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Israelitische Wochenschrift · 1890-10-22 · 43 (22.10.1890) · p. Seite 327

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
43 (22.10.1890)
Date
1890-10-22
Page
Seite 327 (sequence 7)
Language
German
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fifet Mil Vrt 1m»®rifc *rit WfWijotitft der Mit Multfit jfnikil ge|anbelf bapru. Ah Mn hier auf die Einladung Ihre« Somfter« hin, ich bl« Ihr Gast. Ich rechne als» darauf daß Eie mir Respekt jottcn. «Biifall. Zischen.) Ich tonnn« nicht, um mich zu rechtfertigen. noch zu «opttulicen Ich stehe hier nicht vor den Richter». Ich bi» der Gewählte, nicht.nur vom Senat, nicht nur von der Phil. Fakultät, sondern von dem gesammtr» Prosefforencollegtum. Würdig oder unwürdig, gleichviel, ich repräsentier« hier das ganz« Lolleaium der Prosenorrn, welchem Sie alle, glaub« ich, Ihre Achtung und Ergebenheit schulden. E» ist unmöglich, daß ich mich einer andern Sierichtsbarleit, als dzr «einer Lollege» unterwerfe. Redner geht nun aus dir Anatlegenheit D. über. Er sagt, daß er dielen jungen Man» auf die lluvollstilndigkeit und das Mangelhafte seiner These aufmerksam und ihm klar gemacht, daß die darin «»!wickelten Grundsätze zu schwach seien, um ein System darauf zu arünfen. Herr x., so sährt Redner fort, sagte mir selbst, daß er In 11 Tagen die geänderte These mir zuaehe« lasten «olle. Statt besten erhielt ich von D. einen Brief l» welchem er mir »ittheiltr, daß er sich die Sache überlegt Hab« und die These aufrecht erhalte. Zum erfreu Mal« bekamen wir eine solch« schroff« abschlägige Antwort. Und selbst darnach Hab« ich »er Fakultät vorgeschlogen, die Ent- -fchetdung anszufchirben und D. zum »weiten Male zu bitten, seine Arbeit zu ändern. Aber mein Vorschlag wurde fast einstimmig abgelehnt. Eine Anzahl von Studenten und vielleicht auch von Nicht- Studenten Hut es »un für gut befunden, anstatt sich mit un» in Berbindung zu setzen, um genau zu erfahre», um was es sich handelte, in der gestrigen Rathhausfitzuna «ine Seen« zu provvziren, welch«, erlaufe» sie mir, eS Ihnen zu sagen, nach alle» Sesichtspunllen höchst fedauerlich ist. - Es sind seht zwölf Jahre, daß ich an der hies. Universität bin. Ich habe mich nicht ausgedrängt, ich ward vom gefammten Profefforenkokleoium gerufen. Ich habe unter dem vismaraschen Regiment für die Rretheit gekämpft, gegen den protestantischen Pietismus. Ich Hab« «in Buch veröffentlicht, »vorin ich di« Reaktion aimrist. Dadurch wurde ich von der offizielle« Welt bekämpft und meine Larrierr zerstört. Ich habe für di« Freiheit gelitten! M. H.! Ich habe mich hier frei ausgesprochen. Ich glaube und hoff«, Sie überzeugt zu habe«, daß ich nicht der Ran» bin, die Sache zu verrathen, me un» allen theuer sei» muß.- Di« Versammlung ״ahm hierauf nach längeren, Persüll, lichen Auseinandersetzungen wegen der Intervention der Holizei folgende Resolution an: »In Erwägung, daß Herr Philippson es vorgezogeu ha«, di« Polizei «iufchreitr» zu lasten, als aus da« Wort zu verzichtru und sein« Demission zu geben: »erlangen die Studenten di« Demission des Hr». Philipps«,.- Herr Philippson hat hierauf dem Senat erklärt, daß <r, fall« der Lonstikt fortbestände, demissionireu werde. Der Senat hat demzufolge eine Proklamation an sämmtliche Studenten erlassen, ov mit Erfolg bleibt abzuwarten. (Siehe da« folgende ,Brüssel".) Prof. M. Dermifchte ,»d «e»rße Nachricht»». Wk«atz«»»VH> Aus vrüsjel geh« UN» kurz vor Schluß dies. Bl. folg«»de erfreuliche Mitcheilung zu: _Brüssel, SO, Oktober. Mrrtg.^lorr.) Der «onfllkt mit Prof. BßMhps«» ist völlig felgeiegt. In einer am IS. ds. stattgehabten Sinfentr»»Versammlung wurde dk Resolntion, welche die Demission PH. ewtaMtt, fast einstimmig zurückgezogen. Es hat sich nunmehr auch heraasgestellt, daß PH. die Intervention der Polizei nicht nnr nicht veranlaßt, sondern auch verurtfeil« hat, nach Lag« »er Sach« dieselfe aber nicht tnhibtrea lonnte. Der Rektor kann sich diese« Ausgange« freuen und stolz darauf sei», so schnell und hauprsschltch durch feine loyalen Ausetnaufersetzunae« ein« so stark« Gegnerschaft de« Besseren üferzeugt zu Hafen. Hervorzuhefe» ist, daß di« Opposition dnrchou» »ich« seiner Religion galt. M. LökAtig Wieder hatte sich Herr Theodor Fritsch in Leipzig, der Herausgeber der ,Anttsem. Lorrefp.-, «egen Beleidigung des jüd. Kaufmann« S. Ritter in Oel* vor fern hiesigen Schöffengericht zu veronNoorten. Es stellte sich hier da« geradeMegentheil von de« heran«, «a» 8. tu sein Ni. behauptet hatte. Nicht der Jude Ritjzr hatte de« christlichen Schneider Samilla betrogen, vielmehr war dieser mit seine« Mobiliar »ach Breslau ausgerstckt, und Halle diese» seine« dortigen Bruder verkauft, um de» Tuchkaufmann Ritter um sein Luthafen (in fcjjfe von 367 M.) zu brtu«U. MsVertretrr de« KlÄfers erschien HerrllkechtsanwaltOr.Werthauer, HerrFritsch war ohne Rechtsfeifiaab erschienen. Aus dt« Erfeingung fe» Pfechrheftsbeweise» verzlchtetr 8- und behauptete, daß der Beniner feä Kllmer» all« von ihm abfällig krstifirten Jupen dazu ansttft«, ' stn ihn Beleibigmuwtla« zu erheben. Durch Vorlegung seiner oawcteu »fe« Hr. Rechtsanwalt 0r. Werthau« jedoch die Unwahrbfefer Beschuldigung nach, indem er zugleich 0» dir Hand diese« ,Herr Fritsch sich erdrelftr, »«Mg «es fer Lust ,e» ul« Thatfechr» ln dt« Welt zu ftMeudern." aae er di« Bestrafung deffelfen «ft Sefänghisr *mgy«,יי*• §?vftfet^°beaMmge er die Bestrasuug feffelken 'mft Äesänggls» au» tz 187. La« Lericht erfeaute jedoch nur eine, wen» auch schwere Beleidigung au, dir nach S 186 zu bestrafen lei, und verurthellte den Bolagten zu 100 Mk. Geldstrafe und den üvlicheck Nefenstrofe». Wteiefalh. Wohl fer älteste Mensch in ganz Deutschland ist der Rentner Markus Jordan hier, er hat am 14. Octofer seine»t IIS. Geburtstag begangen und zwar in ganz vorzüglicher körperlicher Rüstigkeit und einer sür sein »«gewöhnlich hohes Alter ganz besonder«» zu betonenden geistigen Frisch«. (Jordan soll esnen sehr gesunder» Schlaf Hafen, noch seine sämmtliche» Zähne besitze» und mit guten« Appetit esten. Er liest hin und wieder ln Zeitungen und Büchern und bedarf-keiner Brille, dazu.) Berlin, 22. Octofer. Der Senior der Berliner Aerzt«, fer Beh. Sanltätsrath Dr. Martin Steinthal, vollendet am heutigen Mittwoch sei» SS. Lefentjahr. Nati»»r. Zum fünfzigsten Herzogs-Jubiläum unsere« Herzog» überreichte auch eine Deputation fer hiesige׳: Gemeindevertretung (Rabbiner Blumenthai, Vorsteher 8 arte »sie in und Repräsentant Moritz Lohn) «ine Atückwunschadreffe. Rach Verlesung derselben erwiedert« fer Herzog: ,Ich danke Ihnen herzlich für Ihre so schöne Adreste; Sle misten ja, wlt welchem Interesse ich die Angelegenheiteir Ihrer «eineinde verfolge." Die Deputatlon wurde hieraus zu eine«, Frühstück und zur Parade geladen. 0«»atzrück. Die hiesige etwa 400 Seelen starke Gemeinde fe» absichtiat ein« eigen« Synagoge zu bauen, sie hielt bisher den Gottei» dienst im Saale eine« alten Klosters ab. 6aef«w, 19. Oktober. Der Rabbiner Dr. Jacobsohn a>» Schrimm, Schwftgersohn de» früheren Prager, jetzige» Hamburg!« Oferradbiners, hielt gestern hier eine Probepredigt. Iaoweazla». 9. Octofer. Dem hiesigen Brth-Hammldrasch» Verein, genannt .Forschung-Haus" sind dieser Tage die Recht« einer juristisch«» Person verliehe» worden Der Verein, fer über ela Jahrhundert besteht, entfaltet eine segenlrriche Wirksamkeit. Er befisft ein« bedeutend« rabbtnische Bibliothek und unterhält einen eigenen Klau«rabbtner. Auch besitzt er bedeutend« Kapitalien, die er sowohl an Mitglieder, als auch Nichtmltglieder, gleichviel welcher Eonfesston, zinssrci verleiht. Der Verein zählt gegenwärtig SO Mitglieder. Seit Jahren hat fer Verein um Verleihung her Sorporanon-rrchte nachgrsucht. «eiche thw nunmehr, nachde« die Stawten revidiert worden sind, «rtheilt wurden. Bws Wabe». Nach de« soeben ver-ffentl. Winterprogramm de» »Verein« sür jüdische Geschichte und Litte raturwird fe» ersten Bm» «rag am SV. d. Mt», in Karlsruhe Abend» 8 Uhr im kleinen Saale der Festhall« Herr Dr. Lvwenfeld von Berlin über da» Thema: Uv» der Geschichte der Jude» im alten No« halten. Weitere Vorträge wurden übnnomme» von den Herren: Rabdimr Dr. Lohn-Basel. Dr. H. Hel»eman»-Frankfurt, Professor Dr. Lef mann-Heidelberg, Stadt- und Lonserenzrabbiuer Dr. Schwär!,- Karlsruhe, Professor Dr. Ete in-Zürichund Rabtlurr Lr«i t e!-Karlsruhe. Belast». Sestpr. (Or.-Lor.) Am Vorabend de« Simchas- Thorafrstes trug — mit Erlaubntß de» Rabbiner« und Vorstand«» — fer IS jährige Sohn imkere« Lanwr« H. »laustet» in fer Gynago,« da« Afendgebet vor und entzückte mtt seiner klangvolle« Stimm« alle Zuhörer. Der kleine Künstler soll unter fer Leltung feine« Vateis zum Kanwr heraogebUfet werfe» und wird lh» von Kennern ela günstige» Prognosttkoa gestellt. L»»p»>, 37. Oct. »ladstone hat an da» -Jewish Lhrontclr", folgende« Schreibe» gerichtet: Hawarden Lastl«, 16. Octofer,. Ich Hab« mit Schmerz und Entsetze» dl« verschieden«» B!- richte über hle Leiden fer Jude« in Rußland gelesen. Dle «tnzlge Empfehlung, die ich g«e« k׳mn, ist, daß di« geitunaen ausachorfert «erde» sollten, die Bericht,׳, zu sichten und dl« Thalsach,» festzustellen und dann, wenn sie mtgestellt zu fein scheinen, fe» »ewtssen Rußland» und Europa'« iu Betreff ferselfe« auszuweckeu. W E. »ladstone. (Hoffentlich läßt e« nun auch Herr »ladstone selbst atcht 0» Atstrengunge« fehle», da« ,»ewtssen Rußland»" auszuweckeu.) Betersb»eg, 18. Ort. Mehr als 300 Jude», welche iljr Lbituricntcnexamen gemacht hoben, ist fer Eintritt in di« Uni ver sttäten versagt worden, weil dadurch mehr als die sestgesetztr» 6 PÜT hineinkäme». Di« feiresscube» Hafen an de» Minister fer Bolk«aus- Närung et» Schreiben «richtet, in welche« sie gegen ihr« Aalschlftßuag protestire«. (Daß sich SO» jüd. Studenten getauft Härte», ist eine Lüge!) Tfetrrsbneg, 16. Okh In verschiedenen Provlnzstädftn, in welchen dft Polizei de« Befehl erhallen hatte, dt« Juden au,»!«• weisen, ist dieser Besehl neuerdings mit fer Weisung widerrufea worden: dt« Juden könnte» vorläufig wohnen dleidea, bis da» ue>« Judengesetz hierüber entscheiden würde. Für den gefammten »mu* bezirk, ft, einer Brette von 00 Werft von der Grenze, wurde» die erlassenen Ausweisungsbefehle »ich« widerrufen. — Gnlontchf. Esift «rsreaUchzt sehe»)wie von unseren »lanfe»d> geaosse» aus all«« Welllhetleu »elfer zur vertheflung 0« die dm» den Brand Berunglückte« etngefeu. Aus ümertfe trafen durch d>» Gesandten (Herrn Hirsch) in Lonstantinopel fereft» 3 Sendung« (10,000 und 18,000-«««) ein. (Sftfe den^Aufr^" «m Inseratenttze^I. '■.S 1

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