Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 42 (15.10.1890)
- Date
- 1890-10-15
- Page
- Seite 318 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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einen Besuch abstattete, erzählt, -atz sie sich sreudig an den Besuch der Kaiserin von Oesterreich erinnert und da« von der Monarchin erhaltene Bils der Kaiserin Elisabeth lat dauernde Erinnerung bewahrt. Frau E»bden körnte nicht genug von der huldvollen Liebenswürdigkeit der kuust» sinnigen Monarchin erzählen, welche fast zwei Stunden bei ihr zum Besuch weilte und den erbetenen Bortrag ihres Sohneüber Heinrich Heine'S Familienleben mit beifälligen Lorten entgegennahm. Außer ihrer Mutter war Frau Embden, die Einzige, mit welcher ihr berühmter Bruder einen intimen, regelmäßigen Briefwechsel unterhielt. Diese Briefe sind wohl die einzigen der Brivat-Eorrespondenz י ne'«, welche bisher nicht veröffentlicht wurden. Ruf die ige des Journalisten, ob noch ungedruckte Manuskripte ne's vorhanden seien, erwiederte die greise Dame, daß nichts mehr existire. .Mein Bruder,' sagte Frau Embden, .hatte bei meiner Mutter ein Paket mit Manuscripten deponier, welchebeim großen Hamburger Brande (1842) verloren ging und mein Versuch mit eignier Lebensgefahr dasselbe zu retten, mißlang leider.' Mit Befriedigung eonstatirte die würdige Dame, daß nach dem Erlöschen des Eampe'schen Monopols eine noch größere Verbreitung der Werke Heines mit weit mehr als 100.000 Exemplaren statt» gefunden habt. .Das sei das schönste Monument für Heine," meint Frau Embden, als schließlich die Rede auf daS noch nicht errichtete Heine-Denkmal kam. Stnltgart, 11: Oktbr. .So ist er also auch bei unS wieder emgezogen, der Demagoge im Talar, der Mann, der noch nie die Unwahrheit gesprochen, der neue Luther: Adolf Stöcker. In der Liednhalle vor einem Parterre von Weibern und Prälaten hat er gestern gegen ein Entree, das ihn vor dem Besuch widerstrebender Elemente sichert^ seinen Bortrgg über ״Sozialdemokratie und Sozialmonarchit"׳ gp> hatten. ES war keine Versammlung jener Art, wie man '4''־ sie sich gewöhnt hat als specifisch .Stöcker'sche' zu bezeichnen, » seitdem der politische Hofpredmer die neue Aera antisemitischer Theatervorstellungen vor 12 Jahren im Berliner .Eiskeller' mit steigendem Erfolg inaugnrirt hatte, eS war-vielmehr eine salbungsvolle akademische Vorlesung, die. ein prätentiöser Doeent einem Publikum vorsetzt, welches sich einbildet, daß eS überhaupt noch jemals irgend etwalernen werde. Das Wort ״Jude' erschien in der! ganzen Bortrag nicht, nur > einmal wurde von Rothschild gesprochen, klein Wunder, daß sich ein großer Theil der Zuhörer enttäuscht fühlte. Beifall gab eS fast gar nicht. Das ist eben der Fluch der . öffentlichen Thätigkeit: wenn man einmal den Ruf eineaggressiven Redners, erworben hat, bei dem es etwazu lachen und vielleicht gar zu hauen giebt, so hat man daS Recht verwirkt, äußerlich sachlich erscheinen zu können, oder man muß sich gefallen lassen, langweil^ gefunden zu werden.' — Also, leitet der hiesige .Beobachter", ein BolkMatt aus Schwaben, seinen Bericht über Stöckers Bortrag ein, er war langweilig. Der kaltgestellte Stern des Berliner DomeS vermag nicht mehr zu leuchten. Landau. In seiner lei Gelegenheit der Einweihung der neuen Synagoge jw Northampton gehaltenen Rede gab Herr Rabbiner Dr. Adler der Gemeinde einen vorkresfllchen Rath. Er empfahl derselben für den Fall, daß einmal kein Minjan sein sollre, die Gebete dennoch laut vor« .zutragen, natürlich mit Ausnahme solcher-Gebete, welche noch dem .Din' nur mit Minjan vorgetragen «erden dürfen, als Aadisch und Schemoneh ESre.*) Diese dürfen nach der Vorschrift nur bei Anwesenheit von 10 männlichen Personen, welche das 13. Lebensjahr zurückgelegt haben, ösftntlich reeistrt werden. Auch die Verlesung aus der Thora darf im Anschluß an die übrigen Gebete laut und öffentlich geschehen. *) Ta« ist wohl ein Srt^um; Schemoneh Cltc kann laut such ohne Minjan voroetraoen »ekhen, nur die stednsch, ara| unterbleiben: ebenso da» Oorchu. Wir Hs den übtigen» ans Ansroaen an« kleinen Atlial- und Landgenieindea gd.»z in demselben Sinnee«lMeden.NReb^ Es wäre wünschen««rth. daß dieser Rath atfemeht . ___ würde, besonders ist den kleinere» Landaemewden. wo des- Gottesdienst au- Mangel an Minjan oft ausgefttzt wird. Nach langem vergeblichen Warten auf Minjan jagt man hier aotto ▼00• durch dir Gebete, um nur so rasch wie möglich, auh der Synagoge zu kommen. Selbstverständlich kann ein solcher Gottestnenst der Erbauung nicht förderlich sein. E» ־ eines solchen. (Es ist hochersreultch, vag Herr Ravd. «r. Adler dwse Anordnung getroffen, welche, obschon über» einstimmend mit den konservativen Anschauungen, dennochfreisinnig in ihrer ganzen Fassung ist.) (Je« Thron.) 0. £t«fttdm. Da« kleine Schweden gehört unstreitig, zu den Ländern in welchen die Juden sich voller poetischer » , Gleichberechtigung erfreuen. Unter einer Bevölkerung von. 4'/, Millionen Seelen, zählt es etwas über 4000 Judeq,. von denen die meisten in Stockholm und Sothenbnrg / wohnen Diese sind zu Sude des vorigen Jahrhunderts alle .-.-.1 ans Polen «ingewandert, und standest wie auch anberswobi» in die jüngste Zeit unter Ansnahmsgesetzen. obschon ihr< polltische Stellung weit brffer war, als die der Glauben«, genossen in den östlichen Länder« H70, gleich dach der parlamentarische» Reform, erhielten sie volle bürgerliche und politisch« Rechte. Heute steht ihnen jede politische Larriäse, offen; der Ober» Poli«icomnassiar in Stockholm, Herr da« Partiln ' .. “ Rnbenson,' und aüilmetckBnftglied,' Herr Frenrel^ Herr, sind Inden. An der Universität zu Upsala studieren. ungefähr 40 und ebenso in Lund und gn der wedizinißh« Faenliät zu Stockholm eine entsprechende LnÄhl Juden. Auf den llmstand. daß der PrpzMg» de^iüdcschen Studirendey. hen, herjüdischen BevölKrunAgrhl Wt übertriffs, wird' hierbei keine Rücksicht genommen. Während ihre« verhältnißmäßig kurzen Aufenthalt« in Schwöen haben sich die Juden mit der Bevölkerung de» Landes völlig assimlürt^ das.Schwedische ist ihre Umgangssprache und sie unterscheiden sich in der Anssprach« desselben nicht von der eingeborenen Bevölkerung; die mersten Juden des Landes kennen auchkeine andere Sprache. In den jüngsten 10—15 Jahren haben sich mehrere polnische Inden augesiedelt, welche ihr^n deutschen Jargon spreche«; jedoch sprechen ihre Kinder^ welche die öffentlichen Schuten besuchen (der Schulbesuch ist in Schweden obligatorisch) das Schwedisch« geläufig. Dia- Beziehungen zwischen-Juden und Ehristen sind höchst be' ’ilhu. •\*י friMgend, obschon veraltete Boruriheile in so wenigen Jahr» zehnten nicht völlig schwinde«. Dessen ungeachtet besteht, uuter Juden und Ehristen leine Animosität, was aber wohl hauptsächlich daher rühct, daß die meisten jüdischen Familie«^ durch Mischheirathen mit der eingeborenen Bevölkerung, ^7 verbunden sind. RnOmmd. -׳ $ lieber die russische Jude «frage ist in letzter Zeit sehr viel geschrieben worden, und an Anläße *1 hierzu hat es wahrlich nutzt gefehlt. Seit langer Zeit wird 0־ in Rußland mit ״interimistischen" gegen die Juden gerichtete« Sondermaßnahmen operirt. Eine der am tiefsten greifenden . ,^ war jedenfalls die ,Verordnung über die Ableistung der Wehrpflicht seitens der Bekenner de» mosaischen Glaubens׳-,, vom Sommer 188«. Sie war von drakonischer Strenge und man versuchte, sie dadurch zu rechtfertigen, daß nahezu 40 Proeent aller wehrpflichtigen Juden sich die Ableistu« . dieser Pflicht auf die eine oder die andere Weise zu ent* ziehen gewußt haben sollen , . . Jene Verordnung, dieu. A. bestimmte, daß dre Ausfertigung von Handelsschemen ,) und Gewerbepatenten an Juden nur unter der Bedingtma der Vorweisung eine» Scheine« über geleistete WchrpstWE bezw. eine« Anmeldescheine« erfolgen batfe, besteht noch njt heute in Kraft, wie so viel« andere .mterimistisckיי׳' "״ msgesammt den Inden in Rußland eine 'sehr «n