die fortgesetzte Agitation in Deutschland ein Mahnruf, an die Schaffung eines Asyls bei Zetten zu gehen. Ich wage cs, meine bisherigen, nur bezüglich der russischen Juden ausgesprochenen Arksichten auf die bedrängten Juden im Allgemeinen, wo immer sie verfolgt und vielleicht vertrieben ivcrden könne», auszudehnrn. Für alle diese kann ein planloses .Herumirren, hauptsächlich in Amerika, wo viele Tausende, unbeachtet, elend verkommen, oder das Wallfahren nach Palästina, das ein historischer Zankapfel bleibt, kein anderes Resultat geben, als daß sie selbst untergehend, ihre Mitbrüder, die friedlich in diesen Staaten leben, mit in den Abgrund reißen. Di« israelitischen Finanzgrößen sollten sich mit bedeutenden Sozialvkonomen vereinigen, um ein dauerndes Asyl zu finden. Was der mit seinem Wohlthätigkcitssinn unvergleichlich bisher dastehende Baron -Hirsch mit den Hunderten von Millionen Franc» in Ruß« land und Lesterreich zur Rettung unglücklicher Juden thun wollte, ist gescheitert. Man wird da» in späteren Jahr- Hunderten nicht glauben wollen und als eine Schmach unseres ua cks oiöols unbedingt ansehen müffen. Aber gleichzeitig wird man die israelitischen Finanzgrößen verurtheilen, dir mit mehr oder weniger Millionen Capital ausgcstattet sind, und Sie Hände müssig in den Schoß legen. Wir wollen unsere Ansicht frei und unerschrocken aussprechen. Ohne ein düsteres Prognostikon stellen zu wollen, kann doch leicht der Fall enitreten, daß diese Größen selbst, so hoch sie jetzt an Rang und Ansehen stehen mögen, sehr bittere Erfahrungen Zachen können. Wer die Judcnplünderungen und Raubanfäll« in Odessa, Warschau und anderen russischen Orten mitangesehen, der muß alles befürchten. Jmuier gewaltiger wächst der Anhang, welchen der wilde Antisemitismus großzieht und für die entarteten, aufgelegten Massen gieot e» keine Grenze. Jemanden vom Kapitol 'zum tarpejischen Felsen schleppen und Hinabstürzen, bleibt da ein Geringes. Werden dann nicht jene Finanzgrößen mit zerrissener Seele rufen: .Warum handelten wir nicht, als eS Zeit war!?-) Wenn Lord Beaconsfield — ich vage diese kühne Hypothese hinzuwerfen — ein Jude bis zu seiner macht« reicheir Ministerstellung geblieben wäre und jüdische Rachkommen hätte : er würde jenes herrliche Cypern mittelst rer 14 Mill. Livres als Juden-Asyl unter dem Protektorate vrnalands erworben haben. ES würde dann kaum eine blühendere Handelsstättc geben als jen: Judeninsel. Die armen, ihrer Menschenrechte beraubten Juden, tragen in sich di« Kraft für alle Branchen lter Industrie und de» Handels, des Gewerbe und Ackerbaues, des sittlichen socialen ) Ich erinnert hier an Me 'Sorte de» Herrn Dr. Baum« garten über Me antisemitische Bewegung: .Wir hiiren", sagte er, ״£• ׳&«» der alten Leidenschaft jetzt noch hinter dem eisernen QMtter;!^urde fee ioskommen — bann gäbe H ein Blutbad und unser humane» ^»hundert wird an die Greuel der «ittelaltettichen Jubenmofiacre» Leben»; aber diese Kraft wurde niedergeschmettert. Au israel. Fmanzmänner, liegt e» nun, diese Kräfte zur Ent« Wickelung zu bringen, ein Ashl für die verfällst« Juden zu schaffe«, das im allerfchlimmften Falle ein Asyl für Euch selbst bilden soll. Wartet nicht erst: ,aus da» grobe gigantische Schicksal, «eiche» den Mensche« erhebt, i»de« e» den Menschen zermalmt.« B. Daß die meisten Vorwürfe, die mau deu russisch« Juden macht, um damtt die harten Maßregeln geg« sie zu motiviren, ganz unbegründet sind, wollen wir iu eine» besonderen Artikel in nächstet Nr. zeigen. Bericht »her die TI Ss«fere»z M ״Verein« feec iSr. Lehrer und knltnSbeantten de« LandrabbiuatH-Bezirk» CwfcB".* *) Erster Tag. Der Vorsitzende. Herr Haupilehrer Levy-Norden, eröffnete die Versammlung Nachmittags 4 Uhr, indem er die Anwesenden mit einem herzlichen Willkommen b grüßt«, die hohen Aufgaben der Zusammenkünfte sowohl für die Schule als auch zur Stäikung der Zusammen gehörigkett unseres Standes kurz darlegtc und im Anschluß Hiera« eia« Jahresbericht gab. In dcmselb« wnrde uuter anderem die Glückwunsch. Adresse unsere« Verein» an dm Herrn Botsitzendm des D. I G. B.. Gelseimrath Dr. Lristellrr, erwähnt und da» Dankschreiben des ljochverdimten Herrn verlesen. Leiten» des D. I. G. B. war wieder ein Zuschuß zu den kostm der Kvnftrrnz bewilligt, und der Vorsitzende wurde ermächtigt, den Dank dafür au zuständiger Stelle auszusprechen. Alsdann erhielt der Landrabbiner Dr. Buchholz-Emden da« Wort zu seiarmVorträge über das Thema: ״Geschichtlich« Entwickelung de» Jugendunterricht» noch Bibel und Talmud". Der hochgeschätzte Hr. Redner hatte vor zwei Jahrm über daffrlbe Thema bis ESra gesprochen und fttztr nun diesmal das Referat fort. Die Anwesmdm folgten dem hochinteressanten, wissen» schastlichea Bortrage, welcher 1'/, Stunden währte, mit gespanntest«! Aufmerksamkeit. M׳t Recht konnte der Borsitzmde tn seinem Danke Namen» der Versammlung an dm Her« Referenten hervorheben, die Arbeit trage da» Gepräge der Gründlichkeit und tiefen Forschung au der Stirn« und zeichne sich außerdem durch logische Strenge, Uebersichtlich- :eit und anmuthigr Darstellung au».*) Der folgende Theil der Tagesordnung betraf die Besprcchung, bezw. die Bmrtbeilung der Schulbücher, nämlich 1. HerxheimerS Glaabcnsnud Pflichtenlehre in 31. Anfiage, 2. dtt Rechenbücher von kranke, Heuer-MagnuS, Steuer und Backhaus, 3. Badt's-Kinderbibel, 4. di« hebr. Lesefibckn von Liebmann, Fauerbach, und Herb erg. Ad 1, erhält Selig-Emden das Wort. Demsrlb» scheint Herrheimers ReligiouSbuch für die Oberstuft jüdischer . Schule« (Ktnder vom 11.—14. Jahre) zu schwierig and umfangreich »u sein. Herr Dr. JoSl-Bre-lan Hab« da» Buch durchgesehe» und nach Bedarf verändert, aber׳ »zum Gebrauche für unsere Schulm noch ungeigaeter gemacht, z. B. die Betrachwng über die Uusterbliä^eit der Seele (§§ 60—62), wie Dr. Jovl dieselbe aiebt, passt keine»- weas in ei« Lernbuch für Schüler diese» Alter»; oder verschiedene neugcstaltrte Definitionm (§ 11 u. ff.), secuer etwa Z 54 re.) In der Diskussion hieran trat deutlich hervor, wie die Anweftudea mit den AuSführungm de» Rrzmftntea «inverstanden warm. *) Die Eonftrenz tagte am SS. und 27. August in Kortyrtmet» Hotel in Emden. *) Den Inhalt diese» Bartrage» «erden wir tn einem besonder« ttrtttel bringen. (Aed.) . ״....