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Israelitische Wochenschrift · 1890-10-08 · 41 (8.10.1890) · p. Seite 309

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
41 (8.10.1890)
Date
1890-10-08
Page
Seite 309 (sequence 5)
Language
German
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greise Liberale, gegen altbewährte, hochgeachtete und hochgestellte Männer. Man giebt sich der Besorgniß hin, daß die judenfeindlichen Ausbrüche de- GemeinderatheS sich jetzt auch nach dem Stadthause verpflanzen werden. |1l M«gar» 1. Oft. (Orig.-Eorr.) In TemeSvar empfing der Bischof Dezsöffy eine Deputation der CultuS- Semrinde und des iüd. Frauenvereins. Auf eine Ansprache eS Rabbiner Dr. Loewy erwiederte der Prälat: .Der Be» gründe« unserer Kirche hat unsere Religion auf dem Grundsatze gebaut: .Liebe Gott über Alles und Deinen Nächsten wie Dich selbst." Mein erstes Wort als ich hierher kam, war die Versicherung, daß ich den Frieden mit mir gebracht. Damit meine uh den Frieden mit allen andern Confessionen, in dessen Pflege mich kemerlei Rücksicht aus Race, Nationalität und Confession irre Packen kann. Wenn Sie in Verfechtung irgend einer gerechten Bestrebung einen Fürsprecher brauchen werden, versichere ich Sie, daß ich dort nicht fehlen werde". — Seitdem Baron Hirsch für die durch Feuer inTokay Geschädigten so Hochherziges gethan, klingt sein Name mit Hellem Klange durch's ganze Land. H. läßt jetzt die durch Brand beschädigte» jüd. Gemeinden bereisen, um am rechten Platze unterstützend einzugreifen. $r«*Frdd>. Wart» Das Consistorium ist bereits mit der Nachfolge im Directorat des Rabbinerseminars, welche der Tod des Herrn Treuel nothwendig macht, beschäftigt. Man will dasselbe nicht mehr auf eine Person übertragen, das Oekonomat soll vom Direktorat getrennt werden. Unter den Nachfolgern nennt man Oberrabbiner Abraham Cahen, die Rabbiner Lehmann, Weil, Israel, Levi u. Debrä, Rabbiner in Neuillv; die beiden letzten sind Schwiegersöhne Zadoc Kahna und TrenelS. — Die hiesigen Blätter beschäftigen sich fast alle mit den Zuständen der russischen Juden und;e nach dem Parteistandpunkte und dem Ernste ihrer Haltung nehmen sie für oder gegen Rußland Stellung; alle ernste Zeitungen jedoch verurtheilen, abgesehen von ihrer russisch« freundlichen Haltung und der allgemeinen Politik, die rigorosen Maßregeln der russischen Regierung gegen die Juden, die des modernen, auf der Höhe der Zeit stehenden Staats- Wesens unwürdig seien. — Nächstensoll mit der Wiederbesetzung der Oberrabbinate in Paris und Algier vorgegangenxwerden. Für Paris nennt man Levy-Lvon, Lcvy-Bordeaux, Dreifuß- Bruxelles sowie verschiedene Pariser Rabbiner. — Der ehemalige Oberrabbiner von Algier, gegenwärtig in Nancy, wurde zum Komthur des tunesischen Ncschami-Ordens ernannt. Henris Als Pendant zu dem Falle aus Schloß Langenau in Ems, wo der Wirth einem Israeliten den Aufenthalt verweigerte, erzählen die ״Archive-", daß in St. Leonard (Kärnthen) da- Gleiche sich zugrtragen. Ein iSr. Tourist sei in einem Gasthause abgestiegen, am andern Morgen legte der Wirth da- Fremdenbuch vor in welchem «ine Rubrik .Confession" enthalten war. Der Gast füllte alle Rubriken, ausgenommen die die Religion betreffende, aus, in der Meinung, daß hier die Religion absolut nichts zu bedeuten habe. Bald darauf machte der Wirth seinen Gast auf diese Auslassung aufmerksam und dieser erklärte jetzt, Israelit zu sein. Zu seinem Bedauern sah sich der Wirth zur Enlassung des jüdischen Gastes veranlaßt, da die übrigen Gäste dies nicht duldeten und er bedauerte diesen Umstand umsomehr, als er selber kein Antisemit sei. SFari». Anläßlich des Todes des bekannten Schriftstellers Chatkian, der in Verbindung mit Erkmann die «lsässischr Dorfgeschichte und den Dorsroman, ähnlich wie Berthold Auerbach, cultivirtr, erinnern alle hiesigen Journale, daß im .Freund Fritz" der Rabbiner David Sichel sowie die elsässischen Juden ein« so edle menschenfreundliche Rolle den NichtiSraelten gegenüber) spielen, da eS ein Verdienst dieser Schriftsteller gewesen, viele unbegründete Borurtheile gegen die Juden beseitigt zu haben. fcj| Die Einführung deneuen OberrabbineiS fand Mittwoch; den 10. vorigen Monats, statt, welchcr Zadoc Kahn anwohnte der sie mit einer Rede eröffnete. Der Einführung wohnten alle christlichen Autoritäten bei; am selben Tage wurde auch das .Altenhaus", ein zur Aufnabme alter Leute bestimmtes Hospital, seiner Bestimmung üvei:- geben. Dasselbe kam durch Schenkungen und freiwillige Beiträge zu Stande. Depont Dreifuß spendete 40600 Fr., der jetzige Präsident der Gemeinde, Tel s, die gleiche Summe und eine von der Regierung zn diesem Zwecke veranstaltete Lotterie ergab 40000 Fr. (40 000 Loose zu 1 Fr.) — Die gleiche Zeremonie wie in Nancy fand in Epernay statt. Die neue Synagoge wurde unter Assistenz deS Großrabbiners von Frankreich, der Rabbiner von Reim- und Lille sowie zahlreicher Behörden eingeweiht. dCuftifttib. Petersburg Eine Sonderkonferenz zur Lösung der Judenfrage wird, wie die panslavistische ״NowojeWremja" erfährt, demnächst im russischen Ministerium des Innern zusammentreten. Dieselbe soll sich aus Vertretern der höheren Verwaltungsbehörden zusammensetzen; auch sollen die Gouverneure der Provinzen, in welchen die Juden Heimothsrecht besitzen, zu der Konferenz hinzugezogen werden Letztere hat das von der früheren Kommission zur Lösung der Judenfrage unter Vorsitz des Grafen Pahlen ausgearbeitete Projekt zu prüfen und wird pon demselben einzelne Theile übernehmen, andere dagegen auSscheiden. Endlich wird die Konferenz über den Spiritushandel Beschluß fassen, soweit derselbe von Juden unter ougenommenen Firmen-Namen in den südwestlichen Provinzen ausgeübt wird. — Nach Sibirien sollen diejenigen aus Rußland auSgewiesenen Personen verschickt werden, welche ron den benachbarten. Regierungen als nicht zu ihnen gehörig zurückgesandt werden. Die ״Moskauer Zeitung" erklärt, sie habe von unterrichteter Seite die Mittheilung erhalten, t>aß im russischen Ministerium deS Innern ein Gesetz vorbereitet werde, welches die Frage in diesem Sinne regeln soll. Die ursprünglich AuSgewiesenen sollten auf admcni- Wege zur Ansiedelung nach den Provinzen Tomsk und Tobolsk (im westlichen Sibirien) veychickt werden, abgesehen von einer über" dieselben zu verhängenden Gefängnitzstrafe von einem bis zu drei Monaten. — Die Maßregel richtet sich offenbar in erster Reihe gegen die Juden in Rußland, gegen welche, wie es den Anschein hat. die russische Regierung einen förmlichen Vernichtungskrieg zu inszeniren beabsichtigt. Aeterslurg (Orig. Corr.) Ueber dieAuSwande »ing der Juden im Kowner Gouvernement nach Brasilien b:- richtet das Blatt .Sow. gub. wiedom": ״Di« Emigrationsbewegung hat vor cintgtn Monaten begonnen und wächst immer mehr. Die jüdischen Familien, die auswandern, wählen sich einen Führer und melden es dem ״norddeutschen Lloyd" in Bremen. Nach einigen Tagen erhalten die Familien Billet» und Berhaltungsvorschriften für jeden Einzelnen, worauf sie ans einem Schiff von Bremen rach Santofahren können. ES nimmt gewöhnlich die Richtung über Lissabon, wo eS 3 Tage bleibt, um Proviant für die Fahrt auf de« Atlantischen Oeean mitzunehmen und dauert dann die Fahrt ungefähr 3 Wochenbinach Brasilien. Bon Bremen nach Brasilien gehen die Schiffe jeden zweiten Monat ab. Die erste EmigrationSparthie fuhr am IS. Mai, die zweite am 15. Juli u. s. w. ab". — Das Blatt schildert, wie viel« Familien, aus Mangel an Pässen sich über die russischpreußische Grenze auf Schleichwegen durchzuhelfen sucl-en. Vielen gelingt eS — sehr Viele aber werden von den russischen Ärenzsodatea eingesaugen und unter der härtesten Behandlung zurücktran-portirt. Man kann sich das schrecklicht Loos dieser, unglücklichen Familien denken —Ich habe seit einem Jahre in ihrem »verthen Blatte unermüdlich auf irgend eine Orgauisation und auf die Nothweudigkcit eine»

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