Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1890-10-08 · 41 (8.10.1890) · p. Seite 308

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
41 (8.10.1890)
Date
1890-10-08
Page
Seite 308 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6492344-5935074-5956744--0355-5373952
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions (1 not found in this text)

erwiesenen Ehren und brachte ans di« Arbeitaeber und deren Familie» eia Hoch au». ES folgte« noch mehrere Tischreden, in denen die Ltrdienste der technische» Letter und der Fleiß der Arbeiter, sowie di« thätige Unterstützung durch di« coauaerciellea Leiter in Halberftadt gefriert wurden. Die Feier verlief glänzend und bewies jedem Theilnehmer, daß sich hier Arbeitaeber und Arbeitachmer «ins wissen in dem Bewußtsein, daß fleißige Arbeit und Gottvertranen die jede» Stand die beste Grundlage einer gedeihlicheu Ent» Wicklung des Lebens innerhalb der Familie und im weiteren Verkehr sind.* (Sir enipsehlen den antisemitischen Hetzblättern diesen Artikel zum ga»«igtea Abdruck. Red.) Itertln. ES ist interessant, jetzt zu erfahren, daß Stöcker in den achtziger Jahren auS Berlin als Agitator ausgewiesen und selbstverständlich auch auS dem Amt als Hofprediger gestoßen werden sollte. Die konservative ״Post* schreibt darüber: ״Der Wunsch, Herrn Hojpredigrr Stöcker aus seinem Hofamte zu entfernen, ging vom Kaiser Friedrich persön- Uch aus. Dieser war noch Kronprinz und weilte in San Remo, als er bei seinem Vater, dem Kaiser Wilhelm I., Schritte deswegen that. Der Kaiser, an den die Sache direkt gelangte, zeigte sich nicht abgeneigt, auf den Wunsch seines Sohnes einzugehen, der auch durch die An« sicht der Kaiserin unterstützt wurde. Indessen, ehe in der Angelegenheit etwas geschehen konnte, trat der Tod da« zwischen; so kam es, daß erst unter Kaiser Friedrich die Frage dringlich wurde.* Der .Reichsbotc* bleibt nach wie vor dabei, daß es Fürst Bismarck gewesen; der die Ausweisung Stöckers auf Grund des Sozialistengesetzes beantragt habe. Aerkin. Das Comitä für die gemeinsamen Interessen der drei hiesigen Bnei-Bris-Logey hat einen Bericht über die in diesem Jahre erzielten Resultate seiner Arbeiten für sog. Ferienkolonien zur Stärkung schwächlicher jüdischer Kinder unbemittelter Eltern während der Sommermonate veröffentlicht. ES gelang iu diesem Sommer 100 Kindern diese Wohlthat zu Theil werden zu lassen und zwar wurden dem größten Theil (durch Vermittelung de- EantorS Sarasohn iu Stettin) freie Aufnahme in hochherzigen Familien gewährt.*) Das Kuratorium des jüd. Kurhospitals in Kolberg nahm 7 Kinder ohne jegliche, die Behrend-Lehmann-Loge (Halberstadt) drei Knaben gegen eine theilweise Entschädigung in Ballenstedt a. H. auf. Die Einnahmen betrugen in diesem Jahre, (an Gaben von Mitgliedern und Geschenken von Nichtmitgliedern u. s. w. nebst Baarbestand von 1886) M. 2486,75. AuSaegeben wurde (für Reisekosten, Pensionsgeld, Garderobe, Wäsche, Bäder ärztl. Behandlung, Ausflüge und sonstige Unkosten, Drucksachcn, Porti) die Summe von 2338,05. Mit 10 Kindern hatte das Comit« i. I. 1884 sein wohlthätiges Werk begonnen, die Zahl stieg von Jahr zu Jahr, ans 25, 33, 43, 62, 78 und in diesem Jahre konnten 100 des Segens theilhaftig werden. Mögen die Bemühungen de- Comitee's durch wachsende Unterstützung und reg« Theilnähme immer mehr gelohnt werden. *) Dies« Familien denen ganz besonderer Dank gebührt, waren: tkallman und Treitel in VSrwald«, mehrere Milglieder d. jüd. Wem. in Bclgard, Ries» in Berlinche», Herrmanu in Cammin, Schleich, Klopftock, Engel in Deisten, Reumann, Bromberger, Jacob, Fink, Aimtiowicz, Bry, Biltermann, Manass«, Basezymsky, Obercantor Apfelba um, Lissner, Pyritz, Üom.-Rath veibronn, Bibro, Pick, Sem bleckt in Gnesen, Brun, Pincof,, in Gollnow, Jacobsohn, Kropf in Wreisenhagen, Urh, Jacobgohn, Joseph in Labes, PH. Paael, Jul. Lieber» in Mory», Ascher. Meyer in Prrnzlau, Hirschseid, Sperling, Pieck in Pyrttz, Jacoby, Max Heymann iu Swinemünd«, Wolfs, L. M. Mannheim, E. Engel., L. Kar» gauer, A. Mannheim, M. Salomon in Schivelbrin, Rynar» iewsky, A. Meyer, Kuntcki io Lchubi», Rehwald, Dobrin, ronheim in Wangerin, Samter in Wollin, Marcus«, Reulinder, Aron, Pulvermacher in Vrieze», Hirschberg, Ewer in Ueckermiind«. i» Oktober. (Orig^Lorr.) DaS jüd. cheol. St- «innr dichter begeht nächstens wiederum eia Jubelfest. Der a» ihm bestehende ״homiletische Verein", i« Jahre 1875 von einer Anzahl Hörer begründet, die heute hervorragende Stellungen in der theologischen Welt eiaaebmea, feiert am 11. Novemberdas Fest seine» 35jähr,gea Bestehens. Der Verein hat sich die Aufgabe gestellt, seine« Mitgliedern Gelegenheit zur Ausübung praktlscher Kanzelthätigkeit zu geben; allwöchentlich predigt ein Mitglied des Vereins,- jedem Zuhörer steht da- Recht uneinouschräakter Kritik de» Ge» hörten zu. Da auch m dem Lehrplan der Anstalt selbst praktische Predigtübungen ausgenommen stad, so ist alle» Hörern de» Seminar« genügende Gelegenheit zu Kanzel reden geboten. Wie wir hören, soll da» JubAfest durch einen größeren Festakt eingeleitrt werden und in einem Festkommers seinen Abschluß finden. Man hofft auf zahlreiche 8ethelligung auswärtiger ehemaliger Mitglieder. An» Paßen, End« September (Lr.-Cor.). Wenn ich *י mir für diesmal die Aufgabe stellte, über den gegenwärtigen Stand der isr. Gemeinden Baden», speciell der Landgemeinden, zu berichten, so habe ich ein trübe» Bild, zu beschreiben unternommen; denn wahrhaft betrübende Anzeichen des Rückgangs und Verfalles machen sich allerorten bemerkbar. Zuvörderst drängt sich dem Beobachter die Brrriugerung der Anzahl der Gemeindemitglieder und die Ab» nähme des Wohlstandes auf. Hervorgerufen wird dieser Uebelstand zum Theil dadurch, daß die besser gestellten Juden in die Städte ziehen und so nur der mittlere und ärmere Stand zurückbleibt. (Den tieferliegenden Grund jedoch haben wir in dem großen Rückgang de- Viehhandels zu suchen.) Die jungen Leute gehen zum größten Theil als Kaufleute oder Studirende nach auswärts, und nicht der bessere Theil der Jugend bleibt zurück, um sich dem Handel zu widmen. In nicht mehr ferner Zeit werden wir Landgemeinden haben, wie wir sie noch vor mehreren Jahren nicht für möglich gehalten hätten. In engem Zusammenhang« mit diesem materiellen Ruin steht eine gewisse — ich möchte fast sagen — geistige Versumpfung, die da und dort um sich greift. Zwar findnr wir bei der jüngeren Generation nicht mehr den schlichten Glauben der Alten, dafür wird aber der alte Aberglaube an vielen Plätzen wieder vorgesucht und in seine Recht (oder Nichtrechte) wieder eingesetzt. — Folgendes Kuriosum, an und für sich unbedeutend, bat mir zum Denken Anlaß ge- - geben: Bonge Woche sollte bei dem Wochenabschnitt כי־תבוא ein hiesiges Gemeindemitglied zur Thora aufgerufen werden für das Kapitel, welches die für gewisse Vergehen angedrohten lüche enthält, und — und — als der Betreffende zur Hora kommen sollte, floh er, wie von Furien gejagt, aus . der Synagoge nach Hause; der Arme fürchtete, die Flüche möchten alle an ihm haften bleiben. 8. Oktober. (Orig.-Cor.) Auf ׳der Ende September hier abgehaltenen großen lanvwirthschaftlichen AuSstellung für das Großherzogthum Hessen sind folgende AuSstelle! jüd. Glauben» prämnrt worden: 1. PH. Mayfahrt Frankfurt a. M. silberne Medaille für Maschinen und Geräthe, . 2. M. W e i l juD. Frankfurt a. M. Ehrendiplom für deSgl. und für landwirthschaftliche Rohstoffe: 1. Herrmann & Koch Nieder - Ingelheim, silberne Medaille für Düngemittel, 2. B. Märrsohn Frankfurt a. M., silberne Medaille für Futterarnkel, 3. M. Hartmann jun. Frankfurt a. M., Ehrendiplom für dxsgl. FAeflerrelcb-llnnatM. - v. ZS len, 5. Oktober. DaS Ergrbniß der Wahle« iu den niederösterreichischen Landtag ist ein unerfreuliches und ' trauriges. Der ganze Führerstab der antisemitischen Armee zieht in den Landtag em, in sieben Bezirken der Residenz sind Ansisemiten mit sieben Mandaten durchgekommen gegen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.