Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 43 (22.10.1890)
- Date
- 1890-10-22
- Page
- Seite 326 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Dr. F. Noseuthal. der eigeuS 'Herzu an» BreSla« her» berufen worden, weil er den Verstorbenen auS lang׳ jährigem Zusammenwirken ganz besonder» kannte, tiefbewegt in herzergreifender Weise. Er verglich seinen gelehrten Freund sehr treffend mit M ose. dem .treuen Diener Gotte»', dem .Bescheidensten der Menschen', denn auch den Verblichenen zierlen die Tugend der Bescheidenheit und Uneigennützigkeit. Di« Rede übte einen nachhaltigen Eindruck auf die große Trauerversammlung aus. ES sprachen noch die Nachbarrabbiner Dr.Dr. Cohn-Kattowitz, Baßsreuud-Tarnowitz und Goldschmidt ׳ Lönigshütte, die einzelnen Seiten der vielseitigen Bedeutung und weithin sich erstreckenden segensreichen Wirksamkeit de» Verklärten in seinem Berhältnitz zu den Nachbargemeinden besonders hervorhebend. Hieraus schlich sich das Grab über den vielbetrauerten, frommen Talmud-Gelehrten, besten Andenken stets gesegnet sein wird!וכר: צדק לברכה (Der Selige, dessen ungeheuchelte, streng konservative religiöse Gesinnung, und den Werken der Nächstenliebe und Menschenhilfe warm entgegcnschlagrndes Herz Allen, welche ihm näher traten, unbedingte Hochachtung und Ehrerbietung rinflvßte, ist der Bater des Landrabbiners Dr. Guttmann in HildeSheim, der durch seine gelehrten Schriften ans dem Gebiete der msttelalterlichen jüd. Philosophie eine Zierde des deutschen RabbinerthumeS ist.) Herr Bul» handhabt die Glocke, aber erfokgh«. innere', sagt« er, .die Stndenten an die Achtung vor dcur Prosrfforenwllegium." Der Lärm verdoppelt sich. Man schreit ununterbrochen: Weg mit Philippson! Demission! Der Präsident versucht die Ruhe wiederherzusftlkn. Wenn Jemand unter Ihnen ist, der Grund zur Klage hat velchiem. -Lrnssek, 18. Oktob. l Rektor Dr. M. Philippson und die Vorgänge an der Universität.) lieber den von Ihnen in der letzten Rümmer bereits kurz gemeldeten skandalösen Vorgang bei Gelegenheit der Wiedereröffnung der Universität kann ich Ihnen Ausführliches mittheilen. Man vermuthete wohl, daß bei dieser Gelegenheit die feindselige Stimmung eines TheilS der Studentenschaft gegen den neugcwählten Rektor zum AuStrag gebracht werden würde, aber Ricinand ahnte,׳ daß die geplante Manifestation solche Dim nsioncn annehmen würde. Zun: näheren Berständniß diese- Vorfalles ist «» nothlvendig, den Grund dieser entgegengesetzten Strömung kennen zu lernen. Der neue Rektor, gewühlt für die Jahre 1890—92, Dr. Martin Philippson, Sohn deftührren Rabbiners zu Magdeburg, Professor der philosophischst Fakultät, ist ein allgemein geachteter und believtrr Mann. WaS man ihm in Studenteukreisen aber als Ber- | brechen anzurechnen scheint, ist die Affaire DwelShauwerS. Dieser jung« Mann, ein Schüler der Phil. Fakultät,! kam, nachdem er 3 Jahre zur Vervollständigung seiner! Studien nach Leipzig gegangen war, zurück, um der hiesigen ' Universität eine These zu präsrntircn. j Die Fakultät hat ihn zur Verteidigung dieser These in öffentlicher Sitzung nicht zugelaffen, west st« dieselbe für , gänzlich ungenügend rn der vorliegenden Form erklärte. Die Eollrgen de» jungen Manne» schlugen nun darob! großen Lärin, suchten und fanden Gelegenheit, ihre Apathie gegen den neuen Rektor Dr. Philippson, der auch gegen die Zulassung der These gestimmt ׳hatte, bei Gelegenheft der Wiedereröffnung der Universität im gothffcheu Saale de» RathhauseS kundzugeben. Den Vorsitz ,n der betreffenden Sitzung führte der Bürgermeister B u l S, Präsidentdes akademischen Senat»; St seiner Linken saß Herr Philippson Man bemerkt« gkich!i Beginn der Sitzung auffällig, daß hinter dem Professorentisch ein Polizeikommissar und mehrere Polizisten Platz genommen hatten. Nach einigen allgemeinen Mitthcilungen crtheilt der Präsident Bul» Herrn Philippson da» Wort. Dieser, ziemlich bleich, aber lächelnd, erhebt sich. Die ersten Bänke :rnd rin Thest der Studenten applauoiren. Aber sogleich antwortet auch ein Sturm von Zischen und Johlen aus diese!'apathischen Manifestation. Dazwischen hörte man die;:?nfe: Demission! Weg mit Philippsou! Rach Berlin! x. Me, alle! schreit man mit Macht. So kann er sich an den Senat wenden. Er macht sich lustig über unS, der Senat! antwortet eine Stimme. Der Präsident ersucht nochmals um Ruhe und wieder» holt: Herr Philippson hat daS Wort! Noch größerer Tumult als vorher. Philippson öffnet den Mund und eS gelingt ihm, folgende Worte hörbar zu machen: Bon diesen Schreiern, denen gegenüber ich ganz kalt beide, bin ich entschlossen, Ihne,: zu sagen . ... - Ruft: Gehen Sft nach Berlin! Der Tumult wird größer. Der Präsident erklärt, daß er nuht gestatte« wird,. daß einige der Ruhestörer die Sitzung sprenge», andernfalls er sie aus dem Saale entftrnen ließe. Ruft: Jagen Sie unS alle hinaus! Philippson erhebt sich nochmals und versncht zu sprechen,, doch vergeben». Lastet ihn sprechen! ruft' man von verschiedenen Seiten. Nein, rief eine Stentorstimme, er hat DwelShauwerS nicht sprechen lassen, nun hat er jetzt auch nicht da» Recht, hier zn sprechen! Travo'S, Ruft! Geben sie das Wort DwelShauwcr l mit Vkk! Er wird nickt fomfien! DemMa», Weg mit Pls! Er wird nicht sprechen! Demission! Jetzt nimmt die Sache eine unerwartete Wendung. Herr BulS ruft den Polizestommissar zu sich und sagt ihm emigr Worte. Letzterer cntftrut sich und erscheint bald mit 12 Polizisten aus der Bildfläche, um die RuHstörer zu entfernen. DaS sich nnn entrollende Bild spottete ftder Beschreibung. Die Studenten leisten Widerstand. Man klettert auf Tische und Stühle. Eine große Zahl von Proftssorrn proteftirt heftig gegen die Jnlerventton der Polizei, worauf dieselbe den Rückzug anttitt. Herr BulS schloß darauf diese stürmische Sitzung. Auf den folgenden Tag 4 Uhr waren'dft Studenten zusammrnbernftn, um weiter zu skandaliren. Wohl tausend derselben hatten der Einladung Folge geleistet, um so mehr als bekannt wurde, daß Philippson sein Erscheinen zugesagt hatte, um sein« Handlungsweise in der Sache DwelShauwerS klar zu legen. Der Vorsitzende der Versammlung theilte mit, daß er und zwei deligirte Studenten sich zu But» und Philippson begeben hätten; ״Dieser", sagte der Präsident, ״hat unS Er. klärungen gegeben, und sich berett erklärt, dieselben heute hftr zu wiederholen. Dft Gegenwart de» Rektor» ist mir dann möglich, wenn er dft Gewißheit hat, mft Ruhe und Achtung empiangen zu werden. (Sehr gut, Beifall, Zischen-». Dftjenigen, welche gekommen .sind, Herrn Philippson zu unterstützen, mögen sich jeder sympathische» Manifestation enthalten, sie würden nur da» Gegeutheil provvzire». WaS dft anderen anbetrifft, sd beschwör« ich sft. da» Versprechen nicht zu mißbrauchen, das Ihre Deligirten in Ihrer aller Namen abgegeben Um '/.v Uhr tritt der Rektor ein. Alle Studenten ' erheben sich und entblößen ihre Häupter. Hftrauf ergreift.Philichffon da»'Wort zu folgender׳. Rede: Steine Herren I Ihr Samitee hat nie bk Ehre erzeigt, «ich einznlaben, vor Ihnen zu erscheinen und Ihnen «uoeinanberschnngen zu geben über bie Angelegenheit, welche schon lauge einen The» der׳ akabemischeu Jugend beschäftigt. Ich habe mich sofort uub ml« V, -uügen entschlafen, vor Ihnen zu erscheinen und Ihnen Vertch,. - *Äi&itrU