Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 42 (15.10.1890)
- Date
- 1890-10-15
- Page
- Seite 316 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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in bcr Johannesßraße. Während b«S IahreS (Bnnen die Juden sämmtliche 9 Synagogen frei besuchen, nicht aber an RoschHaschanah und Jom Kippur. Für diese Tage ist eine Einlaßkarte erforderlich, welche man sich vorher oeschaffen muß. W« aber eine solche erhält, kann von Glück sagen, den« die meisten Sitze haben ihre festen Eigenthümer, so daß nur eine geringe Anzahl Karten diSpombel bleibt, welche aber sehr bald vergriffen sind. Die? ist auch durch, aunicht zu verwundern, denn bei der Annahme, daß von den 8V ÜVO Juden nur 30 000 die Synagoge besuchen, fehlen für diese noch 14000 Sitzplätze. Die neue Synagoge in der Oranienburgerstraße hat 4,600, die alte Synagoge in der Heidereutergasse 1060 und di« übrigen Synagogen haben jede ungefähr 1500 (die Zahl ist wohl zu hoch!) Sitzplätze, Summa 16,160 Plätze für 30,000 Personen, welche sie gern benutzen würden; es fehlen also wenistenS 13,840 Sitzplätze. Ich selbst weiß au- Erfahrung, wie schwierig es ist, in der neuen Synagoge einen Platz zu erhalten. Als meine Schwägerin auS London vor 14 Tagen hier zu Besuch anlangte, wollte ich für sie einen Platz miethen. Ich wendete mich deshalb an den Gemeindesecrctär, von welchem ich aber erfuhr, daß kein einziger Damensitz mehr zu haben sei. Am nächsten Tage fand ich einen solchen in den Zeitungen angezeigt; als ich mich hierauf 8'/, Uhr früh zu dem Inserenten begab, war auch dieser Platz schon vergriffen. Wir dürfen uns nicht wundern, daß bei solchen Schwierig, leiten Vjele diese Mühe sich sparen und überhaupt keine Synagoge besuchen. Es muß hierbei eingeräumt werden, daß die Beseitigung dieses Uebelstandes mit grüßten Schwierig, keiten verbunden ist und daß der Gemenldevorstand schon feit Jahren bemüht ist, ihm abzuhelfen. Derselbe hat für die hohen Festtage 4 geräumige Säle gemiethet, in welchen Privat-Gottesdienst abgehalten wurde. Da aber auch diese nicht auSreichen, so haben mehrere Private sich ein Geschäft daraus gemacht, Säle zu miethen und die Sitze in denselben zu verpachten und einen Gottesdienst arrangirt, bei welchem weder Ordnung, noch Anstand, noch Andacht herrscht und der in keinerlei Weise di« erwünschte Wirkung auf die Besucher zu üben im Stande ist. So wurden wenigstens 20 bis 25 Andachtstätten in Hotels und Concertsälen ringerichtet. Ist es in dieser Beziehung nun auch heute nicht mehr so traurig wie vor 20 Jahren, als der Gottesdienst zum Theil in solchen Räumen abaehaltea wurde, welche bei anderer Gelegenhett keine anständige Person besucht haben würde, so ist es dennoch zu beklagen, daß ein würdiger Gottesdienst auch in diesen Räumen nicht arrangirt werden kann. Ju der Lindenstraße wird gegenwärtig eine neue Synagoae mit 1500—2000 Sitzplätze gebaut. Die jüdische Bevölkerung in Berlin nimmt aber so rasch und in solchem Umfange zu, daß -ganz andere Maßregeln ergriffen werden müssen, wenn nicht viele unserer Glaubensbrüder dem religiösen Jndifferenljßmus unrettbar verfallen sollen. Dennnur in der Beobachtung unserer heiligen Religion und ihrer heilsamen Lehren, nur in der festen Anhänglichkeit an den Glauben und die Sitten unserer Väter kann der Geist des JudenthumS blühen und Früchte ttagen. Nur wenn eine regelmäßige und weihevolle Form der GotteSverehrung allgemein geworden, wird sich da- Wott des Prapheten auder Haphtara zu Rosch Haschanah erfüllen: .Röchest Hoffnuna für Deine Nachkommen', spricht der Ewige ״und Deine Kinder werden in ihre Heimath zurückkehren'. Q. So. Merkt«. Aus Veranlassung des .Centtal- Vereins׳ Jat der Vorstand der jüd. Gemeinde di« i« letzter Zeit in Wegfall gekommen« Uebersicht de- Haushalt» und Pie Zusammenstelmng der Gemeindebeschlüsft, wie solche alljährlich nach 8 79 de- Statut«.zu ersvtzen hat, den Mitgli«ern wieder zugehen lasten. Ans den 7 Gemeindebeichlüffeu stndetwa folgende mittheileu-werth: GewShrmig von Velträgen: f ») Rn den jüdischen Reltgionsvrreln in Shnrlottenbnra sowie an 6 hiesig« Verein«: Adath Jeschurun, Ahabath Reim, «habat Schalom, «'ne Briih und Ohel Itzchal: d) an die üurhospitSler pp. zu llarlsbad, Lolberg, Franzensbad, Mariensad, Sode», Teplip und Warmbrunn: es an den deutsch-israelilischen Gemeindebund; d) an di» historische Kommission für di« beschichte der Juden in Deutschland; «) an de« .Verein zur Verbesserung entlassener Strafgefangenen. Erhöhung de» etatsmätzigen Zuschusses an di« Verwaltung de» .Siechen- Hauses״ behufs Aufnahme von noch 3 Pfleglingen und Vermehrung der Zahl der Hospitanten von 8« auf <0. Ankauf des Grundstücke« Oranienburgerstrahe 31 und de« zu Pank»« («erlinerstrahe Nr. 25) sür Zwecke der Vaisenpstege zu verwendenden ttrziehuugshauses. Annahme der Schenkungen von 150000 Matt zu einer.Nanny und Julius BSHm- Stiftung״ sür hilfsbedürftige aus der Waisenpfieg« entlafsene Mädchen. . SO000Matt zu einer.Llara-Hagelb«rg-Stiftung" für Waisen oder Kinder armer Eltern, . 95000 Mark zu «tner »David Herzog'schen Freilichstistung" sür Studirende der Lehranftdlt für die.Wissenschaft des Judenthum»; inaleichrn der der Allerversorgungsanstalt in Vetrllgen von 52000, 15000, 7000 und 5000 Matt durch Legat« und Schenkung gemachten Zuwendungen. Aus der Uebersicht des .Haushalt»' dürsten die nachfolgenden Zahlen allgemeine- Interesse beanspruchen. D«e Einnahmen und Ausgabe« für da- Jahr 1889 schließen mit einer Summ« von 2,858 WO M. ab. Während der Be» stand ultimo 1888 incl. eine- Bankguthaben- 372 045 betrug, -wird ein solcher für daS Jahr 1890 in Höhe von 974403 M. übernommen. Die durch die direkttn Sttuern eingezogen« Summe beziffert sich auf 633768,25 M- Auder Bermirthung der Synagogenstände und au» dem Ueberschuß aus der Gärtnereiverwaltnng des Friedhofs Schvnhäuser Alle« gingen ein 115034 M. 48 Pf. Die Einnahmen sür Stiftungen an Kapital und Zinsen beliefen sich auf 483018 M. 97 Pfg., gewiß ein gutt» Zeugniß für den Wohlthätigkeitssinn der Geber. — Bo« den Au-ßaben entfall«! auf Gehälter und Pensionen 113466,25 M, für die Knabenschule 58753 M., für die Mädchenschule 36800 M, für andere Unterrichtszwecke 24522 M. Für da» jüdisch« Krankenhaus ist ein Zuschuß von 43835 M. gewährt, der Armen-Kommission 40000, der Waisen-Kom- Mission 36 900 M. zugeführt. Für da» Siechenhaus wurden 21673 M. aufaewendet, für die Alterversorgung-- Anstalt außer den Legaten noch 16350 M. An Mazzoth für Arme 7070 M. Der etat-mäßige Zuschuß für den Gottesdienst in den drei Synagogen belief sich auf 95444 M» wozu ein« Subvention für cultuelle Privatvereine und gottesdienstliche Veranstaltungen in Höhe von »46707 M. tritt. Die Gehälter an 3 Rabbiner. Börbeter, Chordirigenten, Nuntien und Bureaubeamte beliefe» sich auf 98906 M., im nächsten Jahre werden durch Hinzukommen des vierttn Rabbiners die 100 000 überschritten «erden. Werk», 9. Octobcr. Wie der Kaiser selbst -inmitten seiner Reisen auch d« unbedeutendsten Dinge mit be» wundernswerther Schnelligkeit z« erledigen sich bemüht, davon «ag ein Zeugniß da» folgende Enebniß einer hiesigen armen Wittwe ablegea Deren Sohn hatte sich vergebnch bemüht, alr Hautboist bei der Garoe eintrrten zu können. Trotz der besten Empfehlungen seiten» de» Dirigenten wollte ihn doch kein Lommandeur i« Corps haben, weil er Jude ist. So war der tunge Mann schließlich froh, bei «ine« in Vlatz garaisonrrende« Regiment Aufnahme zu finden, mtt welchem er. später nach Metz, gehen mußte. Da kam die arm« Mutter de» Soldatender bereit« sechs Jahre dient, ans die Idee, de« Kaiser zu bitten, den Sohn «ach Berlin z« entlassen. Weshalb derselbe hier nicht dien«, verschwiea sie in ihre« recht und schlecht selbst verfaßte« Gesuch keineswegs, gleichzeitig aber «echt» sie de« ״gnädigste» Her« - Kaiserdaraus ansnvttkstnn» »a». es für sie z» ' 1 '