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Israelitische Wochenschrift · 1890-10-22 · 43 (22.10.1890) · p. Seite 324

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
43 (22.10.1890)
Date
1890-10-22
Page
Seite 324 (sequence 4)
Language
German
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M« Ben Asai wäre nicht dazu gekommen, in dieser scheinbar natergeordneten Frage seine« Meist« Akiba «ntgrgenzutret«, wenn nicht in der That über den Begriff ״b« Nächste" im biblischen Gebote MeinungSverschiedeahatm vorhanden gewesen wäre«. Güdemann hat einen sehr gelehrten Apparat, aus deffen Wiedergabe wir hier verzichten, hergerichtet. um dies noch mehr zu «Härten und auf diese Mnnnngsverschiedenheitm habe Jesus in d« B«gprrdigt Bezug genommen; während die Zeloten politische und religiöse Gegner als Feind« betrachteten und nicht als den Nächsten, hat Jesuauch diese eiugeschlosse» und sich auf den Standtpunkt Hillels, Akiba'» und Ben Asai's gestellt. Die Ansicht Güdemann ist so geistreich, so scharfsinnig, daß man fast an ihr« Richtigkeit zweifeln möchte! Jedenfalls hat « die alte Frage in der anregendsten Weis« behandelt und Helles Licht üb« den Gegenstaad verbreitet. Güdemann girbt am Schluß zu, daß d« Begriff, der Wortsinn von ״Rea" (der Nächste) zweifAhaft sei. Aber « beiout, ״das die Natur und die Geschichte beherrschende Gesetz d« Entwickelung." Zur Handhabung diese-Gesetze» hat die jüdische Religion selbst ihre Lehr« bevollmächtiA, dieselbe galt von jeher als ein ihnen von d« Religion übertragenes Recht, es mußte ihnen gestatt« sein, dm Ausdruck .Rea" in d« jeden Menschen umfaffende» Bedeutung des Wortes zu präcisirea, die ja etymologisch berechtigt ist. Sie haben mit dies« Auslegung nicht «st aus Jesus gewart«, wohl ab« hat dieser die bereit» vorhandene kräftig vertreten. Wir net« Jesus gewiß nicht zu nahe, wenn wir sagen, daß « den denkbar höchsten Standtpunkt, aus den die jüdische Ethik bis zu sein« Zeit gehoben war, eingenommen hat. Dann ab« hat Jesu» nicht» andere» gelehrt, als das Judenthum." Wir sind Güdemann dankbar, daß « da» Gesetz d« Entwickelung auf dem Gebiete d« Religion so mergisch betont s aber es scheint, als wenn gnade bei dem Gebote d« Nächstenliebe die» Zugeständniß nicht unbedingt nöchig wäre; die» Gebot war in dem ersten Kapitel des ersten Buche» Most» enthalten, wenn e» auch dort nicht deullich «leb« wird. Hillel, Akiba und Ben Asai haben nur da» Verdienst, diese latent« Wahrheit de« Schöpfungskapitel» an'» Licht gezogen zu haben. S. B. Gericht» und GrrrespMtzde«)»«. Der»tscdl«»d. Hsertl». Stöcker ist nach der ״Kreuzzeitung" bei seinem Bortrage in B i l l i n g e n amtlich aufgesorde« worden, die Judenfrage unberüh« zu lassen, erstens weil man in Billingen in sehr gutem Einvernehmen mit den Juden lebe. Zweitens könnte e» sonst ״Krakehl" in der Versammlung geben; auch die Sozialdemokraten würden dann nicht ruhig sein. Der letztere Punkt der Begründung wird wohl etwas ander» gelaut« haben. Die ״Krruzzeitung" zieht daran» den Schluß, daß die Juden die Helfershelfer d« Sozialdemokraten sind, und jamm«t.über angeblich von den Juden in d« Stöckerversammluug gebildete Sprenakolonnen. — Wir wissen nicht, in wieweit der Bericht der ״Kreuzzeitung" au' Wahrheit beruht. Da- Blatt scheint aber ganz vergessen zu haben, daß g«ade die Sprengkolonn« ein antisemitischer Spott sind, welcher in d« Zeit, als H«r Stöcker im Zenith seines Ruhmes stand, in Berliner Versammlungen bei jeder Gelegenheit geübt wurde. M«ßtz«»»r§. Bon einem gesch. College» geht uns der folgende sehr beherzigeuswerth« Vorschlag zu: Die Herbstftiettaae mit ihr« lebhaften Bethätigung von religiösem Sinn in unseren jüdischem Gemeind« sind vorüber; die realen und materiell« Jntereff« des Alltagsleben» sichen bereitwird« im Vordergründe. Dem aufmerksam« Beobacht« d« Zeit kann «S nicht entgehen, daß die hoh« Feste de» Tisch« so recht die Zeit der Autsaat für religiöseu Denk«, Fühlen und Handeln sind. Und es scheint naht üderflüffia, d« Frage näh« zu treten, wa» weit« geschehen kann, diese Aussaat, und fei es auch nur an einem Tyeil des GotteSdimstes während dieser ganz«« Festzeit, zu einer noch reicheren zu machen. Da ist der Borabend de» Feste» d« SesetzeSfrrude (Simcha« Thora), welcher sich, wo « es noch nicht, sehr wohl zu eia« für Jung und Alt anregenden Fei« in der Synagoge gestalt« ließe. Bielleicht wird sich noch der eine oder andere der Leser ausd« Tagen d« goldeiOn Kindheit «inner», wie er so gern dort an diesem Abend an den übsichen Umzügen mit den Thoraraslen, ein Fähnlein mit leuchtendem hebräischen Spruch in der Hand thinlnah'm und « gesteht sich'«, wenn anch nur halblaut, eia, daß die hoch gingen bei Groß und Klein. E< sind s«ige Jugenderinnerungen. Wir mögen heut von de« nunmehr gewonuenen höhnen Standtpunkt ästhetischen Empftade,»« darüber lächeln, esfüreinenAnachrouismusertlären, dergleichen etwa zurückbringen zu wollen. Mit d« h«tigen Synagogen- Ordnung in unseren sogenannte» Orgcksyaagozen möchte sich auch die alte, ich möchte sag« kindsich naive. Fei« diese» Abend» nicht vertragen*), wohl ab« ließ« sich auch in solchen für den Abend ein Festgottesdienst in der Weife unserer jetzigen Jugend-GotteSdienst« einrichsen, der die Jug«d und wohl auch die Erwachsenen noch für dies« Abend zu schöner erhebend« Fei« vereinigen könnte. Wo der Jugend-Gottesdienst b«eit» für die Sabbate eiagefühtt ist, ist da» Programm schon durch die bisherige Ueoung gegeben. Und wo er noch nicht da ist, erscheint gerade dies« Abend mit d« so viel mehr als sonst entgegenkommenden rttigiöse» Stimmung um so «»ladender zu solchem Versuche. Und von so größer« Bedeutung wird derselbe für di« Jugend fein, als dieselbe bei den heutig« Schuloerhältaiss« durch den Schulbesuch bei Tag ja fast gänzlich, wenigsten» an vielen Orten, von der gotteSdiensllichen Fei« der Festtage ftrugebalt« wird. T. in JL Offen, 8. Oktober. (Zur Unterstützung-kasfe der israelitischen Lehrer von Rheinland - Westfalen.) ׳ Die in der G«eral»«sammlung der Mitglied« d« Uni«- stützupaskaffe für die israelitisch« Lehr« von Rheinland und Westfalen zu Dortmund bezw. Bielefttd beschloss««» Statuteaveränderungen. sind vom Ministerium der" geistsich« und Unterricht»angelege»h«it« genehmigt worden und vor Kurzem in die Hände de» Vorsitzende«. de» Herrn Hauptlehr«»a.D. Blumeufeld zurückgelangt. Die wichtigste Aenderung betraf die Uaterstütznagsderechtigung (§ 8). Dies« rhalt« demnach: ». Mitglieder, welche da» Sö. LebeuSjahr zurückgelegt und ihre Lehtthätigkeit aufgegeb« haben (also entsprechend dem staatlich« Lehr«p«ston»gesrtz); d. Mitglied«,' tyelche » 0 ( Mchqgelegte« 65. Ledensjahre in Folge von Alt«, Krankheit« od« Gebrech« Vienstunfähig geword« und diese» durch Attest de» KrnSphysiku» nachweis«. Diesem Nachweise ist «ine Bescheinigung der Ort»- behörde beizufHen, daß d« Betreffende s«n Amt niedergelegt hat; o. Wittwm und Waifta solcher Elemmtarlchrrr. welche für chre Person unterstützuagsberechtigt gewesen sein würden; ck. Mitglied«, welche »»»«schuld« dienstlo» ge- Word« sind. Diesttben soll« den »ud b bezeichn««» gleichgerechn« nxrdLu, jedoch die b«reff«de Pension nur für 3 Monate in Anspruch nehmen können, und soll dieser Anspruch von einem und demselben Mitglied« nur zweimal er» hoben w«d« dürft«. Hat das betreffende Mitglied bereits - da» SV. Lebensjahr vollendeh so tritt e» in dre Kategorie d« in diesem § rab b bezeichnet«» Lehrer, hat ab« bi» zu *) Saturn nicht? ES läßt sich recht wohl «l» der Syncuiogen» Ordnung vereinige^ daß -naben — je einige an# jeder -lasse der XeltglonSschnle, die sich durch Fleiß und gutes Betragen besonders anSzeichnen — der Ehre gewürdigt werden, »itFahnen de» Tdota» inujnge zu folgen. ■ ז (*».)

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