Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 41 (8.10.1890)
- Date
- 1890-10-08
- Page
- Seite 306 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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daselbst Sünden gegen die Moral, worauf der jüd. Gesetzaeöer Mose» die TcdeSstrafe gesetzt hat. Die» uusauberr Thun und Treiben lernen die Schüler von ihren eigenen Lehrern und Erziehern, die, authentischen Berichten zufolge, öffentlich und »an» g»ne mit ihren Maitreffen Arm in Arm herumspazieren, während sie allgemein als verheirathete Männer bekannt sind. Letzter« nehmen sich aber'ihrerseits da» ruff. Hofleben zum Borbllde, das bekanntlich von Grund auf verdorben ist, und die wenigen modernen sittenlosen Höfe Europa'» an Unmoralität bei Weitem übertrifft. Die schmutzigen Jntriauen, die sich tahrau» jahrein in Petersburg und Moskau absvicke», sind derart abstoßend, daß der gewühnlich« Anstand e» verbietet, sie in einem respektablen englisch«» Blatt« genauer zu beschreiben. E» ist em offene» Gcheimniß, daß gar mancher hoher StaatSbeauiter in Rußland seinen einträglichen und einflußreichen Posten viel eher der Untreue feiner Gattin, als seinen eigenen Fähigkeiten und natürlichen Anlagen zu verdanken hat. ״Wollte man", so schreibt ein moderner ruff. Journalrst, Nekluidoff genannt, ״wollte man hier zu Land« alle diejenigen gerichtlich bestrafen, die Unzucht treiben, so würde man lauter jung« Kinder,zu Richtern einsetzen müssen, da sie wohl die einzigen i« Lande wären, die der Strafe entgehen konnten." Diese abscheulich« Winhschaft ist aber nicht dlo» ein Auswuchs der Gegenwait, sondern sie besteht schon in Rußland seit Jahr und Tag und man kann mit Recht den Spruch Ticero'S darauf an- Wenden: Quaxido enim hoc factum non eat, qaaudo reprehanaam, qtuuado non paraiaaum?14 Für diejenigen Leier, welche die bisherige Schilderung russischer Sitten als übertrieben erachte», mögm folgende paar Stellen aus Briefen, die von Würdenträgern der ruff. Kirche adgefaht wurden, als Beglaubig»»ngSschein dienen. In einem vom ruff. Patriarchen Philarer an den Erzbischof Eyprian gerichteten Schreiben findet sich a. A. folgende Bemerkung: »Biele Russen nehmen sich ihre eigenen Schwester« *» Frauen׳ und andere treiben Unzucht mit ihren eigenen MütN'rn und Töchtern." Li» anderer russischer Pnester, dessen Namen aber nicht angegeben ist, drückt sich fast im selben Sinne auS, mH meint, daß die Russen nicht sittenloser sein können, al» sie bereits in Birflichkeit sind. Er fährt dann fort und schreibt wie folgt: ״Nachdem viele von ihnen einige Tag« 'vrrheirathet waren» trennen sie sich von ihren Frauen, zuwellen auf kurze Zeit, oft aber auf Nimmer» Wiedersehen. An Feiertagen werden sie, in Folge de» übermäßigen Benuffe» von scharfen Getränke», m wild« Thiere «mgewandelt, und selbst au gewöhnlichen Tagen sind sie für eine soziale Organisation ganz unfähig," Sehnlich, aber mehr unter der Blume, spricht sich oer Erzbischof von Cherson und Odessa Über die jetzigen moralischen Zustände in Rußland au». Bei einer feirüichen Gelegenheit drückte er sich im vorig«» Jahre folgendermaßen aus: ״Im großen und ganzen ist der Zustand in Raßlaud traurig. Die Gemüther de» Volke» sind dunkel und trüb«, und kein Zeichen der anbrrchrnden Morgeuröthe ist dabei sichtbar." Die wenigen bisherigen Auszüge au» der »Fortnightly Review" werden wohl genügen, den Lesern, insofern sie « noch nicht wissen, ein« Idee von dem Gittenzustande Nußlaudzu verschaffe«. Demgemäß könnte» wohl unsere ruff. GlaubenSgenosien. ttotz ihrer zugestandenrn sonstige» Fehler, hinsichtlich der Sittenr«nheit ihre« christliche« Landsleuten zum Vorbild dienen. ES ist auch llar, daß die Aus- Wanderung der Juden en nutne au» Rußland, letzterem mehr Schaden al» Nutzen verursachen würde, «nd daß die di« Ausgewanderte« sich zugleich auch gratulire» werde» können, ein Land verlassen zu habe«, da«, obschon <» sich ״heilig" schimpfen läßt, da» grausamste und unmoralischste auf Gotte» Erdboden ist. Harrow, Ende September 18SO. vr. Chotzner. l i־" V ♦ B^Jmia Pctx AuS New-Uork dringt folgende Trauerbotschaft zu un» herüber: Am Donnerstag den 4. Tisch« (18. Sept.) Vormittag» 10'/, Uhr, verschied zu einem besseren Leben Herr Benjamin Franklin Peixotto. Herr Peixotto litt mehrere Monate an einem Halsübel, verbunden mit Rippenfellentzündung, welche Leiden keiner Behandlung weichen wollten und noch andere Organe ,in Mitleidenschaft zogen. In den letzten Tagen erkannte er seine Umgebung nur zeitweilig, so daß man alle Hoffnung auf Genesung auch aufgab. Seine Gattin, «elche zur Herstellung ihrer Gesundheit abwesend war und durch T«egramm an das Krankenlager ihre» Gatten zurückgerusn» wurhe, scheint uach der von ihren sie pflegenden Töchtern ertheilten Antwort nicht im Stande gewesen zu sein, diesem Rufe zu folgen. Bon andern' liebenden Verwandte» um-, geben, genoß er jedoch die sorgsamste Pflege, wodurch sein Scheiden westntlich erleichtert wurde. B. F. Peixotto wurde am 13. November 1834 in der Stadt New-Uon geboren und erreichte mithin ein Alter von ungefähr SS Jahren. Sein Bater war ein in der City sehr renommirter Arzt, welcher seinem Sohne eine sehr sorgfältige Erziehung angedeihen ließ Dieser abersiedelte in seinen frühesten ManneSjahren nach Tleveland, widmet« sich dem Kaufmannsstande und .gleichzeitig der höhere« geistigen Ausbildung. Später betrat er die journalistische Laufbahn, beschäftigte sich mit Politik, nahm Theil an de« öffentlichen jüdffchen Angelegenheiten und legte ein besondere» , Interesse für den Orden B ne B'rith an den Tag. Sr ge- Hütte za dessen hervorragendsten Mitgliedern und wurde 1868 zum Orden-Präsidenten gewählt. Er war ein alaubenStreuer begeisterter JSraelit, und ttat sttt» für Recht, Wahrheit und Freiheit ein. Als man vor einigen Jahren von Berlin au» den Versuch machte, innerhalb des Ordens die Presse zu knebeln, jede freie Meinungsäußerung über den Orden zu unterdrüwen, oder gar unter Anklage zu stellen, da war e» Peixotto, der dattn eine vollständige Verkennung der Orden»- Prinzipien erblickte und der allen Machinationen und -Berleumdungen gegenüber die Freiheit der Meinungsäußerung in Wort und Schrift auf dem OrdenSgebiete als unseräußerliches Gut hochhielt. Damals erscholl von New-Uork ei» mächtige» Halt!-nach Berlin herüber und dem deutscheu Distrikt ward hierdurch die Preßfreiheit gerettet") — Da» jüdische Waisenhaus zu Eleveland verdankt״ ihm ebenfalls seine Entstehung. Seit dem Jahre 1867 enrwiaelte tf in Sau Francisco eine bedeutend« Thätigkeit in der RechtLpraxiS, welche er. aber 1870 aufgab, um im Interesse unserer bedrückten GlaubenSgenosien in Rumänien den ihm vom Präsidenten Grant ״«gebotenen Posten eine» Generalkonsuls in Bukarest zu übernehmen. Auf diesem Posten entfaltete er ei« überaus wirksameThätigkeit imJntereffe der rumänischen Juden. Im Jahre 1877 wurde er zum Loillul in Lion ernannt. Bon hier au» unterhielt er mst der Redaction: de» ״American Hebrew" einen rege«Briefverkehr und lieferte* diesem Blatte manch« wichtige russische Correspondenz über die dottigen beklagenSwerthen Zustände, welche auf andere« Wege die Eensur nicht passttt haben würde. Im Dezember 188S krhtte er nach New-Uork zurück, nahm da» RechtSfach wieder auf und gründete im Juli 1886 die ״Mrnorah" . i .H ,i 1' י ") Es ist sehr Schade, das je»»» herrliche Schriftstück nicht zur Lenutntß aller 8rüder tu Deutschland gelangte, fie würdea late et» Mann sich gegen jede« Schweige- und <»«hetnrhaltungSparagraphen erhebe«, »a« nur in, Interesse der UuSbretUmg de« Orden« «all«, die gegenwärtig in Deutschland tn'S Stacken geratha» ist.' (Sit behalten u»S v»r, auf diesen wichtigen und heikle» Punk« rimnal irtil ein» äsender zurückzulounnen, denn gewiss« Ding« »üssen doch gehet« gehalten werden» Steh.^ ^l״.