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Israelitische Wochenschrift · 1890-10-22 · 43 (22.10.1890) · p. Seite 325

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
43 (22.10.1890)
Date
1890-10-22
Page
Seite 325 (sequence 5)
Language
German
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■ ־ ס ־feinet nachweislich eingetretenen Dienstunfähigkeit nur Anfprnch anf die Hälfst der Unstrstützung. — Die Beitrags- Pflicht Hirt für die Fälle »ad a und b de» gegenwärtigen 3 nnt dem 1. Januar de» Jahre« auf, in welchem die Unterstützungsberechtigung ei»tritt, ohne 'daß dadurch die Mitgliedschast erlischt. Eine nicht minder einschneidende Abänderung erfuhr 8 1i, nach welchem jetzt nicht mehr die Hälfte, sondern zwei Drittel der jährlich eingegangenen Gelder zur Berthttlung gelangen werden. Dieser § hat mit anderen weniger wesentlichen Modifikationen nunmehr folgende Fassung erhalten: «Zur Auszahlung von Unterstützungen sollen zwei Drittel sämmtlicher im abgelaufenen Jahre eingegangenen und fälligen Gelder (ordentliche und außerordentliche Beiträge und Zinsen) verwandt werden; jedoch soll ein Unterstützung»- anchell den Betrag von 75 Mart nicht übersteigen. Da« übrige Drittel soll einstweilen in Reserve bleiben, um den Anforderungen, die etwa im Laufe de» Jahresich «och Herausstellen sollten, gerecht werden zu können. Der alsdann verbleibende Rest wird, also immer erst nach dem Schlüsse de» zweiten Jahre«, zum Kapitalvermögen geschlagen, welches niewal« angegriffm werden darf. Gaben, welche 300 Mk. und darüber betragen, sollen nicht zur JahreSvertheilung gelange«, sondern dem Fond» zufueßen, insofern der Geber nicht ausdrücklich ander« bestimmt.' . Hiernach bietet die Aaste ihren Mitgliedern da«, wa» ckelne der vorhandenen LehrerunstrstüstungSkaflen thut. Trotzdem sehen wir, daß bei dem geringen jährlichen Beittag noch manche Lehrer au» durchaus nichtigen Gründen, au» JudifferentiSmu» oder au» Kurzsichtigkeit, sich fernhalttn. Wir leben heute in der Zeit der Koalition und der Selb st hülfe. Vom Staate ausind die Pensionen, namentlich für die Hinterbliebenen, sehr geriutz und werden fie auch nur dann zu Theil, wenn der betreffende Lehrer definitiv von demselben angestellt war. Darum können wir e» jüdischen Lehrern nicht warm genug an» Herz legen: Lhr im Rheinland-Westfalen, schließt euch eurer -Kaffe an, und ihr im übrigen Deutschland, tretet ohne Säumen der ,Achawa" bei, auch sie leistet ungewöhnlich Große». Wartet nicht bi« e» zu spät ist. Wer nicht einer der Kaste« beitritt, versündigt sich gegen sich selbst, gegen seine Frau und Kinder. Wartet nicht, lstbe Kollegen, Ihr könntet e» sonst einst bitter bereue«! ' Siegfried Graf. Aarksrnße, 15. Oct. Au» der Rede, die der freisinnige LantagSabgeordnest Muser vorgestern über die ,konservative Bewegung und den Antisemitismus׳ hielt, teilen wir nach .dem ausführlichen Berichte de» .Badisch. LandeSbostu" das Folgende mit: Muser wie» zunächst auf die Stellung hin, die Kaiser Friedrich, der edle Menschenfreund auf dem Throne, gegenüber den intästzsanteruBesttebungen de» Antisemitismus .-eingenommen habe und hielt iht gegenüber die Worte, die sich in dem Briefkasten einebadischen Antisemitenblättchens finden: »H. H. Sie wenden gegen unser Bemühen ein: Da» Evangelium geböte den Nächsten zu lieben. Die Juden sind nicht unsere Nächsten, sondern die Fernsten. Juden lieben, da» kann nur Gott,, in besten Hand sie ein räthselhafte» Werkzeug sind. Wir müsten sie ebenso verabscheuen wie den Teufel." Nachdem Muser dargethan, daß auch Luther den Antisemitismus veruttheile, sagte er: ״Vom chrr st lichen Standpuntt aus kann man den AntisemitismuS nicht rechtfertigen, so lange man nicht zu beweisen vermag, daß die .Religion der Liebe" in Wahrheit eine solche de- »Hasse« und jder Feindschaft" ist — ein unmöglicher Beweis. Legt man eS aber darauf an, zu zeigen, welche Blüthen ein wilder KonfessionaliSmuS zu treiben im Stande ist — wohlan, die zelotischen Zionswächter mögen e» tkun; sie werden dadurch uns und alle Freunde des Menschheitsfortschritts zu rastlosem Kampfe für die gefährdete Humamtät und Sittlichkeit anspornen, aber auch in der lieberzeugung bestärken, daß ihr .Glaube' sie nichst veredelt hat. daß sie mit Kopf und Herz tief in der Barbarei längst vergangener Zeiten versunken geblieben sind und ihre .ci»ilisatorische Mission" zu einer Korrektur der wahren Livilisation hinausdrängt. Der Antisemitismus appellier an i»ie niedrigsten Leidenschaften im Menschen und mache He Juden für alle« Schlimme verantworlich. Die Generalsirung individueller Eigenschaften zu Racenmerkmalen ist Unverstand oder fanatische Bosheit. Man bekämpfe du« Schlechte, ob e» sich bei Christen oder Juden vorfindet, tefettige die Wurzel vorhandener Mißstände, sorge für eine bessereDurchbildung der Masten u.s.w—Muser's von großem Beifall begleitete Rede schloß mit den Worten: .Wir aber rufen daS Gewissen aller Bürger aus allen Parteien aus, welche mit uns eine Vertiefung und Berallgemeinerung der Nächsten- und Menschenliebe für einen unentbehrlichen Faktor kultureller Fortentwickelung und friedlicher, versöhnender Ausgleichung der so erschreckend reichlich vorhandenen Gegensätze halten, in der Erregung des Raceahasse» einen atavistischen Rückschlag und in der Verhetzung - der BoltSmassen zur Verachtung, Neid und Mißgunst gegen einen Theil unserer Mitmenschen eine gewissenlose Züchtigung der gefährlichsten und niedrigsten, auf revolutonürgewaltsame Ausbrüche hindrängenden Jnstniktt erblicken. Wir wollen dem deutschen Volke die Schmach erspart wissen, daß es sich in die rohe Barbarei des mitstlalstrlichen "Fanatismus zurückstoßen und im angeblichen Dienste ter .Religion der Liebe" oder .nationaler Pflichterfüllung" tue Waffe des Hasses und 4er Inhumanität gegen Mitmenschen und Mitdeutsche in die Hand drücken läßt. Wenn ander» unser Volk an Kopf und Herz noch e,e* sund ist, wird eS sich nicht in den wilden Strudel antiseusitischer Orgien fortreißea lassen: eS wird auch dem and■ semitischen Attentat auf seine eigene Würde siegreich widcrstehen,-so lange e» Eines nicht verloren hat: Die Achtung vor sich selbst." AuS M-rtte»Her§, 20. Ostober. (Or.^Lor.) Der Starid der Gelehrtenschulen in Württemberg «igt auch Heuer wieder eine größere Anzahl der jidischen Schüler. Württemberg zählt ca. »3000 jüdische Einwohner, 0,55 pCt. der Bevöllerung. Es besuchen die humanistischen Anstalten 337 ISraeustn, — 4 pCt. Reaumstalttn 3SS Jsräelittn “ 4,6 pEt. der Schüler, bij Borbereitungsanstalten SO Israeliten, 4,1 pCt. der Schüler. Zum ersstnmale ist auch Heuer unter dem geprüften Professoratskandidastn ein JSraelit, der jedoch in Württemberg noch keine Verwendung erhalten konnte. . Aentße« H-Kchk, 14 Ostober. (Orig.-Corr.) Unser Freudenfest ward un» zu .schwerer Trauer" <בל כבד ןך*) verwandelt worden! Am ersten Tage de» Succoffeste« schloß Rabbi Mose» Guttmann nach dreiwöchentlicher Krankheit sein irdische- Auge, und am ersttn Tage Thal ha'moäd wurde er zur Erde bestattet. Welch' ein an Jahren, an Frömmigkeit,talmudischemWissen und herrlichenTugenden reich«» Leben erreichte da sein Ende! Nicht nur die hiesige Siemeinde, an deren Spitze er eine Reihe von Jahren starid, nicht nur unsere WohlthätigkeitSvereine und Unterrichtsanftalstn — er war Vorsitzender de» Talmud-Thora-BereinS, und übte zur Zeit der dreimaligen Rabbiner-Interregna auch die" rabbinischen Funstionen aus — beklagt den große» Verlust, sondern über ganz Oberschlesien erstreckt sich die Trauer־ denn R. Moses Guttmann war unstreitig die bedeutendsst talmudische Lapacität dieser Provinz. Aus fast allen oberschlesischen Gemeinden sttümten auch Freunde und Verehrer herbei, um dem edlen Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Im gedrSngtvollen Tempel, wohin seine Leiche getragen worden war. hielt der Gemeinderabbiner Dr. Kopfste tu eine ergreifende Rede, in der er das Lebensbild des bedeutenden Mannes in markanten Zügen enttolltt, seine vielfachen Verdienste um die Gememde wahr und treu schilderst, und diese» Lebensbild als nachahmenSwerthes B o r bild hinstellte. Auf dem Friedhofe svrach unser el)emaliger, hier tm besstn Andenstn stehende, beliebst Rabbiner

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